Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?34431

Bosnien-Herzegowina

Sarajevo: Tausende zeigen beim ersten CSD Mut und Flagge

Der erste Pride des Landes stand unter einem Coming-out-Motto und blieb unter großem Polizeischutz friedlich. LGBTI-Gegner hatten vorab für "traditionelle Werte" demonstriert.


Der vorab umkämpfte Pride wurde ein großer Erfolg (Bild: Tbilisi Pride / twitter)

Offenbar bis zu 2.000 Menschen und damit deutlich mehr als erwartet haben am Sonntagmittag in guter wie Rechte und Respekt einfordernder Stimmung an der ersten CSD-Demonstration in Sarajevo teilgenommen. Bis zu tausend Polizisten schützten die Demonstration in der teilweise abgesperrten Innenstadt; es kam bisherigen Informationen zufolge zu keinen Zwischenfällen.

Twitter / TerryReintke | Video-Grüße von der grünen EU-Politikerin Terry Reintke

Der erste Pride in Bosnien-Herzegowina stand, frei übersetzt, unter dem Motto "Wir wollen raus(kommen)". Das kann auch ein Coming-out des Landes meinen: An der Demonstration beteiligten sich viele Bürger, die für ein liberales, Europa und der Welt zugewandtes Land stehen. "Lasst uns eine Gesellschaft ohne Gewalt erschaffen, eine Gesellschaft der Solidarität, Unterstützung und Gemeinsamkeit", sagte eine der Organsitorinnen bei der Abschlusskundgebung. "Pride für alle, Tod dem Faschismus", skandierte ein weiterer Aktivist.

Twitter / BalkanInsight | Weiterer Video-Eindruck

Sarajevo war bis zum Sonntag die letzte Hauptstadt im ehemaligen Jugoslawien, in der noch kein Pride abgehalten worden war. Die Premiere in dem EU-Beitrittskandidat stand unter solidarischer Beobachtung der internationalen Politik (queer.de berichtete). Würde diese den Pride angemessen politisch aufgreifen, die Demostration gewährleisten und die Teilnehmer schützen? Von Parteien kam Unterstützung bis Ablehnung, auch Schweigen. Die Regionalregierung hatte die Pride-Organisatoren aufgefordert, Kosten für Schutzbarrieren selbst zu tragen. Dabei hatte es Gewaltandrohungen im Vorfeld gegeben. 2008 und 2014 hatten Gegner queere Festivals gestürmt und auf Teilnehmer eingeprügelt.

Twitter / dw_bhs | Auch die Deutsche Welle berichtet, hier vom Ort der Abschlusskundgebung

Das multireligiöse Land (51 Prozent Muslime, 31 Prozent Orthodoxe, 15 Prozent Katholiken) hat ein seit 2003 mehrfach ausgeweitetes, LGBTI umfassendes Antidiskriminierungsgesetz und bewertet seit 2016 Taten aufgrund von Homo- oder Transphobie strafverschärfend als Hassverbrechen. Gleichgeschlechtliche Paare werden bislang rechtlich nicht anerkannt; die Regierung prüft eine Vorlage zur Einführung von Lebenspartnerschaften. In einer Umfrage vor wenigen Tagen gaben nur 14 Prozent der Bevölkerung an, dass es eine Ehe für alle geben sollte. 58 Prozent sprachen sich gegen den CSD aus, 33 Prozent für ihn.

Twitter / BalkanInsight | Ein CSD-Mitorganisator zur Lage von LGBTI im Land

Freunde und Feinde auf der Straße

Der erste CSD war ein tagelanges Medienthema, zu dem Pride hatten sich über 200 Journalisten aus dem In- und Ausland akkreditiert. Mehrere TV-Sender schalteten immer wieder live zum CSD und übetrugen seine Abschlusskundgebung. Viele Medien hatten zugleich bereits am Morgen festgehalten, wie hunderte LGBTI-Gegner eine Demonstration für vermeintlich traditionelle Familienwerte abhielten. "Ich werde mich nicht dafür schämen, dass ich ein Mann bin und eine Frau habe", stand auf einem der Plakate. "Schwuchteln, bleibt in euren eigenen vier Wänden", auf einem anderen. Schon am Samstag hatte es eine ähnliche Kundgebung, einen "Tag der traditionellen Familie", in der Innenstadt gegeben – die Demonstration wählte die gleiche Strecke wie der CSD einen Tag später. Ein weiterer Protest für "Familienwerte" sollte am Sonntag zeitgleich zum Pride in dessen Nähe stattfinden.

Twitter / AndreaBeer2 | Auch Andrea Beer, Korrespondentin im ARD Studio Südosteuropa in Wien, beobachtet den Tag in Sarajevo

An der CSD-Demonstration nahmen meherere Politiker aus dem Ausland teil, darunter die grünen Bundestags- und Europaabgeordneten Manuel Sarrazin und Terry Reintke und die SPD-Europaabgeordnete Delara Burkhardt. Mehrere Vertreter der Deutschen Botschaft, die den CSD – neben u.a. der US-Botschaft und der Heinrich-Böll-Stiftung – auch als Sponsor unterstützt, beteiligten sich ebenfalls an der Demonstration. Der schwule US-Botschafter Eric Nelson nahm am Pride teil, ebenso der britische Botschafter Matt Field.

