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Tennis

Wimbledon: Erstmals gleichgeschlechtliches Paar im Doppel

Premiere in Wimbledon: Mit Alison Van Uytvanck and Greet Minnen versucht ein lesbisches Liebespaar, im Doppelwettbewerb die Gegnerinnen vom Platz zu fegen.


Alison Van Uytvanck (li.) und Greet Minnen bei einem Tennisturnier in Belgien 2018

Die Belgierinnen Alison Van Uytvanck und Greet Minnen sind das erste offen gleichgeschlechtliche Paar, das im Doppel am altehrwürdigen Tennisturnier im Londoner Stadtteil Wimbledon teilnimmt. Die beiden Frauen konnten sich am Mittwoch in der ersten Runde mit 7:5 und 6:2 gegen die Britinnen Freya Christie und Katie Swan durchsetzen. Am Freitag müssen sie sich den Taiwanerinnen Latisha Chan und Chan Hao-ching stellen.

Van Uytvanck erklärte im "Guardian", sie hoffe, dass noch mehr Tennisprofis ihrem Vorbild folgten und sich outeten. "Ich denke, dann hätten die Leute mehr Selbstbewusstsein." Besonders unter Männern sei dies aber schwierig, so die 25-jährige Weltranglisten-58., die seit 2009 bereits 1,6 Millionen Dollar an Preisgeldern eingesammelt hat. "Es mag zwar ein paar schwule Männer geben, die hier spielen. Für mich wäre es persönlich als Mann schwieriger, weil es diese ganzen Klischees gibt." Bislang hat sich noch nie ein männlicher Tennisprofis während seiner aktiven Laufbahn als schwul geoutet.

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Minnen: Positive Erfahrungen mit Sponsoren

Minnen, die in der Weltrangliste derzeit um Platz 200 herum rangiert, ergänzte, dass Männer aus Angst vor dem Verlust von Sponsoren kein Coming-out wagen würden. Für sie selbst sei die Reaktion ihrer Sponsoren aber "eher positiv als negativ" gewesen, so die 21-Jährige.

Van Uytvanck und Minnen hatten bereits im vergangenen Jahr in ihrem Heimatland offen über ihre Beziehung gesprochen. "Wir gehen mit unserer Beziehung sehr offen um und meine Eltern sind auch stolz darauf", sagte Van Uytvanck gegenüber dem belgischen Sender VRT. "Niemand muss uns verurteilen, weil wir lesbisch sind. Es ist keine Krankheit." Sie sei froh, kein Versteckspiel in der Öffentlichkeit mehr führen zu müssen.

Für das Paar ist das Doppel in Wimbledon die letzte Chance, da Van Uytvanck im Einzelturnier bereits ausgeschieden ist: Sie unterlag am Donnerstag der australischen Weltranglisten-Ersten Ashleigh Barty deutlich mit 1:6 und 3:6. Minnen war bereits zuvor in der Qualifikation gescheitert. (dk)

 Update  Klare Nierlage gegen Taiwanerinnen

Latisha Chan und Chan Hao-ching ließen Van Uytvanck und Minnen am Freitag in der zweiten Runde keine Chance: Die Taiwanerinnen gewannen mit 6:2 und 6:1 deutlich.



#1 AnaNymAnonym
  • 04.07.2019, 16:56h
  • Hm,
    warum ist der meiste Sport so problematisch für LSBTIQ+ sich zu outen?
    Sie sagen immer es wäre eine riesengroße Erleichterung, outen müsste sich also positiv auf die Leistungsfähigkeit auswirken, Leistungsdruck müssten Sportler*innen ja genügend ausgesetzt sein.
    Auf jeden Fall : Vielen Dank den beiden für's Outen.
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#2 Wyndakyr
  • 05.07.2019, 11:50h
  • Warum dieser verklemmte Titel und nicht "lesbisches Paar" ?
    Frauen-Doppel werden In Wimbledon laut Wikipedia seit 1913 (genauso wie Mixed; in dieses Jahr hätte dieser Titel also gepasst) ausgetragen (im Gegensatz zu Männer-Doppel (seit 1884).
    Dann wünsch ich den beiden mal viel Erfolg.
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#3 AmurPrideProfil
  • 06.07.2019, 16:12hKöln
  • Bis vor zwei Jahren habe ich Tennis professionell als Leistungsport betrieben und kann's aus eigener Anschauung heraus nur bestätigen:
    Homophobie im Tennis? - Aber hallo!!!

