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Polizei prüft Anzeigen

Berlin: CSD-Besucher von zwei Personen ins Gesicht geschlagen

Der Vorfall habe sich vor der Russischen Botschaft zugetragen, berichtet der angegriffene junge Schwule. Das Pride-Wochenende im Überblick.


Christian Gaa mit einem gezielten Foto-Kuss vor der russischen Botschaft und nach der Auseinandersetzung, die sich zuvor an der Botschaft abgespielt hatte (Bild: privat)

Rund um den Berliner CSD ist es am Samstag offenbar zu einer weiteren homophoben Gewalttat gekommen: Ein junger Schwuler aus Frankfurt am Main, der den Hauptstadt-Pride besuchte, war seiner eigenen Schilderung zufolge mit zwei Freunden gegen kurz nach 18 Uhr Unter den Linden auf der Höhe der Russischen Botschaft unterwegs, als er von einem Unbekannten aus einer Gruppe von Mit-Zwanzigern heraus angerempelt wurde.

Nachdem Christian Gaa, der den Vorfall in der Nähe der CSD-Abschlussveranstaltung später in einem zur viralen Verbreitung auf Facebook gedachten Posting schilderte, den Mann zur Rede stellte, habe dieser "Verpiss Dich!" geäußert. Eine bislang unbeteiligte Frau aus einer hinter den Beteiligten ebenfalls aus Richtung des Brandenburger Tors kommenden weiteren Gruppe habe sich dann "mit voller Aggression" in den Streit eingeschaltet und ebenfalls "Was willst Du? Verpiss Dich!" gerufen. Im Zuge der Auseinandersetzung habe der Mann ihm dann mit der Faust in die linke Gesichtshälfte, die Frau "mit voller Wucht und auch mit der Faust" in die andere geschlagen; dazu hätten die Angreifer "Scheiß Schwuchtel" gerufen. Gaa berichtet, seine Freunde und ein mit der Bewachung der Botschaft beauftragter Mann hätten dann eingegriffen.

Der Angreifer habe noch einen Anruf Gaas bei der Polizei unterbinden wollen, sei dann aber geflohen, während die Angreiferin blieb und laut Gaa eine Gegenanzeige stellte – ihm werde unterstellt, einer ihrer Freundinnen ins Gesicht geschlagen zu haben. "Was ein Ding der Unmöglichkeit darstellt, da ihre Freundin beim Tatvorfall nicht dabei war (wohl hinter uns in der Gruppe lief) und ich keine Faust gen wen erhoben habe." Der 26-Jährige trug von dem Vorfall eine blutende, aber nicht gebrochene Nase davon, so Gaa zu queer.de.

+++ TEILEN TEILEN TEILEN +++ CSD Berlin 2019 ? Zwei Schläge ins Gesicht! Gestern am Berliner CSD-Samstag, den 27. Juli…

Gepostet von Christian Gaa am Sonntag, 28. Juli 2019
Facebook / Christian Gaa

Die Berliner Polizei bestätigte auf Anfrage, dass ihr der geschilderte Sachverhalt bekannt sei. Zu ihm seien "drei Strafanzeigen wegen wechselseitiger Körperverletzungen in Bearbeitung". Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt, der unter anderem bei mutmaßlichen Hassverbrechen ermittelt, werde nun prüfen, "ob hier eine homophobe Tatmotivation vorliegt".

Gaa, ein Aktivist vom Frankfurter Bündnis Akzeptanz und Vielfalt und Mitarbeiter der örtlichen Aids-Hilfe, hatte den Vorfall auf Facebook mit dem Hinweis "Bitte teilen" veröffentlicht und auch einige Medien informiert, da einer der Angreifer noch unbekannt und flüchtig gewesen sei. Er beschreibt ihn als ca. "1,75m, männlich, muskulöse Körperstatur, an den Armen tätowiert, kurzes schwarzes Kopfhaar, mittellanger Bart, schwarzes Oberteil". Auch wolle er, zusammen mit den geteilten Kuss-Bildern vor den Botschaften Russlands und der Vereinigten Arabischen Emirate, ein "klares Statement gegen Homofeindlichkeit" und "gegen jegliche Menschenfeindlichkeit" abgeben.

