Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34119

Baden-Württemberg

AfD-Abgeordnete: Homosexuelle sollten sich vom CSD distanzieren

Wer als "Teil unserer Gesellschaft angesehen" werden wolle, müsse bei der "Zurschaustellung exaltierter Obszönität" ein "Umdenken" zeigen, meint Carola Wolle. Auch die Demo-Genehmigung des Stuttgarter CSD stellt sie in Frage.


Carola Wolle vor wenigen Monaten bei einer Rede im Stuttgarter Landtag

Wenige Tage vor dem diesjährigen CSD in Stuttgart hat die AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg dessen Untersagung als politische Demonstration ins Gespräch gebracht und eine Distanzierung Homosexueller von der Parade gefordert. "Schrillstes Outfit, Fetische, Sklaven und geschminkte Männer in Frauenkleidern deuten eher auf eine Art Karneval als auf eine politische Demonstration hin", heißt es in einer von der Fraktion verbreiteten Pressemitteilung der AfD-Landtagsabgeordneten Carola Wolle.

Die 55-jährige Unternehmerin gibt sich zunächst tolerant: "In den 50 Jahren seit dem Stonewall-Aufstand haben sich die Homosexuellen gleiche Rechte und volle Akzeptanz in der Gesellschaft erkämpft – und das ist auch gut so." Doch Bilder und Videos "dieser so genannten 'Polit-Paraden'" ließen Zweifel aufkommen, ob es sich "wirklich um politische Demonstrationen" handele: "Es fällt schwer zu glauben, dass das, was auf dem CSD alleine optisch geboten wird, als politische und gesellschaftliche Forderungen von Homosexuellen zu deuten ist", so Wolle. "Vielmehr scheint sich dort eine radikale Minderheit als 'Regenbogen-Community' enthemmt selbst zu feiern."


Logo und Motto des diesjährigen CSD in Stuttgart. Die Botschaft wird auf der Webseite ausführlich begründet

"Schwule, Lesben und Co." hätten "lange gebraucht, bis sie als selbstverständlicher und voll akzeptierter Teil der Gesellschaft anerkannt wurden", so die AfD-Presemitteilung. "Anstößige Fetisch-Paraden" dienten nicht dazu, "diese Errungenschaft zu erhalten". Im Gegenteil bedienten diese laut Wolle "alle Klischees, die gegenüber Homosexuellen noch immer existieren": "Akzeptanz von Homosexualität heißt nicht Akzeptanz von Zurschaustellung exaltierter Obszönität."

"Wenn Schwule und Lesben weiter als selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft angesehen werden wollen, so sollten sie sich von diesem Polit-Zirkus einer offenbar radikalen Minderheit distanzieren! Darüber hinaus sollten die Behörden prüfen, ob ein Umzug von Fetischclowns weiterhin als politische Demonstration genehmigt werden soll." Der CSD habe sich in den letzten Jahren immer weiter von seinen Ursprüngen entfernt, meint Wolle. "Hier ist auf Seiten der Homosexuellen Umdenken angebracht."

Homophobe Hetze im Landtag

Die Abgeordnete, die auf ihrer Webseite mehrere Pressemitteilungen der homo- und transfeindlichen "Demo für alle" verbreitet und sich auf Facebook bei einer Bus-Kundgebung der Bewegung mit einer Flagge der "Demo für alle" ablichten ließ, hatte sich schon mehrfach homophob geäußert. So meinte Wolle einmal im Landtag, die "Gender-Ideologie" wolle "weniger Menschen und mehr sexuelles Vergnügen", etwa durch "Abtreibung für alle" sowie der "Förderung homosexuellen Verhaltens", "da es dabei nicht zur Empfängnis kommt". Kurz vor der Einführung der Ehe für alle betonte die Politikerin im Stuttgarter Landtag, die Liebe zwischen Mann und Frau sei das Abbild der Liebe Gottes. Die Ehe könne nach der Öffnung für homosexuelle Paare zu einem "beliebigen Konstrukt" werden: "Halten dann Kinderehen, Polygamie oder Geschwisterehen Einzug?" (queer.de berichtete).


