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Russland

Moskau: Nationalisten stürmen schwules Theaterstück, Polizei nimmt Regisseurin fest

Zwölf homofeindliche Aktivisten störten eine Vorstellung von "Aus dem Schrank (kommen)" und riefen die Polizei wegen "Homo-Propaganda".


Absurde Szenen am Mittwochabend: Schauspieler, Publikum und homofeindliche Aktivisten (rechts) in der Diskussion mit der Polizei

In Russland haben am Mittwochabend nationalistische Aktivisten erneut eine queere Kulturveranstaltung gestört. Was bei speziellen LGBTI-Festivals wie "Side by Side" in St. Petersburg oder Moskau häufig vorkommt, betraf diesmal die Aufführung eines einzelnen Theaterstücks in der Hauptstadt.

Auf der kleinen Bühne des Theater.doc mit 100 Sitzen wurde erneut das Stück "Aus dem Schrank (kommen)" gegeben, das seine Premiere bereits 2016 hatte. Laut der Webseite des Theaters ist das Stück mit 75 Minuten Länge der erste Versuch auf einer russischen Bühne, die "heikle Situation" des Coming-outs vor den eigenen Eltern zu thematisieren – aus der dargestellten Sicht von Müttern und von (erwachsenen) Kindern, die auf dokumentierten Interviews mit 30 "Betroffenen" basiert.


Promo-Bild zum Stück

Mutmaßliche Pro-Putin-Nationalisten der Gruppe SERB, die in Russland schon mehrfach Oppositionelle attackierten, Ausstellungen zerstörten oder Kulturveranstatungen störten, drangen dann während der Vorstellung in einen Vorraum und nach erhitzten Debatten mit der Regisseurin in den Saal ein und beleidigten Schauspieler und Publikum homophob, während auf der Straße vor dem Theater weitere Aktivisten mit homofeindlichen Botschaften protestierten. Mehrere der Aktivisten filmten das vermeintlich "illegale" Geschehen und streamten es gar mit Kommentierung ins Internet. Auch Publikum und Schauspieler filmten das unfreiwillige Theater, während die Regie zwischenzeitlich Queens "I want to break free" einspielte.

Direktlink | Kurze Eindrücke des Geschehens aus einem TV-Bericht

Sowohl die Nationalisten als auch Zuschauer und Theater-Mitarbeiter riefen die Polizei. Nach Medienberichten und Angaben des Theaters bei Facebook wurde keiner der Störer festgenommen. Während SERB-Mitglieder weiterhin das Publikum belästigten, hätten Beamte vielmehr versucht herauszufinden, ob wie von den Nationalisten beklagt ein Verstoß gegen das Gesetz gegen "Homo-Propaganda" vorliege.

Das verbietet die "Bewerbung" von "nicht-traditionellen sexuellen Beziehung" gegenüber Minderjährigen. Es gehört zur absurden Taktik russischer Homo-Hasser, minderjährige Bekannte in queere Veranstaltungen zu schleusen, um einen "Verstoß" feststellen zu lassen. Obwohl das Theater eigenen Angaben zufolge das Alter der Gäste prüft, wurde im Publikum ein Minderjähriger gefunden, der sich zuvor als 19-Jähriger ausgegeben – und ausgewiesen – habe.


Einige der Störer vor dem Theater

"Wir glauben, dass es sich um eine geplante Provokation handelt, mit der Beteiligung eines Minderjährigen und gefälschten Dokumenten", schreibt das Theater bei Facebook. "Wir glauben, dass die Polizei das Publikum nicht geschützt und seine Sicherheit nicht gewährleistet hat. Wir fühlen uns nicht eingeschüchtert oder verletzt, sind aber angewidert, weil sich Theaterbesucher nicht sicher fühlen können. Und das neben Polizisten."

Regisseurin zur Wache gebracht

Die Vorführung ging später mit dagebliebenen Zuschauern weiter, während drei Personen zur Wache gebracht wurden: Der Minderjährige, Regisseurin Anastasia Patlai und ein Zuschauer. Dieser soll eine Störerin angegriffen haben – laut Angaben von Patlai gegenüber dem Portal Meduza sei dieser vielmehr gezielt gegen diese gestoßen worden, damit es wie ein Angriff aussehe. Er musste gar die Nacht auf der Wache verbingen, während Patlai später ohne Anschuldigung entlassen wurde.

"Die Polizei hat sich verhalten, als würde sie diese Leute [die SERB-Aktivisten] seit langem kennen", so Patlai. "Die haben nicht mal deren Ausweise geprüft. Sie haben sich verhalten, als wären sie ihm selben Team. Sie wussen im Voraus, dass Minderjährige im Raum sein würden, und dass alles, was sie tun wollten, damit zusammenhängt". Im Polizeigewahrsam sei sie weiter von den Nationalisten beleidigt worden, ohne dass die Beamten eingegriffen hätten.


Patlai in dem "Meduza"-Artikel zum Geschehen

Bereits vor einem Jahr hätten homofeindliche Aktivisten die Polizei zu einer Vorführung des Stückes gerufen – nachdem Patlai den Beamten Drohungen aus sozialen Netzwerken zeigte, blieben diese, um die Aufführung zu schützen. Dann sei am letzten Sonntag bei einer Aufführung in St. Petersburg ein Mann mit sichtbarer Pistole im Publikum aufgestanden. Die Polizei habe später die Ausweise aller Besucher überprüft.

