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Geplante Initiative

Zügiges Verbot von "Konversionstherapien" gefordert

LGBTI-Aktivisten und die demokratische Opposition begrüßen den Expertenbericht zu Homo- und Trans-"Heilern" und fordern ein rasches Verbot der Praxis.


"Konversionstherapien" klappen laut Ärzten und Psychologen nicht, sondern verursachen Depressionen, die Patienten im schlimmsten Fall in den Selbstmord treiben können

Der am Montag vorgestellte Abschlussbericht (PDF) der vom Bundesgesundheitsministerium beauftragten Kommission zum Verbot von "Konversionstherapien" wurde von LGBTI-Aktivisten sowie den queerpolitischen Sprecherinnen von Grünen und Linksfraktion positiv aufgenommen. In dem Bericht hatte die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld zusammenfassend vorgeschlagen, Anbieter mit einem Jahr Haft zu bestrafen, wenn sie versuchten, Homo- oder Transsexualität zu "heilen" (queer.de berichtete). Auch die Bewerbung und die Vermittlung entsprechender Angebote solle im Rahmen eines größeren Maßnahmenpaketes verboten werden.

Gabriela Lünsmann, ein Mitglied im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), dankte in einer Stellungnahme vom Dienstag der Fachkommission für ihren ausführlichen Bericht. "Wir fordern Gesundheitsminister Spahn nun dazu auf, zügig ein Gesetz vorzulegen, um die Durchführung, Bewerbung und Vermittlung dieser gefährlichen Angeboten zu verbieten", so Lünsmann. "Hier müssen sich die Bundesärztekammer, die Landesärztekammern, die Psychotherapeutenkammer und die heilpraktischen Berufsverbände eindeutig positionieren und Verstöße auch berufsrechtlich ahnden."

Für den LSVD sei klar, dass für eine "effektive Ächtung" von "Konversionstherapien" weitere Maßnahmen notwendig seien. "Vor allem religiöse Autoritäten wie die Deutsche Bischofskonferenz oder die EKD müssen öffentlich vor solchen gefährlichen Pseudo-Therapien warnen", sagte Lünsmann. "Zudem muss das Thema in die Lehrpläne der Schulen aufgenommen werden, um gerade Kinder und Jugendliche vor diesen gefährlichen Angeboten effektiv zu schützen." Es dürfe auch keine öffentliche Förderung von Institutionen geben, die derartige "Behandlungen" empfehlen oder sogar anbieten würden.

Twitter / ADS_Bund | Auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hält das Verbot von "Konversionstherapien" für richtig

"Die Belange von trans* Personen sind gleichberechtigt berücksichtigt!", freute sich die Bundesvereinigung Trans* in einer kurzen Stellungnahme zum Abschlussbericht bei Twitter. Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V., die an der Entstehung beteiligt war, lobte ebenfalls, dieser berücksichtige "Angebote und Auswirkungen, die trans* und intersexuelle Menschen betreffen".

Lob von Linken und Grünen

"Die Empfehlungen der Studie sind eindeutig, sogenannte Konversionstherapien sind gesetzlich zu unterbinden", erklärte am Dienstag Doris Achelwilm, die queerpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. Gut sei auch die Klarstellung, dass "Konversionsversuche" nicht nur Homo- und Bisexualität beträfen, sondern dass es um sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität gleichermaßen gehe. Achelwilm betonte: "Das Hinwirken auf Änderungen oder Unterdrücken des Lesbisch-, Schwul-, Bi- oder Trans*-Seins ist ein Akt gegen die sexuelle oder geschlechtliche Selbstbestimmung. Wir erwarten jetzt eine zügige, fundierte Umsetzung der Arbeitsergebnisse in Form eines Gesetzentwurfs. Diese Grundrechtsverletzungen müssen gestoppt werden."


