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Kino-Previews

Die Freuden und Grenzen der sexuellen Freiheit

Im August in der Queerfilmnacht: Im Mittelpunkt des Spielfilms "Heute oder morgen" steht eine lustvolle Ménage-à-trois dreier junger Menschen in Berlin, die über ihre Konflikte jedoch nicht reden können.


Drei junge Menschen auf der Suche nach einer neuen Definition von Liebe und Beziehung: "Heute oder morgen" feierte seine Weltpremiere im Februar auf der Berlinale (Bild: Edition Salzgeber)

Maria und Niels sind seit zwei Jahren ein Paar und leben ihre sexuellen Fantasien in Berlin ganz offen aus: Gemeinsam werden Männer angesprochen und zu einem Dreier überredet. In der Öffentlichkeit befriedigt Niels Maria mit der Hand, während er ihr Fantasien ins Ohr flüstert. Und in der Bahn ermutigt er sie dazu, eine fremde Frau anzusprechen.

Ganz so zufrieden sind die Beiden mit ihrer Offenheit dann aber doch nicht immer. Maria trifft sich heimlich mit Chloe, erzählt Niels davon erst später und auch nur die Hälfte. Sie sagt, sie habe Chloe für sich allein haben wollen. Niels ist eifersüchtig und verliert sogar seinen Job, weil er seinen Frust an seiner Chefin auslässt. So richtig miteinander zu reden, ist aber offenbar keine Option. Obwohl Niels gerne und viel und auch ganz schön viel Schwachsinn redet.

Viele Fragen, wenig Antworten


Poster zum Film: Vor dem regulären Kinostart am 19. September läuft "Heute oder morgen" im August in der Queerfilmnacht

Diskussionen werden sowohl von Niels als auch Maria zwar begonnen, aber nie beendet. Sie flüchten entweder selbst vor dem Konflikt oder schicken die andere Person weg. Chloe traut sich später im Film, als sie nicht mehr nur die Geliebte von Maria ist, sondern ein Teil der Beziehung, Niels in der Öffentlichkeit zu konfrontieren. Auch dieses Gespräch wird aber nicht fortgeführt, zumindest nicht vor der Kamera.

Das ist nicht nur für die Protagonist*innen etwas frustrierend, sondern auch für die Zuschauer*innen: Mehrfach hat man das Gefühl, dass es höchste Zeit wäre, die Konflikte zu klären. Im Film passiert das aber nicht. Der entwickelt sich rasant weiter, bombardiert einen mit immer mehr Fragen, liefert aber selbst keine Antworten.

Grenzen überschreiten und Grenzen setzen

Das zentrale Motiv von "Heute oder morgen": Grenzen. Maria sagt, sie habe keinen Bock mehr auf ihre Kommilitonen aus dem Studium, die alle mit ihrer eigenen Freiheit nicht umgehen könnten. Wie geht Maria mit ihrer vermeintlichen Freiheit um? Sie arbeitet nicht, klaut auf dem Wochen- und im Supermarkt, bemalt nachts heimlich Gebäude und konsumiert mit ihren Freund*innen Marihuana. Sie bricht bewusst gesellschaftlich gesetzte Grenzen, versucht aber in ihrer Beziehung verzweifelt Grenzen zu setzen.


Niels, Maria und Chloe sind stolz auf ihre Dreierbeziehung (Bild: Edition Salzgeber)

Niels wiederum kann mit Grenzen von anderen nicht umgehen. Er überschreitet sie – wenn nötig mit Gewalt – und versucht, jede Situation und damit auch Maria und später Chloe zu kontrollieren. Chloe wirkt im Vergleich zu den anderen beiden Hauptfiguren die meiste Zeit passiv. Dabei ist sie am Ende diejenige, die sich bewusst aus der Beziehung löst. Natürlich nicht öffentlich und im Gespräch, sondern heimlich, während die anderen schlafen…

Ein ebenso lustvoller wie philosophischer Film

"Heute oder morgen" ist so raffiniert inszeniert, dass sich im Kopf der Zuschauer*innen Fragen entwickeln. Über den Zusammenhang von Freiheit, Verantwortung und Grenzen. Die mangelnde konstruktive Kommunikation der Figuren verursacht, dass man selbst nachdenken muss. Die Leerstellen muss man selbst mit Theorien und Überlegungen füllen.

Am Ende des Films ist man sowohl irgendwie leer als auch übervoll mit Gedanken. Normalerweise fordern Filme einen nicht so stark heraus. Obwohl auf den ersten Blick der Eindruck entstehen könnte, in dem Film ginge es nur um Sex – denn davon wird viel erzählt und auch gezeigt – ist er gleichzeitig tief philosophisch. Er hinterlässt ein Gefühl von Melancholie und das Bedürfnis, sich mit anderen über das Gesehene auszutauschen, um die offenen Fragen doch noch zu klären.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Heute oder morgen. Spielfilm. Deutschland 2019. Regie: Thomas Moritz Helm. Darsteller: Paula Knüpling, Maximilian Hildebrandt, Tala Gouveia. Laufzeit: 94 Minuten. Sprache: deutsch-englische Originalfassung, teilweise mit deutschen Untertiteln. Kinostart: 19. September 2019. Im August ist der Film bereits im Rahmen der Queerfilmnacht zu sehen.


#1 DramaQueen24Profil
  • 31.07.2019, 14:57hBerlin
  • Hab den Film als Jurymitglied auf der diesjährigen Berlinale gesehen. Also, ich fand ihn schlecht dramatisiert, die Storyline der Figuren war nicht ausgearbeitet, und über die Darsteller lege ich den Mantel der Nächstenliebe.
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