    Als ich mich 2015 (ich war gerade 15 geworden) in der Schule outete, war mir natürlich auch klar, das sich dies dann, über kurz oder lang, auch bis in meinen Tennisverein rumsprechen würde. Ihr wisst schon, so nach dem Motto: "Der Kollege eines Schwagers hat's neulich.." gehört.. (Richtig, von den Ärzten geklaut^^). Und da ich nicht alles der Gerüchteküche überlassen wollte, hab' ich's lieber selber gemacht.

    Anfangs war ich echt überrascht! Im Tennisverein erschien es mir, etwa im Vergleich zu meinen coming outs bei meinen Freunden oder in der Schule, viel, viel easier zu verlaufen! Anfangs, wohl gesagt!

    Aber relativ schnell bemerkte ich diverse Veränderungen:
    #Mitglieder der Trainingsgruppe, die nach dem Training auf einmal nie mehr Zeit hatten noch gemeinsam etwas zu trinken...
    #Die mitten in der Saison die Trainingsgruppe wechseln "mussten", weil's plötzlich terminlich nicht mehr bei ihnen passt...
    #Eltern, mit denen man sich vorher den Fahrservice zum Training, Turnieren oder Mannschaftsspielen geteilt haben, schaffen es aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen nicht mehr mich mitzunehmen...
    #Spieler, die plötzlich nicht mehr nach dem Sport duschen... zumindest nicht so lange, wie ich in der Umkleide war... oder wieder gingen, wenn sie mich darin entdecken, um abzuwarten, bis ich die Umkleide verlassen hatte...
    #Beim Mannschaftstraining versuchen bestimmte Spieler auf einmal nach Möglichkeit nicht mehr mit mir in einer Trainingsgruppe zu sein...

    Bei einer meiner Herren-Mannschaften, für die ich spielen sollte, gab es dann sogar auch aktives Mobbing der Art des "Mithörens". Ihr kennt das bestimmt auch: Es wird gerade so laut gesprochen, das man es mithören muss:
    "Voll peinlich, der Typ!"
    "Der spielt ja wie ein Mädchen! Aber was will man von so einem schon erwarten?"
    "Wer will denn mit so was schon in einer Mannschaft sein!"
    "Wenn ich mit dem Doppel spielen muss, bin ich verletzt!"

    Homophobie im Tennisverein habe ich also als nicht so direkt und offensiv von Angesicht zu Angesicht erlebt, so wie etwa mein Freund in seinem Fußballverein. Der wusste direkt von Anfang an, wo er dran war! Und nach drei...vier Trainingseinheiten war das Thema dann - Gott sei Dank - bei ihm auch durch!

    Ich hingegen habe Homophobie im Tennisverein als subtiler, hinterhältiger, versteckter und vor allem als extrem langlebig erlebt.

    Obwohl ich viel auf Turnieren in ganz Deutschland unterwegs war, habe ich, sowohl vor als auch nach meinem coming out, in der ganzen Zeit keinen einzigen anderen schwulen jugendlichen Tennisspieler kennengelernt.
    Auch keinen einzigen schwulen Tennistrainer.
    Oder einen schwules Vorstandsmitglied.
    Und bis heute kenne ich auch keinen offen schulen Profi-Tennisspieler!

    Ursachen hierfür, außer den ganz "normalen" Ängsten wie bei jedem coming out, vermute ich zum einem sicherlich in der Tatsache, das man zur persönlichen Weiterentwicklung als Spieler sowohl auf leistungsstarke Mittrainierende, spielklassenadäquate Mannschaften so wie auf kompetente und engagierte Trainer angewiesen ist.
    Sollten sich diese als homophob erweisen, hat man i.d.R. zumindest ein ernsthaftes organisatorisches Problem, welches die eigene Entwicklung nachhaltig negativ beeinträchtigen könnte.
    Und wenn man es dann geschafft hat und ist endlich Jungprofi, dann scheinen zumindest bei den Männern mit absoluter Sicherheit auch finanzielle Erwägungen (Spieler- und Werbeverträge) eine gewichtige Rolle zu spielen.
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#5 daVinci6667
  • 06.07.2019, 17:14h
  • Antwort auf #3 von AmurPride
  • Danke sehr lieber AmurPride für diese eindrücklichen Einblicke.

