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Nach Shitstorm

Scarlett Johansson verteidigt sich

Vor einem Jahr war US-Schauspielerin Scarlett Johansson scharf kritisiert worden, weil sie als Cissexuelle eine trans Figur darstellen wollte.


Scarlett Johansson in "Ghost in the Shell" (Bild: Paramount Pictures)

Die amerikanische Schauspielerin Scarlett Johansson hat in einem Interview mit dem Magazin "As If" ihr inzwischen aufgegebenes Vorhaben verteidigt, in einem Film einen trans Mann zu spielen. Die 34-Jährige beklagte, dass politische Korrektheit in die Kunst hineinspiele. Schauspielerinnen und Schauspieler sollten potenziell jede Rolle übernehmen können und Kunst frei von Restriktionen sein.

Damit reagiert die cis- und heterosexuelle Schauspielerin auf die Kontroverse vom Sommer 2018: Nachdem sie bekannt gegeben hatte, dass sie im Film "Rub & Tug" einen transsexuellen Mann spiele wolle, kam es zu einem Shitstorm. Viele Kritiker, darunter auch prominente trans Schauspielerinnen, warfen ihr vor, das Leben von Transsexuellen "nachzuäffen" und damit Filmpreise einheimsen zu wollen, während trans Schauspielerinnen stets bei Castings übergangen werden würden (queer.de berichtete). Johansson verzichtete schließlich auf die Rolle (queer.de berichtete).

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"In idealer Welt spielt jeder jeden"

In einer Stellungnahme gegenüber dem Klatschmagazin "People" ergänzte Johansson, dass sich viel Kritik an ihr entzündet habe, weil ihre damaligen Aussage, dass alle Schauspielerinnen und Schauspieler alle Rollen annehmen könnten, aus dem Zusammenhang gerissen worden sei. Das Magazin "Bustle" habe ihre Worte "als Klickköder missbraucht", so die Schauspielerin. Sie halte daran fest, dass "in einer idealen Welt jede/r Schauspieler/in jede/n spielen sollte und dass Kunst, in all ihren Formen, immun gegen politische Korrektheit sein sollte".

Johansson erklärte weiter, ihr sei bewusst, dass es noch keine ideale Welt gebe. In ihrer Branche bekämen nicht alle Schauspielenden eine Chance wie sie, sondern vor allem weiße Cissexuelle. "Ich unterstütze weiter die Vielfalt in jeder Branche und werde immer für Projekte kämpfen, die alle involvieren."

Entsprechende Debatten nahmen zuletzt zu. So gibt es zunehmend auch Kritik, wenn heterosexuelle Schauspieler schwule Rollen übernehmen. Schon lange verpönt in den USA ist "Blackfacing", also die Darstellung einer schwarzen Figur durch eine weiße Person mit schwarzer Farbe im Gesicht. Diese gilt aus historischen Gründen seit Jahrzehnten als hochgradig rassistisch. Das Konzept, viele und wichtige Rollen nur mit weißen Schauspielern zu besetzen, wird als "Whitewashing" bezeichnet. Auch Scarlett Johansson hatte wegen dieser Sensibilitäten bereits einen Shitstorm hervorgerufen, als sie 2017 im Scifi-Action-Film "Ghost in the Shell" eine asiatische Frau darstellte. (dk)



#1 lindener1966Profil
  • 15.07.2019, 19:41hHannover
  • Die Kunstfreiheit hat meiner Meinung nach Vorrang. Trans dürfen nur Trans spielen, Schwule nur Schwule und Lesben nur Lesben?????? Niemals darf das Praxis werden! Konsequenterweise dürften dann Heteros nur von Heteros gespielt werden! Wollen wir da hin? Auf gar keinen Fall! Eine solche Diskussion habe ich zuletzt bei "Call Me By Your Name" im Netzt gesehen und habe mich da schon geärgert. Bei einen Youtube chat zum französichen Film "Sauvage" meinte einer, er würde sich den Film nicht anschauen, wenn der Hauptdarsteller Felix Maritaud nicht schwul sei (was er aber ist). Dass LGBTQ Schauspieler in der Filmbranche oft nur schlechte Rollen bekommen ist auch ein Unding und das muss man ansprechen, aber soooo kommt man dem bestimmt nicht bei. Leider ist Scarlett hier eingeknickt und hat einen Präzedenzfall geschaffen. Schade, denn sie ist eine super Schauspielerin.
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#2 Garfield
  • 15.07.2019, 20:58h
  • Auf der einen Seite hat man sich immer beklagt, dass schwulen Schauspielern nur schwule Rollen angeboten worden wären und jetzt sollen heterosexuelle Schauspieler nur heterosexuelle Rollen spielen dürfen? Was für eine Heuchelei.
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#3 Ana NymAnonym
  • 15.07.2019, 22:06h
  • Antwort auf #1 von lindener1966
  • Die Art, wie derartiges Dinge gehandhabt werden, sind nicht vernünftig: Menschengruppen gegeneinander aufbringen.
    Es sollte jede*r Schauspieler*in natürlich nicht verwehrt werden eine Rolle spielen zu dürfen.
    Es stimmt aber auch, dass durch Filme und deren Besetzung, keine "Randgruppen" unsichtbar gemacht werden sollten.
    Deshalb muss man auf eine nicht heteronormative Verteilung achten, das Gleiche gilt für Ethnien und Altersgruppen usf.
    Wenn z.B. Scarlett versuchen würde eine 6 Jährige zu spielen, würde man das lächerlich finden, sie würde sich zu recht anhören müssen den Nachwuchs zu blockieren. Es sei denn aus einen bestimmten ungewöhnlichen Grund, der z.B. in der Geschichte begründet liegt, wäre es nötig, dass eine Erwachsene ein Kind mimt.
    Quoten, die sich an der Story orientieren, die man dann z.B. für die Nominierung für einen Oskar einhalten muss, könnten helfen ein Gleichgewicht herzustellen und vorzuzeigen.
    Sollte dies nicht zum Erfolg führen, oder die Stories einseitig werden, dann kann man den Druck erhöhen. Außerdem gibt es da noch die Zuschauer- und Kritiker*innen.
    Doch sowas wie Shitstorms, Unterstellungen, Verunglimpfungen - einfach so, weil's gerade passt, das ist ein Schritt in Richtung Mittelalter.
    Immer diese schwarz-weiße Sicht : die Bösen und die Guten.
    Wir, die sich den Regenbogen als Zeichen gewählt haben, wir sollten es besser wissen.
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#4 FaktencheckAnonym
  • 15.07.2019, 22:11h
  • Antwort auf #2 von Garfield
  • Einiges an der Kritik fand ich auch nicht treffend.