Die Bremerin Doris Achelwilm ist seit 2017 Mitglied des Bundestages (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Auch die Grünen stimmten dem Bericht zu, kritisierten jedoch, dass alles zu langsam gehe: "Ein Verbot der sogenannten Konversionstherapien, das die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen erstmals 2013 vorgeschlagen hat, ist längst überfällig", erklärte Ulle Schauws, die grüne Fraktionssprecherin für Frauenpolitik und Queerpolitik. "Der Abschlussbericht der Fachkommission bestätigt eindeutig, dass diese Pseudotherapien schädlich sind und verboten werden sollten. Zudem muss ein Aktionsplan gegen diese 'Konversionstherapien' schnellstmöglich beschlossen und umgesetzt werden." Sie und ihre Parteifreunde freuten sich, dass die Kommission viele grüne Forderungen aufgegriffen habe, "wie beispielsweise öffentlichkeitswirksame Kampagnen, die mehr Akzeptanz gegenüber vielfältigen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten schaffen und über die Gefahr von Behandlungen aufklären".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Kommission zu "Konversionstherapien" im April ins Leben gerufen (queer.de berichtete). Innerhalb der Europäischen Union hat bislang nur Malta die "Heilung" von Homo- oder Transsexuellen verboten (queer.de berichtete). Das österreichische Parlament stimmte Anfang Juli für ein künftiges Verbot von "Konversionstherapien", das allerdings nur Kinder und Jugendliche schützen soll (queer.de berichtete).


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) brachte das Thema "Verbot von Konversionstherapien" im Frühjahr auf die Tagesordnung, nachdem seine Partei jahrelang eine derartige Regulierung abgelehnt hatte (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Ärzte- und Psychologenverbände warnen schon seit Jahren davor, dass Menschen durch "Konversionstherapien" in die Depression oder gar den Suizid getrieben werden. Der Weltärztebund erklärte deshalb 2013, dass "Homo-Heilung" die Menschenrechte verletze und nicht zu rechtfertigen sei (queer.de berichtete). Gegner des Verbotes finden sich vor allem unter evangelikalen Christen. So bekräftigte die Evangelische Allianz, dass ein Verbot von "Konversionstherapien" grundlegende Freiheits- und Persönlichkeitsrechte einschränke (queer.de berichtete). Der Bibelbund warnte sogar, dass ein Verbot "einen jahrhundertealten sexualethischen Konsens aller christlichen Kirchen" kriminalisiere (queer.de berichtete). (dk)



#1 GerritAnonym
  • 10.09.2019, 15:51h
  • >>>>> Lob von Linken und Grünen <<<<<

    Wofür?

    Dass Erwachsene nicht geschützt werden sollen?! (Bzw. nur "junge Erwachsene", wie auch immer man das definiert.) Obwohl die Schädlichkeit für alle Altersgruppen bewiesen ist...

    Oder Lob für die niedrigen Strafen, die dann in der Praxis zur Bewährung ausgesetzt werden und de facto kaum vollstreckt werden, so dass sie keinerlei Abschreckung bieten?!

    Oder dafür, dass das Verbot nicht im Strafgesetzbuch stehen soll, sondern nur in irgendwelchen Nebengesetzen, was es eher wie eine Ordnungswidrigkeit als wie eine Straftat erscheinen lässt?!

    Nein, dieser Entwurf ist gleich auf mehreren Ebenen unzureichend!!!

    Das ist ein symbolisches Gesetz, was Aktionismus vortäuschen soll, aber in der Praxis wenig ändern wird!!!
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#2 GerritAnonym
  • 10.09.2019, 16:07h
  • Angesichts der Schwere der Taten und der schlimmen Auswirkungen auf die Opfer, die oft ihr Leben lang darunter leiden oder gar in den Selbstmord getrieben werden, ist das Strafmaß ein Witz. Und zwar ein schlechter Witz.

    Jetzt ist die SPD gefordert, endlich mal klare Kante zu zeigen und nicht schon wieder vor der Union einzuknicken. Jetzt muss die SPD zeigen, wie ernst es ihnen ist und auf ein höheres Strafmaß bestehen.

    Also nicht mal nett nachfragen und wenn die Union nein sagt, sich umdrehen und sagen "Okay, dann eben nicht." Sondern wirklich mal darauf bestehen.

