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1. September

Die Landtagswahlen aus Sicht von Homo-Hassern

Auch die "Demo für alle" erstellte Wahlprüfsteine. In der AfD fand sie einen ehrgeizigen Verbündeten.


Hewdig von Beverfoerde, Organisatorin der "Demo für alle", 2017 auf ihrer Bus-Tour in Köln (Bild: nb)

Das homo- und transfeindliche Bündnis "Demo für alle" (DfA) hat zu den Landtagswahlen am Sonntag in Brandenburg und Sachsen die Parteien zu ihren Anliegen befragt und die Antworten unter der anmaßenden wie ausgrenzenden Überschrift "Wen sollen Familien wählen?" veröffentlicht. Regenbogenfamilien oder Familien mit queeren Kindern hat es dabei offensichtlich nicht im Sinn.

Bereits in der ersten Frage beklagt das Aktionsbündnis rund um Hedwig von Beverfoerde, dass Schüler in Brandenburg zur "Akzeptanz sexueller Vielfalt" erzogen werden sollen. Das verstoße "gegen das Indoktrinationsverbot", sei verfassungswidrig und untergrabe das Erziehungsrecht der Eltern. "Kindeswohl und Elternrecht haben oberste Priorität".

SPD, Linke und CDU lehnen diese Einschätzung ab. "Der Lehrplan enthält keine schamverletzende Inhalte, sondern klärt lediglich auf", meint etwa die CDU. Die SPD versucht, die Politik des Landes ausführlich zu erklären und die Viefaltsgegner vom Sinn der Vermittlung von "Vielfaltskompetenz" zu überzeugen: Es gelte, "vorurteilsfreies und diskriminierungsfreies Verhalten im Umgang mit anderen Kindern und Jugendlichen zu befördern". Die Grünen hatten der "Demo für alle" offenbar überhaupt nicht geantwortet, die FDP mutmaßlich auch nicht. Die AfD hingegen betont: "Der Staat darf Eltern in ihrem Erziehungsrecht nicht übergehen. Die Indoktrination unserer Kinder mit einem links-grünen Sexualbild darf nicht länger geduldet werden."


Die Bewertung der Parteien aus Sicht der DfA

"Immer mehr Schulen arbeiten bei der Sexualerziehung unter dem Stichwort 'Queere Bildung' mit externen LSBT…-Gruppen zusammen, die Workshops zu 'sexueller Vielfalt' anbieten", beklagt die DfA, die dafür eintritt, "dass Lobbygruppen der 'Sexuellen Vielfalt' als externe Partner bei der Schulaufklärung nicht zugelassen werden". Erneut stimmt nur die AfD zu: "Statt dem Erlernen von Sexualpraktiken sollen unsere Kinder mehr Zeit mit Mathe und Deutsch verbringen, damit das deutsche Bildungssystem nicht vollstädnig koalbiert. Keine Indoktrination in Kita und Schule, keine Konfrontation mit persönichkeitsverletzenden und teil pornografischen Tendenzen" (die Zitate stammen samt Rechtschreibfehlern von der Webseite der DfA, die die originalen Antwortschreiben nicht veröffentlichte).

Alle diese "Tendenzen" sind in Workshops von Gruppen wie SCHLAU nicht vorgesehen, was AfD und DfA aber nie gestört hat. In Wahlprüfstein 3 wird die "Sexualpädagogik der Vielfalt" diffamiert: "In Kitas und Schulen haben schamverletzende und stimulierende Inhalte (…) nichts zu suchen", meint die DfA. Die Linke antwortet: "Ja, das hat aber nichts mit sexueller Aufklärung und einer Sexualpädagogik der Vielfalt zu tun", was Beverfoerde & Co. als Zustimmung werten. Die CDU meint: "Wir sind gegen eine Frühexualisierung, können aber auch keine solcher Tendenzen erkennen."

