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Weit weg und wieder nach Hause

Die Regenbogenfamilie des Wolfgang Joop

In seiner Autobiografie "Die einzig mögliche Zeit" berichtet der Designer von seiner Rückkehr nach Potsdam, wo er nicht nur mit Partner Edwin lebt, sondern auch mit Ex-Frau Karin, mit der er zwei Töchter hat.


Wolfgang Joop zählt zusammen mit Karl Lagerfeld und Jil Sander zu den erfolgreichsten deutschen Modedesignern (Bild: linksfraktion / flickr)
  • Von Marion van der Kraats, dpa
    18. September 2019, 17:49h, 6 Kommentare

Maler, bildender Künstler, Autor und natürlich Modeschöpfer – seine zahlreichen Talente haben Wolfgang Joop um die Welt geführt. Doch die Sehnsucht blieb. Die Sehnsucht nach dem Ort seiner Kindheit – Gut Bornstedt in Potsdam. "Meine Mutter Charlotte und ich, die uns in Braunschweig nicht einleben wollten, hatten nur ein Ziel: Zurück nach Bornstedt, zu den Menschen und der wundervollen Umgebung, die sich nicht zu verändern schien", sagte Joop der Deutschen Presse-Agentur anlässlich des Erscheinens einer Autobiografie "Die einzig mögliche Zeit".

Inzwischen ist das Ziel erreicht: Gemeinsam mit Partner Edwin und seiner Ex-Frau Karin, mit der Joop die zwei erwachsenen Töchter Jette und Florentine hat, lebt der Modeschöpfer auf dem Gut am Park von Sanssouci in Potsdam. Von der Heimkehr zum Familienstammsitz erzählt der 74-Jährige nun – und gewährt auf knapp 500 Seiten tiefe Einblicke in sein Leben. Berichtet von Unsicherheit, Einsamkeit und Niederlagen.

Themen, die er schon 2013 in dem biografischen Buch "Undressed – Aus einem Leben mit mir" nicht ausließ. Damals gaben Fragen der Journalistin und Schriftstellerin Rebecca Casati den Rahmen vor und beleuchteten kapitelweise die wichtigsten Stationen des Designerlebens. Diesmal bestimmt Joop selbst den Ton und plaudert munter auch Intimes über die Familie und deren Geschichte aus – was Zündstoff bergen und alte Konflikte entfachen könnte.

Joops lange Reise zurück nach Hause


Joops Autobiografie ist seit Dienstag im Buchhandel erhältlich

Der Rückkehr nach Bornstedt ist eine öffentliche familiäre Auseinandersetzung vorausgegangen, getragen vor allem von einem angespannten Verhältnis zu Tochter Jette. "Hat man das Glück, viele Kinder zu haben, hat man auch viele unterschiedliche Meinungen, wie mit dem Familienerbe umgegangen werden soll", beschreibt es Joop heute. Er habe den "unumstößlichen Wunsch" gehabt, den ehemaligen Sehnsuchtsort zu restaurieren. "Das Privileg, an diesem Ort zu sein, die für mich fühlbare spirituelle Unterstützung meiner Vorfahren, gibt mir Kraft und Inspiration."

Im Juli vergangenen Jahres habe er spontan begonnen, über den Weg dorthin zu schreiben. "Ein Lebensweg, der mich weit weg und wieder nach Hause führte."

Seine Schilderungen – selbst aus der frühen Kindheit – sind minuziös. Sein Gram darüber, dass er 1954 den Familienstammsitz 1954 verlassen musste, weil seine Eltern nach Braunschweig übersiedelten, ist spürbar. Hinzu kommt das konfliktreiche Zusammenleben der Eltern, bedingt durch eine Trennung in Kriegs- und Nachkriegszeiten. Von seinem Vater fühlt sich Joop entfremdet und leidet unter dessen autoritären Erziehungsversuchen.

Kreatives Schaffen vor das Elternsein gestellt

Das Gedächtnis des Autors ist erstaunlich. Facettenreich berichtet er von seinem ersten Fashion-Moment Mitte der Fünfzigerjahre als er mit Wollsocken und weiten Hosen aus Großvaters Kleiderschrank sein Outfit kreierte. Von den ersten Begegnungen mit seiner großen Liebe Karin, an deren Seite er sich ins kreative Schaffen stürzt und internationalen Ruhm erlangt, bis er zusammen mit Karl Lagerfeld und Jil Sander zu den erfolgreichsten Deutschen in dieser Branche zählt.

