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Fremdsein im eigenen Land

Rap gegen Rechts

Das Wiener Rap-Duo EsRAP hat mit "Tschuschistan" sein Debütalbum veröffentlicht.


Die Geschwister Enes und Esra Özmen sind EsRAP (Bild: Daniel Shaked)

  • 7. Juli 2019, 08:37h, noch kein Kommentar

Aufgewachsen im alten Wiener Arbeiterbezirk Ottakring haben die Geschwister Esra und Enes Özmen im Hip Hop das perfekte Medium gefunden, um Gehör zu finden und der eigenen Lebenswelt mit all ihren Konflikten Anerkennung zu verschaffen. Gemeinsam bilden die beiden das Duo EsRAP und beschäftigen sich in ihren gemischt deutsch-türkischen Texten mit Fragen der Identität, dem Fremdsein im eigenen Land als Kinder der dritten Generation, die am eigenen Leib erfahrene Notwendigkeit des Aufbegehrens, Rap als Widerstand und auch dem Frausein in der männerdominierten Hip-Hop-Welt.

Im Gegensatz zur üblichen Rollenaufteilung in dieser steuert Esra die harten und schnellen Reime bei, während ihr Bruder Enes mit seiner feinfühligen Stimme die melodischeren Vokalparts übernimmt. Musikalisch finden EsRAP Inspiration im türkisch- orientalischen Genre Arabeske, das sie gerne mit modernen Beats verbinden. Nach mehreren Mixtapes und vielen auf digitalen Kanälen veröffentlichten Tracks ist hetzt ihr Debütalbum "Tschuschistan" erschienen.

Auf nach Tschuschistan!


Das Debütalbum "Tschuschistan" von EsRAP ist am 28. Juni 2019 erschienen

Wien Ottakring, Frühjahr 2019. Seit anderthalb Jahren steht Österreich im Bann einer Regierung, die es sich offenbar zum Ziel gemacht hat, die Gesellschaft zu spalten um ungestört Sozialabbau betreiben zu können. Doch jeden Donnerstag stehen tausende Menschen auf der Straße um dagegen zu protestieren. Mittendrin sind EsRAP. Die beiden Geschwister Enes und Esra Özmen sind als Enkel der Gastarbeiter noch immer fremd im eigenen Land. Doch auch in der Türkei, der alten Heimat der Großeltern, sind sie nicht zu Hause, sondern werden bei Besuchen als Touristen wahrgenommen. Was bleibt ihnen also anders übrig, als sich auf nach Tschuschistan zu machen, auf in die utopische Heimat für all jene, die keine haben und sich nirgends zu Hause fühlen.

Mit "Tschuschistan" liegt nach mehreren Mixtapes und digitalen Veröffentlichungen in den letzten Jahren nun das Debütalbum von EsRAP vor. Neben dem Klassiker "Der Tschusch ist da" enthält es durchwegs neue Nummern des Wiener Duos. Produziert wurde das Album zum Großteil von Freshmaker, einem der aktuell international gefragtesten heimischen Produzenten. Beats kommen weiters von Testa (Duzz Down San) und Uwe Felchle. Als Gäste haben sich der langjährige EsRAP Begleiter Kid Pex und die schräge Balkan-Metal-Band Gasmac Gilmore eingefunden, deren wilder Sound sich gut mit den Raps und Gesangslinien von EsRAP verträgt.

Direktlink | Offizielles Video zu "Tschuschistan" von EsRap

EsRAP haben sich für dieses Album lange Zeit genommen, um ihre stilistische Bandbreite zu erweitern und die richtige Mischung zwischen traditioneller arabesker Musik und modernen Hip Hop Sounds zu finden. Gerade Nummern wie der Titeltrack "Tschuschistan" oder das ungewöhnliche "Dunya Ve Alem" zeigen eine neue, melancholische Seite von EsRAP. Oder einen feinen Sinn für Ironie, wenn sie mit Kid Pex über einen Beat von Testa in der Nummer "Kids of Diaspora" ihren Tschuschen-Style abfeiern und die popkulturelle Gentrifizierung durch Hipster-Shit dissen. Doch bei aller Kritik am System und den Zuständen im Allgemeinen verstehen es die beiden weiterhin zu feiern und Party zu machen, zu sehen in den letzten beiden Videos "Kabadayi" und "Para Queen". Keine Sorge Tschuschistan ist und bleibt ein Land der Lebensfreude! Der Tschusch ist immer da, bleibt es auch und die Tage werden besser! (cw/pm)