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Polizeibericht

Junger Schwuler in Berlin beschimpft und getreten

Auf der Warschauer Brücke in Berlin-Friedrichshain wurde in der Nacht zu Sonntag ein 22-Jähriger von fünf anderen Männern homophob beleidigt und angegriffen.


Der Vorfall ereignete sich am S-Bahnausgang zur Warschauer Brücke (Bild: Ingolf / flickr)

  • 18. August 2019, 09:47h 15 2 Min.

In der Nacht zu Sonntag gab es aufgrund einer Beleidigung mit homophobem Hintergrund einen Polizeieinsatz im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Dies meldete die Polizei der Hauptstadt am Sonntagmittag.

Gegen 1.10 Uhr alarmierte ein 22-Jähriger die Polizei zur Warschauer Brücke und gab an, dass ihm auf der Brücke Höhe S-Bahn-Ausgang fünf Männer entgegenkamen. Aus der Gruppe heraus wurde er dann gefragt, ob er schwul sei. Nachdem er dies bejaht hatte, wurde er homophob beschimpft. Darüber hinaus trat ihm ein Mann aus der Gruppe das Handy aus der Hand. Anschließend flüchteten die Männer in Richtung Frankfurter Tor.

Der Polizeiliche Staatsschutz ermittelt

Wie bei möglicher Hasskriminalität üblich, hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt die weiteren Ermittlungen übernommen. Ebenfalls wie üblich enthielt der Erstbericht keine weiteren Details zu den beteiligten Personen.

Die Berliner Polizei macht mögliche Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität gezielt publik und meldet diese daher vergleichsweise häufig der Öffentlichkeit. Die Polizei und Staatsanwaltschaft der Hauptstadt besitzen eigene Ansprechpartner für LGBTI.

Erst vor wenigen Tagen war eine trans Frau in Berlin-Kreuzberg mit homophoben Begriffen beleidigt worden (queer.de berichtete). In den letzten Wochen und Monaten wurden immer wieder homo- und transfeindliche Übergriffe publik. Auch wurde das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Berliner Tiergarten im Laufe mehrerer Monate mehrfach mit Farbe beschmiert.

Nach im letzten Herbst vorgestellten vorläufigen Zahlen wurden von der Berliner Polizei im Bereich der Hasskriminalität aufgrund sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität in den ersten drei Quartalen 2018 insgesamt 105 Fälle statistisch erfasst, darunter 30 Gewaltdelikte. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren, samt Nachmeldungen, 139 Fälle registriert worden. Dabei wird von einer hohen Dunkelziffer nicht gemeldeter Taten ausgegangen. (cw/pm)

-w-

#1 AlexAnonym
  • 18.08.2019, 12:07h
  • Die Abstände werden immer kürzer...

    Wie lange will die Bundesregierung noch wegsehen?

    Wir brauchen endlich einen nationalen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie. Man hat ja damals in der Anfangszeit von HIV und AIDS gesehen, wie mit Aufklärung, Werbekampagnen, etc. unbegründete Ängste und Vorurteile genommen werden können. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern dauert seine Zeit, muss aber irgendwann mal behoben werden.

    Und auch volle rechtliche Gleichstellung (inkl. Art. 3 GG) ist wichtig. Das bringt nicht direkt gesellschaftliche Akzeptanz, aber indirekt. Wie will man gesellschaftliche Akzeptanz erwarten, wenn nicht mal der Staat uns voll akzeptiert?!

    Wenn Union und SPD diese Dinge nicht umsetzen, müssen eben andere an die Macht.
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#2 AlexAnonym
  • 18.08.2019, 12:20h
  • Antwort auf #1 von Alex
  • PS:
    Und auch wenn das nicht Bundessache, sondern Ländersache ist, so ist es natürlich auch wichtig, in allen Bundesländern und allen Schulen verpflichtend jeweils altersgerechte Aufklärung zu betreiben.

    Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.
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#3 SixtinusAnonym
  • 18.08.2019, 13:16h
  • Die Forderung nach Erweiterung Artikel 3GG und Schulaufklärung sind natürlich berechtigt.

    Allerdings unternimmt auch die Community selbst zu wenig gegen Hasskriminalität.

    Warum wird im CSD Motto nicht auf diese alltägliche Gewalt hingewiesen?

    CSD-Mottos wie

    - Schwul ist kein Schimpfwort
    - Partner*in an der Hand, eine Faust im Gesicht
    - Angespuckt, weil ich mein Geschlecht lebe

    findet man vergeblich. Stattdessen sind die meisten CSD Mottos nichtssagende Allgemeinplätze, die aber nicht auf die alltägliche Diskriminierung und Gewalt hinweisen.

    Warum sollte das dann auch breit in Medien oder von Politikern thematisiert werden, wenn nicht einmal wir selbst es tun.

    Gleiches gilt für Demonstrationen der Community gegen derartige Gewalt. Wann war die letzte Demonstration, um darauf hinzuweisen? Und wie gut oder schlecht war sie besucht?
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