In so einer Welt ist wenig Zeit fürs Elternsein. "Kopflos wie Karin und ich unsere Tage und Nächte verbrachten, kam uns der Gedanke an ein Kind gar nicht", so der Designer zur frühen Schwangerschaft von Karin. Nach Jettes Geburt 1968 sei ihre Mutter überfordert gewesen, so Joop. Das Paar überlässt die Erstgeborene einige Zeit der Obhut der Großeltern, um sich beruflich zu etablieren.

Offen schreibt Joop auch über sein spät "entdecktes" Schwulsein. Es habe bei ihm nicht ein "schmerzhaftes Erwachen" gegeben, so der Designer im "Zeit"-Interview. Er sei ambivalent gewesen. In seiner Autobiografie schreibt er jedoch nach seiner Trennung von Ehefrau Karin: "Und noch wollte ich auch nicht glauben, was andere schon erkannt hatten: dass Edwin und ich in Liebe verbunden waren. Wir wussten es nicht, weil wir wohl noch nicht die vielen verschiedenen Gesichter der Liebe kannten."

Verfasst hat der Designer sein Buch handschriftlich. Es sei ein schwerer Weg gewesen. "Aber mein Wunsch, das oft Unglaubliche mit einem Leser zu teilen, ließ mich durchhalten", so Joop. "Der Lohn für all die Arbeit, die ein Jahr genau Vorrang hatte, ist das Gefühl, die Erinnerungen nicht mehr allein tragen zu müssen – ja – einiges vergessen zu dürfen."

Infos zum Buch

Wolfgang Joop: Die einzig mögliche Zeit. Autobiografie. Rowohlt Verlag. Hamburg 2019. Hardcover: 22 € (ISBN 978 3 463 00003 9). E-Book: 19,99 €


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#1 NutzerEhemaliges Profil
  • 18.09.2019, 18:28h
  • Mir wäre ein Buch von einem Menschen den salopp niemand kennt viel lieber als eines dieser vielen Werke ach so berühmter Leute. Manchmal habe ich gerade bei den Leuten die "berühmt" sind den Eindruck das sie so ziemlich alles vermarkten. Ob das dann was vermarktet wird wirklich etwas bringt also ob ich mir aus dem Inhalt des Buchs von Herrn Joop etwas abgewinnen kann mag ich eher bezweifeln.
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#2 Puder BaerAnonym
  • 18.09.2019, 20:08h
  • Antwort auf #1 von Nutzer
  • Es gibt da zwei Bücher, die ich Dir empfehlen kann:
    Auf Erden sind wir kurz grandios von Ocean Vuong, 270 Seiten
    Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara, über 900 Seiten

    Beide Bücher sind - wie soll ich es sagen? - recht derb und sollten nicht von Leuten gelesen werden, die derzeit psychisch angeschlagen sind.
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#3 tiberioAnonym
  • 19.09.2019, 08:06h
  • Antwort auf #1 von Nutzer
  • 100% d'accord.

    Ich habe Wunderkind Joop - samt einem demütig hinterherwatschelnden Taschenträger - mal im "Klinikum Ernst von Bergmann" erlebt. Die komplette Station kam zum Stillstand. Oberärzte und Chefärzte versammelten sich unterwürfig um den Verknitterten, wie um einen Heiligen. Alle aktuell wartenden Patienten mußten sich eine 3/4 Stunde in Geduld fassen, bis Herr Wunderkind versorgt irgendwo verschwand. Peinlich, lächerlich, satirisch.
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#4 FilipProfil
  • 19.09.2019, 09:05hHamburg
  • Antwort auf #2 von Puder Baer
  • "Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara, über 900 Seiten"

    Echt? Das gefiel Dir? Ich habe es auch gelesen, weil das so gehypt wurde. Ich fand es total anstrengend, gekünstelt und wie dem Versuch eines Schreibkurses entsprungen. Auch die Geschichte fand ich aufgesetzt. Ich habe mich im Nachhinein sehr geärgert.

    Also, wer das haben will, dem sende ich es gerne zu.
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#5 Eva Maria LimmerAnonym
#6 tiberioAnonym
  • 19.09.2019, 20:39h
  • Antwort auf #5 von Eva Maria Limmer
  • Da sieht man mal, liebe Eva, wie oft Herr Joop das Bergmann frequentiert. Machen die da etwa seine Gesichts-OPs?

    Nichts für ungut, aber ich kann mich in einer (in der Öffentlichkeit) so peinlichen Figur wie Herrn Joop beim besten Willen nicht wiedererkennen. Möchte ich auch nicht. Und wenn der noch so reich, berühmt und genial ist.
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