    Wenigstens dieses eine mal, weil es hier um Menschenleben geht!!

    Wenn die SPD auch diesmal wieder den Bettvorleger der Union spielt, sind die endgültig für mich gestorben und dann haben sie auch das weitere Absacken in die Bedeutungslosigkeit verdient.
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#3 SixtinusAnonym
  • 10.09.2019, 16:15h
  • Antwort auf #1 von Gerrit
  • Kann dir nur zustimmen.

    Zeigt mal wieder sehr schön, dass es in der Politik sehr oft nur um Symbolik und Profilierung geht.

    Auch bei Parteien oder Verbänden, die von sich behaupten, sie würden sich für uns einsetzen.
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#4 PetterAnonym
  • 10.09.2019, 16:23h
  • Ich finde nicht nur, dass die Strafen viel zu gering sind. Wenn die dann zur Bewährung ausgesetzt werden, hat das kaum abschreckende Wirkung.

    Sondern ich finde es regelrecht skandalös, dass nur Minderjährige und "junge Erwachsene" geschützt werden sollen.

    Denn die Schädlichkeit ist für alle Altersklassen bewiesen! Und auch Erwachsene handeln nicht immer frei, sondern werden vielleicht von ihrem sozialen Umfeld, ihrer Familie, gesellschaftlichen Zwängen oder ihren eigenen Selbstvorwürfen, die ihnen jahrzehntelang (u.a. von Religionen) eingetrichtet wurden, dazu gezwungen. Selbst wenn sie vielleicht meinen, das sei ihre freie Entscheidung, ist das nicht wirklich freier Wille.

    Was hilft z.B. dem 40-jährigen Dorfbewohner, der im Ort immer gemobbt wird und der auf solche Heilsprediger reinfällt, dass das nur für jüngere Menschen verboten ist? Auch er hätte mehr von Stärkung statt solchen Scharlatanen schutzlos ausgeliefert zu sein.

    Und es gibt auch heute noch LGBTI, die im fortgeschrittenen Alter Selbstmordgedanken haben, weil sie es ihr Leben lang nicht anders erfahren haben. Auch die bräuchten eher Stärkung statt schutzlos diesen Machenschaften ausgeliefert zu sein.

    Dass manche LGBTI-Vertreter diesen Entwurf auch noch loben und dass auch die Opposition das so abnickt, finde ich skandalös.

    ALLE MENSCHEN haben den Schutz vor solchen gefährlichen Scharlatanen verdient, nicht nur bis zu einem gewissen Alter !!!!!
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#5 Julian SAnonym
  • 10.09.2019, 16:56h
  • ............... ZITAT .....................
    "Ärzte- und Psychologenverbände warnen schon seit Jahren davor, dass Menschen durch "Konversionstherapien" in die Depression oder gar den Suizid getrieben werden. Der Weltärztebund erklärte deshalb 2013, dass "Homo-Heilung" die Menschenrechte verletze und nicht zu rechtfertigen sei."
    .............. ENDE ZITAT .............

    Und dennoch sollen nur Minderjährige und "junge Erwachsene" geschützt werden...

    Erstens funktioniert diese Gehirnwäsche eh nicht. Das bewirkt nur, dass man sich schuldig fühlt und sich selbst verleugnet, ändert aber nicht die sexuelle Orientierung.

    Zweitens verursacht das massivste psychische Schäden, die bis hin zum Suizid führen können.

    Drittens gibt es gar keinen Grund irgendwas zu "heilen". Das ist keine Krankheit. Wer sich in sowas begibt, wird entweder dazu gezwungen oder zwingt sich selbst dazu aufgrund aufoktroyierter Scham.

    Und das alles gilt für alle Altersklassen gleichermaßen.

    Dieses Gesetz ist indiskutabel.

    Solange nicht alle Altersklassen gleichermaßen geschützt werden, ist das einfach nur zynisch und menschenverachtend.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Julian SAnonym
  • 10.09.2019, 17:01h
  • Antwort auf #3 von Sixtinus
  • Ja, das zeigt wieder mal, dass wir uns nur auf uns selbst verlassen können.

