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Homophobie in der SPD

"Möchte keinen Homo als Parteichef"

Im Interview mit der "Welt" spricht Europa-Staatsminister und SPD-Vorsitzkandidat Michael Roth über Homofeindlichkeit in der eigenen Partei – und wie er zum LGBTI-Aktivisten wurde.


Michael Roth ist seit 2013 Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. Zusammen mit der ehemaligen nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann kandidiert er für den SPD-Vorsitz (Bild: Michael Farkas)

Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt und Kandidat für den SPD-Vorsitz, wird wegen seines Schwulseins aus der eigenen Partei angefeindet. Auf Twitter veröffentlichte der 48-Jährige in der vergangenen Woche eine an ihn gerichtete E-Mail, in der es heißt: "Ich als langjähriger SPD Wähler, möchte keinen Homo als Parteichef." Weiter schrieb der Genosse unter seinem vollen Namen: "Privat ist es mir recht egal, wie sie sexuell verkehren, aber in der Öffentlichkeit nicht." In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Tageszeitung "Welt" (Paywall-Artikel) erklärte Roth dazu: "Das ist kein Einzelfall, ich erhalte derartige Post regelmäßig."

Twitter / MiRo_SPD

Mit der Veröffentlichung der E-Mail habe er etwas illustrieren wollen, so der SPD-Politiker: "Was für uns zuweilen in Sachen Gleichstellung und Akzeptanz selbstverständlich zu sein scheint, ist in Deutschland tatsächlich immer noch nicht selbstverständlich." Solange homophobe Zuschriften keine strafbaren Inhalte umfassten, reagiere er nicht darauf. "Wenn suggeriert wird, Homosexualität sei etwas Schmutziges oder man solle die Öffentlichkeit damit nicht behelligen, sehe ich im Jahr 2019 keine Notwendigkeit mehr, mich damit auseinanderzusetzen."

Roth: LGBTI-Rechte gelten als "Luxusproblem"

Roth räumte ein, dass "traditionell denkende Menschen in allen Parteien" seit der Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes 1999 mit den Rechten von LGBTI-Menschen "oft überfordert" worden seien. "Was mir auch bis weit in meinen Bekanntenkreis auffällt, ist die Forderung, die Leute nicht ständig mit diesem Thema zu behelligen", so der Staatsminister. "Das höre ich vor allem dann, wenn ich über meine Kontakte zu internationalen LGBTI-Aktivisten spreche. Das wird so ein bisschen als Luxusproblem wahrgenommen. Und dann wird oft behauptet, es gebe ja nun wirklich Wichtigeres."

Das verstehe er jedoch überhaupt nicht, stellte Michael Roth im "Welt"-Interview klar. "Es geht nicht um Sonderrechte für LGBTI, sondern um Menschenrechte. Und die gelten immer und überall. Das verpflichtet vor allem uns Sozialdemokraten. Denn in mehr als 30 Ländern sind gleichgeschlechtliche Beziehungen immer noch strafbar, in einigen wird Homosexualität mit langjährigen Haftstrafen oder sogar mit der Todesstrafe geahndet."

Sein Coming-out mache "vielen Menschen in Europa Mut"

Vor seinem Eintritt 2013 ins Auswärtige Amt habe er sein Schwulsein nie zum Thema gemacht, berichtete Roth. "Im Gegensatz zu den 'politischen Großvätern der Bewegung' habe ich mich nicht als LGBTI-Aktivist gesehen. Ich sagte mir: Warum soll ich mich dafür einsetzen, nur weil ich schwul bin?" Er habe seine Meinung aber geändert, "als ich feststellte, dass allein das Bekenntnis, Schwuler in einer Regierung zu sein, vielen Menschen in Europa Mut macht". Denn das sei in vielen Ländern alles andere als eine Selbstverständlichkeit. "Auch in manchen EU-Staaten gibt es, bis auf ganz wenige Ausnahmen, faktisch keine geouteten Schwulen oder Lesben, die in der Öffentlichkeit herausragende Ämter besetzen."

Dass seine Homosexualität ihm bei der Kandidatur für den SPD-Vorsitz schadet, glaube er nicht. "Ich weiß natürlich, dass ich zu fortgeschrittener Stunde auch mal Gegenstand der üblichen Altherrenwitze werden kann", sagte Roth. "Aber das würde auch der Fall sein, wenn ich eine Frau und zwei Kinder hätte, dann eben mit einer anderen Pointe. Das möchte ich nicht überbewerten."

