Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34144

"Welch elende Schande"

Bayreuther Festspiele: Buhrufe für schwarze Dragqueen

Nach dem Eklat bei der "Tannhäuser"-Premiere geht der britische Travestiekünstler Le Gateau Chocolat mit dem Bayreuther Publikum hart ins Gericht. Seine queere Identität sei "offensichtlich vielen von Euch fremd".


Le Gateau Chocolat performte mit Regenbogen-Einhorn am Weiher vor dem Festspielhaus und stand als Darsteller ohne Text mit Regenbogenfahne auch auf der Bühne bei "Tannhäuser" (Bild: Bayreuther Festspiele)

Nach der "Tannhäuser"-Premiere am Donnerstag bei den Bayreuther Festspielen geht der schwarze Travestiekünstler Le Gateau Chocolat mit dem Publikum hart ins Gericht. "Dass ich der EINZIGE Charakter war; Le Gateau Chocolat als Le Gateau Chocolat (keine Sprech- oder Singrolle), der auf dieser Bühne ausgebuht wurde, sagt viel darüber aus, wer ihr (immer noch) seid", schrieb er am Freitag auf Englisch auf Twitter und Facebook. Dem Regie-Team sei es wichtig gewesen, die queere Identität des Künstlers zu bewahren und zu zeigen. Es sei eine Identität, die "offensichtlich vielen von Euch fremd ist".

Dear Bayreuth, What a night. To be the ONLY character; Le Gateau Chocolat as Le Gateau Chocolat, (non speaking or…

Gepostet von Le Gateau Chocolat am Freitag, 26. Juli 2019
Facebook / Le Gateau Chocolat

Er erinnerte in seinem Post an Grace Bumbry, die "schwarze Venus". Die schwarze Opernsängerin stand 1961 in Bayreuth auf der Bühne. "Ich stand gestern Nacht auf ihren Schultern", schrieb der Künstler auf Facebook. "Um stolz das weiterzutragen, was wirklich keine Provokation sein sollte." Er richtete seinen Post an das "liebe Bayreuth" und fragte zum Schluss: "Die Frage ist also, 'Pilger', was genau buht Ihr da aus? Welch elende Schande."

Die Bayreuther Festspiele teilten den Post auf ihrer Facebook-Seite und schrieben: "George, wir alle lieben dich: als Mensch und Künstler!"

Heimlicher Star der Neuinszenierung

Le Gateau Chocolat ist der heimliche Star der Neuproduktion von Regisseur Tobias Kratzer. Er bildet darin als Mitstreiter der Venus den freiheitsbetonten Gegenpart zur strengen Hochkultur und tritt in der Pause mit einer Gesangseinlage im Park des Festspielhauses auf. Auf der Bühne hält er eine Regenbogenfahne.

Twitter / henning_queren | Gesangseinlage von Le Gateau Chocolat im Park

Nach der Premiere wurde die Dragqueen von weiten Teilen des Publikums gefeiert, erntete aber auch vereinzelte Buhs. Bei keinem anderen Darsteller gab es negative Reaktionen. Allerdings mussten auch das Regieteam und vor allem Dirigent Waleri Gergijew Unmutsbekundungen einstecken.

Gegen Gergijew hatte es bereits im Vorfeld der Bayreuther Festspiele berechtigte Proteste gegeben (queer.de berichtete). In den letzten Jahren hatte der russische Dirigent immer wieder Werbung für die Politik Wladimir Putins gemacht. So unterstützte er etwa 2008 den Krieg Russlands gegen Georgien und 2014 die Annexion der Krim durch das Putin-Regime. In Interviews verteidigte er auch das russische Gesetz gegen Homo-"Propangada" als notwendige Maßnahme gegen Pädophilie. Laut "Bild" sollen ihm Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke in Bayreuth nicht applaudiert haben.

Le Gateau Chocolat debütierte nach Angaben der Festspiele als Solokünstler 2011 beim Kunstfestival Adelaide Fringe. Er arbeitete mit der Zirkuskompanie La Clique/La Soirée und mit zeitgenössischen Komponisten wie Julian Philips, Jonathan Dove, Jocelyn Pook und Orlando Gough. Er hat mehrere Soloprogramme erarbeitet, sang am Royal Opera House in London und an der Oper in Sydney und war zuletzt in "Porgy and Bess" an der Regents Park Opera in London zu sehen. (cw/dpa)



#1 goddamn liberalAnonym
  • 27.07.2019, 13:39h
  • "und vor allem Dirigent Waleri Gergijew Unmutsbekundungen einstecken"

    Na, dann hat die Drag Queen also doch nicht als einzige Buhs eingesteckt, sondern auch der homophobe Staatsdirigent Putins. Der wohl noch deutlichere.

    Nebenbei: Wagner hatte mit schwulen Mitarbeitern und deren Lovern wohl schon im 19. Jahrhundert keine Probleme.

    Sein Sohn war ein ganz besonderer Fall.

    www.siegfried-wagner.org/html/endres.html
  • Antworten » | Direktlink »
#2 DiffamierungAnonym
  • 27.07.2019, 14:05h
  • Es geht bei diesen Buh-Rufen ausschließlich um das Dragqueen. Denn es stand mal eine Grace Bumbry auf der Bühne der Bayreuther Festspiele und sie erhielt 30 minütigen Applaus.

