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Neuer Bericht

Libanon: Menschenrechtler beklagen Gewalt gegen trans Frauen

Aktivisten schlagen Alarm: Im Libanon werden trans Menschen nicht nur gesellschaftlich ausgeschlossen, sondern auch willkürlich verhaftet.


Der Libanon macht es sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten sehr schwer, ihr Leben zu leben (Bild: eusebius / flickr / by 2.0)

Trans Frauen sind im Libanon systematisch Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt. Das ist die Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sowie der libanesischen LGBTI-Organisationen Helem und Mosaic in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht und Video. Trans Frauen werden demnach vielfach diskriminiert, etwa beim Zugang zum Arbeitsmarkt, zur Gesundheitsversorgung und zu Wohnraum. Zudem erlebten sie Gewalt durch Sicherheitskräfte und Mitbürger.

Für den auf Englisch erschienenen 119-seitigen Bericht "Don't Punish Me for Who I Am" (Bestraf mich nicht für das, was ich bin) befragten die drei Organisationen 50 trans Frauen im Libanon. Davon sind die Hälfte Libanesinnen, die anderen sind Geflüchtete und Asylsuchende aus anderen arabischen Ländern. Zudem sprachen die Organisationen mit Menschenrechtsaktivisten, Vertretern internationaler Organisationen, Anwälten, Wissenschaftlern und Gesundheitsexperten, die mit trans Menschen im Libanon arbeiten.

"Dieser wegweisende Bericht belegt die allgegenwärtige Gewalt gegen und Diskriminierung von trans Frauen im Libanon", erklärte Lama Fakih, die Leiterin der Abteilung Mittlerer Osten und Nordafrika bei Human Rights Watch. "Trans Frauen sind mit einer ignoranten und feindseligen Gesellschaft konfrontiert. Außerdem erleben sie Gewalt und Misshandlung durch Sicherheitskräfte und Regierungsstellen, die sie und ihre Rechte schützen sollten."

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Diskriminierung ist Alltag

Die Befragten berichten von häuslicher Gewalt, auch von körperlichen und sexualisierten Übergriffen, und davon, über lange Zeiträume und ohne Nahrung und Wasser in einen Raum eingesperrt worden zu sein. Viele der Frauen seien aus ihrem Zuhause vertrieben worden, die geflüchteten Frauen sogar aus ihrem Heimatland. Währenddessen hätten viele das Gefühl, dass sie ihre Rechte nicht einfordern können. Derzeit gibt es im Libanon keinerlei Zufluchtshäuser für trans Frauen in Not, so dass sie alleine auf dem informellen, teuren und oft diskriminierenden libanesischen Wohnungsmarkt eine Bleibe suchen müssten, erklärten die drei Organisationen. Trans Frauen würden häufig von ihren Vermietern, Mitbewohnern und Nachbarn diskriminiert und von der Polizei auf Grund ihrer Geschlechtsidentität vertrieben.

Auch in der Öffentlichkeit fühlten sich viele trans Frauen nicht sicher. Sicherheitskräfte belästigten sie wegen ihres äußeren Erscheinungsbilds an Kontrollpunkten, verhafteten sie oder würden gewalttätig werden, in einigen Fällen seien die Frauen sogar gefoltert worden. Zwar ist es im libanesischen Recht nicht strafbar, trans zu sein, aber Artikel 534 des Strafgesetzbuches kriminalisiert "jede sexuelle Beziehung wider der Natur" und werde regelmäßig gegen trans Frauen angewandt. Trans Menschen würden laut dem Bericht auch häufig wegen Verstößen gegen die "öffentliche Moral" oder wegen "Anstacheln zur Liederlichkeit" verhaftet. Trans Frauen, die auf Grund dieser Gesetzes verhaftet werden, würden in Männerzellen inhaftiert und zu Geständnissen gezwungen.

Darüber hinaus genössen Personen, die trans Frauen belästigen oder körperlich angreifen würden, Straflosigkeit. Viele Transfrauen müssten daher ihre Identität verstecken, um zu überleben. Eine Frau sagte in dem Bericht, dass es sich "anfühlt, als würde kochendes Wasser über mich gegossen", wenn sie tagsüber durch Beirut gehe.

Fast alle Befragten sagten, dass sie wegen ihres Erscheinungsbildes in Bewerbungsverfahren abgelehnt werden. Für transgeschlechtliche Flüchtlinge und Asylsuchende verschärft sich diese Diskriminierung noch, da sie keinen regulären Aufenthaltsstatus haben und daher nur eingeschränkt im Libanon arbeiten können.

Viele trans Frauen berichteten auch von Diskriminierung im Gesundheitswesen, etwa indem ihnen eine Behandlung auf Grund ihrer Geschlechtsidentität verweigert werde. Eine Frau sagte: "Ich wurde sehr krank und musste ins Krankenhaus. Als ich dort ankam, erbrach ich Blut, aber sie weigerten sich, mich aufzunehmen, weil ich trans bin… Ich hätte vor der Krankenhaustür sterben können."

Eine der größten Hürden beim Zugang zu grundlegenden Diensten sei, dass es fast unmöglich ist, Ausweisdokumente mit dem richtigen Geschlechtseintrag zu bekommen. Im Libanon können trans Menschen ihren Namen und ihren Geschlechtseintrag in amtlichen Dokumenten nur mit einem Gerichtsentscheid ändern lassen. Voraussetzung dafür ist in der Regel die Diagnose einer "Geschlechtsidentitätsstörung" und eine geschlechtsangleichende Operation, die allerdings sehr teuer ist und die viele Frauen nicht durchführen lassen wollen.

Forderung: Libanesische Regierung darf nicht mehr wegschauen

Die libanesische Regierung wird von den drei Menschenrechtsorganisationen aufgefordert, "unverzüglich die systematische Diskriminierung von und Gewalt gegen trans Frauen beenden". Die Sicherheitskräfte dürften trans Frauen nicht mehr auf Grund ihrer Geschlechtsidentität verhaften, sondern müssten sie stattdessen vor Gewalt schützen, auch indem sie Gewalttäter zur Verantwortung ziehen würden. Die libanesische Regierung soll zudem den Schutz vor Diskriminierung auf Grund der Geschlechtsidentität gesetzlich fixieren. Außerdem soll sie einen einfachen Verwaltungsprozess etablieren, der es trans Menschen ermöglicht, ihren Namen und Geschlechtseintrag auf Basis einer Selbsterklärung zu ändern, wie es in Ländern von Argentinien über Malta bis Pakistan gängige Praxis sei.

"Trans Frauen müssen sich im Libanon verstecken, um zu überleben. Die Regierung kann nicht länger behaupten, nichts von der Gewalt und der Diskriminierung zu wissen, die sie erleben", so Fakih. "Indem sie ihre Geschichten teilen, fordern trans Frauen die Regierung auf, sie wahrzunehmen. Zudem sollen sie gleichen Zugang zu einer Lebensgrundlage, Diensten und Schutz erhalten."

Die Bevölkerung des multireligiösen Libanon – knapp über die Hälfte sind Muslime und rund 40 Prozent Christen – ist laut Umfragen mehrheitlich homo- und transphob eingestellt. Dennoch gilt das Land im Vergleich zu anderen arabischen Ländern, in denen etwa Homosexuellen lange Haftstrafen oder Schlimmeres drohen, als relativ liberal. Zugleich muss die LGBTI-Community immer wieder Rückschläge hinnehmen: Vergangenes Jahr wurde etwa der Organisator des CSDs in Beirut verhaftet. Hadi Damien wurde erst wieder freigelassen, nachdem alle CSD-Veranstaltungen abgesagt wurden (queer.de berichtete). In diesem Mai verbot die libanesische Regierung außerdem den schwulen Datingdienst Grindr (queer.de berichtete). (pm/dk)



#1 Ana NymAnonym
  • 04.09.2019, 00:18h
  • Es bestürzt mich immer wieder, macht mich wütend und lässt mich hilflos zurück, wenn ich sehe, lese oder höre, wie mit Trans*menschen umgegangen wird.
    Was wir tun können
    * Asyl für Trans*menschen
    * angemessene politische Verantwortung übernehmen
    * Förderung von Kontakten, Austausch
    * Die Dinge, die man vom Libanon fordert
    ** Einfache, auf Selbstaussage gegründete Personenstandsänderung
    ** Fixierung des Schutzes von Trans* im GG
    als Vorbild und aus Einsicht hier endlich umsetzen.
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#2 DramaQueen24Profil