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Anhörungen im Parlament

Frankreich: Bald zwei Jahre Haft auf "Homo-Heilung"?

Nicht nur in Deutschland, auch bei unserem westlichen Nachbarn wird über ein Verbot von "Konversionstherapien" diskutiert.


Das französische Parlament könnte nächstes Jahr über ein Verbot der Heilung von Homo­sexuellen und Transpersonen abstimmen (Bild: Tyler Merbler / flickr)

  • 5. September 2019, 12:14h 7 2 Min.

Die französische Nationalversammlung hat laut France24 diese Woche mit Anhörungen für ein Verbot von sogenannten Konversionstherapien begonnen. Die Anhänger eines derartigen Verbotes hoffen, dass ein entsprechender Gesetzentwurf bis Anfang 2020 zustande kommen kann.

Initiiert wurde das Gesetz von den Parlamentsabgeordneten Bastien Lachaud und Laurence Vanceunebrock-Mialon. Lachaud ist ein Parlamentarier der kleinen linkspopulistischen LFI, Vanceunebrock-Mialon gehört der liberalen Regierungspartei LREM von Präsident Emmanuel Macron an. Die Politiker schlagen vor, dass Versuche einer "Heilung" von Homo- und Transsexuellen mit Geldstrafen bis zu 30.000 Euro und Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren geahndet werden sollen.

Bei den Anhörungen sollen LGBTI-Aktivisten und Opfer von "Konversionstherapien" ebenso wie evangelikale Anhänger der Praxis gehört werden. Der Evangelikalenverband CNEF argumentiert, dass es erwachsenen Christen möglich sein müsse, "über ihre sexuelle Identität zu reflektieren". "Wir können niemanden daran hindern, über seine Identität nachzudenken, wenn er dies tun will", so CNEF gegenüber France24.

Ärzte: "Homo-Heilung" treibt Menschen in den Suizid

Ärzte- und Psychologenverbände sind sich hingegen weitgehend sicher, dass Menschen durch "Konversionstherapien" in die Depression oder gar den Selbstmord getrieben werden. Der Weltärztebund erklärte deshalb 2013, dass "Homo-Heilung" die Menschenrechte verletze und nicht zu rechtfertigen sei (queer.de berichtete).

Auch in Deutschland wird nach einer Initiative von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) derzeit über ein Totalverbot von "Konversionstherapien" diskutiert (queer.de berichtete). EU-weit gibt es ein derartiges Gesetz bislang lediglich in Malta. "Das Gesetz zur Bestätigung von sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und geschlechtlichem Verhalten" war 2016 einstimmig vom Parlament in Valetta beschlossen worden (queer.de berichtete).

Frankreich hat in den letzten Monaten mehrere Initiativen gestartet, um Diskriminierungen gegen LGBTI abzubauen. So soll künstliche Befruchtung für Lesben geöffnet werden. Außerdem wurde eine Lockerung des Blutspendeverbots für schwule Männer angekündigt. (dk)

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#1 PetterAnonym
  • 05.09.2019, 15:07h
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    Der Evangelikalenverband CNEF argumentiert, dass es erwachsenen Christen möglich sein müsse, "über ihre sexuelle Identität zu reflektieren". "Wir können niemanden daran hindern, über seine Identität nachzudenken, wenn er dies tun will", so CNEF gegenüber France24.
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    Ist es Absicht, dass die wieder mal versuchen, Schutz von Menschen als Bevormundung zu diffamieren, obwohl sie es sind, die bevormunden wollen?!

    Also:
    niemand wird daran gehindert, seine eigene sexuelle Identität zu "reflektieren".

    Es geht nur darum, dass man Menschen nicht irgendwelchen Pseudo-"Therapien" unterzieht, die nicht nur wirkungslos sind, sondern die sogar (bewiesenermaßen) brandgefährliche Gehirnwäsche sind und schwerste psychische Schäden verursachen, die bis zum Selbstmord führen können.

