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Berlin

Queeres Jugendzentrum findet kein Zuhause

Es sollte ein Prestigeprojekt von Rot-Rot-Grün in Berlin werden. Doch seit Monaten gibt es für das Jugendzentrum keine geeigneten Räume. Der Leiter sagt: Das Fördergeld reiche nicht aus.


"Queere Jugend braucht mehr Räume" – Forderung einer Teinehmerin beim CSD 2017 in Köln. Das 2018 in Berlin eröffnete LGBTI-Jugendzentrum ist bereits zu klein geworden (Bild: Norbert Blech)

Das erste queere Jugendzentrum für das Land Berlin findet keine passenden Mieträume. Kay-Alexander Zepp, Geschäftsführer des Trägervereins Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg, ist schon seit Monaten auf Wohnungssuche. Grund ist der überhitzte Berliner Immobilienmarkt: Die Mieten sind so teuer, dass der Verein mit dem Fördergeld des Senats keine angemessene Unterkunft finden kann.

Erst im September vergangenen Jahres wurde das Jugendzentrum eröffnet. Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte, hier hätten queere Jugendliche "einen geschützten, diskriminierungsfreien Raum" (queer.de berichtete). Doch dieser Raum ist zu klein geworden. Jede Woche kommen 100 Jugendliche und 80 Ehrenamtliche in das Jugendzentrum in Prenzlauer Berg, so Zepp. Dafür brauche der Verein eigentlich viel größere Räume, rund 300 Quadratmeter.

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Zu wenig Geld vom Land für Miete

Doch seit Monaten kann der Geschäftsführer für seinen Verein nichts Bezahlbares finden. Der Grund: Die Berliner Landesregierung zahlt dem Verein für die Arbeit mit queeren Jugendlichen jährlich 175.000 Euro. "Um auf dem freien Wohnungsmarkt etwas mieten zu können, bräuchten wir aber 50.000 Euro mehr pro Jahr", so Zepp. Die Anforderungen sind hoch: Das Zentrum müsse innerhalb des Berliner Rings liegen, barrierefrei zugänglich und bezahlbar sein. "Diese Kombination können wir uns derzeit nicht leisten", sagt Zepp.

Dabei war das queere Jugendzentrum ein Prestigeprojekt der rot-rot-grünen Landesregierung. Der Beschluss ging schon im ersten Regierungsjahr durch das Abgeordnetenhaus (queer.de berichtete). Rot-Rot-Grün hatte sich 2016 im Koalitionsvertrag dazu verpflichtet, "mindestens ein queeres Jugendzentrum mit berlinweitem Auftrag einrichten". Nun muss das Jugendzentrum trotz steigender Mieten offenbar allein etwas Passendes finden.


Träger des queeren Jugendzentrums in Berlin ist das Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg

In der Senatsverwaltung für Bildung, Familie und Jugend weiß man noch nichts vom Mietproblem. "Bei uns wurde noch kein Mehrbedarf angemeldet", sagt ein Sprecherin auf Anfrage. Der Senat halte die Augen offen, falls eine städtische Immobilie frei werde. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg würde das queere Jugendzentrum gerne aufnehmen. Aber es gebe "natürlich noch andere Jugendeinrichtungen, die ebenfalls auf Raumsuche sind".

Erhöhung der Fördergelder könnte in den neuen Haushalt

Theoretisch könnte die Landesregierung dem Jugendzentrum mehr Geld geben. Aktuell wird über den Doppelhaushalt für die Jahre 2020 und 2021 beraten. Der Senat hatte im Juni einen Entwurf vorgelegt. Doch dieser sieht für das queere Jugendzentrum "erst einmal keine Aufstockung vor", so die Senatsverwaltung.

Fest steht: Über den Entwurf verhandeln Abgeordnetenhaus und Senat noch bis Ende des Jahres. Die rot-rot-grünen Regierungsfraktionen haben somit jetzt die Gelegenheit, eine höhere Förderung in den Haushalt zu verhandeln.

