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Polen

Tausende gehen in Bialystok gegen Hass auf LGBTI auf die Straße

Nach den Ausschreitungen gegen den ersten CSD der Stadt zeigten zehntausende Menschen in rund 20 Städten Flagge. Ein homofeindlicher Angriff auf einen Journalisten sorgt für neues Entsetzen.


Ein Bild von der Kundgebung gegen Gewalt in Bialystok, die zur Stunde noch anhält (Bild: Mateusz Panek / twitter)

Der Hass hat nicht das letzte Wort: Acht Tage nach den schweren Ausschreitungen zum ersten CSD in Bialystok haben am Sonntag tausende Menschen in der Stadt unter dem Motto "Polen gegen Gewalt" ein friedliches, buntes und wichtiges Zeichen gesetzt. Zuvor hatte es in den letzten Tagen ähnliche Kundgebungen in rund 20 Städten gegeben, alleine in Warschau beteiligten sich am Samstag tausende Menschen bei einem Protest mit zahlreichen Regenbogenflaggen am Kulturpalast.

Twitter / sldpoland | "Polen gegen Gewalt" – Eindrücke von der Kundgebung in Bialystok

In Bialystok hielten mehrere Vertreter von LGBTI-Organisationen sowie Politiker bei einer Kundgebung in der Innenstadt Reden ab – eine Demonstration war aus Sicherheitsgründen nicht genehmigt worden. "Als ich meiner Mutter erzählte, dass ich schwul bin, war sie am Boden zerstört", erzählte der offen schwule Politiker Robert Biedron. "Denn sie hatte all die Geschichten gehört, dass Homosexualität abnormal wäre. Heute ist meine Mutter unter uns. Sie hält eine Regenbogenflagge. Ein Wandel ist möglich."

Twitter / notesfrompoland

Am Rande der Kundgebung hatten sich mehrere Personen zu einem Gegenprotest versammelt und Plakate wie "Stoppt Gewalt gegen die Kirche" gehalten. Sie versuchten, Teilnehmer der Anti-Gewalt-Kundgebung in Auseinandersetzungen zu verwickeln und diese als auswärtige Besucher darzustellen. Abseits von Provokationen und homophober Botschaften blieb es aktuellen Medienberichten zufolge friedlich.

Twitter / wybranowski | Auch Sonntag gab es erneute – kleinere – Gegenproteste, etwa der homo- und transfeindlichen Organisation "Stop Pedofilii"

Am letzten Samstag hatten hunderte Gegendemonstranten, darunter Nationalisten, Hooligans und Gläubige, versucht, den CSD in der Stadt im Nordosten des Landes mit mehreren Blockaden zu verhindern (queer.de berichtete). Auch kam es zu Beleidigungen, homofeindlichen Transparenten, Böller-, Steine- und Flaschenwürfen sowie gewalttätigen Hetzjagden auf einzelne CSD-Teilnehmer. Der erste "Marsch der Gleichberechtigung" selbst blieb friedlich und gilt mit bis zu 1.000 Teilnehmern als Erfolg. Die Polizei hatte den bereits im Vorfeld bekämpften und bedrohten Pride mit einem Großaufgebot geschützt und ermittelt inzwischen nach teils öffentlicher Fahndung gegen mehr als 100 Gegendemonstranten, rund 25 hatte sie an dem Tag festgenommen.

Twitter / KPH_official | Eindrücke aus Warschau vom Samstag

Die Schwere der Ausschreitungen und die hohe Teilnehmerzahl, auch aus der "regulären" Stadtbevölkerung heraus, sorgte für einen Schock in Polen, obwohl die Regierung rund um die Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS), die katholische Kirche und einige Medien seit mehreren Monaten einen regelrechten Kultur- und Wahlkampf gegen LGBTI-Rechte führten. Nach dem Wochenende verurteilten die Kirche und PiS-Politiker zwar die Gewalt, änderten aber nichts an ihrer Ablehnung von LGBTI-Rechten und entsprechender Rhetorik. Einige PiS-Politiker forderten zugleich direkt oder indirekt CSD-Verbote, darunter der Bildungsminister des Landes (queer.de berichtete).

Twitter / JKreglewska | Eindrücke von "Posen gegen Gewalt" vom Donnerstag

Der schwule LGBTI-Aktivist und Politiker Robert Biedron, der nach seiner Zeit als Bürgermeister von Slupsk mit der Parteineugründung Wiosna ("Frühling") sechs Prozent bei der Europawahl geholt hatte, hatte die Gewalt am letzten Sonntag auf einer Pressekonferenz zusammen mit den Parteivorsitzenden der linken Parteien SLD und Razem, mit denen er ein Wahlbündnis zur Parlamentswahl im Herbst bildet, verurteilt und zu der Veranstaltung an diesem Sonntag sowie zu weiteren aufgerufen. Auch Vertreter anderer Oppositionsparteien, darunter der liberal-konservativen Bürgerplattform, hatten den Hass kritisiert, LGBTI-Rechte eingefordert und an Solidaritätskundgebungen teilgenommen.

