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Evangelische Kirche

Trauung für alle in der Nordkirche

Für homosexuelle Paare bietet die evangelische Nordkirche künftig nicht nur öffentliche Segnungen, sondern – wie bei Heterosexuellen – Traugottesdienste an. Erstmals haben homophobe Pfarrer kein Vetorecht.


Trauung unter der Regenbogenfahne: Immer mehr evangelische Landeskirchen behandeln homo- und heterosexuelle Paare (annähernd) gleich (Bild: David Haug)

In der evangelischen Nordkirche ist künftig die Trauung von lesbischen und schwulen Paaren möglich. Am Freitag beschloss die Landessynode in Lübeck-Travemünde mit großer Mehrheit, statt den bereits 2016 beschlossenen öffentlichen Segnungen reguläre Traugottesdienste durchzuführen, wie sie auch für heterosexuelle Ehepaare angeboten werden.

"Der Begriff Segnung wurde immer häufiger als minderwertiger empfunden als eine Trauung", erklärte der Synodale Sieghard Wilm, der den Antrag eingebracht hatte, laut NDR. Mit dem Wort Trauung werde eine "Gleichberechtigung und die Aufhebung der Diskriminierung" erreicht.

Trauung für alle als Regelfall

Mit klarer Mehrheit gestrichen wurde außerdem ein Abschnitt, der es einzelnen Pfarrern ermöglichen sollte, eine Trauung von lesbischen und schwulen Paaren aus Gewissensgründen abzulehnen. Bei den Segnungen gab es bislang dieses diskriminierende Vetorecht, ebenso wie den anderen evangelischen Landeskirchen.

Der ehemalige Präses der Synode, Andreas Tietze, vergleich die Beschlussfassung der Nordkirche mit der des Landesparlaments. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Landesbeamter einen Beschluss des Schleswig-Holsteinischen Landtags aus Gewissensgründen ablehne. Die Trauung homosexueller Paare soll künftig der Regelfall und nicht die Ausnahme sein, meinte der Vorsitzende der theologischen Kammer der Nordkirche, Propst Daniel Havemann.

Rückwirkendes "Upgrade" im Kirchenbuch

Hat eine Segnung von Menschen in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft vor Inkrafttreten dieser Regelung bereits stattgefunden, kann in den kommenden drei Jahren in der Gemeinde, in der die Segnung stattfand, beantragt werden, die Segnung nachträglich als Trauung in das Kirchenbuch einzutragen und darüber eine Urkunde für das Paar auszustellen.


Karte vor dem Beschluss: Bei Rechten für homosexuelle Paare ist die Evangelische Kirche in Deutschland ein Flickenteppich (Bild: Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche – HuK).

Die 156 Kirchenparlamentarier hatten sich am Freitag intensiv mit der Frage beschäftigt, wie die Kirche Menschen in verschiedenen Familien- und Lebensformen unterstützen kann. So bittet die Landessynode in einem weiteren Beschlus die Kirchenleitung unter anderem um eine Erklärung zu der Frage, ob ein kirchlicher "Sonntag der Vielfalt" eine sinnvolle Ergänzung gottesdienstlicher Themenangebote sein kann, und gegebenenfalls die Bereitstellung geeigneter gottesdienstlicher Materialien zu veranlassen.

Kirchenleitung soll auf Intersexuelle zugehen

Zudem wird die Kirchenleitung gebeten, zu prüfen, inwiefern die Einführung eines dritten Geschlechtseintrags im Personenstandsregister durch den Gesetzgeber Konsequenzen für das kirchliche Handeln hat, welche sprachlichen Regeln beispielsweise für Formulare, Gottesdienste oder allgemeine Publikationen empfohlen werden können, die diverse Menschen einbeziehen.

Vor ihrer Synode hatte die Nordkirche noch mit homophoben Tiraden für Schlagzeilen gesorgt. So bezeichnete der Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit in der vergangenen Woche die Ehe für alle als "Zeitgeistphänomen" und beschuldigte lesbische und schwule Paare, "ungleich" mit heterosexuellen Verbindungen zu sein (queer.de berichtete). Da Abromeit an diesem Wochenende in den Ruhestand verabschiedet wird, sind solche fundamentalistische Stimme allerdings nicht mehr in der Synode der Nordkirche vertreten.

