Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34346

Vernetzung

Netzwerk queerer Lyriker*innen gegründet

QueerL will "Queerness als besonderen Ermöglichungsraum künstlerischer Kreativität stärken und öffentlich sichtbarer machen" – geplant sind insbesondere Lesungen und Publikationen.


Das neue Netzwerk hat sich einen Frosch als Logo gewählt (Bild: Stefan Hölscher)

Lyrik ist in unserer Gesellschaft ein Randphänomen geworden, das offenbar nur noch sehr wenige Menschen umtreibt. Ist, wie die Statistik des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels dokumentiert, die Zahl der Leser*innen schon generell in den letzten Jahren dramatisch gesunken (von 2012 bis 2016 um über sechs Millionen Buchkäufer*innen), so liegt die Zahl der Lyrik-Leser*innen (Schüler*innen mal ausgenommen) im absolut homöopathischen Bereich, wie insbesondere die Auflagen von Bänden zeitgenössischer Lyrik zeigen, bei denen schon 500 Stück als ziemlich viel gelten müssen. Und auch wenn queere Menschen und Lebensformen zumindest hierzulande mittlerweile stärkere Anerkennung finden als jemals zuvor, so ist doch jede Person, die nicht basierend auf dem ursprünglich im Geburtsregister eingetragenen Geschlecht als heterosexuell zu betrachten ist, abweichend von der großen Mehrheit.

Queere Lyrik ist also, wie Stefan Hölscher, der Initiator von QueerL, in seinem Essay über queere Lyrik sagt, "ein echtes Randphänomen, ein Phänomen am Rande des Rands. Ein Phänomen für Menschen mit einem doppelten Riss in ihrem existenziellen Selbstverständnis. Lyrik in einem ernstzunehmenden Sinn dieses Worts bezieht sich immer auf ein gegenüber dem 'normalen', prosaischen Wahrnehmen und Denken abweichenden Blick auf die Welt. Und wer queer ist, entspricht nicht dem heteronormativen Bild des Seins, das die meisten auch heutzutage noch mit ihrer Sozialisation gründlich eingeimpft bekommen. Diejenigen, die queere Lyrik umtreibt, müssen also wirklich durch und durch schräg sein."

Kreative Kraft aus der "Schrägheit"

Dass man aus dieser "Schrägheit" kreative Kraft gewinnen kann, gehört zu den Grundideen des im August gegründeten Netzwerks queerer Lyriker*innen QueerL. Die Ziele des Netzwerks sind:
• ein engerer Austausch zwischen Lyriker*innen, die queer sind und queere Texte schreiben
• gemeinsame künstlerische Aktivitäten, insbesondere Lesungen und Publikationen
• Queerness als besonderen Ermöglichungsraum künstlerischer Kreativität stärken und öffentlich sichtbarer machen.

Gründungsmitglieder von QueerL sind die Lyriker*innen Klaus Anders, Crauss, Alexander Graeff, Anna Hetzer, Stefan Hölscher, Kevin Junk, Lea Schneider und Jea von Syburg. Die QueerL-Mitglieder kommunizieren aktuell untereinander über eine Facebookgruppe.

Das Netzwerk ist offen für weitere Mitglieder. Mitglied werden können professionelle queere Autor*innen, die einen Lyrikschwerpunkt und zumindest eine eigenständige Buchpublikation (nicht im Selbstverlag) sowie diverse Veröffentlichungen in einschlägigen Print- und Onlinemedien haben.

Bisher geplante Aktivitäten von QueerL sind eine Lesung von Gruppenmitgliedern am 27. März 2020 im Berliner Buchhändlerkeller sowie eine Anthologie aktueller deutschsprachiger, queerer Lyrik, die 2020 erstellt und 2021 veröffentlicht werden soll. (cw)



#1 Still_Ith
  • 28.08.2019, 09:28h
  • Voraussetzung: Buchpublikation, nicht im Selbstverlag.

    lol

    Also queer-Schläger, Leute die wirklich anders sind, auf nicht-kapitalismus-taugliche Weise (no Goldesel), die kommen durch die Gatekeeping-Hürde von Verlagen für gewöhnlich nicht, und als jemand mit praktischer Schreiberfahrung weiß man das auch. Weil es, wenn schon, maximal ne Quote für LGBT-Content gibt, und den für gewöhnlich Leute mit Namen abstauben, aka Heteronorm-Menschen.
    Sollte theoretisch eigentlich klar sein, bei sonnem Projekt, sofern es aus Praxis entstanden ist.

    In anderen Worten will man also nur Leute, die den "Normalitätscheck" der wenigen Homo-Verlage oder gar den eines kompletten Heteronorm-Verlags bereits bestanden haben, und das dann auch noch so viel besser als die Cis-Het-Leute, die von vornherein die besseren Karten haben, weil ihre Sicht auf die Welt schließlich mit einer breiteren Masse resoniert.

    Naja. Passt ja zur Idee der Vernetzung über Facebook. Identitätsoffenlegung, öffentlich, Dinge, die Leute sich nicht leisten würden, die sich als Homosexuelle noch dran erinnern, was es heißen kann, staatlich erfasst zu werden. Oder die als Transperson oder evtl. auch verheiratetes Homo-Pärchen auch heutzutage noch mitbekommen, was es bedeutet, keine Wohnung und/oder keinen Job zu bekommen.
  • Antworten » | Direktlink »