Laut Meduza spekuliert Patlai, dass die Störer politische Ziele hätten. Hass und auf Hass basierende Angriffe nähmen in Russland in letzter Zeit zu und die anstehenden Kommunalwahlen in Moskau könnten eine weitere Rolle spielen. "Homophobie ist eine dauerhafte Ressource in der [russischen] Politik", so die Regisseurin. Es sei absurd, ihrem Stück oder jeder Nutzung des Begriffes "schwul" Propaganda vorzuwerfen: "Ich mache Shows über die Liebe. Damit Menschen beginnen können, sich zu verstehen und Gemeinsamkeiten zu finden." (nb)



#1 DramaQueen24Profil
#2 Ralph
#3 Alexander_FAnonym
  • 31.08.2019, 12:30h
  • Dass das ganze ein abgekartetes Spiel war, der Minderjährige eingeschleust und die Gegendemonstranten vorher informiert wurden, ist so klar wie Kloßbrühe.

    Leider gehören Vorfälle wie der hier beschriebene noch zu den harmlosesten Dingen, die derzeit in Russland geschehen.
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#4 FinnAnonym
  • 31.08.2019, 15:10h
  • Wieso gehen Homohass und Ablehnung von Grundrechten wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Freiheit der Kunst immer Hand in Hand?

    Das zeigt, welche Gesinnung solche Leute haben.
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#5 Alexander_FAnonym
  • 31.08.2019, 15:57h
  • Antwort auf #4 von Finn
  • Deine Frage ist sehr gut, und die Antwort ist auch der eigentliche Grund dafür, weshalb unsere Rechte nicht nur unsere Sache sind, sondern die Heten ganz genauso angehen:
    es geht um das Recht, aus der Reihe zu tanzen, nicht alles mitmachen zu müssen, nicht nur die Rolle spielen zu dürfen, die einem zugeteilt wird, sondern sie selbst mitschreiben zu können. Kurz: Freiheit.
    Und vor der haben Klerikale, Nationalisten und Spießer mehr Angst, als vor allem anderen.
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#6 FinnAnonym
  • 31.08.2019, 16:48h
  • Antwort auf #5 von Alexander_F
  • Richtig, eigentlich müssen auch Heteros für LGBTI-Gleichstellung kämpfen.

    Nicht nur, weil sie vielleicht mal Kinder oder Enkel haben werden, die LGBTI sind oder weil sie vielleicht LGBTI-Freunde haben.

    Sondern aus prinzipiellen Gründen:
    als Demokrat muss man Grundrechte, den demokratischen Gleichheitsgrundsatz, etc. für alle Menschen verteidigen.

    Denn solange nicht alle dieselben Rechte und Pflichten haben, kann man nicht wirklich von einer Demokratie sprechen!!

    Und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis man selbst auch ins Visier der Totalitären gerät, weil man in irgendeiner Frage anderer Meinung ist. Und dann sind vielleicht auch keine LGBTI mehr da, die dann für einen eintreten können.
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#7 Carsten ACAnonym
  • 31.08.2019, 16:54h
  • Antwort auf #5 von Alexander_F
  • Wenn diese Leute das Stück nicht sehen wollen, brauchen sie ja nicht hingehen. So einfach ist das...

    Aber wieso wollen sie auch den Leuten, die das Stück sehen wollen, dies verbieten?

    Das zeigt wieder mal die totalitäre Gesinnung der LGBTI-Hasser. Die wollen allen Menschen ihren Willen und ihren Hass aufzwingen.
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#8 lollipopAnonym
  • 31.08.2019, 18:21h
  • nationalistische Aktivisten

    Können wir bitte aufhören, diese Leute als Aktivisten zu bezeichnen? Das klingt, als würden sie für ein legitimes Ziel einstehen.
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#9 Alexander_FAnonym
  • 01.09.2019, 09:37h
  • Antwort auf #8 von lollipop
  • "Können wir bitte aufhören, diese Leute als Aktivisten zu bezeichnen? Das klingt, als würden sie für ein legitimes Ziel einstehen."

    Rein ethymologisch bedeutet "Aktivist" lediglich jemand, der für eine Sache aktiv ist bzw. sich einsetzt, unabhängig davon, ob diese Sache nun sonderlich erstrebenswert ist. Gleichzeitig sind sie natürlich auch Handlanger und Metzgergesellen, aber sie sind dies immer noch aus freien Stücken.

    @ Carsten AC
    "Wenn diese Leute das Stück nicht sehen wollen, brauchen sie ja nicht hingehen. So einfach ist das...

    Aber wieso wollen sie auch den Leuten, die das Stück sehen wollen, dies verbieten?

    Das zeigt wieder mal die totalitäre Gesinnung der LGBTI-Hasser. Die wollen allen Menschen ihren Willen und ihren Hass aufzwingen."

    Grundzug der "autoritären Persönlichkeit" nach Adorno (und die hier beschriebenen Aktivisten gehören zweifellos in diese Kategorie) ist vor allem Dingen die Überzeugung, dass Menschen schlecht sind, auf sich selbst gestellt nur schlechte Entscheidungen treffen und deshalb stetig bevormundet und gegängelt werden müssen, frei nach dem Motto "Wo kämen wir denn da hin, wenn...?". Jeder Zweifel daran muss ausgeschaltet werden, notfalls auch gewaltsam. Müssten sie ihre Weltanschauung mit Argumenten verteidigen, würde sie sonst auch nur allzu schnell dahinbröckeln.
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#10 thorium222Profil
  • 01.09.2019, 18:04hMr
  • Russland ist bereits eine lupenreine Diktatur ohne Menschenrechte. Arme Leute. Einfach nur traurig.
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