Michael Roth hatte sich 2012 mit seinem langjährigen Freund verpartnert. Als Staatsminister hatte er sich immer wieder für LGBTI-Rechte engagiert. 2015 lud er etwa im Auswärtigen Amt zur Podiumsdiskussion "100% Gleichstellung in Europa – Slowenien und Irland setzen Maßstäbe" (queer.de berichtete). Später gab es einen Runden Tisch zu LGBTI-Rechten im Westlichen Balkan (queer.de berichtete). Als einer der ersten deutschen Politiker kritisierte Roth im Bundestag die Verfolgung Homosexueller in Tschetschenien und erklärte, die Bundesregierung arbeite daran, die Lage zu verbessern (queer.de berichtete). Als erstes Duo kündigte er Anfang Juli zusammen mit der ehemaligen nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann seine Kandidatur für den SPD-Vorsitz an (queer.de berichtete). (cw)



#1 Dont_talk_aboutProfil
  • 27.07.2019, 17:35hFrankfurt
  • Erst wollte er für den SPD-Vorsitz in Hessen kandidieren, aber da gab es schon eine Frau, die sehr viel fähiger ist als er. Nun also der SPD-Bundesvorsitz. Mich hat diese Kandidatur wirklich überrascht, sie scheint zwei Nummern zu groß. In der zweiten Reihe macht Roth aber durchaus gute Arbeit.
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#2 TheDadProfil
  • 27.07.2019, 18:05hHannover
  • Antwort auf #1 von Dont_talk_about
  • ""Erst wollte er für den SPD-Vorsitz in Hessen kandidieren, aber da gab es schon eine Frau, die sehr viel fähiger ist als er.""..

    Äh ?
    Der derzeitige Landesvorsitzende in Hessen ist seit 2009 Thorsten Schäfer-Gümbel..

    Aber mit "Informationen" hast du es ja nicht so..

    Dem kann man abhelfen :

    ""Roth trat als Schüler 1987 in die SPD ein.
    Er engagierte sich zunächst bei den Jusos und war von 1993 bis 1995 deren stellvertretender Bundesvorsitzender.
    Er galt dort als undogmatischer Reformsozialist.
    Von 1996 bis 2015 gehörte er dem Vorstand des SPD-Bezirks Hessen-Nord an und war von 2001 bis 2011 Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Hersfeld-Rotenburg.

    Von 2009 bis 2014 war Michael Roth Generalsekretär des SPD-Landesverbands Hessen.
    Seit 2015 ist er Mitglied des Landesvorstands der SPD Hessen.

    Beim SPD-Bundesparteitag am 8. Dezember 2017 wurde Michael Roth in den SPD-Parteivorstand gewählt.""..
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#3 queerleser263Anonym
  • 27.07.2019, 18:26h
  • Ich werde es nicht müde zu betonen, dass Michael Roth auch gegen die Ehe für alle gestimmt hatte, als er bereits Staatsminister im Auswärtigen Amt war (Ich glaub die Abstimmung war 2015)! Bei einem entsprechenden Antrag stimmten einige SPD Abgeordneten für die Ehe für alle, einige enthielten sich, einige sind auch der Abstimmung ferngeblieben um sich nicht diese Blöße zu geben!
    Aber Michael Roth hat mit seinem vollen Gewissen und dem Wissen um den Koalitionspartner gegen die Ehe für alle gestimmt. Obwohl absehbar war, dass der Antrag keine Mehrheit finden würde, wollte Michael Roth nicht aus angst die Koalition zu verlieren, sondern wahrscheinlich aus Angst seinen Staatsministerposten zu verlieren voller Inbrunst gegen die Ehe für alle stimmen und stimmte mit NEIN!

    Ich fände es gut, wenn die queer.de Redaktion dorthin gehend kritischeren Journalismus betreiben würde und wenigfstens Sätze wie: "Als Staatsminister hatte er sich immer wieder für LGBTI-Rechte engagiert" in den Kontext setzt, dass er aber durch aus auch als Abgeordneter gegen die Ehe für alle gestimmt hatte!
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#4 Patroklos
  • 27.07.2019, 18:37h
  • Schade, daß der Name des Absenders geschwärzt wurde, denn dann hätte man ihm nämlich einmal so richtig die Meinung sagen können.
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#5 KetzerEhemaliges Profil
  • 27.07.2019, 18:39h
  • Es gibt eben Menschen - im übrigen auch hier -, die Machtgefühle bekommen, wenn sie glauben, Anderen verbieten oder erlauben zu dürfen, wie diese zu leben haben.

    Ich kann mir einbilden, Macht über jemanden zu haben, wenn ich ihm sage, er hätte als Homo gefälligst dies und das nicht zu tun oder zu sein.

    Ich kann mir einbilden, Macht über jemanden zu haben, wenn ich ihm sage, er hätte als Homo gefälligst so und nicht anders oder gar nicht bei CSDs aufzutreten.

    Ich kann mir einbilden, Macht über jemanden zu haben, wenn ich ihm sage, er habe als Homo jetzt endlich zu heiraten und monogam zu leben - jetzt, wo es doch alle dürfen.