Twitter / eubih

Die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, hatte die Behörden in Bosnien und Herzegowina im Vorfeld aufgefordert, für einen sicheren Ablauf der ersten Pride-Parade in der Geschichte des Landes zu sorgen. Sie war ebenfalls nach Sarajevo angereist.

Friedlicher CSD in Kattowitz

Unter ebenfalls großen Polizeischutz und Interesse aus dem In- und Ausland hatte am Samstag bereits der CSD im polnischen Kattowitz stattgefunden. Rund 6.000 Menschen demonstrierten in einem lokalen Rekord durch die Innenstadt. Am Rande kam es zu Gegenprotesten der rechtsextremen "Allpolnischen Jugend" und einigen christlich-fundamentalistischen Gruppen, die aber von der Polizei vom "Marsch der Gleichberechtigung" abgeschirmt wurden.

Twitter / KPH_official

Neben einigen polnischen Politikern aus diversen Ebenen hatte erneut der schwule Kölner Bürgermeister Andreas Wolter (Grüne) an dem Pride teilgenommen. Auch Vertreter mehrerer Szene-Organisationen waren in die Partnerstadt gereist (queer.de berichtete).


Eindrücke wie hier vom Gegenprotest und auch vom CSD sammelte das Portal Katowice24

Nach den schweren Ausschreitungen gegen den ersten CSD in Bialystok im Juli und Angriffen auf LGBTI-Rechte durch Regierung und Kirche stehen die polnischen Prides unter großem Interesse von Medien, Unterstützern und Gegnern. Zum CSD in der nächsten Woche in Stettin ist eine Gruppen-Anreise aus Berlin geplant. (nb)

Rusza Marsz Równo?ci w Katowicach Wi?cej -> https://bit.ly/2lXRk1J

Gepostet von Wyborcza.pl Katowice am Samstag, 7. September 2019
Facebook / Wyborcza.pl Katowice | Video-Eindrücke der Pride-Demo, am Anfang spricht Andreas Wolter auf Englisch



#1 divers-SarajevoAnonym
#3 FinnAnonym
  • 08.09.2019, 19:25h
  • Toll, dass so viele Teilnehmer dabei waren, die für Liebe, Freiheit und Fortschritt demonstriert haben.

    Hoffentlich setzt sich das jetzt jedes Jahr so groß fort...

    Und an die Gegendemonstranten, die angeblich für "traditionelle Werte" demonstrieren: Hass und Ausgrenzung sind keine Werte - weder traditionelle noch irgendwelche anderen Werte. Was könnte traditioneller sein, als Liebe?
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Carsten ACAnonym
  • 08.09.2019, 19:41h
  • Wenn man mal sieht, wie fröhlich und bunt der Pride war und wie trist und grau die Gegen-Demo war...

    Gut, dass sich die Mehrheit nicht von solchen Ewiggestrigen bevormunden oder gar einschüchtern lässt.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 tchantchesProfil
  • 08.09.2019, 19:43hSonstwo
  • Als hätte ausgerechnet diese Stadt nicht eindrucksvoll erlebt, wo Hass und Intoleranz hinführen. Was für ein Glück, dass heute alles gut gegangen ist.

    BiH muss noch viel mehr Teil von Europa werden, damit Erdogan und die Saudis dort nicht noch mehr Einfluss gewinnen, als sie es ohnehin schon haben.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 FinnAnonym
  • 08.09.2019, 19:56h
  • Antwort auf #4 von Carsten AC
  • Ja, man muss nur mal in die verkniffenen und vom Hass zerfressenen Gesichter der Gegendemonstranten gucken - dann weiß man, wie armselig und unglücklich diese Menschen sind.

    Kein Wunder bei solchen Feinden der Liebe und der Freiheit.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 stromboliProfil
#8 TimonAnonym
  • 08.09.2019, 22:06h
  • Die Freiheit muss immer wieder neu verteidigt werden.

    Dazu gehört auch die Versammlungs- und Redefreiheit für Homo-, Bi- und Transsexuelle.

    Und zu einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung gehört auch der Gleichheitsgrundsatz, also auch die volle rechtliche Gleichstellung von GLBTI.

    Ob das jetzt irgendwelchen Ewiggestrigen und Fanatikern passt oder nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 goddamn liberalAnonym
  • 09.09.2019, 09:56h
  • Antwort auf #6 von Finn
  • "Ja, man muss nur mal in die verkniffenen und vom Hass zerfressenen Gesichter der Gegendemonstranten gucken"

    Stimmt, obwohl man einigen Frauen wg. Gesichtsschleier gar nicht ins Gesicht sehen kann.

    Zufall?

    Übrigens scheinen mir einige der schwarzbärtigen Gegendemonstranten gar keine Bosnier zu sein.

    Auch kein Zufall.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 ursus