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Satire vom "Bohemian Browser Ballett"

Ein Herz für Heteros und Transnationale

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen setzt mit "funk" ein deutliches Zeichen gegen die Diskriminierung von Menschen, die anders sind als wir. Auch ihnen sollten wir zuhören und versuchen, sie zu verstehen.


Seit 2018 läuft auf funk die satirische Online-Show "Bohemian Browser Ballett" (Bild: Screenshot)
  • Von Erwin In het Panhuis
    14. Juli 2019, 10:26h, 8 Kommentare

Wer glaubt, dass sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk nur für über 60-Jährige interessiert, glaubt vermutlich auch, dass die Erde eine Kugel ist. Diese Meinung ist voll 2015, denn seit 2016 gibt es mit "funk" ein Online-Medienangebot von ARD und ZDF für Menschen zwischen 14 und 29.

Ist das nicht ein unglaublich mutiges Konzept? Nein, aber es funktioniert und junge Menschen schauen wieder öffentlich-rechtliche Programminhalte. Besonders zielgruppengerecht ist die im vergangenen Jahr gestartete Reihe "Bohemian Browser Ballett".

Alleine vom "Browser Ballett" gibt es mittlerweile rund 300 Videos, die für die jungen Rundfunkbeitragszahlenden in kleinen und leicht verdaulichen Häppchen von ein bis drei Minuten Dauer serviert werden. Diese Clips behandeln Politik, Gesellschaft, Sexualität, Religion und Umweltschutz – also alles, was spannend und wichtig ist, aber auch viel Spaß machen kann. Mittlerweile gibt es einige Videos, deren Zielgruppe sich mit der von queer.de überschneidet – damit meine ich allerdings nur die Themen und nicht das Alter.

In "Ficken gegen Feminismus" setzen die beiden mutigen Heteros Werner und Dietmar ein deutliches Zeichen gegen so modernen Kram wie Feminismus und Gendergedöns. Der Verdacht von Homosexualität wird bei diesem Männer-Paar allerdings schon im Keim ersticken – schließlich sagen sie immer "No homo", bevor sie zusammen Sex haben.

In einem anderen Clip mit dem Titel "Ein Herz für weiße, heterosexuelle Männer" müssen sich Eltern mit einer sehr schwerwiegenden Diagnose abfinden: "Ihr Kind wird ein weißer, heterosexueller Mann". Es ist noch nicht einmal körperlich beeinträchtigt. Der Clip spricht ein lange tabuisiertes Problem offen aus: Kein Mensch sollte aufgrund seiner weißen Hautfarbe, seines männlichen Geschlechtes oder seiner heterosexuellen Orientierung diskriminiert werden.

"Transnational" erzählt einfühlsam vom Schicksal eines Deutschen – der gefangen ist im Körper eines Türken. Mit viel Schminke und einer Perücke versucht er jeden Tag aufs Neue, sich seiner Zielidentität zu nähern. Zum Glück hat er einen Freundeskreis, der ihn so annimmt, wie er wirklich ist.

"Die neue Angst der Männer" verdeutlicht, wie heterosexuelle Männer Opfer der Sexismus-Debatte sind. Darf man seiner Kollegin überhaupt noch Komplimente machen? Wie verhält man sich als Mann gegenüber Frauen? Dieser Clip will eine Antwort geben.

Es gehört zur Stärke von "Bohemian Browser Ballett", dass heterosexuelle Männer nicht auf die Opferperspektive reduziert werden. So können Männer im Video "Der männlichste Barber Shop der Welt" ihre Männlichkeit wiederentdecken, was auch der programmatische Schlusssatz verdeutlicht: "Männer sind Waffen. Im Barber-Shop werden sie geschmiedet."

Mit ihrer ganz eigenen Perspektive beziehen sich diese Clips oft auf Geschlechterrollen und sexuelle Orientierungen von Menschen, die eben nicht schwul, lesbisch oder trans* sind. Als ein Spiegelbild der Gesellschaft wird dieser Blick zurückgeworfen und stellt damit einen konstruktiven Beitrag über Geschlechterrollen und sexuelle Orientierungen jedweder Form dar.

Es gibt jedoch Voraussetzungen, die dafür erfüllt werden müssen: Dazu gehören ein Mindestmaß an Reflexionsvermögen und Sinn für Satire.



#1 MephalaAnonym
  • 14.07.2019, 11:55h
  • Ach, jetzt fordert ihr eure Leserschaft auf, über trans Feindlichkeit doch einfach mal herzlich zu lachen? ( ' Transnational') Tun ja sehr viele Cissen in der ' community' sowieso, und die TERFs werden abfeiern, ist ja gerade Pride Saison in Berlin, alle Jahre wieder Transmisogynie für alle! Straßenfest mit extra Gewalt, TERF March, und der CSD, auf dem sich Cissen & TERFs Marsha P Johnson aneignen. Ja, lacht aus vollem Hals über ' im falschen Körper'!

    Oder ist das jetzt die Nummer, mir und anderen trans Frauen zu sagen, daß wir Gewalt, Ausgrenzung, Hetze, Pathologisierung, Häme und Verachtung doch ' mit Humor' nehmen sollen?

