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Taschkent

Usbekistan: Mord an jungem Schwulen sorgt für Entsetzen

Wenige Tage nach seinem Coming-out bei Instagram wurde ein 25-Jähriger brutal ermordet. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, doch viele Fragen sind offen.


Shokir Schawkatow wurde brutal getötet (Bild: shokirshavkatov / instagram)

Vor bereits rund einer Woche geschah in der usbekischen Hauptstadt Taschkent ein brutales Verbrechen, das nach und nach das Land aufrüttelt: Offenbar in der Nacht zum 12. September wurde ein 25-jähriger Schwuler in seinem Apartment brutal ermordet. Shokir Schawkatow starb nach mehreren Messerstichen. Medien zitierten einen anonymen Polizisten mit der Aussage, dass ein Stich in die Kehle derart heftig ausgeführt wurde, dass dieser fast eine Enthauptung dargestellt hätte.

Mehrere Aktivisten äußerten daher gegenüber Medien wie Radio Free Europe die Vermutung, dass ein Hassverbrechen vorliegt: "Dieser barbarische Mord zeigt deutliche Anzeichen von Homophobie", sagte einer von ihnen anonym. "Wir sind äußerst besorgt (…) und fordern von der Regierung den Schutz sexueller Minderheiten." Schawkatow hatte sich wenige Tage vor dem Mord bei Instagram als schwul geoutet. Er hatte offenbar während des Angriffes noch versucht, zu fliehen. Eine Nachbarin fand am nächsten Morgen Blutspuren unter der Wohnungstür und rief zunächst den Eigentümer und dann die Polizei.

Die Beamten haben inzwischen einen 28-Jährigen verhaftet und ermitteln gegen ihn wegen vorsätzlicher Tötung, ein Taxifahrer habe die Behörden auf seine Spur gebracht. Die Polizei gibt unter Berufung auf eine Aussage des Verdächtigen an, die beiden Männer hätten sich im sozialen Netzwerk vk zu dem Treffen verabredet. Dann sei es zu einem Streit gekommen, und der Ältere habe den 25-Jährigen mit einem Souvenirmesser getötet. Zum Motiv werde noch ermittelt. Zu dem Festgenommen gab die Polizei nur an, dass es sich um einen derzeit Arbeitslosen handle. Zugleich betonte sie, die Wohnung habe "klare Beweise für kürzliche intime Beziehungen" geboten.

Widersprüchliche Berichte zur Tatnacht

In den ersten – wenigen – Medienberichten hatte es allerdings noch geheißen, die Polizei habe zwei Verdächtige um die 40 festgenommen. Und ein Freund des Getöteten habe angegeben, dass Schawkatow kurz vor der Tat in einem bei der Gay Community populären Club in Taschkent gesichtet wurde. Zwei Männer um die 40 hätten ihn weggeführt, nachdem sie ihn angepöbelt hätten. Die Männer hätten sich wie eine Moralpolizei aufgeführt, so der Freund und ein Aktivist auch später gegenüber Radio Free Europe. In der Nacht zuvor hätte die Polizei eine Razzia in dem Club durchgeführt und zehn Männer weggeführt.

In ihrer Pressemitteilung zur Festnahme des Verdächtigen hat die Polizei ihre Version der Tatnacht bekräftigt und die Anschuldigungen zurückgewiesen. Man habe keine Razzien zu Personen aufgrund einer "nicht-traditionellen sexuellen Orientierung" durchgeführt und führe diese nicht durch. Anonyme Quellen gäben gegenüber Medien gezielte Falschinformationen ab, um die Behörden zu diskreditieren.

Twitter / RFERL

Usbekistan, ein Land mit rund 33 Millionen Einwohnern, von denen rund 90 Prozent sunnitische Muslime sind und acht Prozent der russisch-orthodoxen Kirche angehören, ist neben Turkmenistan die einzige Ex-Sowjetrepublik, die am Verbot von homosexuellen Handlungen unter Männern festhält. Im Rahmen der UPR-Verfahrens der UN hatte der Staat im Jahr 2013 angegeben, dass es keine Pläne zur Abschaffung des entsprechenden Paragrafen gebe, da er Traditionen widerspiegele, die sich in über 1.000 Jahren entwickelt hätten.

Berichten von Menschenrechtsorganisationen zufolge wird das Gesetz, das homosexuelle Handlungen unter Männern mit bis zu drei Jahren Haft bestraft, von der Polizei des laizistischen und autoritären Staates selten und vor allem zur Erpressung eingesetzt – sowie zur Verfolgung von Regimegegnern und Journalisten (queer.de berichtete). 2009 wurde ein Aids-Aktivist zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil er Homosexualität "gefördert" habe (queer.de berichtete). 2011 wurde er aus der Haft entlassen. Vor zwei Jahren nahm die Polizei zwei Männer in deren gemeinsamen Wohnung fest, weil diese Sex gehabt haben sollen (queer.de berichtete). Auch in diesem Sommer soll es je nach Medienberichten zwischen zwei bis zu zehn solcher Festnahmen gegeben haben, eine Bestätigung dafür gibt es allerdings nicht. (nb)



#1 NutzerEhemaliges Profil
  • 20.09.2019, 12:31h
  • Ich bewundere den Mut der Männer und Frauen die ihre sexuelle Orientierung outen und das dann auch noch in einem Land wo man als Andersdenkende*r um sein Leben fürchten muss.

    Was ich jedoch sehr stark kritisiere ist das man oft von Übergriffen oder auch Morde erfährt die dann in fernen Ländern getan wurden dabei geht es in Deutschland nicht viel besser zu. Es ist aber nicht nur Deutschland. Wenn wir doch einmal ehrlich sind ist die Welt noch lange nicht so "free und easy" wie sie scheint.

    Wenn du Wahlergebnisse in Deutschland zu dubios braunen Parteien schaust dann belegen diese Zahlen Leute die den Unsinn gewählt haben und mit ziemlicher Sicherheit sind dieser Wähler*innen auch braun eingestellt. Was das für Schwule und Lesben bedeutet ist mehr als nur klar.

    Um zum Thema zurück zu kommen. Wir wissen alle das Freiheit in Usbekistan eher ein schlechter Witz ist. Daher bewundere ich auch den Mut dieser Menschen die sich dennoch outen. Sie sind sich wohl alle bewusst darüber was wahrscheinlich kommen wird.

    So doof es sich auch anhört aber ich denke das auch das Opfer sich über die Folgen vollends bewusst gewesen ist. Was für ein Mut hat dieses Opfer gehabt ! Wir sollten uns alle eine dicke Scheibe an diesem Mut abschneiden. Für mich sind solche Leute die wahren Helden "in unseren Reihen" denn sie zeigen uns was wir an uns noch dringlich verbessern sollten nämlich das wir unserer eigenen Angst in den Hintern treten sollten und frei und offen raus gehen sollten so wie wir eben gestrickt sind ... selbst wenn es uns das Leben kosten würde.
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#2 TomDarkProfil
  • 20.09.2019, 22:46hHamburg
  • Ich weiß nicht, was ich zu dem Mord an diesem jungen Menschen schreiben soll.

    Ich unterdrücke meine Trauer und Wut lieber und hoffe, dass allen LGBTI, die aus diesen Ländern wie Usbekistan, Tschetschenien, Pakistan usw. fliehen wollen, die Flucht gelingen möge und dass sie in Europa Asyl erhalten können.

    RIP
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