"Gender Mainstreaming muss abgeschafft werden"

"Wir lehnen – insbesondere in Kitas und Schulen – Maßnahmen des Gender Mainstreaming ab, die statt die Gleichberechtigung der Geschlechter sicherzustellen, einer Verwirrung der Geschlechtsidentität Vorschub leisten", meint die "Demo für alle" weiter. Die AfD ist dafür: "Gender Mainstreaming muss abgeschafft werden." Die CDU meint: "Sensibilisierung für Geschlechterbilder ist richtig, Bevormundung darf es nicht geben." Die Linke betont: "Es geht um Anerkennung sexueller Identitäten und deren Gleichstellunng."


Auch das evangelikale Magazin "pro" fasste die DfA-Wahlprüfsteine zusammen

"Jedes Kind hat von Natur aus das Recht, eine Mutter und einen Vater zu haben (…) Dieses Recht auf Mutter und Vater muss auch im Fall einer Adoption geachtet werden", ätzt die DfA gegen ein Adoptionsrecht für Homosexuelle. Die CDU stimmt "zumindest in bezug auf die Anpassung des Abstammungsrechts" zu. "Eine Adoption im Rahmen der Stiefkindadoption sollte auch künftig für alle möglich sein." Die SPD will hingegen ein "modernes Adoptionsrecht" unter Berücksichtigung "der vielfältigen Familienformen". "Soziale Bezugspersonen, die Verantwortung für ein Kind übernehmen, haben Vorrang", meint die Linke.

"Die Praxis der Leihmutterschaft degradiert Frauen zu bloßen Gebärapparaten und macht Kinder zu Vertragsobjekten" und solle verboten bleiben, meint die DfA. Nur die SPD gibt dazu eine differenziertere Antwort ab; AfD, CDU und Linke lehnen Leihmutterschaft ab. Gegen eine Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz ist nur die AfD – da sich der Staat damit "durch eine Hintertür Eingriffsmöglichkeiten in die Rechte der Eltern" eröffne.

AfD und DfA für "traditionelles Familienbild"

In Sachsen sind die Fragen und Antworten der Parteien recht ähnlich wie in Brandenburg ausgefallen. Details listet die "Demo für alle" auf ihrer Webseite. Hier haben auch die Grünen geantwortet. Pauschal betonen sie: "Wir stehen für eine offene und vielfältige Gesellschaft und wollen, dass Menschen jeden Geschlechts und sexueller Orientierung in Sachsen OHNE DISKRIMINIERUNG leben können, egal ob jung oder alt. Ihre Forderungen teilen wir explizit nicht!"


In Sachsen bewertet die DfA auch die "blaue Partei" der früheren AfD-Politikerin Frauke Petry. Ihre konkreten Antworten wurden nicht veröffentlicht

Die CDU betont Elternrechte und verlangt, "nicht nur einseitig über sexuelle Vielfalt zu sprechen", verteidigt aber entsprechende Angebote letztlich. Sie stimmt der DfA zu, dass Kinder ein Recht auf Vater und Mutter hätten.

Die AfD verweist in ihrer Zustimmung zu allen Punkten auf ihre Programme zur Europa- sowie zur Landtagswahl, etwa auf Punkt 5.1.9 des regionalen "Regierungsprogramms". Darin heißt es: "Die 'Sexualpädagogik der Vielfalt' stellt einen unzulässigen Eingriff in die natürliche Entwicklung unserer Kinder dar. Dadurch werden diese in Bezug auf ihre sexuelle Identität verunsichert. Die AfD lehnt alle Versuche ab, das traditionelle Familienbild zu beseitigen. Das ideologische Experiment der Frühsexualisierung ist zu beenden." Auch Punkt 5.2.5 ("Kein Geld mehr für die 'Genderwissenschaft', keine Gender-Quoten") wird bemüht.


