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Segnung homosexueller Paare

Landeskirche Württemberg: Fauler Kompromiss wird großer Flop

Vor vier Monaten hat die evangelische Landeskirche in Württemberg beschlossen, dass maximal ein Viertel der Gemeinden ab 2020 gleichgeschlechtliche Paare segnen darf. Diese Menge dürfte kaum erreicht werden.


In ihrer Kirche nicht wirklich willkommen: Evangelische Lesben und Schwule, die sich in Württemberg segnen lassen wollen, stehen vor vielen Hürden

Für die Segnung homosexueller Paare interessieren sich nach Ansicht von Landesbischof Frank Otfried July von der evangelischen Kirche in Württemberg bei weitem nicht so viele Gemeinden wie dies nach dem neuen Gesetz möglich wäre. Von den derzeit 1.300 Gemeinden in Württemberg gebe es bislang rund 100 sogenannte Regenbogengemeinden – sie haben bereits signalisiert, offen für Segnungsgottesdienste für lesbische und schwule Ehepaare zu sein. Sollten sich mehr als 325 Gemeinden dafür aussprechen, wäre eine landeskirchenweite Regelung nötig. Dann müsste sich die Synode erneut beraten – und mit Zweidrittel-Mehrheit beschließen.

"Das Gesetz tritt 2020 in Kraft", sagte July der Deutschen Presse-Agentur. "Wir stehen bereits mit interessierten Gemeinden in Kontakt." Derzeit werde zunächst von gut 100 interessierten Gemeinden ausgegangen. "Das mag sich noch verändern, aber wir gehen von längeren Zeiträumen aus, bis das Viertel erreicht ist." Der Widerstand ist groß: Auf einer Unterschriftenliste hatten erst im Mai 335 Pfarrer der evangelischen Landeskirche in Württemberg erklärt, dass sie keine Segnungen von homosexuellen Paaren vollziehen werden (queer.de berichtete).

Sperrminorität der Homo-Hasser wirkt abschreckend

Die Landessynode als Kirchenparlament hatte im vergangenen März beschlossen, dass maximal jede vierte Kirchengemeinde seine örtliche Gottesdienstordnung ändern darf. Zudem müssen sich drei Viertel aller Pfarrer der jeweiligen Kirchengemeinde sowie drei Viertel des Kirchengemeinderates für die Segnung von Lesben und Schwulen aussprechen (queer.de berichtete). Beobachter gehen davon aus, dass Homo-Hasser in vielen Gemeinderäten leicht diese Sperrminorität von 25 Prozent erreichen können.


Frank Otfried July wurde 2005 zum Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gewählt (Bild: EMH / Gottfried Stoppel)

"Es ging doch nicht darum, einen 'Betondeckel' drüber zu gießen, sondern eine verfassungskonforme Lösung zu finden, die mehrheitsfähig ist", verteidigte July die diskriminierende Begrenzung und abschreckende Sperrminotität. Durch den Kompromiss sei auch "eine Tür geöffnet" worden. "Es wäre schwer zu vermitteln gewesen, dass die Landeskirche interessierten Gemeinden gar keine Möglichkeit bietet für gleichgeschlechtlich orientierte Menschen, von denen viele unserer Kirche hochverbunden sind", sagte er. In einer umstrittenen Pressemitteilung hatte der CSD Stuttgart im März an evangelische Homo-Paare appelliert, um den Segen der Kirche zu bitten, um damit Druck auszuüben (queer.de berichtete).

Deutschlands homophobste Landeskirche

2017 war der Vorstoß gescheitert, öffentliche Segnungen landeskirchenweit als Amtshandlung einzuführen (queer.de berichtete). Die Landeskirche Württemberg war bis zum März – neben Schaumburg-Lippe – eine der letzten, die Lesben und Schwulen öffentliche Segnungen mit Kirchengeläut verwehrt hatte. Viele der evangelischen Landeskirchen haben dagegen mittlerweile die Trauung für alle eingeführt, zum Beispiel im benachbarten Baden, und machen damit (fast) keinen Unterschied mehr zwischen homo- und heterosexuellen Paaren.


Unsere Wochenumfrage vom 25. März bis 1. April 2019 hatte ein klares Ergebnis

Ein Grund für die Homophobie in Württemberg: Innerhalb der evangelischen Kirche sind dort pietistische Elemente besonders stark, die sich unter anderem in der LGBTI-feindlichen Bewegung "Lebendige Gemeinde" organisieren – diese Gruppe lehnt mit Verweis auf die Bibel nicht nur die Gleichbehandlung Homosexueller ab, sondern propagiert sogar teilweise die "Heilung" von Lesben und Schwulen. (cw/dpa)



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#1 FliegenAnonym
#2 AlexAnonym
  • 10.08.2019, 09:16h
  • Entweder alle oder keine. Alles andere ist neue Diskriminierung, die uns nur als Feigenblatt missbrauchen soll.
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#3 Ralph
  • 10.08.2019, 11:22h
  • Das Geld ihrer schwulen und lesbischen Mitglieder nehmen sie gerne... Es ist wie immer bei den Kirchen: Nur wenn man ihnen Geld entzieht, spüren sie was. Also raus aus diesem Verein!
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#4 Homonklin44Profil
  • 10.08.2019, 11:33hTauroa Point
  • Um sich silchen "Kirchen" hochverbunden zu fühlen, muss man anscheinend ein gewisses Maß an Masochismus besitzen.

