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Ausschreibung

Darmstadt will Mahnmal für Opfer des Paragrafen 175 errichten

Darmstadt schreibt kurz vor dem CSD einen künstlerischen Wettbewerb für die Errichtung eines Mahnmals aus, das an die Homosexuellenverfolgung in Deutschland erinnern soll.


Auch Darmstadt soll ein Mahnmal erhalten, das an die Verfolgung Homosexueller in deutschen Diktaturen und Demokratien erinnert (Bild: clemisan / flickr)

Die südhessische Großstadt Darmstadt will mit einem Mahnmal an die Menschen erinnern, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt, misshandelt oder getötet wurden. Dazu wird jetzt ein künstlerischer Wettbewerb ausgelobt, wie die Stadtverwaltung am Donnerstag bekannt gab.

"Es geht um Zehntausende Menschen, denen schlimmstes Unrecht widerfahren ist, die ausgegrenzt wurden, in Konzentrationslager eingesperrt wurden und dort ihr Leben ließen", erklärte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). Konkret soll es um die Opfer von Paragraf 175 des Strafgesetzbuches gehen, der von 1872 bis 1994 in unterschiedlichen Ausprägungen schwule und bisexuelle Männer kriminalisierte. "Auf fürchterliche und gnadenlose Weise wurde er vor allem während des Nationalsozialismus angewandt – aber auch noch in den folgenden Jahrzehnten war er das Mittel übler Diskriminierung. An die Opfer und ihr Leid wollen wir erinnern", so Partsch.

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Halloween ist Bewerbungsende

Am Wettbewerb für ein Mahnmal können sich Künstlerinnen und Künstler bis zum 31. Oktober dieses Jahres beteiligen. Für die Realisierung des Projekts stehen 25.000 Euro zur Verfügung. Beim Material lässt die Stadt den Bewerbenden freie Wahl. In der Ausschreibung heißt es lediglich: "Gewünscht ist […] ein dauerhaftes Objekt ohne Verwendung von leicht zu beschädigenden oder zerstörbaren Materialien." Der Standort für das Mahnmal steht bislang noch nicht fest.

"Ein besonderer Dank", so Oberbürgermeister Partsch, gelte der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche und dem Verein Vielbunt, "die mit der 'Initiative Mahnmal § 175 für Darmstadt' zu einer ersten Interessensbekundung und Ideensammlung eingeladen hatten und uns wesentliche Impulse für die weitere Realisierung des Vorhabens gegeben haben. Die Initiative wird auch in der Jury bei der Entscheidungsfindung mitwirken."

Endgültige Entscheidung fällt im Frühjahr 2020

Der Wettbewerb ist zweistufig angelegt. In der ersten Stufe wählt eine Jury aus allen Einreichungen bis zu fünf Entwürfe aus. Die in der engeren Wahl verbliebenen Beiträge werden in der zweiten Stufe ausgearbeitet und öffentlich vorgestellt. Abschließend spricht die Jury eine Empfehlung an die städtischen Gremien aus, welcher Entwurf zur Umsetzung gelangen soll. Die Entscheidung soll dann im Frühjahr 2020 fallen.

Der Jury gehören neben Oberbürgermeister Partsch, die Vorsitzende des Kulturausschusses, Hildegard Förster-Heldmann, Kulturreferent Dr. Ludger Hünnekens, Martin Benn vom Evangelischen Dekanat Darmstadt-Stadt, Markus Jöckel von der AG Homosexuelle und Kirche, Leon Reinel vom Verein Vielbunt und eine Vertreterin oder ein Vertreter des Berufsverbands Bildender Künstler an. (pm/dk)

Details

Die künstlerischen Entwürfe können bis zum 31. Oktober persönlich oder auf dem Postweg beim Kulturamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Frankfurter Straße 71, 64293 Darmstadt, eingereicht werden. Die vollständigen Ausschreibungsunterlagen sind im Internet unter www.darmstadt.de/rathaus/ausschreibungen-bekanntmachungen zu finden, sie können außerdem beim Kulturamt angefordert werden.


#1 AlexAnonym
  • 16.08.2019, 12:15h
  • Hoffentlich wird das besser als das Mahnmal in Berlin, wo die Homosexualität nur verschämt im Inneren eines Betonklotzes gezeigt wird. Und nur für diejenigen sichtbar ist, die explizit durch eine Art Peepshow-Fenster durchsehen, das auch so hoch ist, dass ja kein kleines Kind versehentlich rein sehen kann.