Szenischer Protest der "Demo für alle" kürzlich vor dem Bundesfamilienministerium: Regenbogeneltern als Bedrohung für das Kind, gegen die man sich auch körperlich zur Wehr setzt (der Kontext)

Die "Demo für alle" war einst im Rahmen der "Initiative Familienschutz" der AfD-Politikerin Beatrix von Storch und ihres Ehemanns Sven entstanden und ist inzwischen offiziell eigenständig. Die erzkatholische Organisatorin Hedwig von Beverfoerde war bis vor einigen Jahren CDU-Mitglied. In den letzten Jahren sorgte das Bündnis vor allem mit homo- und transfeindlichen Bustouren, "wissenschaftlichen" Kongressen zur Vernetzung von Homo-Hassern und, ebenfalls in Zusammenarbeit mit international vernetzten Gruppen wie "Citizen Go", queerfeindlichen Online-Petitionen und entsprechendem Lobbyismus für Schlagzeilen. (nb)



#1 mmmmAnonym
  • 31.08.2019, 14:07h
  • CDU und die Linke haben auf finger nach oben. Das sollte uns zu Nachdenken anregen
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#2 Calli12Anonym
  • 31.08.2019, 14:27h
  • Hmmm. Finden 'Kinderrechte' doof, wollen aber, dass ein Kind das Recht auf Mutter und Vater hat. Widerspricht sich etwas
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#3 Ralph
  • 31.08.2019, 14:45h
  • Wie geht das praktisch... "Recht auf Vater und Mutter"? Werden Scheidungen abgeschafft? Wird die Trennung zusammenlebender Eltern verboten? Bekommen alleinerziehende Mütter einen Mann und alleinerziehende Väter eine Frau zugewiesen?
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#4 goddamn liberalAnonym
  • 31.08.2019, 14:53h
  • Antwort auf #1 von mmmm
  • Ja, und die auch hier vielgescholtene SPD bekommt im Gegensatz zu CDU und der 'Linken' (also der Partei von Burka-Prigge) keinen einzigen grünen Daumen von den Klerikal-Reaktionären.
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#5 heteraquerProfil
  • 31.08.2019, 15:27hIm Wald
  • Beim Thema Adoption geht es immer um viel heiße Luft. Ich hatte mich vor Jahren mal erkundigt. Ich war Alleinerziehend mit einem Kind , wollte immer mehrere Kinder haben und fand Geschwister auch wichtig. Also warum selber in die Welt setzen, wo es doch soviele gibt , die niemanden haben. Beim Jugendamt habe ich dann erfahren , dass auf ein Adoptionskind 28 Elternpaare kommen und damals wurden ja nur Heteros gezählt. Bei Pflegekindern sieht es anders aus. Das sind traumatisierte Kinder , die in schweren Fällen auch nur an Pädagogen vermittelt werden. Mir wurde gesagt , dass ein Pflegekind etwas ganz anderes ist als ein eigenes Kind . Das Umfeld muss nach dem erlebten absolut stabil sein. Ein Elternteil muss zwei Jahre lang nur für das Kind da sein können. Es wurde angezweifelt , dass ich das als Alleinerziehende leisten kann und zugleich genug Lebensunterhalt habe. Das ich mein Kind , wenn ich arbeite , bei meiner Mutter lasse , wurde für ein Pflegekind ebenfalls nicht als gute Option gesehen. Auch spielen die Wünsche der leiblichen Eltern eine Rolle , die ja trotz ihrer Fehler Menschen sind und sich das bestmöglichste neue Zuhause für ihre Kinder wünschen.
    Ich finde das alles auch gut und richtig , dass es hier um das Kind und nicht um die Eltern mit Kinderwunsch geht.
    Aber schwule Eltern haben ja durchaus die finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten , die ich nicht hatte .
    Ich finde , Pflegekinder annehmen ist viel besser als die Leihmutterschaft. Ich glaube , es gibt nur sehr wenige Frauen , die sich nach neunmonatiger Bindung trennen können. Wir sind nämlich in der Tat keine Gebärmaschienen . Nach der Geburt sind vorherige Verstandsentscheidungen nicht mehr relevant. Da ist ein nicht gesellschaftliches , sondern naturgegebenes Gefühl, wie auch bei fast allen Tierarten, dass man für das Kind verantwortlich ist und anderenfalls nicht seine "Aufgabe" erfüllt. Frauen, die ihr Kind zur Adoption freigeben , befassen sich gedanklich oft ein Leben lang mit diesem Kind.
    Bei Leihmutterschaft ist Not , Leid und direkte oder indirekte Ausbeutung absolut anzunehmen.
    Ich finde, die Natur hat sich bei unserem verschieden sein etwas gedacht und sorgt dafür , dass wir uns hier ergänzen.
    Es waren immer kinderlose Frauen ,die in Schule und Kindergarten ein besonders offenes Ohr für meine Kinder hatten. Sie waren nicht auf das eigene Kind fixiert und entsprechend offener für Kinder anderer, zB um diese vor Schulmobbing zu retten.
    Wäre schön , wenn für schwule Eltern Pflegekinder im Vordergrund stünden...
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#6 FinnAnonym
  • 31.08.2019, 15:28h
  • Ewiggestrige empfehlen anderen Ewiggestrigen, was sie tun sollen.

