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Westjordanland

Palästinensische Polizei geht gegen queere Organisation vor

Nach fast 20 Jahren Arbeit mit LGBTI soll die Organisation Al-Qaws ihre Aktivitäten einstellen, fordert die Polizei. Bürger sollten Aktivisten der Gruppe zur Verfolgung melden.


Von Al-Qaws zusammen mit anderen Gruppen organisierte Kundgebung gegen homo- und transfeindliche Gewalt Anfang August in Haifa. Zuvor war ein palästinensischer Jugendlicher mutmaßlich von seinem Bruder vor einer queeren Notunterkunft in Tel Aviv mit einem Messer schwer verletzt worden (queer.de berichtete) (Bild: alQaws / facebook)

Die Polizei der Palästinensischen Autonomiebehörde hat der Organisation Al-Qaws jegliche Aktivitäten im Westjordanland untersagt. Damit reagierte die Behörde auf die Ankündigung einer für Ende des Monats geplanten Konferenz der Gruppe in Nablus. Sie habe erst im Nachhinein von einer Al-Qaws-Veranstaltung in der Stadt wenige Wochen zuvor erfahren.

"Al-Qaws für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Palästinensischen Gesellschaft" wurde 2001 gegründet und kümmert sich um LGBTI im Westjordanland und in arabisch-israelischen Communitys. Die Organisation hat Schwerpunkte und Anlaufstellen in Haifa, Jaffa, Ost-Jerusalem und Ramallah. Polizeisprecher Louai Irzeqat warf der Gruppe jetzt vor, ein "ausländischer Agent" zu sein. "Verdächtige Parteien" wollten Aufruhr erzeugen und den "öffentlichen Frieden gefährden".

Die Aktivitäten von Al-Qaws seien "schädlich für die Werte und Ideale der palästinensischen Gesellschaft", so Irzeqat weiter, sie hätten nichts mit den Traditionen und der Religion der Gegend zu tun. Man werde Verantwortliche der Organisation ausfindig machen und vor Gericht stellen, kündigte Irzeqat weiter an. Er bat Bürger, verdächtige Aktivitäten und Personen zu melden.

Gruppe will weiter arbeiten

Al-Qaws beklagte in einer Stellungnahme, die Polizeiankündigung folge auf einen in dieser Form und diesem Ausmaß nie erlebten Hass, der sich in sozialen Netzwerken nach der Ankündigung der Veranstaltung in Nablus entwickelt und in Androhungen von Gewalt und Verfolgung ausgedrückt habe. Es handle sich um einen Backlash gegen den "Abbau der gesellschaftlichen Leugnung der Existenz von LGBTQ-Palästinensern", für den man gearbeitet habe.

Das Vorgehen gegen den Kampf für sexuelle und geschlechtliche Befreiung sei nicht neu, sondern werde von "unterdrückerischen Regimen und Regierungen" immer wieder für politische Zwecke und Ablenkungsmanöver eingesetzt, so Al-Qaws. Die Erklärung der Polizei sei "inakzeptabel" und eine "Aufhetzung" und stelle die Organisation falsch dar: "Seit zwei Jahrzehnten setzt sich Al-Qaws unermüdlich für die Bekämpfung der Gewalt der israelischen Besatzung sowie der sozialen Gewalt gegen LGBT-Palästinenser ein". Das sei "Teil unserer Vision von einem befreiten Palästina", so die Gruppe, die in der Vergangenheit auch ein vermeintliches Pinkwashing Israels kritisiert und zur Unterstützung der umstrittenen BDS-Kampagne aufgerufen hatte, also unter anderem zu einem Boykott israelischer Produkte. Man werde "trotz kolonialer Barrieren und Strafverfolgungsdrohungen" weiterarbeiten mit dem Ziel, die Debatte um sexuelle Vielfalt voranzutreiben.

Last night (Saturday, August 17th), the spokesperson for the Palestinian Authority police, Louai Irzeqat, issued a…

Gepostet von ?alQaws ? am Sonntag, 18. August 2019
Facebook / alQaws

Homosexuelle Handlungen wurden im Westjordanland 1951 durch jordanisches Recht legalisiert, während sie im Gazastreifen unter Männern nach einem Gesetz aus britischer Mandatszeit noch mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden können. Der entsprechende Paragraf aus dem Jahr 1936, der bis Anfang der Sechzigerjahre auch in Israel angewandt wurde, soll kaum zum Einsatz gekommen sein. Es gibt allerdings Berichte über Erpressungen von LGBTI durch Beamte.

Queeren Palästinensern drohen Stigmatisierung, Ausgrenzung und Gewalt durch Familienmitglieder und Bekannte; im Gazastreifen und Westjordanland gibt es keine Gesetzgebung gegen Diskriminierung und Hassverbrechen und keine rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Vor drei Jahren hatte die Hamas im von ihr kontrollierten Gaza-Streifen einen Kommandanten hingerichtet, dem homosexuelle Handlungen und Veruntreuung vorgeworfen worden waren (queer.de berichtete). (nb)



#1 goddamn liberalAnonym
  • 19.08.2019, 12:13h
  • "Homosexuelle Handlungen wurden im Westjordanland 1951 durch jordanisches Recht legalisiert, während sie im Gazastreifen unter Männern nach einem Gesetz aus britischer Mandatszeit noch mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden können."

