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St. Petersburg

Erstochene LGBTI-Aktivistin: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Der frühere Bekannte habe Jelena Grigorjewa unter Alkoholeinfluss im Rahmen einer persönlichen Auseinandersetzung getötet, glauben die Behörden.


Der Tod Jelena Grigorjewas hatte Menschen auf der ganzen Welt entsetzt

Die russischen Behörden haben am Donnerstag einen vorbestraften Mann verhaftet, der im Verdacht steht, die St. Petersburger LGBTI-Aktivistin Jelena Grigorjewa in den frühen Morgenstunden des letzten Sonntags mit acht Messerstichen in Rücken und Kopf getötet zu haben. Die 41-Jährige sei sofort ihren Verletzungen erlegen, so die 2007 geschaffene Strafverfolgungsbehörde "Ermittlungskomitee".

Ihre Leiche war am Nachmittag von einem Passanten in Büschen vor einem Wohnhaus gefunden worden, in der Nähe der Wohnung der Aktivistin (queer.de berichtete). Laut Behörden sei es am Tatort zwischen dem Verdächtigen, einem noch nicht benannten Mann aus Kirgisistan, und der Frau zu einem Streit gekommen. Es handle sich um eine Auseinandersetzung häuslicher Art zwischen Personen, die sich früher näher gekannt hätten, so die Behörden.

Die Ermittlungen dauerten an, während zu dem 1981 geborenen, zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss stehenden Mann Details zu Anklage und Verwahrung geprüft würden. Die Ermittlungen liefen seit Sonntag zunächst wegen eines Mordes. Die Mitteilung des Ermittlungskomitees geht nicht auf Homophobie als mögliches (Teil-)Motiv ein. Vielmehr betonen die Behörden, die Getötete habe einen "asozialen Lebensstil" geführt: In mehreren Fällen habe sie alkoholische Getränke konsumiert, auch im Beisein des Verdächtigen.


Grigorjewa im April bei einem Protest zum Tag des Schweigens in St. Petersburg. Sie und weitere LGBTI-Aktivisten wurden deswegen festgenommen (queer.de berichtete)

Der Tod Grigorjewas, die eine 20-jährige Tochter hinterlässt, hatte für Entsetzen in der örtlichen Szene gesorgt. Die Aktivistin engagierte sich beim "LGBT Network" und der "Hetero- und LGBT-Allianz für Gleichberechtigung", aber auch für Tierrechte, gegen Folter oder für Krimtataren. Sie nahm an Dutzenden Kundgebungen in der Innenstadt teil und wurde dabei mehrfach festgenommen. Anfang des Jahres hatte sie sich öffentlich als bisexuell geoutet.

In regionalen Medien hatten Freunde von mehreren Personenkreisen berichtet, die Verdächtige sein können: So habe Grigorjewa nach dem Coming-out Bedrohungen von Nachbarn erhalten ebenso wie von früheren Bekannten, die teilweise aus dem nationalistischen Umfeld stammen, in dem sie sich ursprünglich engagiert hatte. Auch ein stadtbekannter Anti-LGBTI-Aktivist habe sie bedroht. Zudem fand sich ihr Name auf einer wenige Tage vor dem Mord abgeschalteten Webseite mit einer Art Todesliste mit Namen von LGBTI-Aktivisten. Die Seite diente in der Einschätzung des LGBT Network wohl vor allem der Einschüchterung; am Mittwoch forderten Aktivisten Behörden erneut dazu auf, ihre Hintergründe zu ermitteln (queer.de berichtete).


Am Dienstag erinnerten bis zu 100 Menschen in St. Petersburg mit einer Mahnwache an die getötete Aktivistin

Es ist davon auszugehen, dass befreundete Aktivisten und Rechtsanwälte der Aktivistin die weiteren Ermittlungen und den möglichen Prozess genau verfolgen und auf homophobe Motive achten werden. Am Dienstag hatte es in St. Petersburg eine Gedenkkundgebung mit Kerzen, Blumen und Plakaten gegeben, auch in Kiew oder New York gab es spontan organisierte Mahnwachen. Weitere Gedenkaktionen sind in den nächsten Tagen geplant.