    Sich diese unmenschliche Umgangsweise immer wieder selbst antun lassen,liest sich wie ergebenheit für Schläge.

    www.kirchenaustritt.de
    So kann Freiheit beginnen.
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#5 qwertzuiopüAnonym
  • 10.08.2019, 12:26h
  • Ich gebe zu bedenken, dass bis auf Württemberg und Schaumburg-Lippe alle anderen Landeskirchen Homopaare trauen. Klar sind diese Evangelikalen Spinner, aber wegen denen die gesamte ev Kirche zu verdammen, naja...
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#6 QueerBierHereEhemaliges Profil
  • 10.08.2019, 12:33h
  • Antwort auf #4 von Homonklin44
  • Ob ich jetzt nicht kirchlich heiraten kann weil der Gemeindepfarrer (oder wer auch immer) "nö" sagt oder ich nicht kirchlich heiraten kann weil ich aus der Kirche ausgetreten bin ist im Hinblick auf die kirchliche heirat doch genau des gleiche... Geholfen ist den leuten die kirchlich heiraten wollen damit doch auch net oO und da nicht jeder xxx jahre warten möchte wär's doch einfacher sich n termin inner Kirche zu suchen wo der Pfarrer "jupp" sagt..

    Es geht dabei um ja letztendlich um die Segnung von Gott , ob des Gotteshaus jetzt im Heimatskaff oder 50km weiter weg steht ist für Gottes Segen (für den die Kirche eben nur der verlängerte arm der Ausführung ist) doch völlig latte...

    Soll net heißen das ich des ganze gut heiße (Kirchen/Religion ist genau so dämlich wie das Konstrukt der Ehe), aber wüsste nicht in wie weit austritte da jetzt groß Einfluss nehmen könnten (im Zuge der x Missbrauchsskandale sind se auch zu tausenden ausgetreten, hatte auch keinen Einfluss auf stärkere Aufklärung oder nötige Reformen)....
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#7 erfolgAnonym
  • 10.08.2019, 14:39h
  • das wort flopp ist hier fehl am platz: die regelung zur gleichg. segnung in der kirche würtemberg war ein kompromiss, der auch die ansichten des grösseren, konservativeren teils der gemeinde abspiegelt - dessen wunsch und absicht war, so wenig wie möglich solche zeremonien in der praxis möglich zu machen.
    was ihm auch gelungen ist.
    insofern sind für diese mitglieder der würt. kirche niedrige zahlen der homotrauungen alles andere als ein flopp, sondern ein erfolg.
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#8 LarsAnonym
  • 10.08.2019, 16:09h
  • Antwort auf #4 von Homonklin44
  • Ich denke nicht, dass das Masochismus ist. Manche Menschen wollen einfach nicht den Kontakt zu ihrer Familie, ihrer (spirituellen) oder sozialen Heimat etc. verlieren und versuchen halt, mit großer Geduld in ihrem Beriech etwas zu verändern.

    Bei Zeremonien wie der Heirat und beim Mitwirken in einer Gemeinschaft geht es aber letztlich um das Thema Bindung und Beziehung für das manche Menschen eben auch einen soirituellen Ausdruck und eine Form suchen.

    Um diese Menschen anzusprechen, reicht die Aufforderung zum Kirchenaustritt allein nicht aus. Man sollte ihnen schon eine Perspektive bieten.
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#9 Ralph
  • 10.08.2019, 18:00h
  • Antwort auf #5 von qwertzuiopü
  • Es sind aber auch nicht alle anderen Landeskirchen vorbildliche Anstalten der Vielfalt. Vor mehreren Jahren habe ich unter Anderem deswegen die Pfälzische Landeskirche verlassen, weil die zuständige Gemeindepfarrerin den Wunsch nach einer -damals schon möglichen- "gottesdienstlichen Begleitung", die meinem Mann wichtig gewesen wäre, als "Zirkus" verunglimpfte und sich weigerte, sie durchzuführen, während gleichzeitig die sog. Landeskirchliche Vereinigung, eine innerkirchliche evangelikale Sekte, fleißig gegen Schwule und Lesben Stimmung machen durfte. Damals zahlte ich monatlich mehr als 100 Euro Kirchensteuer plus die Ortskirchensteuer für ein bebautes und ein unbebautes Grundstück. Der Austritt war also durchaus ein finanzieller Verlust für die Kirche - und siehe da: Der Kirchenpräsident persönlich schrieb mich an und versuchte, mich umzustimmen. Ohne Erfolg freilich. Der Austritt war schwer genug gewesen. Damals waren verpartnerte Schwule und Lesben nämlich Kirchen-Zwangsmitglieder ohne Austrittsrecht, weil das Land Rheinland-Pfalz die Lebenspartnerschaft nicht anerkannte und deshalb verpartnerten Personen den Kirchenaustritt verweigerte. Die gesamte EDV des Landes durfte den Familienstand "LP" nicht haben. Verpartnerte Schwule und Lesben wurden amtlich als Personen mit "ungeklärtem Familienstand" geführt. Der Leiter des Standesamtes entschied damals, mir den Austritt trotzdem zu erlauben, und ließ die Urkunde handschriftlich ausfertigen. Gegen das Gesetz, aber gültig.
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#10 stephan
  • 10.08.2019, 18:46h
  • Welcher halbwegs klar denkende Mensch mag sich und seine Beziehung schon in solch einer Gemeinschaft segnen lassen? Selbst die Einschränkung, dass Pfarrer die Trauung ablehnen dürfen - wie etwa in der rheinischen LK - bedeutet für uns, dass wir deren Segen und Trauung nicht möchten - obgleich mein Mann selbst ordiniertes Mitglied dieser LK ist, aber selbstverständlich diese Tätigkeit nicht hauptamtlich ausübt!
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