    Und überhaupt steht dieses unsägliche Berliner Mahnmal für das Unsichtbar-Machen von Homosexualität, damit bloß kein Passant ungewollt mit gleichgeschlechtlichen Küssen konfrontiert wird, sondern nur diejenigen, die das explizit sehen wollen und dafür extra da stehen bleiben und durch die Scheibe sehen.

    Und nicht zuletzt lädt das zu Vandalismus ein, da man nur diese eine Scheibe beschmieren, bemalen, zerkratzen oder ähnliches muss, um die Sichtbarkeit des Films komplett zu vernichten.
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#2 HadramutAnonym
  • 16.08.2019, 13:19h
  • Die Kirchen sind und waren die Motoren der Homosexuellenverfolgung. Ihre Beteiligung an diesem Projekt ist grotesk und macht das geplante Mahnmal zu einer zynischen Geste.
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#3 QueerBierHereEhemaliges Profil
  • 16.08.2019, 13:19h
  • Antwort auf #1 von Alex
  • Ich würde das Berliner Mahnmal eher so interpretieren das man in die tiefste Privatsphäre der Menschen gedrungen ist (in Zeiten wo dieses eben noch versteckt ausgelebt werden musste), aber klar, man kann natürlich auch überall in den Opfermodus schalten und irgendwelche imho abstrusen Vorwürfe oder Gesinnungen konstruieren....

    Halte von Gruppenspezifischen Mahnmalen allerdings allgemein nichts, ob jemand aufgrund seiner Religion, seiner sexualität oder aufgrund physischer/psychicher "Gründe" in "die kammer" geschickt wurde ist für mich unerheblich, die Grausamkeit bleib dir gleiche und keiner der Gründe ist "schlimmer" oder "dramatischer" als der andere.... So Mahnmale sollten für alle gelten, fertig!
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#4 TimonAnonym
  • 16.08.2019, 13:48h
  • Antwort auf #3 von QueerBierHere
  • Umgekehrt wird ein Schuh draus:
    Man kann auch irgendwelche abstrusen Interpretationen konstruieren, um sich etwas schön zu reden.

    Und sachliche Kritik hat ja nichts mit "Opferrolle" zu tun.

    Die von Alex genannten Kritikpunkt sind doch nachprüfbare Fakten. Und das ist sogar empirisch belegt: wie oft wurde nicht schon die Scheibe so "bearbeitet", dass man nicht mehr durchsehen kann?! Ein bisschen Farbe im Vorbeigehen gegen die Scheibe und schon ist das erledigt. Wäre das z.B. eine Statue (vielleicht sogar auf einem Sockel), wäre es viel schwerer und zeitaufwendiger sowas zu machen. Und entsprechend größer auch die Gefahr, dabei erwischt zu werden. Dann fände Vandalismus schon gleich viel seltener statt.

    Aber selbst, wenn man eine Skulptur komplett mit Farbe übergießen würde, wäre ihre Form nach wie vor erkennbar. Und dann würde jeder schon von weitem erkennen, wieviel Homohass es noch gibt. Bei der Scheibe dagegen ist mit ein wenig Farbe gar nichts mehr erkennbar. Und viele sehen nicht mal den Vandalismus, da es von weitem nicht so sehr auffällt, wenn man nicht dahin guckt.
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#5 TimonAnonym
  • 16.08.2019, 13:57h
  • Antwort auf #1 von Alex
  • Ja, ein Mahnmal muss zwei Kriterien erfüllen:

    1. Es muss (auch von weitem) für jeden klar und eindeutig erkennbar sein. Da darf nichts irgendwie versteckt werden.

    2. Es muss nicht nur optisch klar und von weitem erkennbar sein, sondern auch inhaltlich unmissverständlich klar sein, worum es geht.

    Wäre z.B. das Mahnmal in Berlin eine Statue, die ein küssendes Männerpaar und ein küssended Frauenpaar zeigt, wäre beides erfüllt. Stattdessen versteckt man den Inhalt im Inneren dieses Blocks, sodass man von weitem gar nichts sieht und von nahem nur, wenn man da rein guckt.

