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Ungarn

Budapest: Boykottaufrufe gegen queere Cola-Werbung

"Liebe ist Liebe", meint Coca-Cola in einer groß angelegten Werbekampagne. Ein Fidesz-Abgeordneter und die Fundamentalisten von CitizenGo sind davon nicht überzeugt.


Die "umstrittenen" Motive in einer Haltestation in Budapest (Bild: BKV)

Eine neue Werbekampagne für Coca-Cola in Ungarn sorgt für Unmut: Der Konzern bewirbt in sozialen Netzwerken, aber auch auf großen Plakaten an Budapests Bus- und Tramhaltestellen sowie Metrostationen seine Zero-Marke mit homo- wie heterosexuellen Paaren, die sich eine Cola-Flasche teilen (wobei nur das heterosexuelle einem Kuss nahekommt). Ein weiteres Motiv zeigt einen Regenbogen im Hintergrund und auf der Flasche. #LoveIsLove, "Liebe ist Liebe", heißt der dazugehörige Slogan des Konzerns, ergänzt um: "Kein Zucker, keine Vorurteile."

Die Plakate und Motive tauchten in Budapest Ende der letzten Woche auf – die Kollegen von "Humen" fanden sie an den zentralsten Stellen der Innenstadt. Schnell empörten sich die üblichen Kreise: "Die homosexuelle Lobby hat Budapest bereits im Griff", kommentierte etwa das rechte Portal "Pesti Srácok" entsetzt.



Schnell fand eine neue Online-Petition Verbreitung – natürlich vom europaweiten, in Deutschland mit der "Demo für alle" verbandelten Hass-Netzwerk CitizenGo. In ihr werden der Bürgermeister und die Verkehrsgesellschaft von Budapest aufgefordert, die "homosexuelle Werbung", die von "Kinder gesehen" werden könne, zu stoppen. Was in anderen Ländern bereits üblich sei, werde hier als "Test" versucht: "Wenn die ungarische Gesellschaft dies akzeptiert, wird es immer mehr Schritte geben: Plakate, Werbung, Filme, Regenbogenprodukte usw. Und je weiter wir den Hang hinunterrutschen, desto schwieriger wird es, anzuhalten", so die Petition. Die "homosexuelle Lobby" habe "Kinder, Familien und die Gesellschaft als ganzes" im Visier.


Die Verkehrsbetriebe zeigten sich angesichts des aufkommenden Sturms dünnhäutig: Man sei für die Motive nicht verantwortlich, teilte die BKV am Samstag mit. Und außerdem sei man bereits dabei, die Vermarktungsgesellschaft zu wechseln. Auch Nachfragen des Portals index.hu, wie man sich inhaltlich zu der Kampagne verhalte, äußerte das Unternehmen, es habe alles gesagt, was es sagen wolle.

Die "Kritik" ließ das nicht verstummen: István Boldog, Parlamentsabgeordneter und Vize-Sprecher der rechten Regierungspartei Fidesz, veröffentlichte am Sonntag auf seiner Facebook-Seite ein durchgestrichenes Coca-Cola-Logo und betonte, er werde das Unternehmen boykottieren, solang es auf die "provozierenden Plakate" setze. Er rief seine Nutzer dazu auf, ihm dabei zu folgen. Nach Kritik in den Kommentaren unter dem Posting beklagte er die angebliche Intoleranz der Liberalen und forderte "Respekt" für seine Haltung: "In Ungarn sind mehr Menschen meiner Meinung als eurer. Die Zukunft Ungarns hängt von ungarischen Kindern ab."



Auf Anfrage einer Nachrichtenseite gab sich die Fidesz-Partei am Montag zu dem homophoben Boykott-Aufruf ihres Abgeordneten recht einsilbig wie doppeldeutig: "Ungarn ist ein freies Land. Daher kann jeder frei entscheiden, ob er Coca-Cola trinken will."

Coca-Cola knickt nicht ein

Kurz nach dem Facebook-Eintrag des Politikers veröffentlichte Coca-Cola die Motive am Sonntag auch auf seiner ungarischen Facebook-Webseite. Sie wurden bislang über 550 Mal geteilt, über 1.500 mal kommentiert, positiv wie negativ, und mit über 6.500 Reaktionen bedacht. Über 1.000 Menschen zeigten sich wütend.



Das Unternehmen ließ sich davon nicht abschrecken: Auch in einer Presseerklärung stellte es sich am Montag hinter die Motive, die zu einem am Mittwoch startenden Musik- und Kulturevent, dem Sziget Festival, veröffentlicht wurden – es steht in diesem Jahr unter dem Motto "Love Revolution" (und auf der Bühne stehen unter anderem Years & Years mit dem offen schwulen Sänger Olly Alexander). Mit der Kampagne wolle man die dazu passende Botschaft vermitteln, dass "jeder das Recht auf Zuneigung und Liebe hat" und "dass das Gefühl der Liebe dasselbe ist". Das Unternehmen weiter: "Wir glauben, dass wir alle gleich sind, unabhängig von Nationalität, Religion, Geschlecht, Alter, ethnischem Hintergrund, gesprochener Sprache, Hobbys und Meinungen. Wir glauben, dass sowohl Hetero- als auch Homosexuelle das Recht haben, die Person zu lieben, die für sie am besten ist."


