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USA
Nach vier Jahren Rechtsstreit: Sieg für trans Schüler
Schulen müssen laut einem US-Bundesgericht trans Schülern ermöglichen, ihrer Geschlechtsidentität entsprechende Toiletten aufzusuchen. Alles andere wäre verbotene Geschlechterdiskriminierung.

Eine Bundesrichterin hat entschieden, dass Gavin Grimm während seiner Schulzeit diskriminiert wurde (Bild: WAVY)
- 13. August 2019, 10:57h 2 Min.
Der 20-jährige Transmann Gavin Grimm hat am Freitag einen großen Sieg für Transrechte in den Vereinigten Staaten erzielt: Bundesrichterin Arenda L. Wright Allen gab ihm in Norfolk (US-Bundesstaat Virginia) Recht, dass er von seiner Schule wegen seiner Transsexualität diskriminiert worden sei, weil er nicht die Jungstoilette seiner Schule aufsuchen durfte. Dies verstoße nicht nur gegen ein Bürgerrechtsgesetz ("Title IX"), sondern auch gegen die Gleichbehandlungsklausel in der amerikanischen Bundesverfassung. Grimm hatte sich vier Jahre lang – ein Fünftel seines Lebens – mit der Klage beschäftigen müssen.
Grimm wuchs in Virginia auf und outete sich 2014 als trans. Danach begann der damals 15-Jährige als Mann zu leben und durfte auch zwei Monate lang die Jungstoilette in seiner öffentlichen Schule benutzen. Nach Protesten von mehreren transphoben Eltern anderer Schüler untersagte ihm die Schule im Dezember 2014 die Nutzung der Toilette, ebenso wie von allen anderen geschlechtergetrennten Einrichtungen wie Umkleidekabinen. Er klagte dagegen – und der Fall ging durch die Instanzen, bis er 2017 den Supreme Court erreichte. Das Höchstgericht gab den Fall aber an die Vorinstanz zurück (queer.de berichtete).
Richterin Wright Allen entschied nun, dass die entsprechende Schule binnen zehn Tagen für trans Schüler ihre Toiletten öffnen muss. Außerdem muss sie in den Zeugnissen die Geschlechtsangabe von Grimm von "weiblich" auf "männlich" ändern. Der Schulbezirk muss außerdem – neben einer symbolischen Entschädigung von einem Dollar – die Anwalts- und Gerichtskosten von Grimm übernehmen. Grimm war in dem Verfahren von der größten US-Bürgerrechtsorganisation, der American Civil Liberties Union (ACLU) – unterstützt worden. Die Entscheidung dürfte auch Auswirkungen auf andere Schulen im Land haben.
Freude bei Bürgerrechtlern, LGBTI-Aktivisten und Demokraten
LGBTI-Aktivisten feiern den Sieg vor Gericht als "Meilenstein", wie die Human Rights Campaign (HRC) erklärte. Damit könnten auch in Zukunft junge Transpersonen geschützt werden, obgleich die Trump-Regierung 2017 einen Erlass aus der Obama-Zeit zum Schutz transsexueller Schüler aufgehoben hatte (queer.de berichtete). Die ACLU erklärte: "Trans Schüler gehören in unsere Schulen."
/ ACLU@GavinGrimmVAs case has always been about making it clear that trans students belong in our schools.
ACLU (@ACLU) August 12, 2019
We will keep up this fight until trans people can live fully in public spaces EVERYWHERE. https://t.co/lKdUxEBTZ1
Politiker der oppositionellen Demokraten begrüßten die Gerichtsentscheidung. So sprach Senatorin Elizabeth Warren, eine der führenden Präsidentschaftsbewerberinnen im Vorwahlkampf, auf Twitter von einem "großen Sieg für trans Amerikaner im ganzen Land". "Wenn wir kämpfen, dann gewinnen wir – und werden nicht aufhören zu kämpfen, bis alle trans Personen ohne Angst und Diskriminierung leben können", so Warren.
/ ewarrenThis is a big win for @GavinGrimmVA and trans Americans across the country. When we fight, we winand we wont stop fighting until all trans people can live without fear or discrimination. https://t.co/LFUGMrZ7dW
Elizabeth Warren (@ewarren) August 12, 2019
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Grimm machte bereits 2017 in Virginia seinen Highschool-Abschluss und studiert inzwischen in Kalifornien. (dk)