Am Montagabend teilte auch der Berliner CSD den Eintrag Gaas bei Facebook und betonte: "Dieser Vorfall macht nochmal auf erschreckende Weise deutlich, wie wichtig es ist, für gleiche Rechte, Vielfalt und Akzeptanz auf die Straße zu gehen. Nach wie vor. LSBTIQ*-Rechte sind Menschenrechte! Das ist nicht verhandelbar!" Man stehe solidarisch an Christians Seite und wünsche ihm schnelle Genesung.

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Mehrere homofeindliche Vorfälle am Wochenende

Während die Hauptstadt-Polizei den Vorfall nicht publiziert hatte, war sie am Sonntag in ihrem Polizeibericht auf zwei homofeindlich motivierte Taten eingegangen (queer.de berichtete): So beleidigte ein 19-Jähriger am Samstagabend in der U-Bahn zwei Männer mit Regenbogen auf dem T-Shirt homophob und attackierte in Folge weitere Gäste mit "volksverhetzenden Äußerungen" – laut dpa schrie er unter anderem "Nazi-Power". In der Nacht zum Sonntag versuchten zudem zwei Jugendliche, eine Regenbogenfahne am Rathaus Köpenick in Brand zu setzen.

Zusätzlich sei zu dem Wochenende eine weitere Strafanzeige mit homophobem Tathintergrund an den Staatsschutz übergeben worden, so die Polizei gegenüber queer.de. Einen Bezug zum CSD habe diese nicht.

Twitter / jonas_fedders

Zu einem in sozialen Netzwerken kursierenden Foto, dass das Abführen eines CSD-Besuchers durch Polizeibeamte direkt vor der Gedenktafel "Rosa Winkel" am U-Bahnhof Nollendorfplatz zeigen soll, äußerte die Polizei, die Station sei kurzzeitig wegen Überfüllung geschlossen worden. "Daher wurde dem CSD-Besucher der Zutritt in den Bahnhof durch Polizisten verweigert. Nachdem der Mann anfing, seinen Unmut über die polizeilichen Maßnahmen zu äußern und die Einsatzkräfte lautstark zu beleidigen, wurde er von den Beamten vorübergehend an der dortigen Wand fixiert". Aufgrund der Menschenmassen sei es nicht möglich gewesen, sich umgehend mit dem Mann an einen anderen Ort zu begeben. Als die Situation es zuließ, sei er für weitere Maßnahmen in ein Polizeifahrzeug gebracht worden. Insgesamt sei es im Rahmen des CSD zu 17 Freiheitsentziehungen gekommen.

Twitter / CSD_Berlin

Mit rund einer Million Besuchern und bis zu 300.000 Teilnehmern setzte der CSD am Samstag eine neue Rekordmarke. Auch der Dyke March am Vorabend wurde erneut als großer Erfolg eingeschätzt, während der ebenfalls vom CSD unabhängige alternative "Radical Queer March" am Samstag wieder im Vorfeld und vor Ort von einem Streit um die Teilnahme von BDS-Aktivisten überschattet wurde, die der Demo, teilweise mit Parolen gegen das Existenzrecht Israels, ihre Sicht auf den Nahost-Konflikt als dominierendes Thema aufdrängen wollten. Sie gingen nicht auf Forderungen der Veranstalter ein, wurden teilweise von der Polizei abgedrängt, dann aber doch wieder von den Veranstaltern zugelassen. Einige der BDS-Aktivisten hatten auch in den Menschenmassen am regulären CSD teilgenommen, während an anderer Stelle ein Wagen der Israelischen Botschaft mitfuhr und eine Fußgruppe der jüdisch-queeren Gruppe Keshet über 100 Teilnehmer fand.

CSD wurde am Wochenende auch in Stuttgart, Duisburg, Siegen, Bamberg und im niedersächsischen Wendland rund um Waddeweitz gefeiert. Laut Stuttgarter Zeitung wurde ein CSD-Besucher am späteren Abend in der Innenstadt von einer Gruppe Jugendlicher beleidigt und dann mit einem Schlag an den Kopf angegriffen. In Siegen hielt die rechtsextreme Kleinpartei "Der Dritte Weg" wie angekündigt am Rande der CSD-Strecke eine Kundgebung gegen "Homo-Propaganda" ab. Von der Polizei und einem SPD-Stand von der Pride-Demo abgeschnitten, verteilte gut ein dutzend Neonazis Flyer an einem Stand und nutzte eine auf dem Boden angebrachte Regenbogenflagge als Fußabtreter. Ein Transparent zeigte an Fußgänger gerichtet Bilder von CSD-Teilnehmern mit dem Aufdruck "Sollen so eure Kinder werden?" Die Antwort: Der Pride selbst fand eine neue Rekordbeteiligung von rund 400 Teilnehmern.

