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Heimkino

Hatte Goethe eigentlich auch Sex mit Männern?

In seinem Film "Männerfreundschaften" sucht Rosa von Praunheim nach schwulen Spuren in der Weimarer Klassik. Die unterhaltsame Mischung aus Doku und Kostümfilm ist jetzt auf DVD erschienen.


Rosa von Praunheim wollte herausfinden, was wirklich hinter den Männerfreundschaften des 18. Jahrhunderts steckt (Bild: missingFILMs)

Wie schwul war Goethe? Und wie sieht es mit seinen Zeitgenossen aus? Inspiriert von Robert Tobins Buch "Warm Brothers – Queer Theory and the Age of Goethe" geht Kultregisseur Rosa von Praunheim in seinem Film "Männerfreundschaften" diesen und anderen Fragen nach. Seit Freitag ist er auf DVD fürs Heimkino erhältlich.


"Männerfreundschaften" ist seit 16. August auf DVD erhältlich

Queergelesene Inszenierungen von Briefwechseln, Lyrik und dramatischen Texten an den Orten ihres Entstehens werden durch Interviews mit Literaturwissenschaftlern und Historikerinnen kommentiert. So entsteht ein schillernder, abwechslungsreicher Film, der Genregrenzen sprengt und auf unterhaltsame Weise die Homoerotik und Homosexualität in der Weimarer Klassik beleuchtet.

Die von Praunheim angeheuerten Schauspieler diskutieren bei der großen Frage, ob Goethe, Schiller und Co. nach heutigem Verständnis schwul waren oder nicht, fleißig mit. Völlig wurscht, meint einer, allein ihre Dichtkunst zähle. Ein anderer dagegen: "Wenn Goethe in den ersten dreißig Jahren seines Lebens keine Schwänze gelutscht hat, weiß ich auch nicht weiter." (cw/pm)

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Männerfreundschaften. Dokumentarfilm. Deutschland 2018. Regie: Rosa von Praunheim. Mitwirkende: Matthias Luckey, Valentin Schmehl, Thomas Linz, Tobias Schormann, Max Conrad, Sybille Enders, Petra Hartung, Bernhard Jarosch, Sebastian Lange, Wolfgang Mirlach, Maximilian Müller, Nils Ramme, Runa Schäfer, Willi Seibt, Jakob Turkôsek. Laufzeit: 85 Minuten. Sprache: deutsche Originalfassung. Untertitel: Englisch (optional). FSK 12. missingFILMs
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Männerfreundschaften
6 Bilder


#1 Homonklin44Profil
  • 18.08.2019, 11:14hTauroa Point
  • Das könnte sehr interessant werden, denn diese Art besondere, homophile Freundschaft wurde in den Zeiten wohl weit offener gelebt, als man sich das später zurecht verklärte. Viele Künstler, Dichter und Schreiberlinge hatten das Geschick, das in Bilder und Zeilen zu setzen, die der Eingeweihte in diese Vermittlungskust für sich recht liebesam versteht, wie sie Ahnungsfreie für sich in poetische Formen legen können.

    Ein bisschen schade, dass das heute nur noch ganz selten in der Art überhaupt möglich ist. Vom filigran verspielten Bild mit seinen tausend Farbnuancen, blieb nur was wie Chagall+, und wie von einem Stück in mannigfaltigen Varianten leis und leiser Klänge, noch ein lauter Knall. Die Freundschaftszeit will keiner mehr, doch immerzu den Sex, und wer vertauscht im Taumel lebt, den holt alsbald die Hex'

    +soll nicht heißen, dass Chagall farbarm malte, reimt bloß besser als Haring.
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#2 Homonklin44Profil
  • 18.08.2019, 11:16hTauroa Point
  • Ach so, vergessen, und warum sollen Goethe & Co nicht Sex mit Männern gehabt haben? Ich würde sagen, in den Zeiten hatten es nur Latexfetischisten echt schwer.
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#3 Ralph
  • 19.08.2019, 11:40h
  • Kam kürzlich im Fernsehen. Nicht uninteressant. Aber es sollte doch beachtet werden, dass bis um 1900 herum Männer untereinander sich gegenseitig derart schwülstig ihrer Liebe versicherten, wie es heute Schwule nicht täten, weil sie es peinlich und albern fänden - und dabei doch nur enge Freundschaft meinten. Merke: Nicht jeder große Mann war schwul. Dass Goethe sich eine Haushälterin "unter seinem Stand" hielt und die nach langem Zögern doch noch heiratete (und nicht etwa eine Frau, die ihm gesellschaftlich näher gestanden hätte - Goethe wurde von Königen auf Augenhöhe behandelt), mag ein Anhaltspunkt sein, sagt aber kaum mehr aus als manch überdrechseltes klassizistische Zitat aus seinem Werk. Man braucht nur "Wilhelm Meister" zu lesen und sich dabei zu fragen: Himmel, haben die damals wirklich so überkandidelt geredet wie geschrieben? Da entsteht für uns Heutige viel Raum für Interpretationen, auf die Zeitgenossen gar nicht gekommen wären. Sprachgebrauch und Sozialverhalten ändern sich innerhalb von 200 Jahren. Geht man z.B. von Goethe aus 200 Jahre zurück, gelangt man in eine Zeit, in der Adlige einander mit "Euer Liebden" anredeten. Die liebten einander nicht, die waren nur höflich.
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