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Kommentar

Das Ende des Straightwashing unserer Kindheitsheld*innen

Im vierten Thor-Kinofilm "Love and Thunder" wird Valkyrie, gespielt von Tessa Thompson, die erste queere Superheldin im Marvel-Universum. Ein überfälliger Schritt, auch wenn wir noch zwei Jahre warten müssen!


Tessa Thompson als Valkyrie im Trailer zum Marvel-Film "Thor: Ragnarok" (Bild: Screenshot)

Die Bestätigung der Bisexualität von Valkyrie aus dem Marvel Cinematic Universe (MCU) durch Produzent Kevin Feige bei der San Diego Comic-Con am vergangenen Wochenende lässt die Herzen vieler Fans aus der queeren Community höherschlagen. Völlig zu Recht!

In den Comicvorlagen vieler moderner Verfilmungen werden Superheld*innen und Bösewichte zwar teilweise schon seit Jahrzehnten als queer dargestellt – doch im Zuge der Adaption für Film und Fernsehen wurden die Charaktere bisher an heteronormative Standards angepasst. Die aktuelle Entwicklung – nicht nur bei Marvel, sondern auch bei DC – weckt die Hoffnung, dass unsere Lieblingsfiguren in Zukunft nicht mehr verändert werden, um einer größeren Masse zu gefallen. Bereits die schwule Nebenfigur in "Avengers: Endgame" war ein erster Schritt.

Homo-"Heilung" von Harley Quinn und Wonder Woman

Schon in meiner Kindheit war ich ein großer Fan von Comics, und Harley Quinn war mein persönliches Vorbild. In "Batman: The Animated Series" war Quinn nämlich selbstbewusst und nicht einfach nur ein Anhängsel des Jokers. Sie hatte eine intime Beziehung mit Poison Ivy, die sie offen zur Schau gestellt hat. Als DC Harley Quinn im Film "Suicide Squad" dann als heterosexuell dargestellt hat und im Anschluss daran einfach jedes Paar sich an Halloween als Harley und der Joker verkleiden wollte, hat mich das genervt und ein bisschen verletzt.

Auch Wonder Woman ist für Hollywood schnell zurechtgerückt worden. Wer ein echter Fan ist, weiß, dass in Dianas Heimat gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen Frauen eher die Regel als die Ausnahme sind und auch die Heldin selbst nicht auf Männer festgelegt ist. In den Filmen haben wir aber im besten Fall homoerotischen Subtext zu sehen bekommen und obendrein eine von Männern faszinierte Amazonen-Kriegerin.

Die progressive Vision von Waititi

Dass Regisseur Taika Waititi sich in seiner Vision für "Thor: Love and Thunder", in dem Valkyrie definitiv eine Rolle spielen wird, nicht von den Befindlichkeiten der Allgemeinheit beeinflussen lässt, zeigt sein gesamtes Konzept für den Film: Im vierten Teil der Thor-Reihe, der 2021 in die Kinos kommen soll, wird Natalie Portman erneut die Forscherin Jane Foster spielen, die nun selbst die Mächte Thors erhält. Der weibliche Thor wurde in den Comics schon vor einigen Jahren dargestellt, was auf große Gegenwehr gestoßen ist. Diesen Schritt dennoch zu gehen und zusätzlich die erste offen queere Superheldin darzustellen, ist mutig und progressiv.

Wie sieht die Zukunft aus? Die Produktion der Serie "Batwoman", die kanonisch schon lange lesbisch ist, mit der offen queeren Ruby Rose in der Hauptrolle und die Ankündigung einer LGBTI-Storyline für Valkyrie weckt die berechtigte Hoffnung, dass die queere Community endlich eine angemesse Repräsentation erhält.

Zu queer für die Einschaltquote?

Ich befürchte allerdings, dass die Entwicklung stark von den Reaktionen der Zuschauer*innen abhängig gemacht wird. Wenn die Einschaltquoten für "Batwoman" schlecht sind, wird die Serie natürlich eingestellt und nicht weiter produziert. Die Geschichte von Valkyrie kann auch noch verändert werden. Tessa Thompson, die Valkyrie spielt und selbst pansexuell ist, verkündete zwar optimistisch, Valkyries erste königliche Amtshandlung bestünde darin, sich eine Königin zu suchen, aber Kevin Feige ruderte direkt zurück und sagte, man wisse noch nicht, inwieweit Valkyries sexuelle Orientierung die Story überhaupt beeinflussen werde.

Für "Thor: Tag der Entscheidung" war bereits eine Szene gedreht worden, in der eine Frau das Schlafzimmer von Valkyrie verließ. Später entschied man sich aber dafür, die Szene herauszuschneiden, weil sie angeblich zu sehr vom Fokus der Geschichte abgelenkt hätte.

Hoffentlich wird es solche Ausreden in Zukunft nicht mehr geben. Wenn weibliche nicht-heterosexuelle Charaktere in Comicverfilmungen selbstverständlich dargestellt werden, schaffen es als nächsten Schritt auch schwule und trans Superheld*innen auf die Leinwand. Die neue Vielfalt düfte nicht-queeren Zuschauer*innen angesichts der Menge an Superheld*innen und Bösewichten in Hollywood übrigens nicht einmal weh tun.



#1 JarJarProfil
  • 25.07.2019, 11:39hKiel
  • Ich hoffe sehr dass wir in der Zukunft die Young Avengers sehen werden und Wiccan und Hulkling uns das volle Programm geben. :D
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#2 ServiervorschlagAnonym
  • 25.07.2019, 19:45h
  • Danke für den interessanten Artikel. Kleine Kritik:

    "Sie hatte eine intime Beziehung mit Poison Ivy, die sie offen zur Schau gestellt hat."

    Hat sie wirklich eine "intime" (also rein sexuelle und nicht etwa auch soziale) Beziehung "zur Schau gestellt", oder hat sie sie einfach nur eine Beziehung gehabt, wie es für Heterosexuelle selbstverständlich ist, und diese nicht versteckt?

    Ggf. mal kurz eigenes Homophobie-Wording abchecken...
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#3 DramaQueen24Profil
  • 26.07.2019, 05:39hBerlin
  • In meiner Kindheit und meiner damaligen Fantasie waren viele meiner SuperheldInnen queer. Spiderman (der absolute Lieblingsheld meiner Kindheit) war beispielsweise ein Transmann. Batman und Robin (später Nightwing) waren in meiner Fantasie schwul, Wonder Woman lesbisch, Supergirl war eine Transfrau.
    Gut, dass meine Kinderträume bei anderen Figuren Wirklichkeit werden.
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#4 Kathi GrelckAnonym
  • 28.07.2019, 20:27h
  • Antwort auf #2 von Serviervorschlag
  • Hallo :)

    Lieben Dank für dein Feedback!
    Es war in der Serie schon so, dass Harley Quinn dem Joker ihre Beziehung mit Poison Ivy ein bisschen unter die Nase gerieben hat, aber im Prinzip war es trotzdem eine ganz normale Beziehung.

    Mir war nicht bewusst, dass meine Formulierung problematisch ist, aber jetzt verstehe ich deinen Ansatz total! In Zukunft werde ich anders daran gehen :)

    Liebe Grüße
    Kathi (die Autorin des Artikels)
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#5 Kathi GrelckAnonym
#6 ServiervorschlagAnonym
  • 28.07.2019, 22:15h
  • Antwort auf #4 von Kathi Grelck
  • Hey Kathi, das ist ja nett, dass du hier antwortest. Über das Wort "intim" habe ich hinterher noch mal nachgedacht und glaube, das hätte ich nicht so auf die Goldwaage legen sollen. Man verwendet das bei Heteros auch, wenn man ausdrücklich betonen möchte, dass es nicht nur Freundschaft ist. Ansonsten hat mir dein Artikel gut gefallen, vielleicht lesen wir ja noch mehr von dir...
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#7 Kathi GrelckAnonym
  • 29.07.2019, 12:33h
  • Antwort auf #6 von Serviervorschlag
  • Ich finde es schön, da Feedback von außen zu bekommen! Und manchmal ist die Goldwaage auch ganz nett :)

    Gestern ist von mir etwas zur App Proudr veröffentlicht worden und demnächst sollte eine Filmbesprechung kommen! Ich hoffe auch, dass dann noch mehr Artikel folgen
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#8 stromboliProfil
  • 29.07.2019, 14:36hberlin
  • Antwort auf #5 von Kathi Grelck
  • >> P.S: Mit "intim" hatte ich nicht sexuell gemeint, sondern sehr nah und über platonische Freundschaft hinausgehend :) <<
    euren dialog mit interesse verfolgt.
    Merkwürdig: es wir viel über "intimität und persönlicher "nähe " gesprochen, aber nie über sexualität.

    Entsexualisieren ja profanisieren wir so nicht nur unsere sprache und damit unseren wirklich INTIMEN umgang miteinander...

    Es zeichnet sich mir ein "trend" ab: explizit will man über worthülsen wie "intimität" oder "queer" von den eigentlichen schmutzigen dingen ablenken: zwei oder auch viele, die da miteinander ficken!

    Queer so mittlerweile zum synonym für alles mögliche herhalten kann so es nur angeblich nicht dem heteronormativen entspricht.
    Mich erinnert dies ein wenig an frühere selbstzuordnungen wie Bi-sexuell sein zu wollen ohne genau zu definieren was damit eigentlich ausgesagt wird. Was und wem man letztendlich zuneigt.
    Wobei wir den bi-menschen oft auch zu unrecht ambivalenzen vorwarfen. Sich nicht für etwas eindeutig entscheiden wollen heißt nicht sich nicht für etwas zu interessiern. Aber alle sein zu wollen ohne konkret zu formulieren was man damit denn auch meint, ist um den heißen brei herum reden.

    So auch nun im postuliuerten "intim", dass uns alles sagen kann was wir hineingeheimsen , aber auch alles abstreiten kann das das schröcklioch sexuelle in unseren wahrnehmungen zuspitzt.
    >> sehr nah und über platonische Freundschaft hinausgehend :) <<
    Ist händchenhalten dann schon "queer"?
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#9 Kathi GrelckAnonym
  • 29.07.2019, 19:20h
  • Antwort auf #8 von stromboli
  • Das sind sehr interessante Aspekte, die du da ein wirfst! Ich muss sagen, zum Teil sind Verkürzungen und bestimmte Aussagen in meinem Text der nötigen Kürze geschuldet (auf meinem Instagram Kanal habe ich dem Thema deshalb nochmal ein 10 Minuten langes Video gewidmet).

    Andererseits ist es aber auch so, dass die Meinungen darüber, welche Begriffe aus welchen Gründen homophob oder diskriminierend sind, teilweise sehr gegensätzlich. Ich versuche mich nach bestem Wissen und Gewissen auszudrücken und mir Kommentare und Hinweise wie deinen (und auch von meinem Chefredakteur) zu Herzen zu nehmen, um in Zukunft hoffentlich immer weniger unglückliche Formulierungen zu wählen!

    Ich finde es spannend, dass meine Formulierung einer Person zu eng gefasst war und der anderen nicht eng und eindeutig genug. Ich merke, dass sich da ein ganz eigenes Forschungsfeld im Bereich der Sprache bildet. Hast du einen Vorschlag dafür, welche Formulierung besser gewesen wäre? Vielleicht kann ich das in Zukunft berücksichtigen :)

    Liebe Grüße,
    Kathi
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#10 stromboliProfil