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TV-Preise queer wie nie

Historischer Emmy für Billy Porter

Als erster offen schwuler schwarzer Mann gewinnt Billy Porter einen Emmy als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in "Pose". Auch RuPaul und Ben Whishaw bringen Trophäen nach Hause.


Die wegweisende TV-Serie "Pose" ist in Deutschland auf Netflix zu sehen – Billy Porter spielt den charismatischen Veranstalter der Ballroom Culture in Harlem Ende der Achtziger- und Anfang der Neunzigerjahre (Bild: FX)

  • 23. September 2019, 10:19h, noch kein Kommentar

Bei der 71. Emmy-Verleihung sind am Sonntag mehrere queere TV-Produktionen und -Darsteller mit Preisen ausgezeichnet worden. Als geschichtsträchtig gilt laut US-Medien der Sieg von Billy Porter, der als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie für seine Rolle in der LGBTI-Superserie "Pose" ausgezeichnet wurde.

Außerdem erhielt der offen schwule Schauspieler Ben Whishaw für seine Darstellung eines schwulen Stallburschen in der Amazon/BBC-Serie "A Very English Scandal" einen Preis, ebenso wie RuPaul Charles, der zum zweiten Mal in Folge mit seinem "Drag Race" den Preis als beste Spielshow erhielt – er wurde auch als bester Moderator einer Reality-Sendung ausgezeichnet.

Wie im letzten Jahr konnte auch Alex Borstein erneut einen Emmy als beste Nebendarstellerin in einer Comedyserie für ihre Darstellung einer lesbischen Managerin in der Amazon-Serie "The Marvelous Mrs. Maisel" erhalten. Die lesbischen Schauspielerinnen Jane Lynch und Cherry Jones wurden für Gastauftritte in dieser Serie bzw. in "The Handmaid's Tale" ausgezeichnet. Die Galaveranstaltung aus Los Angeles, bei der außergewöhnliche Leistungen aus TV sowie Streamingportalen prämiert werden, wurde in den USA live im Free-TV-Sender Fox übertragen.

Porter: "Wir sind das Volk"

Porter setzte sich in seiner Kategorie als bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie, einer der Königskategorien, gegen mehrere hochklassige Konkurrenten durch. Nominiert waren unter anderem auch Bob Odenkirk für die AMC/Netflix-Serie "Better Call Saul", Jason Bateman für die Netflix-Serie "Ozark" und Kit Harrington für die HBO-Serie "Game of Thrones". In seiner Siegesrede erinnerte Porter an den schwarzen und schwulen Schriftsteller und Bürgerrechtler James Baldwin (1924-1987) und wie notwendig es ist, Minderheiten zu akzeptieren: "Wir sind das Volk", sagte Porter. "Wir, als Künstler, sind das Volk, das Herzen und den Verstand verändern können für die Menschen auf diesem Planeten. Bitte hört nie damit auf. Hört nie damit auf, die Wahrheit auszusprechen."

Twitter / TheAVClub

Die VH1-Realityshow "RuPaul's Drag Race", die sich seit ihrer Premiere 2009 vom Nischenprogramm und Publikums- und Kritikerliebling entwickelt hatte, konnte sich in der Kategorie als "Outstanding Competition Program" gegen harte Konkurrenz durchsetzen – unter anderem gegen die NBC-Shows "American Ninja Warrior" und "The Voice". Bereits im letzten Jahr hatte die Show erstmals in der Kategorie gewonnen, die damals noch "Outstanding Reality-Competition Program" hieß (queer.de berichtete). In Deutschland werden alle elf Staffeln der Show auf Netflix gezeigt. In seiner Siegesrede rief RuPaul dazu auf, sich für die Wahlen im kommenden Jahr zu registrieren.


RuPaul erhielt nach der Verkündung seines Sieges erst einmal einen großen Schmatzer von seinem Ehemann (Bild: Screenshot FOX)

Der 28-jährige offen schwule britische Schauspieler Ben Whishaw konnte sich in der Kategorie "Bester Nebendarsteller in einer Miniserie oder einem TV-Film" durchsetzen. Die BBC/Amazon-Miniserie handelt von der schwule Affäre eines Politikers (Hugh Grant) und war unter anderem auch in den Kategorien Regie (Stephen Frears) und Drehbuch ("Queer as Folk"-Schöpfer Russell T. Davies) nominiert worden.

Einen Preis als beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie erhielt Jodie Comer für ihre Rolle in der von BBC America produzierten Serie "Killing Eve". Sie stellt die Schurkin Oksana Astankova alias Villanelle, die von Geheimagentin Eve Polastri (Sandra Oh) verfolgt wird – zwischen den beiden Frauen prickelt es auch sexuell.

Patricia Arquette erinnert an verstorbene trans Schwester

Aus queerer Sicht interessant war auch die Siegesrede von Patricia Arquette, die für ihre Rolle in der Hulu/Amazon-Serie "The Act" in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin in einer Miniserie oder einem TV-Film" ausgezeichnet wurde. Sie erinnerte an ihre 2016 verstorbene trans Schwester Alexis Arquette und sprach sich dafür aus, trans Menschen vor Verfolgung zu schützen. Sie forderte Hollywood auf, trans Schauspielerinnen und Schauspielern mehr Rollen zu geben.

Am meisten Preise gewinnen konnte am Sonntagabend die britische BBC/Amazon-Serie "Fleabag", in der auch der offen schwule Andrew Scott mitspielt. Sie erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Preis als beste Comedyserie. Großer Sieger war auch die letzte Staffel der HBO-Serie "Game of Thrones", die den Preis als beste Dramaserie erhielt – und sich unter anderem gegen die ebenfalls nominierten Sendungen "Pose" und "Killing Eve" durchsetzen konnte.

Bereits vergangene Woche konnten queere Themen bei den "Creative Emmys", den Nebenkategorien, abräumen. Drei Preise hatte "RuPaul's Drag Race" bereits erhalten, vier Preise gingen an "Queer Eye" (queer.de berichtete). (dk)