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Nach Kuss bei Konzert

Duma-Abgeordneter will Russen vor Rammstein schützen

Auf ihrer Russland-Tour zeigt die Berliner Rockband Rammstein ihre Solidarität mit der unterdrückten LGBTI-Community. Das missfällt der russischen Politik.


Rammstein überraschten mit ihrem Kuss vor über 80.000 Besuchern in Moskau viele Fans (Bild: Instagram / rammsteinofficial)

Der Duma-Abgeordnete Witali Milonow hat im russischen Radiosender NSN mit scharfen Worten den Kuss der Rammstein-Gitarristen Paul Landers und Richard Z. bei einem Konzert mit über 80.000 Zuschauern in Moskau kritisiert. Die Band hatte den Kuss auch in sozialen Medien geteilt und dazu auf Russisch geschrieben: "Russland, wir lieben dich!" (queer.de berichtete).

"Wenn sie es für möglich halten, sich derartig aufzuführen, dann sollten wir es auch für möglich halten, uns von solchem Müll fernzuhalten", sagte Milonow, ein 45-jähriger Hardliner der Putin-Partei "Einiges Russland". In Europa gebe es schließlich viele "anständige Interpreten", die sich nicht so skandalös verhielten. Die Bandmitglieder bezeichnete er als "Idioten". "Wenn sie sich küssen wollen, sollen sie das in der Ukraine tun", so Milonow weiter. Er hatte der nach wie vor teilweise von Russland besetzten Ukraine wiederholt vorgeworfen, sich "dem Westen" anzubiedern und die gemeinsamen Werte mit Russland zu verraten.


Witali Milonow will gegen westlichen "Müll" vorgehen (Bild: Sm alien / wikipedia)

Milonow, der 2016 erstmals in die Duma gewählt wurde, hat seine Karriere auf Homophobie aufgebaut. Als St. Petersburger Kommunalpolitiker initiierte er Anfang dieses Jahrzehnts ein Homo-"Propaganda"-Gesetz (queer.de berichtete). Kurze Zeit später wurde das Verbot auf ganz Russland ausgeweitet. Immer wieder sorgt er mit medienwirksamen Auftritten für Aufsehen: Im letzten Herbst blockierte er etwa persönlich den Eingang eines queeren Filmfestivals in St. Petersburg (queer.de berichtete). 2012 hatte er schon einmal – vergeblich – Ermittlungen gegen Rammstein gefordert, weil ein Konzert in der Stadt "unverhohlene und grobe Pornografie" dargestellt habe.

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Rammstein in St. Petersburg

Rammstein werden am Freitagabend in der Gazprom-Arena in Milonows Heimatstadt auftreten. Nun wird darüber spekuliert, ob die in Russland sehr populäre Band erneut ein politisches Statement für LGBTI-Rechte abgibt. Gerade hier wäre es angemessen: Während die Szene St. Petersburgs noch unter Schock nach dem Mord an der LGBTI-Aktivistin Jelena Grigorjewa steht, hatte die Stadt drei mögliche Orte für den für diesen Samstag geplanten diesjährigen CSD nicht genehmigt. Am Donnerstagabend bestätigte ein Gericht das Demo-Verbot – die LGBTI-Aktivisten wollen nun am Samstag Einzelproteste abhalten, die keine Genehmigung benötigen, aber dennoch oft in Festnahmen enden.

Ein wichtiges Zeichen gegen Homophobie hatte Rammstein bereits in der letzten Woche gesetzt: Bei einem Auftritt in Polen hatte Schlagzeuger Christoph Schneider bereits eine Regenbogenfahne geschwenkt – auf einem Gummiboot mitten im Publikum. Das wurde als Reaktion auf brutale Übergriffe bei einen CSD im ostpolnischen Bialystok gewertet (queer.de berichtete).

Twitter / RaReiHE

In deutschen Medien wird die Band für ihre Aktionen mit Lob überschüttet. Der Ressortleiter Außenpolitik der konservativen Tageszeitung "Die Welt" bezeichnete Rammstein nach dem Kuss etwa als "besten Botschafter, den sich Deutschland im Ausland vorstellen kann". RTL Online titelte ganz überrascht: "Rammstein kann auch soft provozieren". (dk)



#1 LGBH0TTNZProfil
#2 FliegenAnonym
#3 B und HAnonym
  • 02.08.2019, 16:36h
  • Aber Breschnew und Honecker haben sich doch auch wild auf den Mund geküßt. Warum jetzt die Aufregung?
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#4 LotiAnonym
#5 RyluriAnonym
  • 02.08.2019, 19:37h
  • Von einer solchen Band finde ich so ein Zeichen viel stärker als von einer 0815-pop band. Wir brauchen endlich Mal eine Metal Bar in der LGBTIQ+ Szene :D
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#6 giliatt 2Anonym
  • 03.08.2019, 01:21h
  • Ob RAMMSTEIN nun rechtsextrem oder linkslastig ist, sei mal dahingestellt. Meinen Musikgeschmack trifft die Band definitiv nicht. Vielleicht gibt es da ja ein Quäntchen Duldungs-Akzeptanz. Doch nein, das Getöse muss ich mir nicht antun.

