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- 16. September 2005 2 Min.
Das Landgericht München muss entscheiden: War der Märchenkönig Ludwig II schwul oder liebte er die Ladys?
Von Dennis Klein
Ganz Deutschland ist vom Wahlfieber erfasst. Ganz Deutschland? Nein. In einem abgelegenen Freistaat im tiefen Südosten gibt es derzeit nur eine Frage: War König Ludwig II ("Kini"), der vor 119 Jahren unter mysteriösen Umständen das Zeitliche segnete, ein gemeiner Homo oder ein gestandener Hetero? Das königlich bayerische Landgericht München soll nun klären, was der extravagante Ludwig Friedrich Wilhelm von Wittelsbach in seinen Gemächern getrieben hat. Und mit wem.
Das Gericht verdankt die staatliche Sex-Recherche einem gewissen Michael Siegfried Graf von Holnstein. Seine Exzellenz musste unlängst im Büchlein "Geschichte in Liedern - eine Zeitreise durch die Oberpfalz" Erschreckendes lesen: Der Opa des Grafen, seines Zeichens Oberstallmeister unter Kini, soll eine "homophile Verbindung" zu seinem Chef gehabt haben, so ein Nebensatz in dem in der "Edition Bunte Hunde" erschienen Werk. Der Graf wetterte sogleich in der Münchener "Abendzeitung": "Das ist ehrenrührig und eine Beleidigung höheren Grades, ich kann und werde mir das nicht gefallen lassen. Man weiß ja um gewisse Züge von Ludwig II, aber es geht auf keinen Fall an, dass mein Großvater da hineingezogen wird!". Er verklagte daher den Autor und den Verleger des Buches auf 250.000 Euro Ordnungsgeld, sollte das Zitat weiter verbreitet werden.
Am 28. September muss nun das Landgericht entscheiden, was der Märchenkönig und sein Oberstallmeister in ihrer Freizeit getrieben haben. Ob ihr Kini schwul oder hetero war, ist in Bayern nach wie vor heftig umstritten. Es gibt also genug Gesprächsstoff beim Weißbier auf der Wiesn; das Aufregerthema ist ohnehin willkommen in einer Zeit, in der eine ostdeutsche Physikerin dem Stoiber-Edmund die Wahl stiehlt.
16. September 2005