    Diese Liste ließe sich bekanntlicherweise endlos fortsetzen. SO viele Menschen versuchen lieber dieses Machtgefühl über Andere zu erzeugen und umzusetzen, als mal ihre eigenen Probleme anzugehen. Ist ja auch viel schwieriger, an sich selbst zu arbeiten - da verkündet man lieber Regeln für Andere und fühlt sich automatisch stark, weil man den Anderen was zu sagen hat.

    Für mich sind solche Menschen nichts weiter als arme Würstchen.

    Schlimm genug, dass wir in einer Gesellschaft, "in der wir gut und gerne leben", so viele arme Würstchen haben. Irgendwas stimmt da nicht.

    Aber was nur? Ich komm' noch drauf...
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#6 Dont_talk_aboutProfil
  • 27.07.2019, 18:44hFrankfurt
  • Antwort auf #2 von TheDad
  • @Kollege TheDad

    Noch nichts davon gehört, dass sich TSG aus der Politik zurückziehen will und im Herbst seine Nachfolge in Hessen ansteht ?

    Der Lebenslauf belegt ja nur, dass Roth in der Bundes-SPD zweite, eher dritte Reihe ist. Das meine ich nicht negativ, in die muss man auch erstmal kommen. Ich sehe aber nicht, wie die SPD mit Roth
    als Zugpferd an den Grünen wieder vorbeiziehen soll. Aufbruch verkörpert er auch nicht, weil Teil der alten Bundesregierung. Es macht eher den Eindruck, dass sich da jemand überschätzt.
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#7 Dont_talk_aboutProfil
  • 27.07.2019, 18:54hFrankfurt
  • Antwort auf #3 von queerleser263
  • Es ist Usus bei Anträgen der Opposition mit Nein zu stimmen. Man mag dies in Frage stellen, aber dann muss man allgemein über Koalitionen versus wechselnde Mehrheiten diskutieren. Ansonsten macht das keinen Sinn und ist von Anfang an tendenziös: ich biege es mir so zurecht, wie es mir gerade passt. Es gibt ja Kollegen hier, die so argumentieren, aber stichhaltig ist das nicht.
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#8 dellbronx51069Anonym
  • 27.07.2019, 19:26h
  • Die SPD war schon immer der klassische Vertreter des kleinbürgerlichen Spiessers. Nicht wirklich neu. Und was die sonst noch so abgeliefert haben besonders unter Schröder. Für mich unwählbar.
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#9 geht_besserAnonym
  • 27.07.2019, 20:25h
  • Antwort auf #4 von Patroklos
  • Zum Glück gibt es in Deutschland Datenschutz, der ernst genommen wird. Das ist der Grund, weshalb Herr Roth den Namen nicht zeigte.
    Im Übrigen wäre es auch eine schlechte Art, den Namen ins World Wide Web zu posten. Der Absender dieser Nachricht hat sein Schreiben direkt an Roth adressiert, also würde ich an Stelle von Roth auch direkt dieser Person antworten.

    Nun hat Herr Roth sich dazu entschieden, das Schreiben ins Internet zu posten - ohne Namen - das bedeutet: die Person, die es abgesendet hat, wird es wahrscheinlich schon gesehen haben und sich hoffentlich in Grund und Boden schämen ;-)
    Somit war die Wirkung ebenfalls zielgerichtet, ohne den Namen preiszugeben - das nennt sich erwachsen und stilvoll.
    Mit dem Schreiben ist es dann auch kein Gerücht, sondern Tatsache.

    Mies wäre es, einfach was zu behaupten, ohne Nachweise, und einfach nur, um jemandes Ruf zu schädigen, ohne das Leben dieser Person zu kennen.

    Das eine ist selbst produziert, das andere wird von einer anderen Person ausgelöst. Also ist das eine "selbst schuld" und das andere ein mieser Charakter.

    ©BuntesUndSchönes
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#10 Dont_talk_aboutProfil
  • 27.07.2019, 21:25hFrankfurt
  • Antwort auf #9 von geht_besser
  • So einfach ist es nicht. Die Frage ist, ob queer.de der Name bekannt ist. Meistens bestehen berichtende Journalisten darauf, dass zumindest sie den Namen
    kennen. Ansonsten hat es für sie keinen Wert, weil es ja sonst theoretisch aus dem eigenen Umfeld stammen könnte. Ich denke natürlich nicht, dass es in diesem Fall so sein könnte, aber Journalisten müssen grundsätzlich immer alles in Frage stellen.

    Man nennt dies Falsifizierbarkeit. WENN die Nachricht nicht stimmen sollte, muss man dies rausfinden können. Bei einer anonymen Email ist dies unmöglich.
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