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Interview

"Vogueing gibt eine Menge Selbstbewusstsein"

Der französische Sänger Bilal Hassani im Interview über seine ESC-Teilnahme, Hass im Netz, sein neues Album "Kingdom" sowie seinen Tribut an die queere Ballroom-Szene.


Bilal Hassani vertrat Frankreich im Mai beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv (Bild: Fifou)

Bilal Hassani erregte in seiner Heimat Frankreich Aufmerksamkeit, als er im Alter von 14 Jahren bei "The Voice Kids" mit Conchita Wursts Siegertitel "Rise Like a Phoenix" antrat. Mit 19 Jahren war er in diesem Jahr einer der jüngsten Teilnehmer beim ESC in Tel Aviv. Mit "Kingdom" stellte er jetzt sein erstes Album vor. Alkis Vlassakakis und Marco Schreuder haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Im Mai warst du in Tel Aviv beim Eurovision Song Contest: Wie war das für dich?

Es war das beste Abenteuer meines Lebens, ich hatte eine tolle Zeit. Ich habe viele Leute getroffen, die mich inspiriert haben – wie zum Beispiel Conchita Wurst, Netta, Dana International und Eleni Foureira. Sie alle haben mir ungefähr das gleiche gesagt: Versuch, den Moment auf der Bühne zu genießen, denn die drei Minuten gehen da oben sehr schnell vorbei. Ich habe diese Minuten genossen, und da bin ich froh darüber.

Wenn der französische Rundfunk dich noch einmal für den ESC nominiert, würdest du noch einmal teilnehmen wollen?

Ich müsste lügen, würde ich absagen. Ich denke, ich würde noch einmal teilnehmen wollen. Ach was, ich würde sogar jedes Jahr teilnehmen, wenn man mich lassen würde. Aber im Moment gibt es auch andere Dinge in meinem Leben, andere Pläne und auch andere Leidenschaften. Ich habe ein Album veröffentlicht, das ich vorstellen will, es gibt eine Tour, die ich vorbereiten muss – es gibt so vieles, was gerade passiert, aber ja, ich würde sofort ja sagen, wenn man mich fragen würde.


Queerfeindliche Hasskommentare gehören für Billal Hassani zum Alltag (Bild: Fifou)

Nach dem französischen ESC-Vorentscheid hast du eine Menge Hassbotschaften wegen deiner marokkanischen Abstammung und deiner sexuellen Orientierung bekommen. Hat sich das beruhigt?

Ich wünschte, ich würde eines Morgens aufwachen, und es hätte aufgehört. Aber nein, es ist noch immer da, und es wird auch jeden Tag schlimmer. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen, solche Nachrichten und Kommentare nicht an mich ran zu lassen. Ich lese sowas eigentlich nicht mehr, weil ich kaum mehr Zeit auf den Social-Media-Plattformen verbringe. Früher habe ich neun Stunden täglich mit meinem Handy verbracht, heute sind es vielleicht gerade einmal zwei. Das hat mir geholfen, weil ich weiß, dass der Hass nicht weg gehen wird.

Was rätst du jungen Menschen, die auf Facebook und Co. ihr Coming-out haben? Wie sollen sie mit dem Hass, der ihnen entgegenschlägt, am besten umgehen?

Für mich persönlich war es nicht ganz so schwer, ich hatte meine Mutter, die mich von Anfang an unterstützt hat. Ich konnte immer mit ihr reden. Deswegen mein Ratschlag an alle: Rede mit jemanden. Sei es ein Freund, jemand aus der Familie oder auch ein Fremder. Einfach jemand, dem du dich öffnen kannst. Aber reden ist wichtig, denn sonst frisst dich dieser Hass von innen auf.

Sei dir bewusst, dass es untergriffige Kritik und Hass geben wird, wenn du dein Coming-out online hast oder du dich im Netz zu irgendetwas Ungewöhnlichem oder Originellem bekennst. Wildfremde Menschen werden dich aus nichtigen Gründen beschimpfen und dir den Tod wünschen. Deswegen musst du vorbereitet sein.

Und ein zweiter Tipp: Verbringe nicht so viel Zeit am Handy in den Sozialen Netzwerken. Hänge nicht den ganzen Tag online ab, sondern nutze das Netz vernünftig.