#1 DramaQueen24Profil
  • 26.07.2019, 05:45hBerlin
  • Alte Geheimdienstmethode: Töte eine unliebsame Person und, wenn es einen Aufschrei in der Bevölkerung gibt, wirf dem Volk einen Knochen in Form eines Verdächtigen hin, der mit der Tat nichts zu tun hat, und betraf diesen hart. Somit ist der "Volkszorn" beruhigt. Und man kann ungestraft weiter morden. Funktioniert bei allen Geheimdiensten, und vor allem in totalitären und autokratischen Staaten.
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#2 TheDadProfil
  • 26.07.2019, 10:00hHannover
  • Antwort auf #1 von DramaQueen24
  • ""Und man kann ungestraft weiter morden. Funktioniert bei allen Geheimdiensten, und vor allem in totalitären und autokratischen Staaten.""..

    Da diese Methodik ja auch schon "sehr erfolgreich" von allen möglichen "Geheimdiensten" der USA angewendet wurde, und wahrscheinlich immer noch angewendet wird, wenn auch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf dem Staatsgebiet der USA, so kann man dann trotzdem behaupten, selbst die USA sind ein solcher
    "totalitärer und autokratischer" Staat ?
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#3 DramaQueen24Profil
  • 26.07.2019, 11:02hBerlin
  • Antwort auf #2 von TheDad
  • Unter Trump ganz sicher. Für die Zeit vorher würde ich das nicht behaupten, weil vieles am Kongress, Senat und WH vorbei geschieht. Viele Geheimdienste in den USA haben einen "Geheimdienst innerhalb des Geheimdienstes, welches sich nicht um Recht, Gesetz oder Regeln zu kümmern braucht. CIA, NSA und MCIA (der Nachrichtendienst der Marines) hatten zumindest bis in die Achtziger hinein so etwas.
    Auch bei den Ruskies und den Briten soll es so etwas geben (zumindest bis in die Neunziger hinein).
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#4 LeiderAnonym
  • 26.07.2019, 13:52h
  • Antwort auf #3 von DramaQueen24
  • Mit dem J.F.K. Mord und dem Mord an Martin Luther King Jr, hat es auch funktioniert - leider.
    Muss ne Spezialität des amerikanischen Hauses des Geheimdienstes sein. Aber sicherlich nicht nur in diesem Land.

    ©BuntesUndSchönes
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#5 TheDadProfil
  • 27.07.2019, 12:01hHannover
  • Antwort auf #3 von DramaQueen24
  • ""Unter Trump ganz sicher.""..

    Unter Reagan, Nixon, oder selbst unter Kennedy etwa nicht ?

    Ich wollte gar nicht auf die Morde an Kennedy selbst, oder Luther King hinaus, sondern auf die Mordanschläge etwa auf Castro, die ständige
    "Einmischung in die inneren Angelegenheiten"
    anderer Staaten, deren Auswüchse man gerade eben wieder im Iran erleben kann, wo sich Iranische Militärs als CIA-Angehörige entpuppen..

    Wenn das "innere Militär" durch den CIA gesteuert ist, wie weit trägt dann noch die Idee des
    "bösen Ajatollah -Systems" ?

    Wenn die NSU im Grunde genommen vollständig durch den Verfassungsschutz unterwandert ist, wer trägt dann wirklich die Verantwortung für die Morde an den Opfern ?

    ""Auch bei den Ruskies und den Briten soll es so etwas geben (zumindest bis in die Neunziger hinein).""..

    Das eigene Versagen des eigenen Staats-Systems mit dem Versagen anderer Staats-Systeme zu begründen ist keine "Argumentation" die dazu taugt Menschenfeindliches Verhalten von Staaten oder dessen Institutionen zu beenden..

    Wenn es in Russland Militärgefängnisse gibt in denen "Regime-Kritiker" (allein der Begriff ist schon der Aufruf dazu sich seiner Politik zu schämen) oder "Dissidenten" eingesperrt sind, dann ist allein dieses Vorhandensein schon der Auftrag an die USA solche Gefängnisse im eigenem Land nicht zu besitzen, denn sonst ist man keinen einzigen Deut besser als die Anderen..

    Der Mord an Jelena Grigorjewa und die Morde an vielen anderen Menschen in Russland, aber auch das immer noch betriebene "Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base", einem Militär-Stützpunkt außerhalb des eigenen Staatsgebietes, um dort angebliche und vermeintliche "Staatsfeinde" zu internieren, ist der Beweis dafür, das BEIDE Staatssysteme sich einen Dreck um Menschenrechte kümmern, und von der Idee eines
    "demokratischen Staates"
    immer noch sehr weit entfernt sind..
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