Mehrere Motive an Tram-Haltestellen wurden bereits verunstaltet

In den nächsten Tagen will das Unternehmen auch spezielle 0,5-Liter-Flaschen mit einem Regenbogen-Motiv verteilen. Ähnliche Spezialanfertigungen samt Werbekampagnen kamen zuletzt in mehreren Ländern zur CSD-Saison zum Einsatz, so wurden etwa beim Cologne Pride die Flaschen der Sonder-Edition verteilt. (nb)



#1 FredericAnonym
  • 05.08.2019, 21:30h
  • Super. Nur wenn ein Unternehmen in einem solchen Umfeld solche Werbung schaltet, setzt es sich tatsächlich für GayRights ein. In Deutschland und Westeuropa kann jedes Unternehmen gefahrlos werben ohne Kunden zu verlieren.

    Danke an Coca Cola. Weiter so.
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#2 MagyarAnonym
#3 BaerchenProfil
  • 06.08.2019, 02:19hzuhause
  • Meine Güte, langsam kann man wirklich Angst bekommen, alle möglichen Länder beginnen in die Faschistenecke zu rutschen, was ist nur los auf dieser Welt? Geht das so weiter ist man bald nirgendwo mehr sicher. Man gewinnt langsam den Eindruck solch bösartige Menschen wünschen sich eine Katastrophe und Niedertracht auf der Welt. Ich bin froh das meine arme Mutter diese Entwicklung nicht mehr miterleben muss, sie hat den 2. Weltkrieg als junge Ehefrau mitgemacht, alles verloren und von vorn angefangen. Wüsste sie es, sie würde rotieren in ihrer Kiste...
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#4 DramaQueen24Profil
  • 06.08.2019, 05:51hBerlin
  • Mutig von Coca Cola und entlarvend für den Teil Ungarns, der rechts und religiös ist! Die Firma ist nicht fest in der Hand der "Homo-Lobby", sondern fest in der Hand von Kapitalisten, die Geld machen wollen. Und wie erreicht man das am besten? Durch Werbung und Aufmerksamkeit. Cool die Reaktion auch der Firma. Sie zeigt, dass sie sich von einigen rechten Idioten nicht verbiegen lässt.
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#5 LedErich
#6 AlexAnonym
  • 06.08.2019, 09:13h
  • .... . ..........
    Coca-Cola knickt nicht ein
    ................

    Richtig so.

    Coca Cola zeigt nichts verbotenes. Wenn die Werbung manchen nicht passt, ist das deren Problem und von niemandem sonst.

    Würde man da einknicken, würde das diese Leute nur stärker machen und sie würden sich immer mehr rausnehmen. Bleibt man dagegen hart, hat sich das Thema bald erledigt.

    Auch in diesem Punkt muss man die Freiheit gegenüber Feinden der Freiheit verteidigen.
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#7 QueerBierHereEhemaliges Profil
  • 06.08.2019, 09:48h
  • Antwort auf #6 von Alex
  • Weil, selbst wenn die Verkäufe dort minimal einbrechen, das Image und die Verkäufe in ausland ("ich kauf jetzt Produkt x von produzent x weil ich damit Unterstützung für dieses und jenes zeige") dies locker wieder ausgleichen...

    Die Verknüpfung von politischen bzw gesellschaftlich-moralischen Reibungspunkten mit Werbung is halt allmählich auch so tot geritten das des offensichtliche Kalkül die vordergründige message überschattet... Aber ey, immerhin kann ich jetzt in moralischer Überlegenheit schön die Nase über "die da" rümpfen wenn ich meine eiskalte Cola genieße und dadurch die welt rette....
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#8 FredericAnonym
  • 06.08.2019, 11:56h
  • Antwort auf #4 von DramaQueen24
  • Klar ist Coca Cola kapitalistisch, aber auch idealistisch. Wenn es der Firma nur um Kapital gehen würde, dann würde sie die Werbung in so einer Umgebung nicht schalten. Diese Firma will wirklich etwas verändern, diese ganzen Feigenblattfirmen wie IKEA, die Gay Werbung nur in einem Sonnenschein-Umfeld schalten, aber in Russland ihre Kataloge und Werbung umgestalten, die benötigt man nicht.

    Ich trinke erst Mal eine Coca Cola.
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#9 QueerBierHereEhemaliges Profil
  • 06.08.2019, 12:21h
  • Antwort auf #8 von Frederic
  • Und genau dein letzter Satz zeigt das etwaige, kurzfristig Gewinneinbrüche in Region A durch die Signalwirkung der Werbung durch die Käufer in Region B - Z mehr als ausgeglichen werden....!
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#10 LotiAnonym