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"Spielarten der Liebe"

Bode-Museum macht sexuelle Vielfalt sichtbar

Die Skulpturensammlung und das Museum für Byzantinische Kunst auf der Museumsinsel in der Bundeshauptstadt wird erstmals in einen queeren Zusammenhang gestellt.


Ausschnitt aus dem Mittelteil eines Triptychons mit den vierzig Märtyrern von Sebaste, das im 10. Jahrhundert erstellt wurde (Bild: Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Jürgen Liepe)

  • 26. August 2019, 13:57h, noch kein Kommentar

Mit "Der zweite Blick" möchte das an der Spitze der Berliner Museumsinsel gelegene Bode-Museum ab Anfang September seine Dauerausstellung in einen neuen Zusammenhang stellen. Der erste Teil der Ausstellungsreihe beschäftigt sich mit der Vielfalt sexueller Identitäten: "Spielarten der Liebe" soll die Besucher anregen, die Kunstschätze der Skulpturensammlung und des Museums für Byzantinische Kunst nicht mehr nur aus heteronormativer Perspektive zu sehen. Für dieses Projekt arbeitet das Bode-Museum erstmals mit dem Schwulen Museum zusammen.

"Spielarten der Liebe" soll einen zweiten Blick auf die ausgestellten Werke ermöglichen, die sich mit der Vielfalt sexueller Identitäten, ihrer Wahrnehmung, Bewertung und künstlerischen Verarbeitung befassen. Fünf thematische, das Bode-Museum umspannende Routen zeigen, dass aktuelle LGBTI-Themen in der Kunstgeschichte stets präsent waren, wenngleich sie oftmals übersehen oder ignoriert wurden. Außerdem soll aufgezeigt werden, dass mit sexuellen Identitäten in verschiedenen Epochen und gesellschaftlichen Kontexten unterschiedlich umgegangen wurde.

Die erste Route spürt den Grenzen zwischen Männlichkeit, Heldentum und Bisexualität nach. Beispielsweise geht es hier um den Kriegsgott Mars, der in der Antike als das wichtigste Vorbild für Männlichkeit galt. Seine Ehe mit der schönsten aller Göttinnen hielt Mars allerdings nicht davon ab, zahlreiche Affären mit sterblichen Männern einzugehen. Auch bei der Darstellung von christlichen Soldaten, etwa den "Vierzig Märtyrern von Sebaste" aus dem 10. Jahrhundert, finden sich Szenen der physischen Nähe und Zuneigung.


Tanzmarken des Tanz- und Travestie-Club "Eldorado", ca. 1930 (Bild: Schwules Museum)

Die zweite Route folgt Kunstwerken von männlichen homosexuellen Künstlern oder solchen, die ihnen nahe standen oder mit homoerotischen Sujets arbeiteten. So führt diese Route etwa zu einer Bronzeskulptur des italienischen Renaissance-Meisters Donatello (ca. 1386-1466), der den alttestamentlichen Helden David in der Kunstgeschichte erstmalig als attraktiven, androgynen Jüngling zeigt.

Männliche homosexuelle Auftraggeber stehen im Fokus der dritten Route, darunter Preußens König Friedrich II. (1712-1786), der zeitlebens vertraute Beziehungen zu Männern seines Hofstaats pflegte. Eine überlebensgroße Marmorstatue nach einem Original von Johann Gottfried Schadow zeigt Friedrich in der kleinen Kuppel des Bode-Museums.


Das Bode-Museum befindet sich an der Spitze der Museumsinsel (Bild: Thomas Kriese / flickr)

Die vierte Route führt zu Darstellungen von weiblicher Intimität und erotischer Liebe unter Frauen – häufig dargestellt im mythologischen Sujet der Nymphen. Diese wurden oft nackt beim Baden, Schlafen oder in erotischer Zuneigung zueinander gezeigt, wie etwa im Relief "Der Sturz des Phaeton" von Simone Mosca (ca. 1523-1578). Verweise auf weibliche Homosexualität im Mittelalter sind hingegen rar. Der bewusste Verzicht auf eine heterosexuelle Beziehung war für viele Frauen Ausgangspunkt für ein Martyrium, das zur Heiligsprechung führte – so auch in der Legende der heiligen Margarete, die sich weigerte zu heiraten, um ihr Leben vollständig und selbstbestimmt Gott zu widmen.

Die fünfte Route setzt sich schließlich mit der Frage auseinander, inwieweit sich die Zuschreibung eines Geschlechts bei einer Person aufrechterhalten lässt – etwa anhand der Doppelnatur der griechischen Liebesgöttin Aphrodite Urania, die wiederum Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895), Vorkämpfer der Rechte Homosexueller, für seine Arbeit inspirierte. Die heilige Wilgefortis, die jungfräulich bleiben und ein christliches Leben führen wollte, bat Gott um Hilfe, um ihrer Zwangsheirat zu entgehen. Ihr wuchs ein Bart, woraufhin nicht nur die Verlobung aufgelöst sondern sie auch zum Tode am Kreuz verurteilt wurde – ein Martyrium, das eigentlich nur Männern vorbehalten war.

Die "Spielarten der Liebe" können vor Ort anhand von Infoblättern erforscht werden und stehen als Online-Katalog (PDF) zur Verfügung. Die Themen werden von September 2019 bis März 2020 im Rahmen einer Vortragsreihe vertieft, die von der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung, dem Instituto Cervantes Berlin und der Botschaft von Spanien in Deutschland gefördert wird. (pm/cw)

Der zweite Blick: Spielarten der Liebe

Ab 6. September 2019 im Bode-Museum, Am Kupfergraben, Berlin. Eine integrierte Ausstellungsreihe der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit dem Schwulen Museum. Auftaktveranstaltung: Donnerstag, 5. September 2019, 18 Uhr.