um 21.30h aktualisiert um Rückmeldungen von Christian Gaa



#1 FelixAnonym
  • 29.07.2019, 20:19h
  • In diesen Land läuft so viel schief... Eklatant schief...

    Und es muss sich so viel ändern - in der Politik, in der Gesellschaft, in den Schulen, in den Medien, in der Wirtschaft...
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Vater
  • 30.07.2019, 02:41h
  • Ich kann es einfach nicht verstehen.
    Weshalb hassen Menschen andere Menschen, die ihnen überhaupt nichts getan haben und die sie nicht einmal kennen.

    Selbst diese Täter werden zwischendurch einmal friedlich und freundlich sein.

    Zu gern würde ich solche Menschen einfach mal fragen warum...
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#3 Homonklin44Profil
  • 30.07.2019, 06:23hTauroa Point
  • Dieses unvermittelt aggressive "Verpiss Dich!" erlebt man allerdings auch wegen Belanglosigkeiten, aus Versehen vorkommenden Berührungen in einer Fußgängermenge und unter variabel unlustigen Festbesuchern immer wieder, und schon deshalb, weil andere glauben, man hätte sie fixiert, in ihre Richtung gesehen.

    Solange nicht direkt Gewalt nachfolgt, scheint das heute so der gewöhnliche Umgangston geworden zu sein, gerne von jungen Leuten. Weitergehen entschärft das nicht immer.

    Konstruierte "wechselseitige" Körperverletzung ist dann wohl die Idee Trick 17, wenn sich Angreifer ihrer Taten entledigen. Im Zweifelsfall endet das dann in Aussage gegen Aussage, und es folgt nix nach.
    Solche Angreifer haben also eine gewisse Narrenfreiheit dadurch. In dem Moment denkt zwar meist niemand daran, aber vielleicht wäre es in manchen Situationen praktikabel, alles weitere Geschehen mit dem Handy zu filmen. So kann man evtl. belegen, welche Personen bei welcher Gruppe standen/blieben, und solche Aussagen wie, er hätte diese Freundin geschlagen, würden als Lüge entlarvt.

    Na ja, aber es ist klar, wie unplanbar das ist. :(
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#4 zundermxeAnonym
  • 30.07.2019, 12:26h
  • Antwort auf #2 von Vater
  • Selbst wenn Du mit einigen Täter*innen sprechen könntest, wäre es wahrscheinlich schwierig so etwas wie eine verständliche oder nachvollziehbare Antwort oder Erklärung zu bekommen.

    Täter*innen werden nicht zuerst homophob und dann als Folge dessen gewaltbereit gegenüber anderen Menschen.
    Täter*innen verfügen über ein mit dem Mittel verglichen deutlich höheres Gewaltpotenzial und (subjektiv) höhere Gewalterfahrung. Als Folge dessen benötigen sie weniger innere oder äußere Motivation um tatsächlich gewalttätig zu werden.
    Kristallisationspunkte zur Gewalt können dann bestimmte Merkmale und Eigenschaften anderer Menschen oder Gruppen von Menschen sein (wobei diese objektiv nicht zwingend vorhanden sein müssen).
    Dahinter stehen Angst, Neid, Wut und manchmal einfach Geltungssucht.
    Gewalt kann Ventil und Belohnung zugleich sein.
    Täter*innen körperlicher Gewalt empfinden sich oder wollen sich empfinden als Teil der (oder einer) Masse.
    Das spielt sich alles ursächlich nicht auf einer rationalen Ebene ab.

    Die rationale Ebene liefert nur die scheinbare Begründung und Selbstrechtfertigung der Gewalt.
    Dieses rationale Konstrukt kann individuell entstehen oder durch andere vorgegeben und dann angenommen werden.

