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"prepared"

Die App zur PrEP ist da

Mehrere HIV-Präventionsprojekte haben eine Smartphone-App entwickelt, die den Umgang mit der neuen Schutzmethode vereinfachen soll.


Die App erinnert an die Einnahme der PrEP und an Untersuchungen und bietet weitere praktische Hilfestellungen zum Umgang mit der neuen Präventionsmethode
  • 19. September 2019, 15:19h, noch kein Kommentar

Seit dem 1. September 2019 tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe (queer.de berichtete). Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen konstant oder anlassbezogen ein zumeist gut verträgliches Medikament mit zwei Wirkstoffen zur vorsorglichen Abwehr des Virus ein, als Alternative zum Kondom oder zum Schutz durch Therapie des Partners.

Entscheidend für die Wirksamkeit dieser HIV-Prävention ist, dass bei der Nutzung vor und nach dem Sex strikte Einnahmeregeln eingehalten werden sowie engmaschig ärztliche Kontrollen erfolgen. Um die wirksame Nutzung möglichst unkompliziert zu gestalten, haben vier HIV-Präventionsprojekte aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg gemeinsam eine bundesweit einmalige App zur Einnahme entwickelt. Das Tool zeigt die ersten Schritte auf, erinnert an die individuellen Einnahme-Schemata und die verpflichtenden Untersuchungen. Außerdem erlaubt die PrEP-App die Bündelung sämtlicher Informationen und Dokumente an einem Ort – bei laut Anbietern optimalem Datenschutz.


Verschiedene Darstellungen der App

In Anwesenheit von Community-Vertretern, Partnerorganisationen und Förderern sowie Gästen aus Politik, Gesundheitswesen und Medien ist die App "prepared" am Donnerstag in Hannover erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und freigeschaltet worden. Sie ist ab sofort unter diesem Namen in den App-Stores von Apple und Android verfügbar.

Diskreter Begleiter

"Die PrEP-App ist ein tolles Beispiel dafür, wie Aidshilfen mit ihren Kooperationspartner*innen innerhalb kurzer Zeit Versorgungslücken entdecken und innovative, einfallsreiche Konzepte zur Lösung entwickeln. Gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen mit einer noch sehr ausbaufähigen Präsenz von Ärzt*innen, die die PrEP verordnen und Interessierte hierzu beraten können, brauchen wir digitale Hilfen wie diese App", betonte die Geschäftsführerin der Aidshilfe Niedersachsen (AHN), Christin Engelbrecht, am Donnerstag.

Der Landesvorsitzende der Aidshilfe Nordrhein-Westfalen, Arne Kayser, freut sich, "dass es länderübergreifend gelungen ist, mit dieser App zur Etablierung der PrEP als wirksame Schutzmöglichkeit vor HIV und zur Entstigmatisierung von PrEP-Nutzer*innen beitragen zu können."

Video (24 MB) | Grußwort zum App-Launch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Nach Überzeugung von Prof. Dr. med. Matthias Stoll, AHN-Vorstandsmitglied, Infektiologe und leitender Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), ist die PrEP "mehr als die Einnahme einer 'Virus-Verhütungspille'. Sie erfordert die genaue Beachtung von verschiedenen Begleitmaßnahmen und Anwendungsregeln." Dabei helfe die PrEP-App den Nutzenden diskret und passgenau.

Sicherheit geht vor – in jeder Hinsicht

"Es ist uns gelungen, die Funktionalität der App mit dem Sicherheitsbedürfnis der Nutzer*innen zu verbinden: Sämtliche sensiblen Daten werden nur auf dem Gerät gespeichert. Das App-Icon und der Name 'prepared' lassen nicht auf die Nutzung der PrEP schließen. Das war uns wichtig", sagt Andreas Paruszewski, Landeskoordinator des AHN-Präventionsnetzwerks SVeN.

Aus Sicht von Marc Grenz, Projektleiter des schwulen Checkpoints Hein & Fiete, wird die App dazu beitragen, die PrEP-Präventionsstrategie in ihrer Komplexität zu verstehen und richtig umzusetzen. Matti Seithe, PrEP-User und Pressesprecher von "Ich weiss was ich tu" der Deutschen Aids-Hilfe (DAH), hält es für eine "große Hilfe", dass die neue App nicht nur bei der täglichen, sondern auch bei der anlassbezogenen Einnahme Unterstützung bietet. "Dass diese aus öffentlichen Mitteln gefördert wird, vermittelt mir den Eindruck, dass die PrEP als Schutz vor HIV mittlerweile anerkannt ist. Ganz zu Recht, wie ich finde."


Am Donnerstag wurde die App offiziell gelauncht

"prepared" wurde entwickelt vom Schwulen Netzwerk NRW, von Herzenslust (Aidshilfe NRW), vom schwulen Checkpoint Hein & Fiete (Hamburg) und vom Präventionsnetzwerk SVeN (Schwule Vielfalt erregt Niedersachsen, Aidshilfe Niedersachsen). Die Düsseldorfer Agentur pemedia hat die App konzipiert, programmiert und designt und hofft auf – freiwillige – Rückmeldungen zu Verbesserungen. Hauptförderer sind die Techniker Krankenkasse (TK) und der M.A.C AIDS FUND. (pm/cw)