    Das ist so mies mit diesen ewigen Befindlichkeiten, dass einem übel wird.

    :-(

    ©BuntesUndSchönes
  • Antworten » | Direktlink »
#3 goddamn liberalAnonym
  • 27.07.2019, 14:17h
  • Antwort auf #2 von Diffamierung
  • Bumbry erhielt ebenso wie die Dragqueen neben Applaus auch ein paar Buhrufe, wohl von derselben Klientel, die sich anscheinend leider fortgepflanzt hat.

    Wichtiger sind mir die Buhs für den Putinisten.

    Das ist auch ein Signal an ostdeutsche Ministerpräsidenten, die vor dem Reaktionär im Kreml devot zu Kreuze kriechen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Alexander_FAnonym
  • 27.07.2019, 14:18h
  • Ich hätte ihm ja lieber eine Rolle im Bacchantinnenchor mit ein paar weiteren Dragqueens zugeteilt, aber insgesamt ist die Idee schon gar nicht so schlecht gewesen.

    Dass es Buhrufe gab, steht auf einem anderen Blatte, beweist aber, dass Bayreuth genau zu dem geworden ist, was Wagner selbst niemals wollte (da muss man ihn trotz all seiner Unzulänglichkeiten mal in Schutz nehmen): ein exklusiver Club für reiche Spießer.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 WiebitteAnonym
#6 Ralph
  • 27.07.2019, 15:06h
  • Dass es bei einer gelinde gesagt unkonventionellen Inszenierung auch Missfallenskundgebungen gibt, ist nicht ungewöhnlich. Sie sollten sich dann aber nicht gegen die Mitwirkenden richten, sondern gegen die Regie. Ich habe selbst einmal in einer Opernpremiere einen Theaterskandal ausgelöst. Es ging um eine absurde Inszenierung von "Fidelio", die in einer Irrenanstalt spielte, wo Leonore in den Wahnsinn getrieben wurde, so dass sie sich, als am Ende Florestan und Pizarro sich verbrüderten, erschoss. Idiotisch. Es gab Höflichkeitsapplaus für die Sänger und Sängerinnen, den Chor und das Orchester. Dann betraten Regisseur, Bühnenbildner und Kostümbildner die Bühne. Totenstille im Saal. Da kam es über mich, und ich -ein eigentlich eher schüchterner Mensch- brüllte vor 700 Leuten "Pfui!" Richtung Bühne. Das war das Signal, die Empörung auszuleben. Von ohrenbetäubendem Buh-Geschrei des Publikums wurden die Beethoven-Schänder hinter die Kulissen getrieben. Am nächsten Tag schrieb die Presse von einem Theaterskandal. Hui, war ich stolz! *gacker*
  • Antworten » | Direktlink »
#7 saltgay_nlProfil
  • 27.07.2019, 15:55hZutphen
  • Bayreuth ist eben ein Tempel bürgerlicher Pseudokunst. Waren es früher Adolf Hitler und die gesamte Rattenfamilie, von Bormann bis Zelewski, die sich "Kultur" antaten, so sind es heute selbsternannte Leidkulturisten mit so illustren Vertretern wie Graf Gerhard von Gazprom, Angie Merkel und die Leserschaft von FAZ, Cicero. junge Freiheit und Welt.

    Das muss man dem Richie Wägner einfach lassen, er hat es verstanden aus Programmusik Geld zu machen, selbst wenn er dabei nicht Multimillionär wurde, aber das ist ja schon eine Leistung für jemand, der dem Schuldturm um Haaresbreite entging.

    Diese von ihm zusammengebastelten Kompositionen sprechen eben in Hochgekommenen die dunkelsten und niedersten Triebe an. Das mystische Wabern einer pseudogermanischen Herkunft, Hadern mit Christentum und nostalgische Rückbesinnung einer geradezu pathologischen Ritterverklärung, dieses unverhohlene Streben nach Selbsterlösung durch den Tod, das alles war Ausdruck des Zeitgeistes des 19. Jahrhunderts. Deshalb führte auch der Weg von Bayreuth direkt nach Verdun und Ieper/Ypres.

    Diese bürgerlichen Abstiegsängste und die konsequente Auslöschung alles Wesensfremden sind in der bürgerlichen Klasse bis heute oberste Richtschnur. Daher auch der Ausdruck Vogelschiss für das größte Verbrechen, was zwischen 1933 - 1945 begangen wurde. Diese Gefühlslage, die Menschen produzierte, wie wir sie im Nazi-Reich antrafen und heute in bürgerlichen Parteien immer noch antreffen, finden wir in den Opern Richard Wagners wieder.

    Selbst wenn die meisten Besucher dort nur hingehen um gesehen zu werden, weil sie sich der Herrenmenschenkaste in der BRD zugehörig fühlen. Man will unter sich sein.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 DiffamierungAnonym
#9 DiffamierungAnonym
#10 BobAachenProfil