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Evangelische Kirche Württemberg

Bischof July bittet Lesben und Schwule um Vergebung

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg entschuldigte sich für Diskriminierung und die "vielen schmerzhaften Erfahrungen" – verweigert homosexuellen Paaren aber weiterhin die Trauung.


Frank Otfried July wurde 2005 zum Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gewählt (Bild: EMH / Gottfried Stoppel)

Wichtiges Signal oder nur eine verlogene Geste? Das Gedenken an das Leid und die Vergebungsbitte an homosexuelle Menschen stand am Freitag im Zentrum einer Andacht bei der Sommersynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg: "Für die vielen schmerzhaften Erfahrungen, die gleichgeschlechtlich empfindende Mitchristinnen und -christen und Mitmenschen in und durch unsere Kirche machen mussten, bitten wir um Entschuldigung vor Gott und den Menschen", sagte Landesbischof Frank Otfried July in Stuttgart.

July schilderte Beispiele aus der langen Verfolgungsgeschichte von Lesben und Schwulen und wies darauf hin, dass "in der Vergangenheit bis in die Gegenwart gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen Unrecht, Verachtung, Ausgrenzung und Leid widerfahren ist: in unserer Gesellschaft – und auch in unserer Kirche. Wir sind in unserer Synode und unserer Landeskirche – jenseits der verschiedenen theologischen Deutungen und persönlicher Überzeugungen – der festen Auffassung, dass es einen lieblosen Umgang, geschichtsvergessene Ausgrenzung oder polemische Verachtung von homosexuellen Menschen bei uns nicht geben soll."

"Auch bei uns noch gruppenbezogene Vorurteile"

Der Landesbischof wies darauf hin, dass in vielen Ländern der Welt homosexuelle Menschen nach wie vor verfolgt, geächtet, mit dem Tode bedroht oder hingerichtet würden. In Deutschland gebe es heute weitgehend Gleichberechtigung und Freiheit – und doch lebten Lesben und Schwule nicht ohne Angst, würden Opfer von Mobbing: "Wir als Christen in der Gemeinschaft der Kirchen – bei unterschiedlichen theologischen Haltungen unter uns – haben für Menschenrechte und Menschenwürde, also konkret: die Rechte auch dieser Schwestern und Brüder, für ihre Würde einzutreten und sie öffentlich zu bezeugen." Das zeige schon der Satz aus dem Römerbrief, den der Landesbischof seiner Andacht zugrunde legte: "Nehmt einander an wie Christus euch angenommen hat."

July sagte weiter: "Wir bedauern es zutiefst und es tut uns leid, wie Lieblosigkeit, Richt- und Ausschlussgeist auch bei uns, in unserer Kirche und in Gemeinden, Einzug gehalten haben – dass es auch bei uns noch gruppenbezogene Vorurteile gibt, die die Annahme und Liebe zu einzelnen Menschen verstellen. Als Kirche müssen wir deutlich machen, dass es vor Gott und für uns nur eine Gruppe von Menschen gibt: den Leib Christi, zu dem alle, jeder und jede einzelne, bedingungslos dazu gehört, weil Christus uns alle annimmt."

Daraus leitete der Landesbischof ab: "Wir sprechen aus: Wir haben als Kirche im Schutz und Eintreten für gleichgeschlechtlich liebende Menschen in der Vergangenheit oftmals Diskriminierung und Verfolgung mit befördert. Wir wollen bei aller theologischen Unterschiedlichkeit den gleichgeschlechtlich orientierten Schwestern und Brüdern im alltäglichen Umgang in Gemeinde, Kirche und Gesellschaft kräftiger und ohne Bedingungen bezeugen: Du bist Gottes geliebtes Kind. Wir sprechen aus: Für die vielen schmerzhaften Erfahrungen, die gleichgeschlechtlich empfindenden Mitchristinnen und -christen und Mitmenschen in und durch unsere Kirche machen mussten, bitten wir um Entschuldigung vor Gott und den Menschen."

Deutschlands homophobste Landeskirche

Die evangelische Kirche in Württemberg gehört zu den homophobsten Landeskirchen in Deutschland. Während die Hälfte der 20 Landeskirchen hetero- und homosexuelle Ehepaare bei der Trauung mittlerweile gleichgestellt hat, können sich Lesben und Schwule in Württemberg bislang nicht einmal segnen lassen. Erst ab dem kommenden Jahr sollen nach einem Synodenbeschluss vom März Segnungsgottesdienste möglich sein, aber dies nur in maximal einem Viertel der Gemeinden (queer.de berichtete). Zudem müssen sich drei Viertel aller Pfarrer der jeweiligen Kirchengemeinde sowie drei Viertel des Kirchengemeinderates dafür aussprechen. (cw)