Twitter / Queerspiegel | Auch beim Berliner CSD am Samstag wurde die Lage in Polen von mehreren Teilnehmern und Gruppen aufgegriffen

Auch Polens diverse queere Organisationen hatten zu den Soli-Kundgebungen aufgerufen. Sie hatten bereits unter der Woche Menschen dazu aufgerufen, an einem Tag sichtbar einen Regenbogen am Körper zu tragen – zeitgleich zum Erscheinen der neuesten Ausgabe des rechten und regierungsnahen Magazins "Gazeta Polska", dem ein Aufkleber mit durchstrichenem Regenbogen und dem Slogan "LGBT-freie Zone" beilag. Während selbst die Band Rammstein bei einem Konzert in Polen mit einer Regenbogenflagge ein Zeichen setzte, hat ein Gericht inzwischen die Auslieferung des Stickers vorläufig gestoppt (queer.de berichtete).

???? 4 dni i blisko 30 demonstracji solidarno?ciowych z Marszem Równo?ci w Bia?ymstoku. A kolejne ci?gle dochodz?!…

Gepostet von Kampania Przeciw Homofobii am Donnerstag, 25. Juli 2019
Facebook / Kampania Przeciw Homofobii | Im ganzen Land fanden in den letzten Tagen Soli-Aktionen zum CSD in Bialystok statt

Seit Donnerstag sorgt zugleich ein auch homophob motivierter Angriff auf den Journalisten Przemysław Witkowski für weitere Empörung: Der Mitarbeiter des Portals onet.pl war mit seiner Freundin mit Fahrrädern am Ufer unterwegs, als er homophobe und nationalistische Botschaften an einer Wand entdeckte. Daraus entwickelte sich ein Streit mit einem jungen Nationalisten, der ihn zusammenschlug. Witkowski musste mit zahlreichen Verletzungen an Gesicht und Körper, darunter einer gebrochenen Nase, im Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei fahndet inzwischen mit einer Zeichnung nach dem unbekannten Angreifer. (nb)

Tak si? ko?czy kiedy nie podobaj? Ci si? faszystowskie napisy na bulwarach nad Odr?.

Gepostet von Przemys?aw Witkowski am Donnerstag, 25. Juli 2019
Facebook / Przemys?aw



#1 Carsten ACAnonym
  • 28.07.2019, 16:58h
  • Ich danke den tausenden Polen, die deutlich machen, dass die Faschisten nicht in ihrem Namen sprechen und dass sie ein modernes, weltoffenes, freies, demokratisches Polen wollen.

    Es wäre nur schön, wenn die Bürger Polens das auch bei Wahlen zeigen.
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#2 goddamn liberalAnonym
#3 DramaQueen24Profil
  • 29.07.2019, 02:40hBerlin
  • "Am Rande der Kundgebung hatten sich mehrere Personen zu einem Gegenprotest versammelt und Plakate wie "Stoppt Gewalt gegen die Kirche" gehalten."

    So werden Opfer zu Tätern gemacht. Die Gewalt geht eindeutig nicht von uns, sondern von klerikalen Faschisten und Neonazis aus. Auch bei dem verletzten Journalisten.
    Es wird Zeit in der EU, den polnischen PiSsern zu zeigen, wo der Bartel den Most gelassen hat. Ihr wollt Geld der EU? Dann haltet Euch auch an deren Regeln!
    Egal, ob es sich dabei um uns, Flüchtlinge, oder Eingriffe der PiSser in die Medien und Justiz handelt!
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#4 DramaQueen24Profil
#5 BaerchenProfil
  • 29.07.2019, 04:06hzuhause
  • Ich bin absolut entsetzt, wie weit wollen diese Menschen noch gehen? Man fühlt sich in düstere Zeiten der 30er zurückversetzt. Man kann jetzt wirklich Angst bekommen vor so viel Hass. Ich bin froh das meine arme Mutter das nicht mehr miterleben muss. Sie erlebte damals diese Katastrophe als junge Frau hautnah mit..
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#6 TheDadProfil
  • 29.07.2019, 10:48hHannover
  • In Bialystok wurde der CSD durch Radikale gestört, und eigentlich verhindert..

    Eine Woche später finden in 20 Städten (!) Gegenproteste von zahlreichen Bürger*innen statt..

    Ein so deutliches Zeichen der Solidarität hat man selten gesehen..
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#7 GerritAnonym
  • 29.07.2019, 15:13h
  • Schön, dass immer mehr Polen die Lügen ihrer Machthaber und derer Propaganda-Schleudern in der Medienwelt durchschauen.

    Ich hoffe, dass immer mehr Polen das durchschauen und dass sie Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit noch retten können, bevor es zu spät ist.
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#8 GerritAnonym
  • 29.07.2019, 15:14h
  • Antwort auf #3 von DramaQueen24
  • "Am Rande der Kundgebung hatten sich mehrere Personen zu einem Gegenprotest versammelt und Plakate wie "Stoppt Gewalt gegen die Kirche" gehalten."

    Ja, diese Leute sollen mal erklären, was an friedlichen Demonstrationen für Freiheit und Vielfalt "Gewalt gegen die Kirche" sein soll....

    Das zeigt nur wieder mal, dass Religion die Sinne vernebelt und die Herzen mit Hass erfüllt.
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