    Bei der vornehmlich von außen vorgegebenen Motivation zur und Rechtfertigung von Gewalt kommen die Hetzer und Hasser ins Spiel, die von ihrer persönlichen Anlage her körperliche Gewalt selbst eher nicht anwenden (wollen). Die sogenannten geistigen Brandstifter*innen. Diese großen und kleinen Adolfs empfinden sich nicht als Teil der Masse (streben dies auch nicht an) und erfahren ihre Befriedigung, wenn überhaupt, durch Macht über und Manipulation anderer. Sie sind nicht stillbar da sie weder durch oder in einer sozialen Gruppe noch für sich persönlich durch eigene Handlungen ihre Bedürfnisse nachhaltig erfüllen können.
    Dieser Typus ist in abgeschwächter Form in Führungspositionen von Staat, Kirche und Wirtschaft zu finden.

    Die Verbreitung von und der Umgang mit Homophobie oder Transphobie sind sehr aktuelle Indikatoren (nat nicht die einzigsten) einer Gesellschaft inwieweit es ihr gelungen ist sich freiheitlich, bezogen auf die Persönlichkeitsrechte des Individuums, und dem sozial-humanitären Miteinander aller zu entwickeln.
    Ganz einfach eine Maßeinheit für den tatsächlichen Zustand einer demokratischen und freien Gesellschaft (vornehmlich in den sogenannten westlichen Zivilisationen). Da Ausprägung von und Umgang mit Homo- oder Transphobie direkte Aussage (Rückschlüsse) über die Lebensmöglichkeiten aller bietet.

    Hier liegt mMn auch ein Grund warum Gewaltverbrechen gegen queeres Leben nicht im ganzen Land nach objektiven und einheitlichen Kriterien erfasst und ausgewertet werden. Die Frage nach den Ursachen ließe sich dann nicht mehr vermeiden.

    Warum ich nu soviel fasel?!

    Naja, leider ist es einerseits nicht so einfach und idR auch nicht nachhaltig Hass und Bereitschaft zur Gewalt an einem Symptom (in diesem Fall homophobes Verhalten) ursächlich fest zu machen. Erst recht nicht auf der rein rationalen Ebene.
    Dies ist lediglich nötig und wichtig um konkrete Taten strafrechtlich zu ahnden. Wobei die Selbstverantwortung von Täter*innen nicht in Frage gestellt werden darf.
    Andererseits erklärt sich warum Gesetze und Maßnahmen zur Gleichstellung nur die (erstmal zentrale) Basis sind, jedoch nachhaltige Gleichstellung und die freie Persönlichkeitsentfaltung im Alltag das deutlich dickere zu bohrende Brett sind. Da es die alltägliche Interaktion vieler, derzeit utopisch möglichst aller, bedarf und eine grundlegende Verbesserung der Lebensverhältnisse aller innerhalb einer Gesellschaft (und dies nicht nur rein materiell) benötigt.

    Kurzum: in einer primär auf Leistung und Wettbewerb orientierten Gesellschaft wird dieser Prozess deutlich länger dauern (und nie tatsächlich nachhaltig sein) und nur relativ wenige individuell Privilegierte werden dies absehbar erreichen können.
    Je mehr tatsächliche Chancen und faires Miteinander und je mehr Solidarität für alle (zumindest möglich vieler), desto weniger Hass und Gewalt allgemein.
    Je größer die Schere, desto mehr Druck, der mehr Hass und Gewalt unweigerlich befeuert und erzeugt.

    Auch wenn es sich bei mir in einem bestimmten Maß teilen mag: dies ist erstmal ein rein logischer Ansatz und viel weniger ein sozialistischer.
    Schauen wir nur begrenzt auf unseren Bereich, auf unser Thema, wird Erreichtes bestenfalls fragil (bsp aktuelle Gesetzeslage) bleiben und noch zu Erreichendes niemals nachhaltig erreicht werden können (bsp Gesetzeslage vs individuelle Lebensrealität).

    Konsequent gegen Hassverbrechen und Hetze gegen uns vorgehen UND solidarisch mit allen, die es benötigen, sein. Jede*r für sich - alle zusammen.
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#5 dellbronx51069Anonym
  • 30.07.2019, 17:18h
  • Auf der Cologne Pride waren schätzungsweise 4 mal so Viele Menschen. Von derartigen Vorfällen habe ich nichts gehört.
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#6 HyenadykeProfil