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Malediven

Todesdrohungen aus dem Paradies

Mit Urlaubsparadies hat die Realität für Homosexuelle auf den Malediven nichts zu tun. Sie müssen Verfolgung und Haft fürchten. Über einen Malediver, der einen Mann geheiratet hat – und jetzt in Berlin lebt.


Viele kennen die Malediven nur als Urlaubsparadies mit Traumstränden (Bild: Gzzz / wikipedia)
  • Von Sonja Wurtscheid, dpa
    1. September 2019, 12:04h, 35 Kommentare

"Wir feierten unsere Hochzeit mit Champagner", sagt Suhail Ahmed. "Nach zwei Stunden rief meine Schwester an und schrie, ob ich verrückt geworden sei. Sie sagte: "Sie bringen es in den Nachrichten – dass du einen Mann geheiratet hast". Suhail, 26 Jahre, wuschelige braune Haare, lange Wimpern, kommt von den Malediven. In dem Inselstaat südlich von Indien ist Homosexualität verboten. Bis zu acht Jahre kommt man dafür ins Gefängnis.

Kurz nach dem Anruf der Schwester bricht über Suhail ein Sturm des Hasses herein. Obwohl er jetzt mit seinem Mann Viktor Leske in Berlin lebt, bekommt er die Folgen seiner Heirat auch hier zu spüren.

Alles begann mit einem Foto auf Facebook. Viktor habe ihn bei der Feier gefragt, ob er ein Hochzeitsbild posten könne. Beide wollten ihre Liebe öffentlich machen. "Schließlich sind wir in Europa", sagt Viktor. "Zwei Stunden später war das Foto überall."

Wüste Beschimpfungen im Internet

Nur Stunden später schreibt ein Abgeordneter des maledivischen Parlaments auf Twitter: "Ich werde alle betreffenden Behörden informieren, ihm die Staatsbürgerschaft zu entziehen." Internetnutzer schleudern dem Paar wüste Beschimpfungen entgegen. Manche drohen Suhail und Viktor mit dem Tod.


Tweet des Abgeordneten Mohamed Shifau

Einer habe geschrieben, man sollte ihre Körperöffnungen mit flüssigem Eisen füllen, erinnert sich Viktor. Das maledivische Fernsehen habe berichtet, Suhail sei der erste Staatsbürger, der einen Mann geheiratet hat, erinnert er sich. Überprüfbar ist das nicht.

Auf den als Urlaubsparadies bekannten Malediven ist der Islam die Staatsreligion; die Rechtsordnung orientiert sich an der Scharia. Sex außerhalb der Ehe ist verboten. Freie Meinungsäußerung werde immer gefährlicher, wie der Mord an einem Blogger zeige, schreibt die Nichtregierungsorganisation Freedom House in einem Bericht 2018.

Auch Homosexualität ist verboten – zumindest für Einheimische. Bei Touristen sei das anders, sagt Suhail, der selbst als Koch in einem Hotel gearbeitet hat. Wenn gleichgeschlechtliche Paare in ein Resort kämen, begrüßten die Angestellten sie freundlich. Sobald sie den Gästen den Rücken gekehrt hätten, würden sie oft über die Paare lästern, meint Suhail.

Urlauber zu verprellen, kann sich der 1.192 Inseln zählende Staat auch nicht leisten. "Der Tourismus ist mit Abstand der größte Wirtschaftszweig der Malediven", schreibt die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Er bringe mehr als 90 Prozent aller Steuer- und Zolleinnahmen ein.

Versteckspiel bei der Reise in die alte Heimat


Das Hochzeitsfoto, das für einen Shitstorm sorgte – das Hochladen bereut das schwule Paar dennoch nicht (Bild: privat)

Immer wenn Suhail auf den Malediven Besuch von Viktor bekam, begann ein Versteckspiel. Einmal, so erinnert sich Suhail, wurden sie am Flughafen festgehalten, weil sie keine separaten Unterkünfte vorweisen konnten. Erst als Suhail ein Hotelzimmer für Viktor buchte, durften sie ins Land. "Natürlich haben alle getuschelt", sagt Viktor. Ein Malediver, der mit einem Ausländer einreist, das sei nicht normal.

"Sie haben ihm ins Gesicht gelacht", sagt Suhail. Danach reichte es Viktor. Er sagte Suhail, dass er ihn liebe und mit ihm zusammenleben wolle. "Einen Monat hat er für die Entscheidung gebraucht", sagt Viktor, der zwei Friseursalons in Berlin betreibt. Schließlich sagte Suhail "Ja".

Wie es für ihn sei, seine Liebe jetzt öffentlich zeigen zu können? "Es ist wie, wenn du aus einem langen Schlaf erwachst", sagt Suhail. Entspannt, erleichtert. Andere homosexuelle Malediver scheint Suhail mit seiner Hochzeit inspiriert zu haben. In sozialen Netzwerken bekäme er auch Nachrichten, die Bewunderung ausdrücken.

Zurück nach Hause könne er aber nicht, sagt der 26-Jährige und senkt den Blick. Eine Anwältin kümmert sich um eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland. Ob seine Familie nach dem Eklat anders behandelt werde? "Mit Sicherheit", sagt er. "Es ist wegen der Nachbarn, was sie wohl sagen." Seine Familie könnte kaum zum Einkaufen das Haus verlassen, sagt er.