    Ja lacht nur.

    Wir sehen uns in der Hölle - bis dann!
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#2 Ralph
  • 14.07.2019, 12:15h
  • Das ist sehr bewegend. Ich muss an mich halten, nicht in Tränen auszubrechen wegen dieser bitteren menschlichen Schicksale. In meiner Sonntagszeitung lese ich heute folgende Zuschrift eines besorgten Bürgers:

    "Haben alle ,normalen' Menschen, heterosexuell, vollbeschäftigt, pünktlicher Steuerzahler und nicht vorbestraft, überhaupt keine Lobby?"

    Der Mann erregt sich, weil vorigen Sonntag eine ganze Seite lang über die Perversen geschrieben worden war. Verständlich. Wer will schon an einem einzigen Sonntag im Jahr auf einer einzigen Seite mit diesem Thema belästigt werden als vollbeschäftigte, steuerzahlende, nicht vorbestrafte Hete??? Mein Appell an Queer.de - gründet eine Seite Normal.de - das Zentralorgan der Normalo-Lobby für alle vollbeschäftigten heterophil veranlagten und unbescholtenen Steuerzahler.
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#3 Ith_Anonym
  • 14.07.2019, 14:11h
  • Stimmt auffallend. Diesen Kiddies, die in der Schule Angst davor haben, als schwule Sau betitelt und Opfer von Mobbing zu werden, sollte man einfach mal verklickern, dass sie einfach "Du Hetero-Sau" antworten sollen.
    Damit haben sie dann alle Lacher auf ihrer Seite und die Welt ist wieder in Ordnung.

    Die brauchen eben einfach mehr Sinn für Satire, diese Angehörigen von Minderheiten, die immer noch nicht begriffen haben, dass eigentlich sie diejenigen sind, die hier eine Diktatur errichten. Eine Meinungsdiktatur nämlich.
    So sieht's aus, in Dunkeldeutschland!
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#4 Ith_Anonym
  • 14.07.2019, 14:50h
  • Aber nun mal ohne Ironie und Satire, ganz ernsthaft gemeint: Der Ansatz hier könnte in der Tat die Lösung für viele eurer Probleme sein.

    Zeigt den Artikel einfach mal den AfD-Leuten, die euch mit Klagen drohen oder bereits verklagt haben, und dann nehmt ihr noch euren "Gegenschlag des schwulen weißen cis-Mannes" und streicht einfach das schwul, weil, eigentlich muss man aus dem Artikel so viel nicht streichen, damit er für alle weißen Cis-Männer relevant wird.
    Und wenn die sich davon überzeugen lassen, könnt ihr euch vielleicht auf ne Quote einigen, dass ihr einmal im Monat auch nen Artikel veröffentlichen dürft, in dem rechtsradikale Rhetorik kritisert wird, WENN ihr in dem Tenor wie hier ein entsprechendes Gegengewicht präsentiert.
    Ob das dann 50% werden müssen oder wirklich 90%, und ob ihr künftig jeden Beitrag absegnen lassen müsst oder man darauf vertraut, dass ihr das schon eigenständig hinbekommt, das müsst ihr dann natürlich mit denen bereden. Aber ich schätze, Vorschläge für Kompromisse, von denen alle Seiten profitieren, werden denen schon einfallen - Mediensteuerung ist für das Klientel (bzw. vorerst "Kunden" später dann mal "Bosse") ja nun nicht unbedingt was Neues.

    Ist ja nichtmal so, dass ihr dafür mit Heterosexuellen kommunizieren müsstet. Frau Weidel zum Beispiel steht Herrn Höcke so nahe, von dem ja jeder weiß, dass er der eigentliche Chef von dem Laden ist, darüber sollte sich eine konstruktive Zusammenarbeit schon machen lassen. Wie das bei autoritären Systemen so ist: Wenn der Führer einen Stopp oder Ignoranz ausruft, dann wird nach der Pfeife auch getanzt.

    Viel Erfolg dabei und alles Gute.
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#5 JustRelaxEverybodyAnonym
#6 Sukram712Anonym
  • 14.07.2019, 23:41h
  • Ich habe mich kaputt gelacht und war den Rest des Abends damit beschäftigt Videos aus diesem Kanal zu gucken. XD
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#7 QueerBierHereEhemaliges Profil
  • 15.07.2019, 11:30h
  • Antwort auf #1 von Mephala
  • Jupp, ich und offenbar einige andere können herzlichst drüber lachen, des ist halt auch der Sinn von Humor.... Mir fällt auch kein Grund ein warum Humor vor irgendeiner "Gruppe" halt machen sollte!

    Das sich deswegen jemand empört... Geschenkt!
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#8 zundermxeAnonym
  • 15.07.2019, 12:30h
  • Satire.

    Die Clips, die ich mir angeschaut habe, kann ich nicht als eine Unterhaltung auf Kosten von nicht hetero lebenden Menschen verstehen.

    Für mich eine gelungene Art durch fiktiven Umkehr von Rollen und Sachverhalten neben Humor auch Reflexion anzuregen.

    Persifliert werden hier doch insbesondere AFD und ihre Klientel indem teils deren Aussagen auf die lächerliche Spitze getrieben werden.
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