    Jugendliche können das eh noch nicht reflektieren und werden von ihren Eltern dazu gezwungen. Und Erwachsene werden letztlich auch nur von ihrem Umfeld dazu gezwungen. Denn wenn man das nicht immer von außen eingetrichtert bekäme, dass Homosexualität negativ sei, dann käme man ja selbst gar nicht auf die Idee, dass dieses Verlangen negativ sein könnte. Genauso wenig wie Heteros auf diese Idee kämen.

    Deswegen:
    jeder kann seine eigene Sexualität gerne reflektieren, aber es kann nicht sein, dass irgendwelche Fanatiker das ausnützen, um Menschen massiven Schaden zuzufügen.
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#2 Homonklin44
  • 05.09.2019, 23:59hTauroa Point
  • ""Wir können niemanden daran hindern, über seine Identität nachzudenken, wenn er dies tun will""

    Das kann er, wenn ein Gesetz gegen die Manipulation dieses Nachdenkens schützt, doch immer noch aus freier Erwägung machen.

    Nur dazu durch andere angeleitet, gedrängt und in ein bestimmtes Denken hinein bugsiert zu werden, weil die lieben MitchristInnen seine Identität nicht akzeptieren und als was Schlechtes oder "Unnatürliches" verdammen, das ist dann hoffentlich vorbei.

    2 Jahre sind recht wenig, wenn man den Schaden bedenkt, der solche Behandlungen im Menschen anrichten können, und Manchen lebensbegleitend beschäftigen, aber immerhin.
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#3 Still_IthEhemaliges Profil
  • 06.09.2019, 10:02h
  • Gibt's von Spahn da inzwischen irgendwelche Ambitionen, was Trans*-Personen betrifft, und steht da ernsthaft Strafbarkeit im Raum?

    Wobei, im Nachhinein anwendbar wird das sowieso nicht sein. Die Oberärztin, die mir meine Transsexualität wegzutherapieren versucht hat, bzw. mich zum Cis-Sein umzuerziehen versucht hat, als ich wegen Depressionen und akuter Suizidalität eine Klinik aufgesucht habe, wäre dafür also wohl ebenso wenig zur Rechenschaft zu ziehen, wie für die Dienstanweisung an das übrige Personal, mich als weiblich anzusprechen, und das natürlich besonders offen und gezielt auch vor anderen Patienten und deren Besuchern.

    Der Gruppeneffekt davon, wenn dich alles anstarrt als "jetzt gib doch endlich zu, dass du Wahnvorstellungen hast, oder sogar bewusst lügst, und sei endlich brav normal", ist halt wirklich unschlagbar.
    Und dieses Schweigen aller anderen erst, auch derer, bei denen ich als trans* out war, ein Hochgenuss, den man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen muss.

    Naja, aber wenn das Gesetz durch wäre, wäre es das wert, da nochmal hinzugehen und zu filmen oder so. Wie ich später herausgefunden habe, ist das in der ganzen Klinik der Standard und nicht nur mir passiert.

    Das Bitterste an dem ganzen Aufenthalt ist ja, dass man ihr attestieren kann, die "Therapie" habe soweit funktioniert. Offensichtlich hab ich mich nicht umgebracht, und sowas wie medizinische Hilfe nehm ich nur noch in Anspruch, wenn sich das aus körperlichen Gründen überhaupt gar nicht vermeiden lässt.
    Für die menschliche Gesellschaft "zu retten" bin ich aber vermutlich nicht mehr. Was in einem Menschen kaputtgeht, wenn du sowas von Leuten erlebst, bei denen du mit der Bitte aufgeschlagen bist, dir zu helfen, lässt sich in Worte überhaupt nicht fassen. Geschweige denn, dass es irgendwen auf dem Planeten gäbe, selbst wenn du jemanden finden würdest, der dir das Geschehene erstmal glaubt, der tatsächlich die Zeit, Energie und Ressourcen hätte, und/oder dem man es wert wäre, sowas wieder in Ordnung zu bringen.

    Es gibt Dinge, die lassen sich nicht reparieren.
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