Das Album "Kingdom" ist Ende April erschienen

Dein Album "Kingdom" hat einen starken Dance-Pop-Einfluss. Ist es das, was du derzeit am meisten hörst? Welche Interpreten und Musiker inspirieren dich?

Ich höre sehr viele verschiedene Arten von Musik. Ich liebe Pop, die ganzen klassischen großen Pop-Songs wie "Bohemian Rhapsody", "Baby, One More Time", "Bad Romance" und so weiter. Mit meinen Freunden hören wir sehr viel davon, aber auch R'n'B, Alternative, auch klassische Musik. Ich bin sehr interessiert an K-Pop und japanischer Popmusik. Und eine andere große Leidenschaft von mir sind Musicals.

Auf dem Album gibt es mit "Over You" oder "The Flow" ein paar langsamere Songs, die aber sehr zeitgemäß produziert sind. Jetzt hätte wohl jeder von dir zumindest eine große Ballade mit Klavier oder Orchester erwartet.

Ich habe sogar eine klassische Ballade aufgenommen, sie heißt "Hold Your Hand", ein Song, der mir bei meinem Coming-out sehr geholfen hat. Sie ist ganz schlicht arrangiert, nur ein Klavier und eine Gitarre begleiten mich. Aber beim Zusammenstellen des Albums habe ich meine Freunde gebeten, ganz spontan und unvoreingenommen auf die Songs zu reagieren, das Team und ich wollten wissen, was Menschen heute hören wollen. In diesem Prozess haben wir entschieden, wie das Album klingen soll. So sehr ich dieses Lied mag und es gerne singe, ich wollte das Album hell und bunt haben, mit vielen Facetten. Aber wir leben in einer dunklen Zeit, da hatte ich nicht das Gefühl, dass eine Ballade mit Klavier dazu gerade passt.

Direktlink | Der Song "Jaloux" aus dem neuen Album "Kingdom"

Mit "Basic" hast du auf dem Album auch eine Verneigung vor den Ballrooms von New York aufgenommen – mit einem sehr französischen Touch. Wie kommt es, dass Vogueing und Kikis gerade ihr Comeback feiern? Woher kommt deiner Meinung nach die Relevanz für eine sehr junge LGBTI-Generation?

Die Ballroom-Szene war gerade in New York sehr wichtig für die farbigen LGBTI, weil es auch eine eigene Subkultur außerhalb des schwulen Mainstreams war. Heutzutage haben wir sehr viel mehr Rechte als damals vor 35 Jahren, wir können sogar heiraten. Aber damit ist es natürlich nicht getan: Jeden Tag werden Menschen aufgrund ihrer Geschlechtsidentität oder ihrer sexuellen Orientierung misshandelt oder getötet, noch immer. Vogueing gibt eine Menge Selbstbewusstsein und eine Menge Kraft, deswegen hatte ich das Bedürfnis, meinen Tribut zu zollen.

Eine längere Version des Interviews erscheint iin Kürze im Eurovision-Podcast "Merci, Chérie".



#1 Homonklin44Profil
  • 08.07.2019, 10:59hTauroa Point
  • Ein wundervoller junger Mensch, der aufrechten Hauptes seinen Weg geht. Dazu hat er eine feste Stimme und weiß sich in Szene zu setzen, und mit dem social media Fuckwad Hate problem macht er kopfseits kurzen Prozess!
    Man kann ihm an sich nur alles Beste wünschen, mit seiner Musik groß zu werden.
    Jealous, neidisch sein, kann man auch in einer bewundernden Art und Weise, leider ist es das selten, was da aus den Hate-comments kommt. Aber er hat Recht damit, man sollte diesem sinnlosen, grundlosen und stupiden Hass keinen Weg zu sich lassen, und nicht so viel Zeit damit verbringen, sowas zu lesen.
    Mit denen reden, die man um sich hat und die den Weg begleiten, damit das erst gar nicht an einen heran kann.

    -kann auch ältere Fans kriegen ;o)
    Ist auch noch ein sehr schöner Mann, der was für seine Dynamik tut.

    Also die ihn hassen, sollen in ihrem Neid zerfließen und sich auflösen!
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