Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34275

USA

Washington: Polizei jagt schwule Cruiser mit Lockvögeln

In einem Cruising-Park in Washington versuchen offenbar Polizisten, schwule Männer anzumachen, um sie festnehmen zu können.


"Cruising" auf amerikanischen Schildern bedeutet normalerweise ein unter Teenagern beliebtes Freizeitvergnügen, bei dem man mit einem Auto langsam an von vielen Passanten frequentierten Orten (etwa am Strand) entlangfährt. Aus diesem Begriff entstand das schwule Lehnwort, das auch auf Deutsch verwandt wird

  • 16. August 2019, 12:54h 16 2 Min.

In einem Park der amerikanischen Bundeshauptstadt Washington, D.C. hat die Polizei binnen eines Jahres 26 Männer wegen Cruising festgenommen. Wie das Szene-Magazin "Washington Blade" berichtet, wurden einige der Männer im Meridian Hill Park von zivil gekleideten Undercoverbeamten der Bundespolizei "United States Park Police" angelockt, die erst sexuelles Interesse bekundet hätten und dann ihre Handschellen klicken ließen. Den verhafteten Männern drohen Geldstrafen wegen ungebührlichen Verhaltens oder ähnlicher Vergehen. Der Park ist laut dem Bericht seit 50 Jahren ein Cruisinggebiet von hauptsächlich afro-amerikanischen Schwulen.

Anwalt John Albanes erklärte, diese Vorgehensweise sei "extrem bedenklich und erinnert an die Stonewall-Tage, als schwule Männer oft das Ziel von polizeilicher Diskriminierung" gewesen seien. "Die Taktiken, die hier angewandt wird, widersprechen einer anständigen Polizeiarbeit und sollten offengelegt werden", so Albanes weiter.

Polizei bestreitet Lockvogel-Prinzip nicht

Ein Sprecher der Parkpolizei leugnete gegenüber "Blade" nicht, dass die Undercover-Beamten unterwegs gewesen seien. Eduardo Delgado machte allerdings keine Angaben darüber, ob die Polizisten Cruiser angemacht hätten. "Die US-Parkpolizei hat mehrere Beschwerden über anstößiges Verhalten im Meridian-Park erhalten", sagte Delgado. "Wie bei anderen illegalen Taten reagieren wir auf diese Beschwerden." Polizisten in Zivil seien nur eine Methode, um die Täter "abzuschrecken, zu stoppen und/oder zu verhaften".

Immer wieder gibt es in den USA Beschwerden darüber, dass Polizisten versuchten, in Cruisinggebieten schwule Männer mit sexualisiertem Verhalten zu sexuellen Handlungen zu bewegen. Der bekannteste Cruiser, der von einem Zivilpolizisten erst geködert und anschließend verhaftet wurde, war 1998 George Michael. Der Vorfall mit dem damals ungeouteten Sänger ereignete sich in einem Park in Los Angeles – und bedeutete praktisch ein Outing. Der Brite wurde am Ende zu einer Geldstrafe in Höhe von 810 Dollar, 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer psychologischen Beratung verurteilt.

Als Protest gegen das Polizeiverhalten veröffentlichte Michael ein halbes Jahr nach dem Vorfall das Lied "Outside", das insbesondere in Europa, aber weniger in den USA, erfolgreich war. Darin sind Verhaftungen wegen "unsittlichen Verhaltens" und zwei sich küssende Polizisten zu sehen. Der Polizist, der Michael festgenommen hatte, sah sich durch das Video verspottet und verklagte Michael auf zehn Millionen Dollar. Die Klage wurde abgewiesen. (dk)

#1 QueerBierHereEhemaliges Profil
  • 16.08.2019, 13:24h
  • Sexuelle Handlungen im öffentlichen Raum unter Strafe zu stellen ist ja legitim, aber Leute dafür abzustellen eine spezifische Gruppe zu ködern.... Damn, das ist absurd!
  • Direktlink »
#2 TimonAnonym
  • 16.08.2019, 14:03h
  • Eine Rückkehr in dunkelste Zeiten. Und auch rechtlich problematisch, da man ja Leute zu (vermeintlichen) Straftaten verführt.

    Und wieso werden eigentlich nicht auch Frauen eingesetzt, um mal zu gucken, welche Heteros darauf anspringen? Oder ist es bei Heteros plötzlich okay, wenn die Sex im Park haben? Das habe ich nämlich auch schon bei Hetero-Paaren mitbekommen. Aber da gilt das dann wahrscheinlich wieder als Kavaliersdelikt, was man sogar noch geil findet, während es bei Schwulen gleich wieder pfui, pervers, eklig und eine Gefahr darstellt.
  • Direktlink »
#3 TimonAnonym
  • 16.08.2019, 14:13h
  • Antwort auf #1 von QueerBierHere
  • Dann muss das aber genauso auch für Heteros gelten, die in der Öffentlichkeit Sex haben.

    Aber da drückt man mindestens ein Auge zu. Oder ist sogar noch belustigt oder geilt sich daran auf.

    Da hört man dann mit einem Augenzwinkern geäußerte Sätze wie: "Jo mei. Da haben halt ein Bub und ein Maderl sich lieb. Wir waren ja alle mal jung."

    Und es werden erst recht keine Heteros von der Polizei in solche Fallen gelockt.

    Diese Ungleichbehandlung ist es, die nervt. Und Leute bewusst in Fallen zu locken und zu sowas erst zu verführen.
  • Direktlink »

Kommentieren nicht mehr möglich
nach oben
Debatte bei Facebook

Newsletter
  • Unsere Newsletter halten Dich täglich oder wöchentlich über die Nachrichten aus der queeren Welt auf dem Laufenden.
    Email: