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US-Studie

HIV vollständig aus dem Erbgut lebender Mäuse entfernt

Ein HIV-Heilmittel steht auf der Wunschliste vieler Forscher, Ärzte und Patienten ganz oben. Jetzt ist es gelungen, das Virus aus dem Genom lebender Tiere zu entfernen. Ein wichtiger Schritt, aber der Weg zur möglichen Anwendung beim Menschen ist noch lang.


Forscher melden einen Durchbruch bei der Behandlung von HIV – bislang wirkt er allerdings nur bei Mäusen (Bild: Yu-Chan Chen / flickr)

US-Forscher haben den Aids-Erreger HIV aus dem Erbgut lebender Tiere entfernt. Gelungen sei das mit einer Kombination moderner Medikamente und der Genschere CRISPR/Cas9, berichten sie im Fachjournal "Nature Communications". Bei fünf von 13 behandelten Mäusen war das Virus demnach bis zu fünf Wochen nach der Behandlung nicht mehr nachweisbar. Mit der Therapie wurden somit auch jene Viren erreicht, die inaktiv im Erbgut der Körperzellen ruhen – die bisher beim Menschen eingesetzten Mittel schaffen das nicht.

Lange galt eine HIV-Infektion als Todesurteil. Inzwischen lässt sich der Aids-Erreger mit antiretroviralen Medikamenten gut in Schach halten. Studien haben zudem belegt, dass HIV unter wirksamer Therapie nicht ansteckend ist (queer.de berichtete). Die Mittel müssen allerdings lebenslang genommen werden und können gerade bei langer Einnahmedauer Nebenwirkungen haben.

Eine Heilung ist bisher nicht möglich. Die Behandlung kann die Erregerlast bei Patienten zwar unter die Nachweisgrenze senken. Allerdings erreichen die Mittel nicht jene Viren, die inaktiv in Zellen des Körpers ruhen. Solche Reservoire gibt es in verschiedenen Organen, etwa im Darm oder im Gehirn. Setzen Patienten ihre Arzneien ab, breitet sich das Virus wieder aus. Ziel von Forschern ist es, diese Reservoire mit neuen Verfahren anzugreifen.

Die Forscher um Kamel Khalili von der Temple University in Pennsylvania und Howard Gendelman von der University of Nebraska kombinierten hatten zwei Ansätze kombiniert. Zum einen erhielten die Mäuse ein Mittel, das die Aktivität der HI-Viren für mehrere Tage verminderte – "Laser ART" genannt. Ergänzend wurden mit der Genschere das Virenerbgut aus der DNA befallener Zellen geschnitten.

"Wichtiger Schritt hin zur Entwicklung von Heilmittel"

Bei wiederholter Behandlung sank das Viruslevel bei etwa einem Drittel der Tiere auf ein nicht mehr nachweisbares Niveau. In Mäusen, die jeweils mit nur einer der Methoden behandelt wurden, blieb das Virus hingegen weiter vorhanden. "Diese Studie markiert einen wichtigen Schritt hin zur Entwicklung eines möglichen Heilmittels für die HIV-Infektion beim Menschen", hieß es von der Temple University.

Die Ergebnisse der Kombi-Therapie seien vielversprechend, es brauche allerdings noch weitere Forschung. "Wir haben jetzt einen klaren Pfad zu Versuchen an Affen und möglicherweise klinischen Studien bei Menschen binnen eines Jahres", so Khalili.

Es handle sich um eine "sehr wichtige Studie", sagte Ruth Brack-Werner, Virologin am Helmholtz-Zentrum in München, die nicht an der Studie beteiligt war. Im Hinblick auf die Entwicklung eines Heilmittels für Menschen mahnte sie zur Geduld. "Es ist ein Schritt, aber wir sind noch lange nicht da." Die Zahl der untersuchten Mäuse sei sehr gering. Zunächst müsse die Effizienz des Ansatzes verbessert werden, anschließend seien Tests an weiteren Tierarten nötig. "Indirekt ist es ein Hoffnungsschimmer, direkt anwendbar am Menschen ist es aber noch nicht, da muss noch viel Entwicklungsarbeit geleistet werden."

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin leben rund 86.000 Menschen in Deutschland mit dem HI-Virus. Zunehmend genutzt wird die Möglichkeit, sich als gesunder Mensch mit Medikamenten vor einer HIV-Infektion zu schützen. Vor allem schwule Männer verwenden die HIV-Prophylaxe PrEP. Experten hoffen darauf, dass sich dadurch die Zahl der Neuansteckungen deutlich vermindert. (dpa)



#1 FinnAnonym
  • 03.07.2019, 08:35h
  • Jeder noch so kleine Fortschritt ist wertvoll. Selbst wenn sich das als Sackgasse erweisen sollte, könnte man schon mal einen Weg ausschließen, wie es nicht funktioniert.

    Aber das Ziel, was niemals aufgegeben werden darf, muss die vollständige Heilung sein.

    Und es muss auch generell mehr Geld in die medizinische Forschung fließen, auch gegen andere Geißeln der Menschheit wie Krebs, Alzheimer, Parkinson, Hepatitis, etc. etc. etc.
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#2 Still_Ith
  • 03.07.2019, 20:21h
  • Original-Artikel wurde offenbar gestern veröffentlicht und ist hier frei zugänglich und als pdf herunterladbar, so zum Nachlesen:
    www.nature.com/articles/s41467-019-10366-y

    (momentan zumindest, weiß nicht, ob das evtl. eine zeitlich begrenzte Freigabe ist, gibt's auch manchmal).

    Als kleine Orientierungshilfe für Interessierte: Relevanteste Abbildungen dürften Fig. 2 und 7 sein, jeweils a) und d).

    Streng genommen kann man nicht von 5/13= ca. ein Drittel sprechen, sondern es gab zwei Ansätze mit verschiedenen Zeitverläufen:

    - Beim ersten LASER-ART von Woche 2-6; danach Reduzierung der Behandlung und CRISPR-Cas9-Applikation beim Zeitpunkt von 9 Wochen. Von den 7 Tieren zeigten da 2 keinen Rebound (Fig. 2, mit dem roten Rahmen relativ leicht zu sehen). Fig. 5 bestätigt für diese beiden Tiere, dass auch keine HIV-DNA und -RNA in verschiedenen Organen mehr gefunden werden konnte

    - Laut Fig. 7 wurde der Zeitverlauf beim Wiederholungsexperiment etwas verändert: LASER-ART wieder von W 2-6, dann aber CRISPR-Cas9-Behandlung direkt in Woche 6. Bei dem Ansatz blieb bei 3/6 Mäusen bis zum Beobachtungsende in W15 das Plasma virusfrei. Anzumerken ist dabei, dass auf DNA-Level (d) bei einer davon in Gewebe noch Virus-DNA detektiert werden konnte (sowie bei den 3 Mäusen, bei denen auch im Plasma in der Folge wieder Virus nachgewiesen wurde).

    Berücksichtigen muss man natürlich: Sind halt humanisierte Mäuse, und Editieren von Genen ist bei nem Organismus, der ab Behandlungsbeginn nur noch 4 Monate zu leben hat, von den Risiken her eine etwas andere Nummer als beim Menschen. Als Proof-of-Concept, also als Nachweis dafür, dass das mit dem vollständigen Eliminieren funktionieren KANN, ist's aber natürlich ein wertvoller Hinweis.

    Und ich hätt jetzt gern nen Keks fürs Auseinanderdröseln von 10+ Seiten Fachliteratur :p
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