Unterdessen hat Geschäftsführer Kay-Alexander Zepp eine Übergangslösung gefunden. Das Büro des Vereins ist in die Paul-Robeson-Straße umgezogen. So ist im Haus an der Sonnenburger Straße erst einmal mehr Platz für die Jugendlichen. Zepp hält weiter alle Augen auf dem Wohnungsmarkt offen. "Wir würden auch Räume mieten, die für uns eigentlich zu groß sind", sagt er. Diese könne sich Lambda dann mit anderen Vereinen teilen. Denn er kenne genug Gruppen, die auch händeringend nach Räumen in der Stadt suchten.



#1 Patroklos
  • 20.07.2019, 10:20h
  • Berlin ist die größte Stadt Deutschlands und warum sollte es da keine Räumlichkeiten für ein Queeres Jugendzentrum geben? Wenn man sich einmal die Anzeigen auf den gängigen Immobilienportalen so anschaut, dann wimmelt es nur so von freien und leerstehenden Objekten.

    Jedes Jahr wird in Deutschland gejammert, daß es so wenig bezahlbaren Wohnraum gibt, dabei gibt es zahlreiche leerstehende Wohnungen, die schon seit Wochen oder Monaten auf einen Nachmieter oder einen neuen Eigentümer warten.
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#2 TomDarkProfil
#3 Ralph
  • 20.07.2019, 21:16h
  • In München ist der Immobilienmarkt mindestens so überhitzt wie in Berlin. Dennoch gibt es dort in unmittelbarer Nachbarschaft zum irrsinnig überteuerten Glockenbachviertel ein Jugendzentrum. Wie schaffen die das, was in Berlin nicht geht?
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#4 Patroklos
#5 Dont_talk_aboutProfil
#6 saltgay_nlProfil
  • 21.07.2019, 09:00hZutphen
  • Tja Patroklos klingt eher nach Hirtenkäse im Supermarktregal, was hier verzapft wird, ist zumindest alter Käse.

    Wie stellt sich denn der schwule Partybürgermeister Klaus Wowereit aus dem kleinbürgerlichen Lichtenrade zu solcher Problematik? Gar nicht, weil ihm als Parvenue das am Gesäß vorbeigeht. Seine Form der "Stadtentwickklung" hat er doch deutlich anlässlich einer Einweihung dieser unzähligen und unsäglichen Lofts im ehemaligen innerstädtischen Grenzbereich in das Mikrofon gesprochen. Für ihn besitzt die Schaffung hochwertigen Wohnraumes oberste Priorität, weil dadurch potente Investoren angezogen würden und durch diese Wirtschaftskraft viele neue Arbeitsplätze entstehen würden. Stimmt ja auch, nur dass die Heloten aus dem nahen Polen kommen. Sowie er das auch in seiner Kindheit erlebt hat. Die billige Putzfrau aus Ostberlin, welche mit ein paar Pfennigen pro Stunde abgespeist wurde, die sie dann in einer Wechselstube zum Kurs 1:5 in harte Aluchips der DDR umtauschte.

    Angesichts solcher Politik ist doch wohl einzusehen, dass man für solchen Sozialklimbim keinen Bedarf hat. Unsere Generation, Wowereit ist eine Woche jünger als ich, hat sich ja auch irgendwo befriedigt, auf Klappen oder in den Schwimmbädern.

    Der Neoliberalismus, welcher gerade in der SPD seine größten Förderer fand, hat eben dafür gesorgt, dass die Stadt nur für "Leistungsträger" da ist und nicht für Leistungsempfänger. Man beklage sich nicht. Im schönen Umland, zum Beispiel in Hundeluft oder Pissdorf, kann man auch gut leben.
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#7 Karl MurxAnonym
  • 21.07.2019, 14:55h
  • Antwort auf #6 von saltgay_nl
  • Wow, Klassenkampf ganz, ganz, gaaanz alter Schule. Wusste gar nicht, dass so was heute noch außerhalb von Satire durch die Weltgeschichte spukt.

    Da hat einer das Ende der DDR aber ganz schön verdrängt.
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#8 investorAnonym
  • 21.07.2019, 15:40h
  • Antwort auf #1 von Patroklos
  • Sag' mal, wo hast Du denn die letzten,sagen wir mal, zwei Jahre gelebt?
    Du hast zwar mitbekommen, dass darueber "gejammert wird, dass kein (bezahlbarer) Wohnraum vorhanden ist" und dass es so viele leerstehende Wohnungen gibt, aber Du hast nicht mitbekommen, warum das so ist?
    Ich gebe Dir mal ein paar Stichworte:
    Spekulanten, die darauf hoffen, dass die Quadratmeter-Preise vielleicht (bzw. sicher) NOCH etwas mehr steigen, damit sie NOCH mehr Geld einnehmen koennen, Investoren, die (bestehende oder neue) Wohnungen kaufen/renovieren/bauen, und dann moeglichst gewinnbringend "verwerten" wollen, Wohnungsbaugesellschaften, die Wohnungen/Haeuser kaufen, und als erstes die Mieten erhoehen, bevor ueberhaupt irgendetwas renoviert wurde (nebenbei erwaehnt: in Suedamerika (genauen Staat weiss ich jetzt nicht) und Afrika wurde die Wasserversorgung "privatisiert" - Folge war, die Leute "duerfen" entweder immer noch zu "Zapfstellen" LAUFEN und das Wasser in Eimern nach Hause tragen, oder denen wird, wenn sie das Wasser nicht (mehr) bezahlen koennen, das Wasser abgedreht (hatte ich schon erwaehnt, dass der "Wasserversorger" recht fix den Wasserpreis erhoeht hat (ohne ueberhaupt etwas zur Versorgung der Leute unternommen zu haben?))
    Und dann moechte ich zur Beantwortung Deiner Frage noch darauf hinweisen, was es fuer einen Aufschrei (auch und besonders von den "Liberalen") gab, als Enteignung, bzw., genauer, Vergesellschaftung in die Diskussion geworfen wurde.
    Und jetzt nenn' mich ruhig einen "links-gruen-versifften Spinner", ist mir egal; aber nur so als Hinweis: Wir koennen so nicht weitermachen, egal ob's nun den Kapitalismus/die freie Marktwirtschaft betrifft, oder den Umweltschutz (in ALLEN Belangen; und der (Umweltschutz) haengt ja auch leider direkt mit dem Kapitalismus zusammen, bzw. davon ab)
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#9 GißlerAnonym
  • 21.07.2019, 15:59h
  • Antwort auf #7 von Karl Murx
  • So, dann findest Du das also in Ordnung, dass die Mieten so hoch sind, dass sich ein Durchschnittsverdiener schon fast keine Wohnung in groesseren Staedten mehr leisten kann (ausser natuerlich in gewissen Vierteln, in denen dann aber auch die "Creme-de-la-Creme" der unteren Mittel- oder Unterschicht lebt)?
    Weisst Du was? Ich wuensche Dir, dass Du mal mit den "nicht so tollen Randerscheinungen" unseres Gesell- und Wirtschaftssystem - buchstaeblich - "konfrontiert" wirst; dann wird Dir vielleicht auch mal klarwerden, dass die schoene "Konsumwelt" und -gesellschaft nur solange schoen ist, wie man anstandslos daran/darin mitmischen kann. Kannst oder willst Du es nicht (mehr) (weil Dir die Natur und Gerechtigkeit (nicht nur in D!) sehr wichtig ist, oder weil Du Burn-Out oder Depressionen hast, oder weil Du aus physischen Gruenden nicht mehr arbeiten kannst (gibt's ja auch)), stehst Du ganz schnell mit einem ganz kurzen Hemd da.

    Noch eine kleine Randnotiz zu Gerechtigkeit nicht nur in D:
    Vor einigen Tagen ging eine Meldung durch die Medien, dass "wir", so wurde es (zurecht!) gefordert, uns auch um die gerechte bzw. angemessene Bezahlung von auslaendischen (Textil-)Arbeitern kuemmern sollten (Unternehmerhaftung auch auf Subunternehmen bzw. Zulieferer ausweiten):
    Absolut Richtig! Weil "wir" ja staendig hinter den NOCH niedrigeren Angeboten herrennen muessen, sind Unternehmen ja quasi gezwungen in Entwicklungs)Laendern zu produzieren, und um noch etwas mehr Gewinn machen zu koennen, werden die Preise (bei den Produzenten dort) auch moeglichst tief gerdrueckt. Was dann zu den bekannten Folgen fuehrt. Und dafuer sind "wir" (mit)verantwortlich, durch unser "Konsumverhalten"
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#10 Karl MurxAnonym