Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34320

Ohio/USA

Schwerbewaffneter 18-Jähriger drohte Massaker in queerer Bar an

Ein Teenager kündigte online unter dem Spitznamen "ArmyofChrist" Massaker in einer Frauenklinik und einer "Gay Bar" an. Bei seiner Festnahme fand die Polizei 10.000 Schuss Munition.


Der Mugshot von Justin O. aus Ohio (Bild: Mahoning County Sheriffs Office)

Bereits zum zweiten Mal in diesem Monat hat die US-Polizei einen jungen Mann festgenommen, der in einem Onlineforum damit geprahlt hatte, aus Hass auf Homosexuelle einen Anschlag auf eine queere Bar verüben zu wollen. Der 18-jährige Justin O. ist nach Angaben der Bundespolizei FBI bereits am 7. August im Elternhaus in der 35.000 Einwohner zählenden Stadt Boardman im Nordosten des US-Bundesstaates Ohio festgenommen worden. Er soll auch mit Anschlägen auf eine Frauenklinik und mit der Tötung von Polizisten gedroht haben. Die Beamten konnten Schusswaffen sowie über 10.000 Schuss Munition sicherstellen.

Anfang des Monats hatte die Polizei in Las Vegas bereits einen 23-jährigen Neonazi festgenommen, der mit Anschlägen auf eine Synagoge und eine queere Bar gedroht hatte (queer.de berichtete).

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Traum vom "christlichen Ethnostaat"

O. machte seine Drohungen bei iFunny, einem an sich unpolitischen Online-Forum, in dem sich die Nutzer hauptsächlich über kommentierte Bilder (Memes) austauschen. In seinem Profil "ArmyOfChrist", das vor der Abschaltung durch das FBI mehr als 5.000 Menschen verfolgten, sprach der 18-Jährige unter anderem über seine Gewaltfantasien und seine Bewunderung für Timothy McVeigh; der Rechtsterrorist verübte 1995 einen Bombenanschlag auf ein Bundesgebäude in Oklahoma City, bei dem 168 Menschen starben. O. beschwerte sich in seinen Einträgen darüber, im Haus von "liberalen Anti-Waffen-Eltern" zu wohnen, und träumte von der Errichtung eines "christlichen Ethnostaats". Unter anderem schrieb er auch: "Gott sei Dank sind die Gay Bar und Planned Parenthood direkt nebeneinander." Planned Parenthood ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die 650 Frauenkliniken in den USA betreibt. Sie ist verhasst unter vielen Konservativen, da sie unter anderem auch Abtreibungen anbietet.

In Verhören habe O. laut FBI bestritten, ein gewalttätiger Extremist zu sein. Seine Einträge seien lediglich "Witze" oder "übertrieben" gewesen. Er wurde zunächst angeklagt wegen einer Bedrohung von Bundesbeamten, was mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden kann.

Verteidiger J. Gerald Ingram argumentierte, dass sich sein Mandant nichts zuschulden habe kommen lassen. O. habe schließlich einfach von seinem Recht auf Redefreiheit Gebrauch gemacht, das im ersten Zusatzartikel der US-Verfassung geschützt werde. (dk)



#1 BaerchenProfil
  • 23.08.2019, 12:03hzuhause
  • Aha...die Androhung eines Massakers mit Fund von Unmengen an Munition ist für die amerikanische Justiz also lediglich Meinungsfreiheit...und ich dachte bisher die USA kann nicht noch tiefer sinken als ohnehin schon....
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Alexander_FAnonym
  • 23.08.2019, 12:49h
  • Antwort auf #1 von Baerchen
  • Es handelt sich hier wohlgemerkt nur um die Aussagen des Festgenommenen selbst und seines Anwalts. Natürlich pochen diese auf den ersten Verfassungszusatz, weil das die einzige Ausrede ist, die ihnen hier einfällt.

    Auch der kennt aber Grenzen: konkrete Ankündigungen und Aufrufe zu Gewalttaten sind durch ihn nicht gedeckt. "Man müsste alle Schwulen umbringen" fällt also noch unter Meinungsfreiheit, nicht aber "Dann und dann werde ich dort und dort Schwule umbringen", insbesondere, wenn konkrete Maßnahmen zur Umsetzung dieses Vorhabens getroffen werden, wie hier geschehen.

    Deshalb ist es ja auch zu dieser Festnahme gekommen. Wie wir dem Artikel entnehmen können, wurde hier schließlich auch das FBI eingeschaltet, und das geschieht nun wirklich nicht wegen Kinkerlitzchen.

