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Russland

LGBTI-Aktivistin in St. Petersburg ermordet

Jelena Grigorjewa wurde in der Nähe ihrer Wohnung erstochen. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar.


Grigorjewa im April bei einem Protest zum Tag des Schweigens in St. Petersburg. Sie und weitere LGBTI-Aktivisten wurden deswegen festgenommen (queer.de berichtete)

Russlands queere Community trauert um ein bekanntes Gesicht: Offenbar in der Nacht zum Sonntag wurde die St. Petersburger LGBTI-Aktivistin und Bürgerrechtlerin Jelena Grigorjewa brutal ermordet. Die Polizei nahm später einen 40-jährigen Verdächtigen fest.

Laut lokalen Medien war die Polizei am späten Sonntagnachmittag in den Moskauer Bezirk der Metropole gerufen worden, nachdem ein Passant die übel zugerichtete Leiche einer Frau in einem Busch vor einem Haus entdeckt hatte. Einer ersten gerichtsmedizinischen Untersuchung zufolge wurde die 41-Jährige, die später von zwei befreundeten LGBTI-Aktivisten identifiziert wurde und in der Nähe des Tatorts gewohnt hatte, bereits in der Nacht ermordet. Die Leiche habe acht Stichwunden und Zeichen von Strangulation aufgewiesen.

Wenig später nahm die Polizei einen arbeitslosen 40-Jährigen, der aus Baschkortostan stammen soll, unter Mordverdacht fest. Weitere Details zu den Ermittlungen und möglichen Hintergründen der Tat wurden zunächst nicht bekannt. Laut einigen aktuellen Meldungen wurde der Mann bereits wieder freigelassen, nachdem sich der Verdacht nicht bestätigt habe.

Polizei reagierte nicht auf Bedrohungen

Die ursprünglich aus Nowgorod stammende Grigoriewa hatte sich als Mitglied der "Hetero- und LGBT-Allianz für Gleichberechtigung" und des LGBT Network an diversen queeren Protesten in St. Petersburg beteiligt, sich zugleich in Einzel- und Massenkundgebungen immer wieder für unterschiedliche Themen engagiert, für Krimtataren ebenso wie gegen Folter oder für Tierrechte. "Sie wurde regelmäßig von Homophoben in der Öffentlichkeit und im Internet wegen ihrer sexuellen Orientierung und öffentlichen Aktivitäten bedroht", so die Allianz in einer ersten Stellungnahme im sozialen Netzwerk vk. Grigorjewa hatte sich vor einiger Zeit als bisexuell geoutet.

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Gepostet von ?????????? ????-???? am Montag, 22. Juli 2019
Facebook / Russian LGBT Network

Der Menschenrechtsaktivist Dinar Idrisow betonte gegenüber Medien, Grigorjewa und ihr Anwalt hätten Bedrohungen und erfolgte tätliche Übergriffe regelmäßig der Polizei gemeldet, worauf "keine spürbare Reaktion" erfolgt sei. Man hoffe nun "auf eine rasche, objektive und umfassende Aufklärung dieses schrecklichen Verbrechens", so die Gruppe "Straights for Equality", und spreche Jelenas Familie und Freunden das Beileid aus. Idrisow betonte in einem emotionalen Abschieds-Posting, Grigorjewa habe eine Freundin gebeten, sich um ihre Katze zu kümmern, wenn ihr etwas zustoßen sollte.

Der Name Jelena Grigorjewas fand sich auch auf einer Liste von zu tötenden LGBTI-Aktivisten, wie sie auf einer vor wenigen Tagen gesperrten Webseite aufgetaucht war. Unter Berufung auf eine Horror-Film-Reihe und mit dem Schlagwort "Das Comeback von Tschetschenien" waren Nutzer in einem vermeintlichen Spiel seit dem letzten Jahr aufgefordert worden, die betroffenen Personen gegen eine Belohnung zu jagen (queer.de berichtete). Das LGBT Network nahm die ursprünglich offenbar aus der Region Baschkortostan stammenden Bedrohungen ernst. Bis zuletzt blieb allerdings unklar, wer hinter der Seite steckte, wie ernsthaft sie gemeint war und welchen Einfluss sie hatte. (nb)

Wir haben den transkribierten Namen der Aktivistin nachträglich an die Version deutscher Nachrichtenagenturen angepasst



#1 TomDarkProfil
  • 22.07.2019, 18:57hHamburg
  • Immer wieder sehr deprimierend, solche Nachrichten hier zu lesen.

    Meine Wut über dieses Land werde ich hier besser nicht äußern.

    Das bringt eh nix.

