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Jetzt fürs Heimkino

Eine schwule Version von "Pretty Woman"

Social-Media-Star Max Emerson versprach seinen Unterstützer*innen einen Film über queere Obdachlose – das Ergebnis "Hooked" ist leider klischeehaft, unrealistisch und enttäuschend.


Jack und Tom kennen das Leben auf der Straße scheinbar genauso wenig wie Hunger, dreckige Klamotten oder Krankheit (Bild: Pro-Fun Media)

Es gibt unzählige Studien dazu, und sie alle zeigen: Queere Jugendliche sind häufiger obdachlos als heterosexuelle Gleichaltrige. Zur Obdachlosigkeit kommen häufig noch Drogenmissbrauch, Kriminalität, Prostitution, Gewalt. Das ist traurige Realität.

Aus diesem Stoff hat Max Emerson – Model, Instagram-Star mit über einer Millionen Abonnenten und Regisseur – einen Film gemacht. Knapp 150.000 US-Dollar sammelte er dafür als Finanzierung über Crowdfunding ein.

Zwei Models in der Notunterkunft

"Hooked" heißt sein Langfilmdebüt als Drehbuchautor und Regisseur. Die Story: Jack (Conor Donnally) ist obdachlos. Zusammen mit seinem Freund Tom (Sean Ormond) lebt er in einer Unterkunft, wo die Teenager, in das schmale Bett eingekuschelt, sowieso nur nachts sind. Tagsüber verdient Jack sein Geld als Callboy. Bis ihn der verheiratete Matt (Jared Sandler) zum Essen ausführt und nach Miami einlädt. Ein neues Leben wartet…

Jack und Tom sind zweifellos ein süßes, vertrautes Paar, die Chemie zwischen ihnen stimmt. Und vor allem Jack ist natürlich besonders schön anzusehen – er lässt auch keine Gelegenheit aus, sein Shirt auszuziehen. Aber mit seinem trainierten Körper, perfekt rasiert und frisiert und mit strahlendem Zahnpastawerbungs-Lächeln, sehen die zwei einfach alles andere aus als obdachlose Teenies in New York. Darüber hinaus ist die einzige queere (und bemerkenswerteste) Figur Raquel, Toms "Mom", die ihm Ratschläge gibt.

Der reiche Gönner und das bessere Leben


Pro-Fun hat "Hooked" mit deutschen Untertiteln auf DVD, als Stream und zum Download veröffentlicht

"Hooked" ist nicht wirklich ein Film über Obdachlosigkeit von queeren Jugendlichen, sondern eher eine schwule Version von "Pretty Woman", die Geschichte eines Callboys, dem von einem reichen Gönner ein besseres Leben versprochen wird.

Grundsätzlich ist das kein Problem. Filmprojekte können sich ändern, Perspektiven verschieben sich, Storys werden umgeschrieben, Rollen gestrichen, Szenen rausgeschnitten. Doch Max Emerson zeigt nur ein Klischee nach dem anderen. Matt (hölzern gespielt von Jares Sandler), verheiratet, Kleinkind, großes Haus, viel Geld, der nicht mit seiner Homosexualität klarkommt, und immer wieder "diesen Druck" spürt, und darüber auch mit einem Pastor sprechen muss. Der dann nachts im Bett, während seine Frau neben ihm liegt, den Flug nach Miami für Jack bucht, und sich dann doch an sie rankuschelt.

Wenige starke Szenen, viel Kopfschütteln

Matt, Jack und Tom sind insgesamt wenig ausgearbeitete Charaktere, dazu kommt ein unangebrachter und zweifelhafter Humor, der an der Realität von Sexworker*innen und Vergewaltigungsopfern nicht nur vorbeigeht, sondern sie teilweise auch verhöhnt. Sex, Crime, Koks, Sixpacks und schlechte Lacher – im Fall von "Hooked" geht das Rezept nicht auf.

Außer ein paar weniger schöner und mit Gespür montierter Szenen und Details – zum Beispiel das Fotoshooting von Tom und Raquel – bleibt wenig, über das man nicht wahlweise den Kopf schütteln oder unfreiwillig lachen muss. Der Film baut kaum Dynamik, Spannung oder Empathie auf, und am Ende wird – wie durch einen Deus ex machina – noch schnell eine halb motivierte Lösung herbeigeflogen.

Das ist schade, und das ist enttäuschend, gerade für so ein Thema. Dass es besser, vielfältiger, rührender geht, ohne auf ein Happy-End verzichten zu müssen, hat zuletzt beispielsweise "Saturday Church" bewiesen. Bleibt zu hoffen, dass Max Emerson seine Reichweite nach wie vor für junge queere Obdachlose nutzt, ohne dafür zur Kamera zu greifen.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Hooked. Romantik-Drama. USA 2017. Regie: Max Emerson. Darsteller: Conor Donnally, Sean Ormond, Terrance Murphy, Jared Sandler, Katie McClellan, Laura Austin, Steve Hayes, Connie Flemming. Laufzeit: 92 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. Pro-Fun Media
Galerie:
Hooked
10 Bilder


#1 TechnikerAnonym
  • 01.07.2019, 18:17h
  • Wie 'Pretty Woman' eben!

    "Social-Media-Star Max Emerson versprach seinen Unterstützer*innen einen Film über queere Obdachlose das Ergebnis "Hooked" ist leider klischeehaft, unrealistisch und enttäuschend."

    All das ist 'Pretty Woman' doch auch - bei vielen Frauen ist der Streifen dennoch mindestens so beliebt wie 'Dirty Dancing'...
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