    Leider, leider überrascht mich das nicht. Es bleibt noch unendlich viel zu tun damit es nachfolgende Jugendliche endlich einmal besser haben. Homophobe Sprüche sollten in Schule und Sport genauso sanktioniert werden wie es bei rassistischen Sprüchen heute zum Glück mehrheitlich gemacht wird. Du hast genau das einzig richtige getan und bist dir und deinem Selbst treu geblieben. Danke, danke, schwule Sportler wie Du sollten anderen ein Vorbild sein.

    Gruss DaVinci6667
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#6 KeksAnonym
#7 AmurPrideProfil
  • 08.07.2019, 13:45hKöln
  • Antwort auf #4 von Loren
  • Lieber Loren,

    herzlichen Dank für Deinen link zu einem für mich sehr interessant beginnenden Artikel. Ich war sehr überrascht und auch erfreut zu erfahren, das es wohl, wenn ich's richtig übersetzt habe, in der Historie des männlichen Tennissport zwei Personen gegeben hat, von denen heute bekannt ist, das sie schwul waren:
    Den Deutschen Gottfried von Cramm und den US-Amerikaner Bill Tilden.
    Leider konnte ich bei dem pay-to-read Artikel an dieser Stelle nicht mehr weiterlesen, aber wofür gibt's denn Wikipedia? :-)

    Wie ich dort erfahren konnte, haben beide nicht offen schwul gelebt.

    Gottfried von Cramm war mehrmals in seinem Leben verheiratet und wurde Im April 1937 wegen Vergehen nach dem § 175 RStGB von der Gestapo verhört. Ein Strichjunge denunzierte ihn und unterstellt von Cramm 1931 bzw. 1932 eine homosexuelle Affäre mit einem ehemaligen Kinderdarsteller gehabt zu haben.
    >>Am 5. März 1938 wurde Cramm festgenommen, angeklagt und später verurteilt. Die gegen Cramm verhängte Freiheitsstrafe wurde nach sieben Monaten zur Bewährung ausgesetzt, nachdem Cramms Mutter bei Hermann Göring vorstellig geworden war und erfolgreich hatte intervenieren können. Göring war Vereinskamerad Cramms im traditionsreichen Tennisclub LTTC Rot-Weiß Berlin.<< [Wikipedia]

    Bei Bill Tilden war es wohl so, das seine Homosexualität zumindest in Tenniskreisen ein offenes Geheimnis war. In den Jahren 1946 und 1949 wurde Tilden zu Gefängnisstrafen wegen homosexueller Belästigung Jugendlicher verurteilt. Gesellschaftlich geächtet, wurde er nicht mehr zu Showturnieren eingeladen und konnte auch nicht mehr als Trainer arbeiten. Bill Tilden starb verarmt in Los Angeles im Alter von 60 Jahren.

    Beides wohl leider, alles im allem, eher abschreckende Beispiele für junge schwule Tennisspieler sich zu outen, oder?
    Interessant in diesem Zusammenhang finde ich aber auch, das auch heute, wenn ihre Namen genannt werden, niemals ihre Homosexualität erwähnt wird. Weder vom DTB (Deutschen Tennis Bund), der sich gerne mit v. Cramms Verdiensten schmückt, noch von TV-Kommentatoren, wenn sie Tildens Erfolge oder immer noch gültigen Rekorde aus den Statistiken der Vergangenheit bemühen.

    Aber trotzdem schön für mich zu erfahren, das es sie gegeben hat und das sie schwul waren.
    Also nochmals vielen lieben Danke für Deinen link! <3
  • Antworten » | Direktlink »
#8 AmurPrideProfil
  • 08.07.2019, 14:21hKöln
  • Antwort auf #5 von daVinci6667
  • Lieber daVinci,
    vielen lieben Dank für Deinen Kommentar zu meinem post! :-)

    Allerdings möchte ich die Gelegenheit nutzen um eine Sache aus meiner Sicht richtig zu stellen.

    ""..Danke, danke, schwule Sportler wie Du sollten anderen ein Vorbild sein..""

    Ich muss gestehen, das ich, als ich mich in meinem Tennisverein outete, keinen einzigen Augenblick an so etwas uneigennütziges und altruistisches wie "Vorbild sein!" gedacht habe!