    Also, bei aller Kritik am Rechtssystem der Vereinigten Staaten müssen wir auch bei den Fakten bleiben. Und Fakt ist eben, dass dieser Spinner gefasst wurde und seinen Plan eben nicht in die Tat umsetzen konnte wie damals der Täter von Orlando. Die USA sind in meinem Ansehen damit eher gestiegen, als gesunken.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 AKaraAnonym
  • 23.08.2019, 13:00h
  • Antwort auf #2 von Alexander_F
  • Also, in den USA dürfen auch NAZIS offiziell ein Hakenkreuz tragen und sich formieren. Also fällt Antisemitismus und Rassenfeindlichkeit auch unter freier Meinungsäußerung. Die USA können gar nicht tief genug sinken, wenn sie nicht endlich die Redefreiheit richtig kontrollieren und ahnden. Es gibt einfach Dinge, die niemals von der Redefreiheit gedeckt werden dürfen: Auch: "Man müsste alle Juden oder alle Schwulen töten" kann und darf niemals öffentlich ok sein. Niemals!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ralph
  • 23.08.2019, 14:39h
  • Antwort auf #3 von AKara
  • Natürlich hat die Freiheit Grenzen. Aber hier geht es glaube ich darum, bis wohin eine Äußerung akzeptabel ist, ab wo und bis wohin sie inakzeptabel, aber nicht strafbar ist, und von wo an sie eine Straftat darstellt. Beispiel: Der Imam der türkisch-sunnitischen Moschee in der hiesigen Kreisstadt hat öffentlich die Aussage getroffen, alle Juden seien geldgierig und nur auf ihren materiellen Vorteil versessen. Das ist inhaltlich natürlich Schwachsinn und bösartig. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist es aber von der Meinungsfreiheit gedeckt und bewegt sich deshalb noch außerhalb der Strafbarkeit. Mich erinnert es eher an ein typisch antijüdisches Stereotyp. Die Staatsanwaltschaft hält dem Imam zugute, er meine Juden als Religionsgemeinschaft und nicht als "Rasse" im nationalsozialistischen Sinne. Ich vermag den juristisch vermeintlich wesentlichen Unterschied nicht zu erkennen. Das Stereotyp ist sowohl antijudaistisch (religiös) als auch antisemitisch (rassistisch) und trifft Juden daher unterschiedslos als Minderheit, egal als welche man sie definiert. Ich finde, das ist ein schönes Beispiel für die Gehirnverrenkungen, die Juristen, aber insbesondere Theologen aufführen, um öffentlich zelebrierten Hass als Ausdruck der Meinungs- oder Religionsfreiheit zu deklarieren. Bei diesem Typen im Artikel hier handelt es sich ja auch um einen religiös motivierten Täter.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 AFD-WatchAnonym
#6 YannickAnonym
#7 MarcAnonym
#8 HadramutAnonym
#9 Alexander_FAnonym
  • 23.08.2019, 20:04h
  • Antwort auf #3 von AKara
  • Deutschland ist das einzige Land, in dem das Hakenkreuz an und für sich strafbar ist. In unserem etwas frühkindlich-präsäkularem Denken meinen wir immer, mit dem Symbol den Geist, der dahinter steht, automatisch unter Kontrolle zu haben.

    Dass das nicht stimmt, wissen wir alle recht genau, denn Rassismus und Antisemitismus sind in der deutschen Gesellschaft ebenso verbreitet, wie in der amerikanischen, und Homophobie ebenso. In den USA werden aber "hate crimes" tatsächlich überall als solche geführt, in Deutschland bislang immer noch nicht, nicht zuletzt deshalb, weil wir mit unserer NS-Fixierung (siehe das Hakenkreuzverbot) blind für alles sind, was dem NS nicht form-, dafür aber durchaus wesensgleich ist (siehe Aussage #4 von Ralph).

    Antisemitismus, Homophobie und Rassismus sind übrigens auch in Deutschland an und für sich erstmal nicht strafbar, jedenfalls nicht als Gesinnung. Ansonsten wären die Gefängnisse noch überfüllter, als sie es ohnehin sind. Und dass sie auch als Meinungsäußerungen wiederum nur bedingt strabar sind, können wir wieder am Beispiel von Ralph sehen: wo kein Hitler, da kein Antisemit. In den USA würde man wiederum das etwas anders sehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 DramaQueen24Profil