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Rio de Janeiro

Bürgermeister wollte küssende Superhelden verbieten

Das evangelikale Stadtoberhaupt von Rio wollte ein Comicbuch wegen eines schwulen Kusses von einer Buchmesse verbannen. Die Zensur wurde gerichtlich untersagt – und das Bild der küssenden Superhelden ist jetzt allgegenwärtig.


Eigentlich wollte der Bürgermeister von Rio verhindern, dass Kinder und Jugendliche das Bild von küssenden männlichen Superhelden sehen – jetzt prangt es aber von den Titelseiten vieler großer Zeitungen (Bild: Folha de S. Paulo)

Brasiliens oberster Gerichtshof hat am Sonntag gegen Zensur durch Homo-Hasser entschieden: Auf der vom nationalen Buchverlegerverband veranstalteten Buchmesse in Rio de Janeiro darf ein Comic weiter verkauft werden, in dem sich zwei männliche Superhelden küssen. Der Gerichtshof kassierte damit ein Urteil unterer Instanz, das dem ultrakonservativen Bürgermeister von Rio, Marcelo Crivella, recht gegeben hatte. Der evangelikale Protestant hatte gefordert, den Comic wegen seines "sexuellen Inhalts" von den Messeständen zu verbannen, denn dies gefährde Minderjährige.

Die Superhelden Wiccan und Hulkling küssen sich in dem Comic und sind dabei voll bekleidet. Die obersten Richter entschieden nun, dass ein Verbot nicht in Einklang mit dem in der brasilianischen Verfassung verbrieften Gleichheitsgebot stehe, weil es ausschließlich auf Schwule und Lesben abziele.

Crivella schoss zudem ein klassisches Eigentor: Kurz nach seiner Verbots-Forderung war der US-Comic des Erfolgsverlags Marvel mit dem Titel "Young Avengers: the Children's Crusade" ausverkauft, wie die Organisatoren der Buchmesse mitteilten.

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Crivella ist ein evangelikaler Kulturkrieger

Der Bürgermeister gehört der evangelikalen "Universalkirche des Königreichs Gottes" an, in der er unter anderem den Titel "Bischof" trug. Die in Brasilien rund zwei Millionen Mitglieder zählende Kirche verkündet ein sogenanntes "Wohlstandsevangelium". Anhänger dieser Richtung glauben, dass Reichtum ein Zeichen von Gottes Gunst sei – und Armut ein Zeichen dafür, dass man etwas falsch gemacht habe.


Bürgermeister Crivella will – angeblich aus Jugendschutzgründen – die Sichtbarbkeit von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten in der brasilianischen Gesellschaft einschränken (Bild: Senado Federal / flickr)

Crivella war vor seiner Wahl zum Bürgermeister 2016 als Sänger religiöser Popsongs bekannt geworden. Der 61-Jährige polemisierte bereits vor seinem Eintritt in die Politik regelmäßig gegen Homosexuelle. So behauptete er in einem Buch, dass Homosexuelle Opfer eines "schrecklichen Übels" seien. Zudem möchte er Schwulen und Lesben das Ehe-Recht wieder entziehen und lehnt Sexualkunde an Schulen ab.

YouTuber verteilte 14.000 Comicbücher kostenlos

Der in Brasilien populäre YouTuber Felipe Neto, der auf der Online-Videoplattform mehr als 34 Millionen Fans hat, kaufte 14.000 Exemplare verschiedener Bücher, in denen es um queere Themen geht, und verteilte sie aus Protest kostenlos – mit der Warnung: "Dieses Buch ist nicht geeignet für rückwärtsgewandte und vorurteilsbeladene Personen." Das Bild des Superhelden-Kusses aus dem Comic zierte zudem am Samstag landesweit die Auslagen von Kiosken und die Titelseite der größten brasilianischen Zeitung "Folha de S. Paulo".

In Brasilien, das bereits 2013 die Ehe öffnete, findet gerade ein homosexuellenfeindlicher Gegenschlag statt: Insbesondere die Wahl des Rechtsextremisten Jair Bolsonaro zum Präsidenten wurde von LGBTI-Aktivisten mit Entsetzen aufgenommen. In seiner Amtszeit hat der 64-Jährige bereits mehrere Schritte unternommen, um die Rechte von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten einzuschränken. Zuletzt sorgte er für Schlagzeilen, weil er die staatlichen Unterstützungsfonds für TV-Projekte aussetzte, da diese auch queere Inhalte förderte (queer.de berichtete). (AFP/dk)



#1 DramaQueen24Profil
  • 09.09.2019, 14:54hBerlin
  • "Anhänger dieser Richtung glauben, dass Reichtum ein Zeichen von Gottes Gunst sei und Armut ein Zeichen dafür, dass man etwas falsch gemacht habe."

    Jesus würde ihm dieses "Evangelium" um die Ohren hauen.
    Reichtum hat viele Gesichter, ebenso Armut. Wenn er so denkt, ist ein Millionär, der sich den Reichtum auf Kosten von Umwelt, Arbeiter und/oder Bestechung "verdient" hat, vor Gott angenehmer, als ein armer Schlucker, der eben von diesem Reichen ausgebeutet wird.
    Was für ein Schwachsinn!
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#2 marabellaAnonym
#3 PetterAnonym
  • 09.09.2019, 16:52h
  • Auch der muss sich damit abfinden, dass er nicht zu diktieren hat, was andere Menschen sehen dürfen und was nicht und was sie zu interessieren hat und was nicht.

    Übrigens auch schön, dass er mit seinen Versuchen das genaue Gegenteil erreicht hat und dass das Bild jetzt viel mehr Aufmerksamkeit findet und von viel mehr Menschen gesehen wird, als es sonst der Fall gewesen wäre.
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#4 WadimAnonym
  • 09.09.2019, 18:12h
  • Für die LGBTI gut, für die UMWELT
    aber nicht so.

    Felipe Neto hat 14.000 Exemplare in schwarze Plastik Tüten verpackt.

    Die Warnung: "Dieses Buch ist nicht geeignet für rückwärtsgewandte und vorurteilsbeladene Personen." könnte er als einen Aufkleber unmittelbar auf die Bücher platzieren. Es wäre auch günstiger.
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#5 Still_Ith
#6 TheDadProfil
  • 09.09.2019, 21:32hHannover
  • ""Der evangelikale Protestant hatte gefordert, den Comic wegen seines "sexuellen Inhalts" von den Messeständen zu verbannen, denn dies gefährde Minderjährige.""..

    Kuck an..
    Küssen gefährdet die Jugend, denn es ist "sexuell"..

    Viel Spaß beim nächsten Karneval in Rio..

    Küssen verboten..
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#7 BaerchenProfil
  • 10.09.2019, 02:37hzuhause
  • Ohne jetzt lästerhaft zu klingen, aber mir fällt auf das jede dieser angesäuert aussehenden Moraltrompeten, egal ob Frau von Teiggesicht und ihre Alice, die etwas merkwürdige Hedwig bis zu diesem komischen Vogel immer so aussehen als ob sie lange Zeit in einem Essigfass gelegen haben...alle haben den gleichen bösartigen Gesichtsausdruck...
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#8 dellbronx51069Anonym
  • 10.09.2019, 10:03h
  • Wie heissen die nochmal ? Kirche vom Königreich der Idioten...? Ich hab's schon wieder vergessen.
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