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Szene-Journalismus

Gay Star News verabschiedet sich in die Insolvenz

Eine der einflussreichsten News-Seiten der Community geht vom Netz. Die Gründer machen Brexit und ein mangelndes Engagement von Unternehmen verantwortlich.


Die aktuelle Startseite von GSN wird wohl noch länger diese Ansicht bieten – nicht ganz unpassend mit einer Falschmeldung zu Russland als Aufmacher, die inzwischen von Medien auf der ganzen Welt wie u.a. "Queer Bild" übernommen wurde (den tatsächlichen aktuellen Stand des Adoptions-Dramas gibt es weiterhin in diesem Artikel, eine Wegnahme der Kinder wird befürchtet, ist aber nicht erfolgt)

Der neue BBC-Korrespondent zu LGBT-Themen, Ben Hunte, twitterte am späten Montagabend die Nachricht als erster in die Welt: Gay Star News (GSN), das weltweit beachtete queere Nachrichten-Portal, werde am Dienstag in Insolvenz gehen und seine Arbeit einstellen. Rund 20 Stellen wären betroffen.

Während es seitens des Portals zunächst keine Bestätigung gab – auf Gay Star News erschien seit dem späten Montagnachmittag keine weitere Meldung mehr – bestätigten Mitarbeiter der Firma aus London die Nachricht direkt oder indirekt. So stellten einige ihre Lebensläufe online und vermeldeten bei Twitter das Ende ihrer bisherigen Stelle. Ein Mitarbeiter sagte der "Press Gazette", das Team sei am Montag in den Gemeinschaftsraum gerufen worden. Dort sei die Insolvenz angekündigt worden – für den zurückliegenden Monat erhalte man kein Gehalt mehr.

Twitter / BenInLDN

Am späten Dienstagnachmittag stellten die GSN-Gründer Tris Reid-Smith und Scott Nunn dann einen Abschiedstext online. Demnach sei das Portal bei Lesern und Zugriffszahlen immer erfolgreicher, könne den Erfolg aber paradoxerweise nicht ins Finanzielle übertragen. So habe man 2019 mit starken Einnahmen gerechnet, doch manche geplanten Werbe-Engagements von Firmen seien verschoben worden oder ausgefallen, auch aufgrund der Unsicherheiten durch den Brexit. Gleichzeitig würden sich immer mehr Marken vordergründig LGBTI-freundlich zeigen, etwa mit Regenbogen-Motiven zu CSD-Zeiten in sozialen Netzwerken, sich dann aber nicht in der Community und ihren Medien engagieren.

Das Problem ist nicht neu: Queere Print- und Online-Medien, auch queer.de, beklagen seit Jahrzehnten ein geringes Buchungsinteresse von großen Marken. Und, was die GSN-Gründer in ihrem bemerkenswert verärgerten Text nicht erwähnen: Viele Unternehmen, auch aus der Szene, werben in den letzten Jahren vor allem bei Facebook, wenn sie die Zielgruppe erreichen wollen.

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Sieben Jahre Leitmedium

Gay Star News, was sich wie ein alter Lebensbegleiter anfühlt, war in Wirklichkeit erst Anfang 2012 gestartet worden, in Konkurrenz zum ebenfalls britischen, 2005 gegründeten Pink News (queer.de gibt es in der heutigen Form bereits seit 2003). Schnell entwickelte das frische Team ein Gespür dafür, LGBTI-Themen aus den entlegensten Winkeln der ganzen Welt aufzuspüren und engagiert und mitfühlend aufzubereiten. Während Redakteure und freie Mitarbeiter zwischenzeitlich auch aus Amerika oder Asien zu allen Tag- und Nachtzeiten News aufbereiteten, engagierte sich das Unternehmen mit Initiativen wie dem "Digital Pride" im Inland.

Twitter / gaystarnews | Mit diesem Eintrag nehmen die GSN-Gründer Abschied

Wenn Gay Star News eine wichtige Meldung brachte, dann fand sie sich kurze Zeit später auf queeren Portalen der ganzen Welt wieder, oft fand sie auch den Weg in Massenmedien. Der Verantwortung als weltweites Leitmedium der Community wurde GSN allerdings nicht immer gerecht: Im Konkurrenzkampf – und unter zunehmender Wirkung der immer härteren viralen (Aus-)Sortier-Algorithmen vor allem von Facebook – bauschten GSN und Pink News immer häufiger Themen auf (in der schlimmsten Phase waren IS-Propaganda-Meldungen samt Hinrichtungsbildern noch nicht schlimm genug, um nicht noch Details hinzuzuerfinden), ließen Informationen für eine knalligere Meldung weg, produzierten vorzeitige, halbgare oder schlicht falsche Nachrichten (s.a.: "Homo-Medien steinigen das Sommerloch", 14.8.2014). Andere Portale folgten teils naiv, teils willig – Artikel mit korrekteren oder nüchternen Versionen gingen oft unter.

Dennoch ist der Abschied von Gay Star News ein harter Schlag für den LGBTI-Aktivismus weltweit, der von dem Medium wie von keinem anderen begleitet wurde. Er ist Teil einer ganzen Reihe von Abschieden von Szene-Medien – in einer Zeit, in der Massenmedien verstärkt über LGBTI-Themen berichten, queere Produktionen in Film und TV erfolgreich und vielfältig wie nie sind, die Community sichtbarer und lauter wird, Politik und Wirtschaft immer mehr vorgeblich Engagement und Akzeptanz zeigen. Es ist, in der Tat, ein ärgerliches, ein ungelöstes Paradox.



#1 lindener1966Profil
  • 30.07.2019, 22:26hHannover
  • Ich lese ja wirklich fast alles, was es im Netz zu LGBT Themen gibt, aber von Gay Star News höre ich jetzt zum ersten mal. Hätte man es hier nicht hin und wieder mit Verlinkungen und Hinweisen promoten können?????
  • Antworten » | Direktlink »
#2 WadersProfil
#3 ReaderAnonym