    Wenn eine Stiftung, die eigentlich unserem Schutz dienen sollte, zustimmt, dass LGBTI ab einem gewissen Alter keinen Schutz mehr verdienen, ist das schon schlimm genug. Und so eine Stiftung macht sich für mich überflüssig.

    Dass dann aber auch noch die Opposition zustimmt, dass LGBTI ab einem gewissen Alter keinen Schutz mehr verdienen, lässt mich doch daran zweifeln, ob es im Parlament wirklich um das Wohl der Menschen geht oder nur noch um parteitaktisches Gekungel und strategische Mauscheleien.

    All die Verbände, Parteien, etc., die immer (wohl aus Eigennutz) so tun, als stünden sie auf unserer Seite, können nicht mal wenn es um Menschenleben geht, klare Positionen beziehen.

    Es geht um Menschenleben!

    MENSCHENLEBEN !!

    Da sollte das Alter der Opfer doch wohl egal sein und alle Opfer sollten unabhängig von ihrem Alter vor solchem gefährlichen Wahn geschützt werden.
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#7 TimonAnonym
  • 10.09.2019, 18:07h
  • Ich sage es ganz ehrlich:
    Ich werde keine Partei nochmal wählen können, die zustimmt, dass nur ein Teil der Opfer geschützt werden soll.
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#8 FinnAnonym
  • 10.09.2019, 19:34h
  • Ich muss mich den Vorrednern anschließen:
    dieses Gesetz ist leider ein Schuss in den Ofen.

    Viel zu geringe Strafen, die dann bei der deutschen Justig oft zur Bewährung ausgesetzt werden. Gar kein Schutz für Erwachsene.

    Dass die Hirschfeld-Stiftung das toll findet und auch die Opposition das toll findet, ist für mich nicht nur unverständlich, sondern schlichtweg ein Schlag ins Gesicht.
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#9 Carsten ACAnonym
  • 10.09.2019, 21:47h
  • Also eines ist mal klar:
    das muss für alle Altersklassen verboten und gleich hart bestraft werden.

    Auch wenn Minderjährige noch eher (z.B. von radikalen Familien) dazu gezwungen werden können, heißt das nicht, dass es nicht auch Erwachsene gäbe, die Opfer von solchen Machenschaften werden können.

    Menschen, die ihr ganzes Leben lang eingetrichtert bekommen haben, wie pervers Homosexualität ist und dass sie krank sind, werden auch mit fortgeschrittenem Alter vielleicht auf solche Quacksalber reinfallen. Und auch die werden die Folgen dieser Maßnahmen zu spüren bekommen. Deshalb müssen auch sie geschützt werden.

    Denn niemand will freiwillig seine Identität verändern. Das geschieht immer nur durch Druck, der vielleicht so internalisiert wurde, dass man das gar nicht mehr realisiert.

    Fazit:

    Die schädlichen Auswirkungen, die teils dramatisch sein können, lebenslange Schäden nach sich ziehen können und sogar zum Tod führen können, sind in allen Altersklassen gleichermaßen gegeben.

    Die Frage darf nicht sein, wie hilflos ein Opfer ist, sondern die Frage muss lauten, was die Konsequenzen dieser Taten sind. Und die sind bei allen Altersklassen gleich dramatisch.

    Deshalb muss das Verbot auch für ALLE Altersklassen gelten und nicht nur bis zu einem bestimmten Alter.

    ALLE Menschen haben Schutz verdient und nicht nur jüngere.

    Das MUSS auf jeden Fall nachgebessert werden. Sonst ist das Gesetz nicht hinnehmbar.
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#10 YannickAnonym
  • 10.09.2019, 23:03h
  • Antwort auf #7 von Timon
  • Volle Zustimmung.

    Jede Partei, die zustimmt, dass nicht alle LGBTI aller Altersklassen gleichermaßen geschützt werden und Vergehen dagegen gleichermaßen und hart bestraft werden, ist auch für mich unwählbar.
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