Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34332

Brasilien

Wegen queerer Inhalte: Bolsonaro stoppt TV-Filmförderung

Ausschreibungen über Millionen Euro liegen auf Eis, nachdem sich der Präsident über LGBTI-Inhalte empörte. Der Staatssekretär für Kultur trat zurück.


Präsident Jair Bolsonaro und ein Szenenbild aus dem vom Präsidenten kritisierten Projekt "Afronte"

Die brasilianische Regierung hat in der letzten Woche per Verordnung einen staatlichen Unterstützungsfonds für TV-Projekte komplett ausgesetzt, nachdem sich Präsident Jair Bolsonaro öffentlich über mehrere Projekte mit homo- und transsexuellen Inhalten empört hatte.

Der rechtsextreme und extrem homo- und transfeindliche Politiker hatte zuvor in einem Livevideo in sozialen Netzwerken die mögliche Förderung von vier Projekten mit LGBTI-Bezug angegriffen und als "Wegwerfen von Geldern" bezeichnet: So verstehe er nicht, warum man in einer Produktion "das Leben von einem schwarzen Homosexuellen, oder was immer er ist, in Brasilia zeigen" müsse. Das Projekt (gemeint ist die fünfteilige Doku-Serie "Afronte", die auf einem ursprünglich per Crowdfunding finanzierten Kurzfilm basiert) sei gecancelt, kündigte er noch vor der offiziellen Verkündung der Verordnung an.

Direktlink | Teaser zur Kurzfilmfassung von "Afronte"

Auch die drei weiteren queeren Projekte in dem Fonds, alle in der Bewerbungsphase zur Förderung von Drehbüchern, griff er an: "Transversais", eine Dokumentation über Transpersonen, "Reverse Sex", das laut Bolsonaro "Gruppensex, Oralsex und bestimmte sexuelle Positionen" thematisiere, und "Religare Queer" über eine "lesbische frühere Nonne". Schon in den Monaten zuvor hatte Bolsonaro einzelne Projekte als "schlechte" Beispiele für eine Förderung durch die nationale Filmagentur Ancine genannt, darunter einen 2011 veröffentlichten Film über ein ehemaliges Callgirl (ein Kassenschlager), und in der Arbeit der Agentur eine größere Gewichtung von "Familienwerten" gefordert. Zwischenzeitlich hatte Bolsonaro gar eine Auflösung von Ancine ins Spiel gebracht. Die Agentur soll auf sein Bestreben aus Rio de Janeiro, einem Schwerpunkt der Filmindustrie, zum Regierungssitz Brasilia umziehen.

Der Fonds für audiovisuelle Inhalte war im letzten März in Höhe von 70 Millionen brasilianischen Real (15,11 Millionen Euro) von einer Entwicklungsbank mehrerer Bundesstaaten in Zusammenarbeit mit Ancine und dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen eingerichtet worden und soll Projekte aus unterschiedlichen Regionen zu diversen Thematiken ermöglichen, darunter neben etwa "Gesellschaft und Umwelt" oder "Animation für Kinder" auch "Geschlechtervielfalt" und "Sexualität". Jedes Projekt erhält zwischen 400.000 und zwei Millionen Real. Aktuell geht es um die Förderung von rund 80 Projekten.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Fonds-Vergabe wird umgestaltet

Die vom Minister für Staatsbürgerschaft Osmar Terra, der für Kulturfragen und auch Ancince Verantwortung trägt, unterzeichnete Verordnung zum Stopp der Ausschreibungen wurde am Mittwoch im Amtsblatt veröffentlicht. Die Aussetzung gilt zunächst für ein halbes Jahr und kann um den gleichen Zeitraum verlängert werden. Die Begründung verweist auf die "Notwendigkeit", die Mitglieder des Verwaltungsausschusses des Fonds neu zusammenzustellen. Auch sollten Richtlinien für die Vergabe der Förderungen und das Einreichen von Bewerbungen überprüft werden.

Als Konsequenz trat Kulturstaatssekretär Henrique Pires zurück. "Es ist ganz klar, dass ich mit [dem ihm vorgesetzten Minister] Terra und dem Präsidenten beim Thema Meinungsfreiheit nicht im Einklang bin", sagte er. "Ich stimme nicht zu, dass Kultur Filter haben kann, also gehe ich." Die Politik müsse sich um dringende Probleme wie Arbeitslosigkeit kümmern "und nicht durch eine Lupe schauen, ob irgendwo ein nackter Mann einen anderen Mann küsst".