#1 Maike PfudererAnonym
  • 07.07.2019, 15:10h
  • Für mich ist diese Bitte um Vergebung scheinheilig. Wer ein Gesetz suf den Weg bringt, das neues Unrecht schafft, in dem es Ehepaare von der Trauung ausschließt, kann nicht redlich um Vergebung bitten 699
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#2 AnonymAnonym
  • 07.07.2019, 15:11h
  • Perfekte Double Bind Strategie.
    Erinnert mich an meine Mutter: "Ich bete jeden Tag für dich. Wie? Ich übergehe dich schon wieder und missachte deine Gefühle? Du bist ja total verrückt."
    Sowas macht krank. Schwer krank.
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#3 DramaQueen24Profil
  • 07.07.2019, 19:54hBerlin
  • In den USA nennt man so ein Verhalten die eiserne Faust im Samthandschuh. Um Vergebung bitten und gleichzeitig uns Grundrechte verwehren. So was nenne ich dreist und unverfroren!
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#4 Alexander_FAnonym
  • 07.07.2019, 21:48h
  • Antwort auf #3 von DramaQueen24
  • Ein Verhalten, dass für die EKD allgemein nicht gerade untypisch ist. Schließlich schmückt sie sich einerseits ja auch gerne mit einem Herrn Bonnhoeffer, geht aber weiterhin mit allen jeweils Herrschenden in die Kiste und verweigert natürlich auch die Aufgabe ihrer eigentlich schon seit 1918 verfassungswidrigen Sonderrechte, Staatsleistungen usw.

    Jedes Mal, wenn ich etwas von diesen Herren und Damen höre, fühle ich mich in meinem Kirchenaustritt bestätigt.
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#5 Homonklin44Profil
  • 08.07.2019, 05:22hTauroa Point
  • ""Wir haben als Kirche im Schutz und Eintreten für gleichgeschlechtlich liebende Menschen in der Vergangenheit oftmals Diskriminierung und Verfolgung mit befördert.""

    Warum macht ihr dann damit weiter, indem ihr weiter unterschiedliche Wertung beibehaltet?
    Heuchelei eben, wie ganz gern von Kirchens & Co.
    Was ist das überhaupt für ein Satzbau?
    Wie die Nazis, die im Schutz und Eintreten für Andersgläubige Millionen von Juden ermordeten?

    Dass Kirchen dann noch Selbstmorde fördern und Menschen durch diesen Umgang psychisch demontieren und ausgrenzen, versickert in der Kreide auf der gewandten und gewundenen Zunge.
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#6 kuesschen11Profil
  • 08.07.2019, 11:10hFrankfurt
  • Wie kann man nur mit so viel Heuchelei unter Beibehaltung der Homophobie um Vergebung bitten?
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#7 Ralph
  • 08.07.2019, 11:23h
  • Wir bitten um Nachsicht und Verständnis für unseren Hass auf euch - und machen damit gerade so weiter. - Das sagt der Bischof im Klartext. Wieder mal ist bewiesen: Heuchelei ist die hervorstechende Eigenschaft des Christen, erst recht des christlichen Amtsträgers.
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#8 FliegenAnonym
#9 PetterAnonym
  • 08.07.2019, 14:41h
  • Angeblich um Verzeihung für Diskriminierung bitten, aber gleichzeitit weiter diskriminieren.

    So viel Scheinheiligkeit gibt es echt nur bei den Kirchen.
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#10 AmurPrideProfil
  • 08.07.2019, 15:38hKöln
  • >>Wichtiges Signal oder nur eine verlogene Geste?<<

    Einer interessante, berechtigte und durchaus auch hinterlistige Frage des Autors, regt sie doch geschickt zu einer kontrovers verlaufenden Diskussion an.

    Meine Antwort ist: Beides trifft zu!

    Wenn ein Landesbischof bei der Sommersynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg eine solche Andacht hält, ist dies ganz sicher ein wichtiges Signal für alle Interessierten und Betroffenen und zwar in der Hinsicht, dass der Widerstand selbst in der Führungsebene dieses homophobsten Landesverband der Evangelischen Kirche in Deutschland wächst und öffentlicher wird.

    Gleichzeitig ist die Andacht aber auch nur das Lippenbekenntnis eines Einzelnen, sie ändert ad hoc nichts an der homophoben Politik dieses Landesverbandes.
    WENN man also Bischof Frank Otfried July und der homophoben Verbandsführung eine insgeheime vorherige gemeinsame Absprache bzgl. der Andacht unterstellen möchte, dann könnte man in der Tat auch von einer "verlogene Geste" reden.
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