    Das hat dann echt etwas von "Niemand soll mit dem Anblick belästigt werden, wenn man nicht selbst entscheidet, das bewusst anzusehen".
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#6 qwertzuiopüAnonym
  • 16.08.2019, 14:39h
  • Antwort auf #5 von Timon
  • Ich fand das Mahnmal immer einigermaßen gelungen. Durch den Kuss als Video wird Homosexualität so direkt wie nur irgendwie möglich dargestellt. Das triggert in vielen Menschen dann deren homophobe Reflexe. Insofern ist das Video das Mittel größtmöglicher Sichtbarmachung und damit auch ein Spiegel für jeden, der hineinschaut bezüglich der eigenen Vorurteilsbehaftung.
    Ich könnte mir vorstellen, dass diese oder ähnliche Ideen am Anfang gestanden haben und dann am Ende eben der Block rauskam, mit den Schwächen und Nachteilen, die ihr beschreibt. Ihr habt damit schon recht und der Künstler in Darmstadt sollte das berücksichtigen.
    Nur den Vorwurf, das Video sei absichtlich versteckt worden, finde ich ein wenig an den Haaren herbeigezogen.
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#7 QueerBierHereEhemaliges Profil
  • 16.08.2019, 14:54h
  • Antwort auf #4 von Timon
  • Du meinst also die Kunst - und ein Mahnmal ist ja auch immer künstlerischer Natur - soll sich etwaigen Reaktionen unterwerfen...? Damit wäre es doch auch wieder ad absurdum.... Und einfach ein küssendes Pärchen wäre doch kein Mahnmal (es soll ja gerade an die Opfer dieser Zeit erinnern) sondern eine nichtssagende Statue....?

    Ne, also das fände ich ja völlig schwachsinnig und egtl eine verhöhnung der Grausamkeiten dieser Zeit!
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#8 QueerBierHereEhemaliges Profil
  • 16.08.2019, 15:18h
  • Antwort auf #4 von Timon
  • Nachtrag:

    Was konstruierte ich denn? Willst du ernsthaft behaupten der Künstler hat das Mahnmal so entworfen weil er Homosexualität verstecken will oder könnte es nicht doch so sein das er sich bei der Gestaltung tiefergehende gedanken gemacht hat! Es geht hier ja explizit um die Opfer eines bestimmten Zeitraumes! Die öffentliche auslebung der Sexualität war nun mal ein Todesurteil so das dies ausschließlich versteckt im privaten ausgeführt werden konnte, immer in dem Wissen dass die eigenen vier Wände eben keine Sicherheit gaben da auch in das private eingedrungen wurde..... Dieses reflexartige schreien nach "Homophobie" und jegliche andere Sichtweise als "schön reden" darzustellen finde ich schon recht lächerlich!

    Ich finde "Opferrolle" passt hier sehr gut wenn man gedenken an die Opfer dieser Zeit mit zelebrierung der Sexualität in der heutigen Zeit gleichstellen will...
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#9 TimonAnonym
  • 16.08.2019, 15:22h
  • Antwort auf #6 von qwertzuiopü
  • Es hat auch niemand gesagt, dass das Absicht war. Es ist sicher gut gemeint gewesen. Aber gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Und hier wurde eben vieles nicht bedacht, was Kritiker schon in der Entwurfsphase moniert haben.
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#10 TimonAnonym
  • 16.08.2019, 15:35h
  • Antwort auf #7 von QueerBierHere
  • Und wo ist jetzt der Unterschied zwischen einem küssenden Paar als Statue oder als Film? Außer der größeren Sichtbarkeit und Vandalismus-Sicherheit der Statue gegenüber dem Film.

    Außerdem war die Statue ja nur ein Beispiel. (hatte ich auch "z.B " vorgeschrieben)

    Wenn man unbedingt den Film haben wollte, hätte man ja z.B. (auch hier wieder nur als Idee ohne absolutistischen Anspruch) eine Steinwand machen können und den Film ausreichend lichtstark von einem sicheren Platz darauf projizieren können. Oder Fotos von küssenden schwulen und lesbischen Paaren auf eine Steinwand mit Mosaik.

    Oder oder oder...

    Oder wenn Dir das küssende Paar als Statue nicht eindringlich genug ist:
    Eine Statue, wo ein Paar händchenhaltend hinter einem Stachelzaun steht. Mit rosa Winkeln auf der Sträflingskleidung.

    Mir geht es auch weniger um konkrete Ideen, dafür gibt es entsprechende Wettbewerbe. Mir geht es eher um die grundsätzlichen Anforderungen, die sich ja teilweise (insbesondere die Langlebigkeit und Vandalismus-Sicherheit) auch in der Ausschreibung finden. Und ich wünschte, daran hätte man auch in Berlin gedacht.
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