    Ich tat dies aus zwei ganz egoistischen Gründen:
    1) Ich war damals (und bin bis heute) unsterblich in meinen Freund verliebt und wollte einfach das haben, was alle anderen Verliebte in meinem Alter, die heterosexuell sind, auch haben!
    2) Durch meine bis dahin gesammelten Erfahrungen erahnte/spürte ich damals schon, das wahrscheinlich meine einzige Chance auf ein glückliches und gleichzeitig schwules Leben darin bestehen würde, authentisch zu sein. Meine Liebe dabei zu verbergen/verstecken, passte, nach meiner Auffassung, gar nicht dazu.

    Und bis heute versuche ich für niemanden Vorbild zu sein! Ich versuche einfach nur ich selbst zu sein. Mein ehrenamtliches Engagement bei der AIDShilfe, SCHLAU.de und beim ANYWAY mache ich NICHT, weil ich ein Vorbild sein will, sondern weil ich die Arbeit, die in diesen Organisationen geleistet wird, als echt notwendig und hilfreich für unsere Community empfinde.
    Wenn dann irgendjemand zu sich sagt: "Hey, was dieser honk Amur hinkriegt, schaffe ich ja wohl auch!", dann soll's mir nur Recht sein!^^
    ABER es bleibt seine Entscheidung, mich zum Vorbild zu nehmen! Ich will für niemanden ein Vorbild sein, denn bei meinen ganzen Fehlern bin ich, wie ich finde, meilenweit davon entfernt auch nur ansatzweise eins zu sein! :-)
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#9 LorenProfil
  • 08.07.2019, 16:45hGreifswald
  • Antwort auf #7 von AmurPride
  • Sorry, ich habe den link gesetzt, als der Artikel noch ganz zu lesen war. Leider habe ich den Inhalt nicht so abgespeichert, dass ich ihn dir jetzt referieren könnte. Da wurde von Aktiven über locker room-Erfahrungen in den Männer-Umkleidekabinen berichtet und über eher indirekt schwulenfeindliches Verhalten und auch Zitate gebracht, die ich leider nicht mehr erinnere. Kann sein, dass der Artikel nach einiger Zeit wieder kostenfrei zugänglich ist. Ich habe beim Anbieter auch kein Abo.

    Aber hier habe ich noch was gefunden, auf das sich der Artikel auch bezog:

    www.theguardian.com/sport/2019/jun/16/kevin-anderson-intervi
    ew


    www.bbc.com/sport/tennis/45401264
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#10 AmurPrideProfil
  • 09.07.2019, 14:11hKöln
  • Antwort auf #9 von Loren
  • Lieber Loren,
    vielen herzlichen Dank für Deine beiden zusätzlichen links, ich habe sie mit großen Interesse gelesen.

    Brian Vahaly beschreibt ja sehr anschaulich seine sozialen und finanziellen Ängste, die ihn davon abhielten, sich während seiner aktiven Kariere zu outen. Und angesichts der destruktiven Reaktionen, die er 2017, also selbst 10 Jahre nach Ende seiner aktiven Kariere, auf sein coming out erhielt, scheinen seine damaligen Befürchtungen ja mehr als nur zu bestätigen.

    Beide, sowohl Kevin Anderson als auch Brian Vahaly, haben vermutlich Recht mit ihrer Vermutung, das ein erster "Eisbrecher", dessen coming out positiv verlaufen würde, weiteren schwulen Tennisprofis für ihr eigenes coming out Mut machen würde. Andere Sportarten scheinen diesen Effekt ja zu belegen.

    Allerdings glaube ich, ehrlich gesagt, nicht so Recht an einen solchen schwulen "Eisbrecher" im Herrentennis.
    Es sei denn, es wäre ähnlich wie Billie Jean King und Martina Navratilova seinerzeit. Also eine Person, die aufgrund seiner bereits erzielten sportlichen Erfolge eine Stellung im Herrentennis erreicht hätte, aus der er nicht mehr so einfach wegzudenken wäre. Also so jemand wie Roger Federer oder Rafael Nadal z.B.

    Ich glaube viel eher daran, das es jemand sein wird wie ich, jemand, der sich schon zu Jugendzeiten auch im Tennis geoutet hat. Und dem dann, trotz aller zusätzlich damit verbundenen Schwierigkeiten, der Durchbruch in die Weltspitze gelingt.

    Mal sehen, was die Zukunft so bringt. :-)
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