Für ihr Facebook-Profil ließ Wolle sich 2018 mit einer Flagge der homo- und transfeindlichen "Demo für alle" ablichten, bei einer Kundgebung des Bündnisses in Stuttgart im Rahmen einer Bus-Tour (queer.de berichtete). Im direkten Vorfeld hatte Organisatorin Hedwig von Beverfoerde den "Stuttgarter Nachrichten" erzählt, "dass die sexuelle Ausübung von homosexuellen Akten nicht gut ist" und zwar "nicht gut im Sinne von gesund"

"Kritik" an Pride-Veranstaltungen hat in der AfD ebenso Tradition wie Kritik an LGBTI-Rechten: 2016 hatte etwa der Thüringer Landtagsabgeordnete Thomas Rudy gegen den CSD als "Dekadenz, Perversion und Selbsthass" gewettert (queer.de berichtete). Im gleichen Jahr empörte sich der thüringische Landes- und Fraktionsvorsitzende Björn Höcke bei einer Rede unter "Pfui"-Rufen, dass die CSU einen Wagen beim CSD in München gehabt habe, während der damalige Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, meinte, die AfD lehne den CSD ab. Dieser wirke anstößig und schade damit auch Homosexuellen (queer.de berichtete). "Dass Schwule halbnackt tanzten, dürfe nicht sein", zitierte ihn auch die FAZ: "Die AfD sei nicht gegen Homosexuelle, nur gegen die Homo-Ehe und gegen Exzesse wie auf dem Christopher Street Day" (queer.de berichtete).

Vimeo / CSD Stuttgart | Eindrücke vom Stuttgarter CSD 2018

Der CSD in Stuttgart steht in diesem Jahr unter dem Motto "Mut zur Freiheit" und erreicht am Wochenende nach mehreren Veranstaltungswochen mit der Polit-Parade am Samstag und der Hocketse, dem Straßenfest auf Markt- und Schillerplatz an Samstag und Sonntag, seinen Höhepunkt. Alle Infos bietet die CSD-Webseite. (nb)



#1 Patrick SAnonym
  • 24.07.2019, 11:11h
  • Wer als Teil unserer Gesellschaft gelten will, sollte sich von der AfD distanzieren!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 KetzerEhemaliges Profil
  • 24.07.2019, 11:35h
  • Na das ist doch Wasser auf die Mühlen derjenigen lieben Mitforist_innen hier, die immer wieder in dasselbe Horn tuten: Bloß nicht auffallen, gefälligst dem Mainstream anpassen, wegducken, sich selbst klein machen, Fetischleute müssen komplett ausgeschlossen werden, etc. etc. etc.

    Nun ist endlich ein für alle Mal klargestellt, in WESSEN Horn Ihr tutet: nämlich in das der AfD.

    Ich muss halt schon wieder Dannecker zitieren, allerdings dieses Mal mit einem anderen Zitat:

    Was wirkliche Toleranz von Scheintoleranz unterscheidet, ist ihr Wissen um das noch Differente und das Akzeptieren des Anderen als Anderen.
    Martin Dannecker in Der Homosexuelle und die Homosexualität, 1978