    Im konkreten Fall ging es aber darum, dass eine weibliche Person mit einem ausgesprochen "feminin" wirkenden Körper und Gesicht einen stereotyp "männlichen" trans Mann darstellen sollte. Warum das als sehr problematisch empfunden wurde, kann ich gut nachvollziehen.

    Es geht da eben nicht nur um die Frage, ob "cis" "trans" spielen darf oder nicht. Es wäre unfair, die Kritik, die diesen konkreten Fall betraf, verkürzt wiederzugeben.
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#5 feli491Anonym
#6 la_passanteAnonym
  • 16.07.2019, 02:50h
  • Blackface ist passé, und das aus guten Gründen. Transface sollte es ebenfalls sein, aus denselben Gründen.
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#7 DramaQueen24Profil
  • 16.07.2019, 06:02hBerlin
  • Ich stimme ihr sofern zu, dass eine gute Schauspielerin alles verkörpern soll. Lesbische Schauspielerinnen spielen Heteras, heterosexuelle Schauspieler einen Schwulen. Soweit so gut. Nur, inwieweit kann eine nicht transsexuelle Schauspielerin, die die innere Zerrissenheit transsexueller Menschen nie erlebt hat, einen transsexuellen Charakter spielen? Und, warum sollte sie den Job kriegen, wo doch so viele SchauspielerInnen mit TS-Vergangenheit, oder sich noch im Wechsel befindend, die nicht weniger gut sind, die Rolle nicht bekommen? Die wegen der TS übergangen werden, oder, weil sie nicht TS genug aussehen. Das sollte sie sich einmal fragen, die gute S.J.!
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#8 DramaQueen24Profil
  • 16.07.2019, 06:08hBerlin
  • Antwort auf #1 von lindener1966
  • So gut jemand als Schauspieler auch ist (Tom Hanks in "Philadelphia" ist unvergessen), so gibt es doch Bereiche, die es Schauspielern schwer macht, einen transsexuellen Charakter zu spielen. Die innere Zerrissenheit, der Kampf um Anerkennung bei Familie, Freunden und Arbeitsplatz, oder die Angst, von der Person wegen der TS zurückgewiesen zu werden, die man/frau liebt. Ich kenne nur wenige Schauspieler beiderlei Geschlechts, die das zumindest Ansatzweise hinkriegen würden!
    Andererseits werden in der Industrie transsexuelle und homosexuelle Menschen oft ausgegrenzt, bekommen keinen Job, weil sie transsexuell oder schwul/lesbisch sind. Laverne Cox, die bei "Orange is the new black" mitspielte, erzählte in einem Interview auf "The Advocate", wie oft sie wegen ihrer Transsexualität und Hautfarbe abgelehnt wurde.
    Darum bin ich dafür, transsexuellen Menschen zuerst bei der Besetzung eine Chance zu geben, und nicht auf berühmte Namen zu setzen, nur, damit bei Produzenten die Kasse klingelt. Film ist auch Kunst, und bildet ein Teil der Realität ab,
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#9 MinderheitAnonym
  • 16.07.2019, 10:00h
  • Dear Scarlett,

    It's not about everybody plays everyone. We are a minority and we would be still not visible enough in this case.
    Just turn it around and imagine that the LGBT would be a majority and the director would say: "Sorry we don't take straight actors because a movie which is all about gay, we don't want a straight atmosphere in it - thanks."
    And even if you would say this is a discrimination, you would be forced to stay silent because the movie industry or the movie crew doesn't want to have an image damage.
    As long as the LGBT isn't taken for granted, and as long as we are played by straight actors, we won't be visible. It's not about playing the LGBT by straights and to get a glimpse of how it's all about - to our detriment.

    So it's not about everybody plays everyone, but it's about: the LGBT may be as visible as all other actors. We are allowed to play a gay role, we are allowed to play a lesbian, we are allowed to play a trans*person - just like straight actors did since centuries!

    ©proudtobeapartofthelgbt
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#10 MinderheitAnonym