"Irgendwann musste jemand die Mauer durchbrechen"

Das Hochzeitsfoto hochgeladen zu haben, bereut Suhail aber nicht. "Irgendwann musste jemand die Mauer durchbrechen. Sonst wird alles so bleiben, wie es ist", sagt er.

Nach ihrer Hochzeit feiern Viktor und Suhail auf beim Pride in Kopenhagen. Dort habe eine trans Frau in einer Rede gesagt, wir müssten die Menschen unterstützen, die nicht das Glück haben, sich outen zu können, erzählt Suhail. Die Bedeutung der Worte habe er spüren können. "Er hat geweint", fügt Viktor hinzu.



#1 FliegenAnonym
#2 gut gemachtAnonym
  • 01.09.2019, 12:45h
  • Prima, ein mutiger mehr in unserer LSBTTIQ Geschichte :-)

    Congratulations to your marriage and good luck :-)

    Malediven - too expensive and so mid-age.

    ©BuntesUndSchönes
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#3 Roman BolligerAnonym
  • 01.09.2019, 12:46h
  • Ich war noch nie auf den Malediven, auch wenn ich es mir finanziell leisten könnte. Und ich werde nie mein Geld auf die Malediven bringen. Ich bin in keinem Land Tourist, welches LGBTQ-phob ist.
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#4 MarbaraAnonym
  • 01.09.2019, 12:46h
  • Religionen halt - eigentllich sollten die sich um das Seelenheil kümmern. Statt dessen mischen die sich unentwegt in Körperliche Belange ein und verursachen damit Seelische Verstörung und Verletzung beider Seiten:

    der Hassende lässt seine Seele extrem verschmutzen durch den Hass.

    die Seele des Gehassten verkümmert durch den ihm entgegengebrachten Hass.

    ist denn nicht das Hauptziel der Religionen gegenseitige Liebe und Respekt?
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#5 gut gemachtAnonym
#6 gut gemachtAnonym
  • 01.09.2019, 13:07h
  • Antwort auf #4 von Marbara
  • Die Sharia ist quasi ein Reglement, das das Recht dieser Menschen darstellt. Allerdings ist das ganz anders als bei uns. Während bei uns alles erlaubt ist, was per Gesetz nicht verboten ist, ist in der Sharia alles verboten, was dort nicht explizit als erlaubt formuliert ist.
    Es ist also ein Personenstandsrecht, was alles bestraft, was aus der Sicht der Staaten, die mit dem Sharia reglementiert sind, was sie als "Fehlverhalten" einstufen. Sie ist aber von der Religion nicht abgekoppelt, so dass die Menschenrechte entsprechend eher gering bis gar nicht beachtet werden. Aber auch tief verwurzelte sehr konservative Traditionen sind damit verstrickt. Bestimmte Gesetze sind auch an der Sharia ausgerichtet. Zusätzlich ist es ein Strafgesetz, was unmenschliche Strafen legitimiert.

    ©BuntesUndSchönes
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#7 FredericAnonym
  • 01.09.2019, 13:31h
  • Antwort auf #1 von Fliegen
  • Das ist ja wohl schon ewig bekannt. Genauso sollte man Reisen in/über die Emirate oder Katar vermeiden. Jeder der dort urlaubt oder seine Reise mit Emirates, Qatar usw. bucht trägt zur Finanzierung von solchen bescheuerten Ideologien bei. Ich kann Leute nicht verstehen, die Geld in solche Länder tragen. Auch viele Promis sollten sich schämen ihren Urlaub/Flitterwochen auf den Malediven zu verbringen. Wie kann Ross Anthony bspw ruhig mit seinem Mann schlafen, währens Einheimische ins Gefängnis kommen? Widerlich.
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#8 MarbaraAnonym
  • 01.09.2019, 13:47h
  • Antwort auf #6 von gut gemacht
  • ...Sie ist aber von der Religion nicht abgekoppelt,...

    Meinte ich ja - Religionen/Religiöse Lehren halt und deren Weltliche Verwendung statt ausschließlich, wie wohl eigentlich gedacht, für "Suchende" da zu sein, quasi Menschen die sich freiwillig dazu verpflichten sich diesen Regeln zu unterwerfen - wie z. B. in einem Kloster.
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#9 heteraquerEhemaliges Profil
  • 01.09.2019, 14:32h
  • Die Sharia äußert sich längst nicht so heftig bezüglich Homosexualität wie die Bibel. In der Sharia steht nur was von "das geht zu weit", in der Bibel steht was von Blutschande und Strafen. Trotzdem reagiert der Islam am heftigsten , was kann man da nur machen...
    Unmöglich scheint es ja nicht zu sein, wenn der Glaube zu gunsten des Tourismus schon Ausnahmen macht...
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#10 stephan
  • 01.09.2019, 14:33h
  • Gegen allen Hass, alle Missgunst und Dummheit der Menschen, die das Glück anderer Menschen nicht ertragen können, weil sie an religiöse Geschichten glauben: Mein Mann und ich wünschen Viktor und Suhail alles Liebe und Gute, viele gemeinsame Jahre in Glück und Zufriedenheit und Freude an der Liebe! Liebe Grüße nach Berlin!
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