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St. Petersburg

Zweite Festnahme nach Mord an LGBTI-Aktivistin

Der neue Verdächtige soll den Messer-Angriff auf Jelena Grigorjewa gestanden haben. Die Hintergründe der brutalen Tat sind noch unklar.


Der Tod Jelena Grigorjewas hatte Menschen auf der ganzen Welt entsetzt

Die russischen Behörden haben am Donnerstag überraschend bekannt gegeben, im Rahmen der Ermittlungen zum Tod von Jelena Grigorjewa am Mittwoch einen zweiten Mann verhaftet zu haben. Dieser habe nach der Vorlage von Beweisen bereits gestanden, die LGBTI-Aktivistin in den frühen Morgenstunden des 21. Juli mit einem Messer getötet zu haben.

Die Leiche der Aktivistin war an jenem Sonntag Stunden nach der Tat von einem Passanten in Büschen vor einem Wohnhaus gefunden worden, in der Nähe der Wohnung der Aktivistin (queer.de berichtete). Eine Obduktion ergab Medienberichten zufolge acht Messerstiche in Rücken und Kopf sowie Anzeichen einer Strangulation.

Am Donnerstag der letzten Woche hatte das Ermittlungskomitee bekannt gegeben, im Rahmen der Mordermittlungen einen 1981 geborenen, zur Tatzeit unter Alkoholeinfluss stehenden Kirgisen verhaftet zu haben. Der bereits vorbestrafte Mann werde verdächtigt, die frühere Bekannte im Rahmen eines privaten Streits ermordet zu haben, hieß es zunächst (queer.de berichtete). Die Getötete habe einen "asozialen Lebensstil" geführt, behauptete die Behörde noch: In mehreren Fällen habe sie alkoholische Getränke konsumiert, auch im Beisein des Verdächtigen.

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Mutmaßlicher Täter vorbestraft

Laut der neuesten Mitteilung der Strafverfolgungsbehörden gestand der in der letzten Woche Festgenommene zwar eine unzusammenhängende räuberische Attacke auf eine Person im Juli, belastete für den Mord aber einen anderen Mann, mit dem er in der Tatnacht getrunken habe. Nach weiteren Untersuchungen wurde dieser bislang öffentlich noch nicht näher identifizierte Mann festgenommen: Er soll 1990 geboren und bereits wegen Drogenhandels mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein. Die Ermittlungen und Beweissicherung dauerten an, so die Behörden.

Die neue Mitteilung geht diesmal nicht darauf ein, ob sich der mutmaßliche Täter und das Opfer kannten. Ein Motiv für eine Auseinandersetzung oder ein Tatmotiv wurden zunächst auch nicht bekannt gegeben. Damit ist auch ein Hassverbrechen aus Homophobie oder ein politisches Motiv denkbar.


Mahnwache in St. Petersburg in der letzten Woche, die Polizei ließ die bis zu 100 Teilnehmer gewähren

LGBTI-Organisationen hatten die Behörden nach der ersten Festnahme aufgefordert, alle möglichen Verdächtigen und Motive weiter zu prüfen. In regionalen Medien hatten Freunde von mehreren Personenkreisen berichtet, aus deren Umfeld Verdächtige stammen können: So habe Grigorjewa nach ihrem Coming-out als Bisexuelle Anfang des Jahres Bedrohungen von Nachbarn erhalten ebenso wie von früheren Bekannten, die teilweise aus dem nationalistischen Umfeld stammen, in dem sie sich ursprünglich engagiert hatte. Auch ein stadtbekannter Anti-LGBTI-Aktivist habe sie bedroht. Ferner habe sie sich mit ihrem Eintreten für die Ukraine Feinde gemacht. Zudem fand sich ihr Name auf einer wenige Tage vor dem Mord abgeschalteten Webseite mit einer Art Todesliste mit Namen von LGBTI-Aktivisten. Die Seite diente in der Einschätzung des LGBT Network wohl vor allem der Einschüchterung; Aktivisten hatten die Behörden dazu aufgefordert, auch getrennt vom Mordfall die Hintergründe der Seite zu ermitteln (queer.de berichtete).

Der Tod Grigorjewas, die eine 20-jährige Tochter hinterlässt, hatte für Entsetzen in der örtlichen Szene gesorgt. Die Aktivistin engagierte sich beim "LGBT Network" und der "Hetero- und LGBT-Allianz für Gleichberechtigung", aber auch für Tierrechte, gegen Folter oder für Krimtataren. Sie nahm an Dutzenden Kundgebungen in der Innenstadt St. Petersburgs teil und wurde dabei mehrfach festgenommen.


Grigorjewa im April bei einem Protest zum Tag des Schweigens in St. Petersburg. Sie und weitere LGBTI-Aktivisten wurden deswegen festgenommen (queer.de berichtete)

An einer Mahnwache in der letzten Woche beteiligten sich bis zu 100 Menschen (queer.de berichtete). Für den für diesen Samstag geplanten diesjährigen CSD in St. Petersburg erteilten die Behörden zu drei möglichen Orten keine Genehmigung. Am Donnerstag zogen die Organisatoren deswegen vor Gericht, eine Verhandlung ist für den Nachmittag angesetzt. (nb)



#1 DramaQueen24Profil
  • 02.08.2019, 08:24hBerlin
  • Ich verwette meine beiden Pobacken, dass beide Männer nicht die Täter sind, und ihre "Geständnisse" erzwungen wurden. Mich lässt der Satz aufhorchen, wonach das Opfer eine "asoziale Person" gewesen sei, ein Indiz dafür, dass Opfer zu Tätern gemacht werden, eine bei Vergewaltigungsprozessen übliche Form der Verteidiger.
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