    Sehr glaubwürdig mutet nun der Kuss zweier heterosexueller männlicher Bandmitglieder nicht an, womit sie ihre Unterstützung der scjhwulen Szene im Lande Lenins und des Roten Oktobers helfen wollten.

    Sehr lustig - siehe Foto - ist die Haartracht des Genossen MILANOW. Und zudem auch bezeichnend! Die Farbe nennt man PISS-BLOND. Ein Mann, der die Welt vor gleichgeschlechtlichen Knutschereien und westlichen Musikalien warnen will, ändert sein natürliches Dunkelblond vermittels H2O2 - Wasserstoffsuperoxid - in das mistfarbene Pissblond. Soso, ist er etwa ein verkappter Schwuler?
    Mit Sicherheit ist Towarisch/Gaspadient MILANOW ein armes Würstchen, das um Aufmerksamkeit buhlt.
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#7 DramaQueen24Profil
  • 03.08.2019, 06:31hBerlin
  • Was würde der Abgeordnete wohl sagen, wenn eines seiner Kinder homosexuell oder transsexuell wäre? Würde er es töten? Und was ist mit den vielen sexuellen Belästigungen und Vergewaltigungen, die Frauen in Russland durch Männer ausgesetzt sind? Verurteilt er die auch, oder gilt es für ihn als besonders "männlich", wenn ein Mann so etwas einer Frau antut?
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#8 feli491Anonym
  • 03.08.2019, 07:28h
  • Antwort auf #6 von giliatt 2
  • "Sie wollen mein Herz am rechten Fleck, doch sehe ich dann nach unten weg, dann schlägt es links"

    "Deutschland - meine Liebe kann ich dir nicht geben"

    Nicht unbedingt Sätze, die eine rechtsextreme Band im Repertoire hätte, oder?

    Die Bilder auf Instagram wurden übrigens massenhaft kommentiert von Menschen aus Polen oder auch Russland, die sich von dem Kuss oder von dem Zeigen der Flagge unterstützt fühlen. Viel mehr als Solidarität kann man der LGBTQ Community in den Ländern aktuell nicht entgegen bringen. Und auch wenn die Band hetero ist - vielleicht sind welche ja auch bi? Und ihr Privatleben halten die Herren ohnehin privat -, ist das mehr Solidarität als die Menschen in Polen und Russland von der Deutschen Bundesregierung erfahren haben
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#9 zundermxeAnonym
  • 03.08.2019, 09:12h
  • Antwort auf #6 von giliatt 2
  • Grobes Kopfschütteln... über das was Du schreibst.

    In einer Demokratie gibt es keine Pflicht sich über konkrete Sachverhalte zu informieren.
    Und natürlich muss niemanden diese oder jene Musik gefallen wie auch die Künstler so oder so gefallen können.

    Aber sich in die Reihe derer zu begeben, die immer wieder die Band in politisch extreme Richtungen verankern wollen, ist genauso dumpf und unangebracht wie sich vornehmlich an der optischen Erscheinung eines Hasspredigers abzuarbeiten.
    Mehr fällt Dir dazu nicht ein?
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#10 LotiAnonym
  • 03.08.2019, 10:00h
  • Antwort auf #9 von zundermxe
  • Ich gestehe, dass ich mich habe hinreißen lassen, diese Band wäre rechtslastig. Das ist Jahre her. Danach hat sie mich einfach nicht mehr interessiert. Der Sound und Gesang sagt mir auch nicht zu. Dann sah ich mir mal im TV ein Konzert an und war doch sehr angenehm überrascht. Zumindest kann ich gut nachvollziehen, weshalb die Menschen diese Gruppe Live sehen und erleben wollen. Dann jetzt dieses offene Statement gegen eine homophobe Gesellschaft, besonders in Russland, das hat mich schon sehr beeindruckt. Hut ab. Meinen Respekt hat diese Band jetzt auf jeden Fall.
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