    Tja, wohl durch den Kemalismus inspirierte säkulare Araber können manchmal progressiver sein als britische Puritaner.

    Dass es queere Menschen heute in der arabischen Welt so schwer haben (oft tödlich schwer), hängt mit einem innerabrahimischen Moralwettbewerb nach dem Motto "Seht her, wir sind viel moralischer als Juden und Christen!" zu tun.

    Nur Moderne und Säkularismus können da Abhilfe schaffen.

    Auf ALLEN Seiten!

    Also auch 'bei uns'.
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#2 FreiheitsliebeAnonym
  • 19.08.2019, 13:40h
  • Was für ein Unterschied zu Israel, wo es eine breite gesellschaftliche Unterstützung für die komplette rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare inklusive Adoptionsrecht gibt!
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#3 goddamn liberalAnonym
#4 Solidarisch handelnAnonym
#5 Tahrir1Anonym
  • 19.08.2019, 15:06h
  • Wichtig zu erwähnen in diesem Zusammenhang ist die Finanzierung und Ausbildung der palästinensischen Polizei durch das auswärtige Amt. Man sollte Heiko Maas auf jeden Fall fragen, welche Konsequenzen diese homophobe Politik haben wird...
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#6 Ralph
  • 19.08.2019, 15:21h
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal
  • Zu den historischen Gegebenheiten: 1917 wurde Palästina (d.h. das heutige Gebiet von Israel, Jordanien, Westjordanland und Gazastreifen) von der britischen Armee erobert und seither als britische Kolonie (sog. Mandatsgebiet) verwaltet. Es wurde dann entlang des Jordans geteilt. Westlich sollte der den Juden versprochene Staat gegründet werden, östlich wurde ein Emirat unter einem Prinzen der Haschemitendynastie errichtet. 1948 verließen die Briten das Land westlich des Jordans und der Staat Israel wurde ausgerufen und sofort von seinen Nachbarstaaten angegriffen. Jordanien eroberte das, was heute als Westjordanland bezeichnet wird, Ägypten eroberte den Gazastreifen, der Rest des Landes konnte von den Israelis gehalten werden. Im Westjordanland galt deshalb jordanisches und im Gazastreifen ägyptisches Recht. Während das so gern als rückständig verschriene Haschemitenkönigreich eines von nur sehr wenigen muslimischen Ländern ist (gegen die damals noch wild antischwule britische Schutzmacht und gegen den Islam), in denen Schwule nicht unmittelbar verfolgt werden, hat die von so vielen Nahostromantikern der 50er bis 70er Jahre hochgejubelte Nasser-Diktatur keinen Finger zur Schwulenemanzipation gerührt.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 19.08.2019, 15:39h
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • Weiß ich.

    Homosexualität war schon im osmanischen Reich straffrei.

    Ganz unabhängig davon war der arabische Aufstand im Bündnis mit den Briten [!] gegen das osmanische Reich und seine Modernisierungtendenzen (Eisenbahnbau) politisch nicht eben klug.

    Gleiches gilt für das spätere Bündnis des 'Großmuftis' mit Hitler.

    Das führte dazu, dass die Weltöffentlichkeit in den 40er Jahren ähnlich wenig Mitleid mit vertriebenen Arabern hatte wie mit Sudetendeutschen.

    Tja.
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#8 Alexander_FAnonym
  • 19.08.2019, 17:07h
  • Ich hatte eigentlich beim Lesen dieses Artikels angenommen, die Verfolgung dieser Organisation hätte ihren Hintergrund darin, dass sie tatsächlich in Opposition zur Hamas stünde.

    Ein kurzer Blick in die Artikel genügt jedoch, um festzustellen, dass die Gruppe weitestgehend in Jasbir-Puar- und Judith-Butlar-Manier Israel als rassistisch brandmarkt und islamische Schwulenfeindlichkeit verleugnet oder verharmlost.

    Schade eigentlich, sonst hätte ich fast an sie gespendet. Aber man darf eben von Religioten nicht allzu viel erwarten, auch wenn sie LGBTI sind.
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#9 FreiheitsliebeAnonym
#10 DramaQueen24Profil
  • 20.08.2019, 06:23hBerlin
  • Palästinenser wollen einen eigenen Staat? Dann beweist auch, dass Ihr das verdient! Hört auf, uns zu verfolgen! Hört auf, Minderjährige zu verheiraten! Hört auf, Gewalt gegen Frauen als "Kavaliersdelikt" zu sehen! Und hört auf, gegen Israel zu hetzen!
    Kritisiert Israel, wo Kritik angebracht ist (etwa bei dieser blöden Mauer), aber nicht Israel ist euer Feind, der größte Feind für einen eigenen Staat seit Ihr selber!
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