    R. I. P.
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#2 zundermxeAnonym
#3 Ana NymAnonym
  • 22.07.2019, 23:12h
  • Antwort auf #1 von TomDark
  • Hi Tom,
    hast Du das Plakat gelesen, welches Elena Grigoriewa da hoch hält.
    Lesen hilft manchmal.
    "5 Millionen LGBT leben in Russland"
    Sie hat sich für ein besseres Russland eingesetzt.
    Ein Land zu hassen ... bedeutet seine Einwohner*innen zu hassen.
    USAs Regierung ist zur Zeit übel, Russlands Regierung auch, In Polen regieren auch Idioten, in Deutschland macht die AfD sich breit, In Frankreich tutet die Front Nationale, ...
    Die Länder brauchen nicht unseren Hass, sie brauchen Solidarität, sie brauchen uns.
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#4 Alexander_FAnonym
  • 22.07.2019, 23:31h
  • Antwort auf #3 von Ana Nym
  • Ein Land zu hassen bedeutet in erster Linie, das dort herrschende politisch-gesellschaftliche System zu hassen. Und das System Russlands ist nun einmal tatsächlich eines der widerlichsten, das derzeit existiert, und ich habe das während meiner längeren Aufenthalte in diesem Land ebenfalls feststellen können.

    Dass die dort lebenden LGBTIs ebenso unserer Solidarität bedürfen wie alle Menschen dort, steht außer Frage. Ich habe selbst dort von LGBTIs wie auch Heten zu hören bekommen, wie sehr sie unter den dortigen Verhältnissen leiden, wie sehr "wir Russen uns alle gegenseitig vernichten und unterdrücken", wie es jemand so schön ausdrückte.

    Wie im Falle von Ländern wie dem Iran oder Saudi-Arabien kann diese Solidarität mit dem Volk allerdings nur bedeuten, es jenen Metzgesellen gegenüber, denen sie ausgeliefert sind, eben gerade nicht zu sein.
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#5 HessenmikeProfil
  • 22.07.2019, 23:34hRüsselsheim
  • Rasch, umfassend und objektiv bleibt wohl leider ein Wunsch. Eher das Gegenteil wird wohl passieren. Schließlich war sie eine von uns also unwichtig dafür Ressourcen zu verschwenden. Leider!
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#6 Alexander_FAnonym
  • 22.07.2019, 23:36h
  • Antwort auf #3 von Ana Nym
  • Und wenn schon bitte das Plakat auch vollständig übersetzen:
    "In Russland leben über 5 Millionen LGBTI (soweit warst du ja schon, jetzt kommt's aber:) WEGEN HASS UND IGNORANZ DER GESELLSCHAFT VERSTECKT"
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#7 JadugharProfil
  • 23.07.2019, 02:30hHamburg
  • Antwort auf #6 von Alexander_F
  • Ich befürchte, daß weder die orthodoxe Kirche noch diverse russische Politiker durch diesen brutalen Mord wachgerüttelt werden, etwas gegen LGBTI-Hassverbrechen was zu unternehmen, noch daß derartige Fälle vollständig aufgeklärt werden. So wie es scheint, ist sie ein Opfer eines Hassverbrechens. Jetzt hat man sie vollständig zum Schweigen gebracht!
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#8 berliner_bärchenAnonym
  • 23.07.2019, 10:07h
  • An der grausamen Tat kann man erkennen, wie Hetze wirkt. Nicht alle, die sich dem Hass hingeben begehen Morde aber sie tun auch nichts gegen die, die morden. Im Gegenteil, sie klatschen auch öffentlich Beifall.

    Solche Tendenzen gibt es überall, aber in liberaleren Gesellschaften können Minderheiten über verschiedene Kanäle auf sich aufmerksam machen und sich wehren - auch juristisch.
    Das ist in Russland nicht möglich. Dort verhindern Gewalt und Hass, dass sich ausreichend viele LGBT outen und offen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Diskriminierung im eigentlichen Wortsinn - sie werden klein gemacht und klein gehalten.

    Es ist eine Schande, dass Menschen solches Unrecht angetan wird und große Teile der Gesellschaft das mittragen. Das ist eine Schande, gerade auch für sogenannte "Putinversteher".
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#9 Alexander_FAnonym
  • 23.07.2019, 12:48h
  • Antwort auf #7 von Jadughar
  • Deine Befürchtung teile ich absolut und ich widerspreche dir auch sonst nicht. Und nach allem, was ich weiß, sind solche Verbrechen an der Tagesordnung.
    Mein Mitbewohner damals in Moskau erzählte mir auch in recht stoischer Ruhe, dass er seit seinem Umzug in die Hauptstadt schon dreimal krankenhausreif geprügelt worden sei. Auf dem Lande sei es aber noch viel schlimmer, von daher habe er es wohl noch ganz gut getroffen.
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#10 Ana NymAnonym
  • 23.07.2019, 19:10h
  • Antwort auf #6 von Alexander_F
  • Hi Alex,
    stimmt, das steht darunter, und?
    Unser Missverständnis kommt doch nur daher, dass wir etwas anderes unter Russland verstehen:
    Du sagtest, es sei für Dich die Regierung (amtierende), für mich - da Du in Russland gelebt hast weißt Du das auch - und die meisten Russ*innen, die sich mit ihrem Land (nicht unbedingt mit der Regierung) identifizieren, machen die Menschen ein Land aus.
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