    Das hätten die aber eh gemacht. Und die anderen interessiert es nicht.

    Also war die ganze Arbeit umsonst...

    Naja, wenn mal halt sonst nichts zu tun hat im Leben...
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#7 FinnAnonym
#8 JeanlebonAnonym
  • 31.08.2019, 16:01h
  • Antwort auf #4 von goddamn liberal
  • Wenn Sie genauer hinschauen und den Artikel mit samt den Antworten lesen, dann werden sie wissen, dass die Dfa die Antwort der Linken

    "Ja, das hat aber nichts mit sexueller Aufklärung und einer Sexualpädagogik der Vielfalt zu tun"

    als Zustimmung werten, obwohl die Linken sich hierbei klar für die Aufklärung und Sexualpädagogik der Vielfalt aussprechen.

    Erstmal nachdenken, bevor man jemanden etwas unterstellt, was nicht stimmt und damit auf die offensichtliche Lüge der Rechtspopulisten reinfällt!
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#9 goddamn liberalAnonym
  • 31.08.2019, 16:20h
  • Antwort auf #8 von Jeanlebon
  • "Erstmal nachdenken, bevor man jemanden etwas unterstellt, was nicht stimmt und damit auf die offensichtliche Lüge der Rechtspopulisten reinfällt!"

    Jawoll, Herr Oberlehrer!

    Aber...

    und obwohl: Wie sieht es aus mit dem grünen Daumen der Klerikal-Reaktionären für die 'Linke' in Sachen Leihmutterschaft?

    Auch wenn sie z. B. nichtkommerziell im engen Familien- und Freundeskreis ausgetragen wird?
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#10 heteraquerProfil
  • 31.08.2019, 18:58hIm Wald
  • Antwort auf #9 von goddamn liberal
  • Ich klammere hier die nahen Freunde und Verwandte mal aus , weil ich auf das nicht-kommerzielle antworten möchte.
    Auf den ersten Blick wirkt das als humanste Lösung, Leihmutterschaft ja- aber ohne das Geld fließt. Das ist aber nur eine bequeme Gutmensch - Lösung, mit der man eher mehr Unrecht stiftet :
    - Die Leihmutter hat in der Schwangerschaft durchaus drei Monate langes sich erbrechen vor sich
    - der gedehnte Bauch verursacht mehr oder weniger Schwangerschaftsstreifen ( also Narben ) , die ein Leben lang bleiben
    - es gibt evtl Geburtsverletzungen und körperliche Probleme ( Wassereinlagerung , Krampfadern, etc ), die nicht alle in geballter Form auftreten, von denen aber die wenigsten komplett verschont bleiben
    - nicht jeder ist so perfekt , dass er hinterher wieder wie ein Model aussieht und noch eine Medaille im Hochleistungssport gewinnt
    - soweit, dass längeres fehlen im Beruf überhaupt keine Auswirkungen hat , sind wir noch nicht

    ...und am Ende wird die Leihmutter gesellschaftlich als Schlampe gesehen, wenn sie möchte , dass ihr das alles angerechnet wird..?

    Für das eigene Mutterglück evtl Nachteile hinzunehmen ist etwas anderes und da stellt man oft fest, Frau sieht trotz allem eher besser aus, ...aus Glück ?! Davon kann die Leihmutter wohl nicht profitieren.

    Sowohl Leihmütter als auch Ammen müssten entschädigt werden . Dies sollten aber die Krankenkassen tragen, damit hier Reiche nicht bezüglich Eltern werden bzw Kind gesund ernähren bevorteilt würden.
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