    ECHTE Akzeptanz ist also nur diejenige, die den Anderen als ANDEREN akzeptiert.
    Wenn wir nur akzeptiert werden, sofern wir uns unterordnen, gleichmachen, kaputtmachen lassen, ist auf die Wörtchen "Akzeptanz" und auf "Toleranz" gepfiffen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 SoSoAnonym
  • 24.07.2019, 11:37h
  • Antwort auf #1 von Patrick S
  • Distanzieren ist noch viel zu wenig.
    Diese eindeutig rechtsradikale Partei die immer mehr unter die Fittiche des Höcke Flügels gerät ist strikt zu bekämpfen.
    Leute die diese Truppe unterstützen, wählen oder verteidigen sind für mich kein Umgang mehr.
    Einen schwulen langjährigen Bekannten, der mir erzählt hat das er sowohl bei der Europawahl als auch bei der Bundestagswahl AfD gewählt hat, habe ich stante pede meines Hauses verwiesen und ihm mitgeteilt, dass er sich nicht mehr blicken zu lassen braucht.
    Nazis sind kein Umgang!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 HappyBisexualAnonym
  • 24.07.2019, 11:57h
  • Wer nicht über seinen eigenen, heterosexuellen Tellerrand gucken möchte, sollte doch bitte nicht den CSD kommentieren. Und schon gar nicht, wenn man die "Demo für alle" unterstützt.

    Dass man, wenn man die Klischees über einen selber in die Hand nimmt, sie ebenfalls ein Stück entmachtet, ist der Frau auch nicht klar. Abgesehen von den vielen Individuen, die dort auch in
    Zivilkleidung mitlaufen. Und unter anderem geschminkte Männer* in "Frauenklamotten" als "exaltierte Obzönität" zu betiteln, zeigt erneut, wo der Tellerrand von Wolle hängt.

    Wer behauptet, LGBT+ Leute wären vollsten akzeptiert in der Gesellschaft und im gleichen Atemzug noch von "Gender-Ideologie" etc. redet (wenn man im Landtag sitzt!), der ist blind. Mehr nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 RyluriAnonym
  • 24.07.2019, 12:39h
  • Sich allen gesellschaftlichen Normen anzupassen hat auch erstmal gar nichts mit der Sexualität zu tun. Oder tragen alle Heteros Polo-Shirts und fliegen jedes Jahr nach Mallorca?
  • Antworten » | Direktlink »
#6 TheDadProfil
  • 24.07.2019, 13:20hHannover
  • "" "Schrillstes Outfit, Fetische, Sklaven und geschminkte Männer in Frauenkleidern deuten eher auf eine Art Karneval als auf eine politische Demonstration hin" ""..

    Und damit wendet sie sich dann auch gleich gegen die Bad Cannstatter Wasen und den Stuttgarter Karnevals-Umzug ?

    Demonstrationen unterliegen dann auch weder einer "Kleider-Ordnung" noch einer "Genehmigungs-Pflicht"..
  • Antworten » | Direktlink »
#7 thorium222Profil
  • 24.07.2019, 13:38hMr
  • Ahja. Na dann erinnern wir uns doch Mal, wie akzeptiert wir ohne CSD waren, als sich alle noch im Schrank versteckt haben.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Fascho-WatchAnonym
  • 24.07.2019, 14:09h
  • Nur zur Erinnerung: Leute wie die lt. Wikipedia evangelische Christin Wolle sind die Leute, mit denen die sächsische christliche CDU gerne gemeinsame Sache machen möchte.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Lukas OliverAnonym
  • 24.07.2019, 14:10h
  • Die AfD meint sich mit ihrer plumpen Hetze offenbar selber:
    Die AfD selber ist anstössig, verbreitet immer wieder lächerliche und unsittliche Obszönitäten und ist eine radikale Minderheit!

    ... Und ich bin schwul, und ich bin sehr stolz auf meine schwule Identität!
  • Antworten » | Direktlink »
#10 MaenneAnonym
  • 24.07.2019, 14:15h
  • Ist doch eigentlich gut, dass dieser Partei vor lauter Blödheit rein gar nichts Sinnvolles mehr einfällt. Mit derart hirnlosen Dümmlichkeiten disqualifiziert sich die AfD, die in Sachsen z. B. zu blöd ist, eine Wählerliste aufzustellen und ein Parteiprogramm hat, das fern aller gesellschaftlichen Anforderungen ist, immer und immer weiter. Weiter so, liebe AfD.
  • Antworten » | Direktlink »