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Networking

Proudr im Test

Die neue queere Business-App der Sticks & Stones-Macher verspricht Jobangebote LGBTI-freundlicher Arbeitgeber und Kontakte für die Karriere. Die Nutzerfreundlichkeit lässt allerdings noch zu wünschen übrig.


Die Nutzung von Proudr ist kostenfrei: Mitte Juni meldete die Uhlala GmbH als Betreiberin über 1.000 registrierte Mitglieder (Bild: Uhlala GmbH)

Seit gut zwei Monaten gibt es Proudr: Die Business- und Networking-Plattform für die LGBTI-Community ist am 25. Mai von den Machern der queeren Job- und Karrieremesse Sticks & Stones sowohl in einer App- als auch in einer Desktop-Variante gelauncht worden (queer.de berichtete). In den letzten drei Wochen habe ich sie mal auf Herz und Nieren getestet.

Proudr ist als soziales berufliches Netzwerk für queere Menschen gedacht. Einerseits sollen Einzelpersonen miteinander in Kontakt treten, andererseits Firmen gezielte Stellenangebote veröffentlichen können. Durch das direkte Posten einer freien Stelle zeigt ein Unternehmen, dass es offen für queere Bewerber ist. Die App erinnert damit stark an Netzwerke wie Xing oder LinkedIn – mit dem großen Unterschied, dass hier alle Nutzer direkt miteinander verbunden sind und in den direkten Austausch gehen können.

Der Feed könnte übersichtlicher sein


Fast wie Grindr: Über Proudr kann man andere User in der Nähe finden (Bild: Uhlala GmbH)

Auf der Hauptseite gibt es einen Feed, wie man ihn von Facebook und Co. kennt. Manches hat mich allerdings verwirrt: Während die Nutzer ihre Beiträge auf Deutsch verfassen, wechselt Proudr zwischen Deutsch und Englisch hin und her. Die Beiträge sind nicht chronologisch nach Erstellungsdatum sortiert und können dahingehend auch nicht gefiltert werden. Wonach sich die Reihenfolge richtet, ist nicht ersichtlich.

Am vergangenen Wochenende wurden vom Betreiber der App verschiedene Veranstaltungen erstellt, die seitdem den gesamten Feed füllen. Um einen inhaltlich relevanten Beitrag zu finden, muss ich nun recht weit scrollen. Dann finden sich allerdings durchaus interessante Beiträge anderer Nutzer. Recht oft werden Artikel aus der Arbeitswelt mit Bezug zur LGBTI-Community verlinkt, woraus sich kleine Gespräche entwickeln. Neu veröffentlichte Stellenanzeigen landen ebenfalls im Feed.

In den weiteren Funktionen "Dein Netzwerk", "Jobs", "Stolze Arbeitgeber" und "LGBT+ Events" kann man die Ergebnisse mit verschiedenen Filtern eingrenzen. Das Problem: Bei drei der vier Funktionen öffnet sich bei Klick auf ein Ergebnis eine neue Seite im selben Tab. Um zurück zur Liste zu gelangen, muss man einen Schritt zurück gehen. Die vorher gesetzten Filter sind dann aber verschwunden, und es werden erneut alle Ergebnisse angezeigt. Das gilt sowohl für die App als auch die Desktop-Version.

Beim Networking ist Eigeninitiative gefragt

Lediglich in der Funktion "Jobs" besteht das Problem mit den Filtern nicht, da sich die neue Seite in einem separaten Pop-Up-Fenster öffnet, das individuell geschlossen werden kann. Warum die Entwickler sich bei den anderen Funktionen nicht auch für diese Lösung entschieden haben, ist unklar. Weiteres Manko: Leider ist es aktuell nicht möglich, ein Video direkt einzubetten. Stattdessen muss man einen Link setzen, über den die App verlassen wird.

Eindeutig positiv: Jobsuchende können auf Proudr durchaus fündig werden. Aktuell nutzen etwas mehr als 60 Arbeitgeber die Plattform für die Mitarbeitersuche, darunter hauptsächlich große Firmen wie Bertelsmann, Vodafone oder Netflix.

Sinnvoll ist das Konzept der direkten Vernetzung. Dass man nicht erst eine Kontaktanfrage stellen muss, um Inhalte anderer User zu sehen, erweckt den Eindruck, man knüpfe schneller Kontakte. Für mich persönlich war das allerdings nicht so: Nach drei Wochen als Nutzerin hat sich noch niemand mit mir in Verbindung gesetzt. Für Schüchterne eignet sich das System dann doch nicht so gut. Eigeninitiative ist gefragt, wenn man tatsächlichen Austausch sucht.

Eine App mit Kinderkrankheiten, aber Potenzial

Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich das Konzept der App zwar prinzipiell gut finde, die Umsetzung mich bisher aber noch nicht überzeugt. An der Nutzerfreundlichkeit und Bedienbarkeit muss noch viel verbessert werden, damit die App nicht nervt. Dass Firmen sich hier als offen für die LGBTI-Community präsentieren müssen ist natürlich super, allerdings gibt es schon einige spezielle Jobbörsen (etwa den Kanal "Jobs" auf queer.de), in denen auch kleinere Unternehmen und Communityprojekte Stellenanzeigen schalten.

Dennoch werde ich die App vorerst auf meinem Smartphone installiert lassen. Mit etwas mehr Initiative von mir selbst und ein paar Updates durch den Betreiber sehe ich durchaus Potenzial.



#1 BlackFoxAnonym
  • 28.07.2019, 20:17h
  • Die Idee der App ist prima. Ich habe Sie bereits seit Wochen auf dem Smartphone. Allerdings nur, weil ich noch immer die Hoffnung habe, dass dort tatsächlich Firmen mit LGBTQ-Bezug Stellen veröffentlichen. Bisher sind die angebotenen Jobs eher ein Rainbow-washing der Großkonzerne. Ich kann nur hoffen, dass dieser Artikel junge dynamische Firmen dazu bewegt dort Stellenangebote zu schalten.
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