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Ab Donnerstag im Kino

Karriere zwischen Queerness, Kaltem Krieg und HIV

In "Nurejew – The White Crow" hat der britische Regisseur Ralph Fiennes die bewegende Biografie des bisexuellen Ballettstars Rudolf Nurejew verfilmt – und ist dabei leider viel zu brav geblieben.


Beruhend auf wahren Ereignissen, erzählt "Nurejew – The White Crow" die fast unglaubliche Geschichte der sowjetischen Ballettlegende Rudolf Nurejew (Bild: Alamode Film)
  • Von Peter Fuchs
    22. September 2019, 11:24h, noch kein Kommentar

Der bisexuelle Rudolf Nurejew war die Maria Callas unter den Balletttänzern des 20. Jahrhunderts. Der Russe tanzte technisch zwar nicht so virtuos wie ein Mikhail Baryshnikov, aber seine athletische Bühnenpräsenz und darstellerische Ausdruckskraft zog alle in den Bann. Wie selbstverständlich bekam Nurejew auch in der Populärkultur seinen Platz. Unvergessen der Auftritt in der Muppet Show, in dem er in einem Pas de deux mit einer wuchtbrummigen Miss Piggy sensationelle Hebefiguren tanzte. Die Trauer war groß, als er 1993 an den Folgen von Aids starb.

Der britische Schauspieler Ralph Fiennes nahm sich in seiner dritten Arbeit als Regisseur Abschnitte der Biografie Rudolf Nurejews als Stoff für einen Spielfilm vor. In der zentralen Zeitebene zeigt er Nurejews Kampf an der Akademie des Kirowballetts. Damals galt der Siebzehnjährige als zu alt und zu aufmüpfig. Erst als er sich beharrlich in die berühmte Tanzklasse des sanftmütigen Lehrers Alexander Puschkin (Ralph Fiennes) agitierte, konnte er sein außerordentliches Talent ganz zum Blühen bringen.


Der ukrainische Balletttänzer Oleg Ivenko überzeugt in der Rolle Nureyevs (Bild: Alamode Film)

Dazwischen springt der Film immer wieder mit Rückblenden in Nurejews Kindheit. Geboren in einem Zug, wuchs er als Außenseiter in einer armen Familie in einem kleinen Dorf auf. Nach vorne springt der Film für Szenen, in denen der Anfang Zwanzigjährige bei einem Gastspiel in Paris – überwacht vom KGB – in einem thrillerartigen Showdown um politisches Asyl ansucht, um nicht mehr hinter den Eisernen Vorhang in die Sowjetunion zurückkehren zu müssen.

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Nurejews Kindheit als ewiger, kalter Winter


Poster zum Film: Nurejew – The White Crow" startet am 26. September im Kino

Das alles inszeniert Ralph Fiennes sehr brav und deshalb auch etwa langweilig. Die Rückblenden geraten konventionell – Nurejews Kindheit wird als ewiger, kalter Winter gezeigt. Viele Nebenfiguren verharren im Status von Komparsen, die wenigen mit eigener Geschichte bleiben blass. Die selbstverständlich gekonnt exerzierten Tanzsequenzen wirken lieblos abgefilmt, da fallen handwerkliche Fehler im Schnitt gar nicht mehr ins Gewicht.

Auf der Habenseite des Biopics steht jedoch der Hauptdarsteller Oleg Iwenko. Der ukrainische Tänzer überzeugt mit einer starken Leinwandpräsenz, auch wenn er gerade nicht tanzt. Beeindruckend verknüpft er in seiner ersten Schauspielrolle Nurejews ungeschliffene Herkunft mit dessen Hunger nach feingeistiger Kultur. Sein Blick ist fesselnd. Ihm wünscht man während der zwei Stunden Filmzeit einen originelleren Zugriff auf die interessante Biografie des russischen Künstlers zwischen Queerness, kaltem Krieg und HIV.

Viel zu kurz sind auch die Auftritte des deutschen Schauspielers Louis Hofmann, der in wenigen Szenen Nurejews Liebhaber im kalten St. Petersburg spielt. Okay, man tröstet sich damit, dass er trotz der tiefen Temperaturen in den Szenen sehr spärlich bekleidet ist, Szenen, die in Russland angeblich der Zensur zum Opfer gefallen sind. Aber mit Louis Hofmanns Rolle hätte sich auch aus anderen Gründen noch mehr und Sehenswertes über Rudolf Nurejew erzählen lassen.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Nurejew – The White Crow. Drama. Großbritannien, Frankreich, Serbien 2018. Regie: Ralph Fiennes. Darsteller: Oleg Ivenko, Ralph Fiennes, Louis Hofmann. Laufzeit: 127 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 6. Verleih: Alamode Film. Kinostart: 26. September 2019