Henrique Pires gab sein Amt auf, da das Vorgehen der Regierung gegen die Verfassung verstoße

Die Vereinigung unabhängiger Produzenten betonte, es sei "nicht die Aufgabe des Präsidenten einer demokratischen Republik, Kultur zu zensieren". Der offen schwule Parlamentsabgeordnete und frühere Kulturminister Marcelo Calero von der sozialdemokratischen Partido Popular Socialista kündigte eine Klage gegen die Verordnung samt Antrag auf eine Einstweilige Verfügung zu ihrer Aussetzung an. Auch beteilige Projekte prüfen entsprechende Klagen.

"Transversais"-Regisseur Emerson Maranhão beklagte, Bolsonaro beschädige 80 Projekte, um seines, eine fünfteilige Dokumentation über das Leben von fünf Transpersonen, zu zensieren. "Das erste Projekt, das er nannte, war unseres und das in einer solch abwertenden und entehrenden Art und Weise". Er hatte die kleinstmögliche Förderung, 400.000 Real (knapp über 86.000 Euro), beantragt. Der öffentliche Angriff durch den Präsidenten sei eine "surreales Gefühl" und schlicht "angsteinflößend".

"Ich fühle mich sehr verwundbar, wenn ich erkenne, dass ich Inhalte produziere, die der Präsident nicht toleriert", sagte "Afronte"-Co-Regisseur Bruno Victor, der ebenfalls 400.000 Real erhalten sollte. "Es ist wichtig auszusprechen, dass Bolsonaros Tat eine Art Zensur ist. Er sprach von unserem Projekt mit Ignoranz und mangelndem Respekt für alle beteiligten Fachleute."

Twitter / jairbolsonaro | Auf Twitter vermeldete Bolsonaro Vollzug seiner Zensur-Pläne, durch kommentarloses Teilen einer Meldung zur neuen Verordnung

Die Wahl Bolsonaros im vergangenen Oktober hatte für Schockwellen in der brasilianischen LGBTI-Community gesorgt (queer.de berichtete). Der ehemalige Fallschirmjäger war 2017 von einem Gericht wegen Volksverhetzung verurteilt worden – Anlass war ein Interview aus dem Jahr 2011, in dem er unter anderem erklärt hatte, dass seine Kinder nie einen schwulen Sohn zur Welt bringen würden, weil sie eine "gute Erziehung" genossen hätten. In dem Interview fügte er hinzu, dass er einen schwulen Sohn nicht lieben könne: "Mir wäre lieber, er würde bei einem Unfall sterben."

Eine Grundsatzentscheidung des Obersten Gerichts im Juni, dass Homo- und Transphobie ebenso zu bestrafen sei wie Rassismus, griff er als "komplettes Unrecht" an (queer.de berichtete). Kurz darauf stoppte er die Förderung von Filmen mit queeren Inhalten, war jedoch von einem Gericht aufgehoben wurde (queer.de berichtete). Nach seinem Amtsantritt hatte er auch erklärt, dass Brasilien kein "Urlaubsparadies für Schwule" werden dürfe (queer.de berichtete). (cw/AFP)



#1 Sven100Anonym
#2 FliegenAnonym
#3 DramaQueen24Profil
  • 25.08.2019, 18:18hBerlin
  • Was für ein präsentialer Idiot! Diese Dokus/Filme unterstehen nicht der Politik oder den Launen eines Politikers, diese Filme zeigen die WIRKLICHKEIT! Vielleicht sollte jemand mal einen Film mit einem Bolosaro-Double drehen, der Strapse trägt, und einen Mann küsst! Manchmal hilft nur provokanter Humor, um ein Arschloch als Arschloch zu zeigen!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 rainforestAnonym
  • 25.08.2019, 19:36h
  • Antwort auf #2 von Fliegen
  • Oh doch, haben sie, aber es ist ihm noch nicht wichtig genug. Zuerst Zynismus, dann Beschuldigung gegen Umweltschützer, dann wollte er keine internationale Einmischung, und jetzt erst lässt er das Militär die Feuer
    des Regenwaldes im Amazonas löschen.

    Typisch für jemanden, der Profit im Regenwald sieht. Aber was nutzt ihm das, wenn dies das Weltklima und vor allem das Klima in Brasilien erheblich verschlechtert?

    Die LSBTTIQ scheint für ihn ein rotes Tuch zu sein und denken geht bei ihm Richtung rechts - da macht er halt Propaganda gegen uns.

    Dumm, dümmer, Bolso...

    ©BuntesUndSchönes
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Fascho-WatchAnonym