Die Synode, die am Donnerstag begonnen hatte, sollte am Sonnabend mit der Wahl von stellvertretenden Mitgliedern der Kirchenleitung und einem Reisesegen zu Ende gehen. (cw)



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#1 goddamn liberalAnonym
  • 21.09.2019, 09:29h
  • "Der ehemalige Präses der Synode, Andreas Tietze, vergleich die Beschlussfassung der Nordkirche mit der des Landesparlaments. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Landesbeamter einen Beschluss des Schleswig-Holsteinischen Landtags aus Gewissensgründen ablehne."

    Exakt so ist es.

    Und da wir das Luther-Land mit der Pastorentochter als Kanzlerin ein Kirchenstaat mit steuerfinanzierten Staatskirchen und dem Kirchentag als Nebenparlament ist, ist ein Gleichklang von Staat und Kirche auch bei unseren Rechten von taktischem Vorteil.

    Auch wenn einem Laizisten dabei übel wird.
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#2 NutzerEhemaliges Profil
  • 21.09.2019, 12:06h
  • Keine (ursprüngliche) Religion macht Unterschiede bzw. sagt das Mann nicht Mann oder Frau nicht Frau heiraten dürfe. Religionen haben natürlich die unterschiedlichsten Rituale aber auch hier machen die (ursprünglichen) Religionen keine Unterschiede.

    Eine "Kirche" bzw. Religion die heute darüber reden muss ob dies und das erlaubt oder nicht erlaubt sei ist wahrscheinlich weit weg der ursprünglichen Religion und hat somit womöglich nicht wirklich etwas mit Religion zu tun.

    Daher sollte man sich fragen ob man sich solchen "Kirchen / Religionen" wirklich anschließen möchte.

    rein privates:

    ich wurde als Jude geboren bin dann sehr schnell in die so genannte "extrem ultraorthodoxe Ebene" gekommen und ich finde es perfekt. Aus unseren Reihen kam die erste Frau die wir als Rabbinerin ernannten. Das war etwa 1970 also lange bevor andere fragliche Ebenen sich in Sachen "Gleichheit" aufspielten. Einer unserer ganz großen Gruppen wurde von der UN als humanitäre Gruppe anerkannt vom israelischen Bundesgericht bestätigt. Wir haben Männer Frauen (egal wie die sexuell ticken) die ihre frreiwillige Arbeit machen und wir leben nicht von Spenden und Vereinstatus.
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#3 stephan
  • 21.09.2019, 14:52h
  • Schön für die Nordkirche! Mich betrifft es allerdings nicht mehr: Ich bin vor Jahren aus der röm.-kath. Kirche ausgetreten und will keinesfalls mehr einer (anderen) Kirche angehören! ... Diese Wandlungen kommen leider um Jahrzehnte zu spät, wenn sie in meiner Einstellung zur Kirche oder im breiten gesellschaftlichen Umfang etwas bedeuten sollten!
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#4 Pfarrer MCC STGTAnonym
  • 22.09.2019, 19:22h
  • Es ist ja durchaus schön, dass sich 50 Jahre nach Stonewall auch in den Landeskirchen langsam etwa zur Gleichberechtigung von LSBTTI
    Q Menschen tut. Das Bild, das diesem Artikel voransteht, zeigt aber keine Landeskirche.
    Es handelt sich bei dem Bild um Rev. Dwayne Morgan von Inclusive Community Church in Bournemouth, Teil der Metropolitan Community Church MCC. Das Bild zeigt die Hochzeit von Jan Tipper and Barb Burden. Es war die erste legale Hochzeit eines LSBTTIQ Paares in England and Wales, die in einer Kirche stattfand. Das Bild stammt aus dem Jahr 2014. MCC Weltweit segnet seit 1971 schwule und lesbische Paare, in einer Zeit da das in vielen Teilen der Welt noch illegal war. Auch heute noch ist MCC Teil der LSBTTIQ Community in Stuttgart, Köln und Hamburg. So war MCC Stuttgart beispielsweise die einzige kirchliche Gruppe, die am 1. Trans Pride in Stuttgart teilgenommen hat.
    Man sieht: es geht auch anders als in den Landeskirchen!
    Pfarrer Axel Schwaigert, Salz der Erde MCC Gemeinde Stuttgart
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