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Eurobarometer

Jeder vierte Deutsche hat Probleme mit schwulen Küssen

Die Bevölkerung in EU-Ländern wird im Durchschnitt immer LGBTI-freundlicher, besonders positiv ist die Entwicklung in Deutschland. Allerdings gibt es noch immer viele Vorurteile – in Teilen Osteuropas wird die Abneigung sogar größer.


Immer weniger Europäer haben Probleme damit, wenn Schwule in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung zueinander zeigen (Bild: Elvert Barnes / flickr)

In den letzten vier Jahren ist die Akzeptanz von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten in der Europäischen Union gestiegen. Das ist eines der Ergebnisse der neuesten Eurobaromter-Umfrage, die am Montag von der Europäischen Kommission vorgestellt wurde. Die Europäische Gemeinschaft bzw. die Europäische Union veröffentlicht seit 1973 regelmäßig derartige repräsentative Umfragen zu wichtigen Themen und schlüsselt die Ergebnisse nach Mitgliedsländern auf.

EU-weit erklären 72 Prozent der Befragten, dass nichts an gleichgeschlechtliche Beziehungen auszusetzen sei. Fast jeder Vierte hat allerdings etwas an gleichgeschlechtlichen Beziehungen auszusetzen.


EU-Regenbogenflaggen sieht man neuerdings häufiger auf CSDs (Bild: Twitter / EUROMAT)

Die Akzeptanz ist EU-weit sehr ungleich verteilt. Am wenigsten Probleme mit Homo-Paaren haben die Schweden (95 Prozent), die Niederländer (92 Prozent) und die Dänen (90 Prozent). Deutschland liegt mit 86 Prozent auf Rang sechs. Am LGBTI-feindlichsten sind die Slowakei (29 Prozent), Lettland (25 Prozent) und Bulgarien (20 Prozent).


(Bild: Europäische Kommission)

Seit der Umfrage 2015, bei der diese Frage zum letzten Mal gestellt worden war, sind die Zahlen EU-weit um fünf Prozent nach oben gegangen. Besonders hoch ist der Anstieg in Deutschland und Polen – in beiden Ländern stieg die Zahl derjenigen, die keine Probleme mit Homo-Paaren haben, um zwölf Prozentpunkte. Die jeweiligen Befragungen wurden allerdings im Mai durchgeführt, also kurz bevor Regierung und Kirche in Polen ihren öffentlichen Widerstand gegen LGBTI-Rechte deutlich verstärkten (queer.de berichtete).

Auch gibt es acht Länder, in denen die Akzeptanz zurückgegangen ist. Am größten ist der Rückgang in Bulgarien (minus sieben Prozent) und der Slowakei (minus vier Prozent). Einen leichten Rückgang gab es außerdem auch in Italien, Österreich, Tschechien, Ungarn und der Slowakei – also allesamt Länder mit starken rechtspopulistischen oder rechtsextremistischen Parteien im Parlament.

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Große Mehrheit für Ehe für alle

Mehr als zwei Drittel der Europäer (69 Prozent) sprechen sich für eine EU-weite Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben aus. Deutschland vermeldet dabei den höchsten Anstieg: Vor vier Jahren wollten "nur" 66 Prozent Homo-Paaren das Ehe-Recht gewähren, heute sind es 84 Prozent, was einem Anstieg von 18 Prozentpunkten entspricht. In Polen stieg die Zustimmung für die Ehe für alle um 17 Prozentpunkte auf – immer noch moderate – 45 Prozent. Zweistellige Anstiege in der Zustimmung gab es außerdem in Großbritannien, Portugal, Estland, Luxemburg und Finnland. In sechs Ländern nahm die Zustimmung jedoch ab – am meisten in Bulgarien (minus neun Prozent) und in Ungarn (minus sechs Prozent).


(Bild: Europäische Kommission)

Auch die Akzeptanz von homosexuellen Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit steigt an. Allerdings haben EU-weit nur 49 Prozent keinerlei Probleme, wenn zwei Männer sich küssen. Deutschland liegt hier nur knapp über dem Durchschnitt (53 Prozent). Gleichgeschlechtliche Küsse unter Frauen werden dagegen in Deutschland von 60 Prozent akzeptiert, verschiedengeschlechtliche Küsse von 82 Prozent.


(Bild: Europäische Kommission)

In Deutschland hatte die Akzeptanz von schwulen Küssen vor vier Jahren nur bei 30 Prozent gelegen – der Anstieg um 23 Prozent ist EU-weit der höchste. In Ungarn fühlen sich demgegenüber nur noch 16 Prozent wohl, wenn Schwule sich öffentlich küssen – das sind zehn Prozent weniger als 2014.

Die Zahlen zeigen auch, dass viele Europäer – und auch viele Deutsche – noch immer größere Probleme mit Trans- oder Inter-Rechten haben als mit Homo-Rechten. So befürworten zwar 70 Prozent der Deutschen, dass Transpersonen ihre Geschlechtsangabe in ihren Papieren ändern dürfen (EU-Schnitt: 59 Prozent). Nur 50 Prozent der Deutschen geben allerdings an, dass sie sich in Gegenwart eine Transperson wohlfühlen würden – damit liegt die Bundesrepublik unter dem EU-Schnitt (53 Prozent).


(Bild: Europäische Kommission)

Deutsche für Erwähnung von Homosexualität an Schulen

Große Zustimmung der Deutschen gibt es trotz gegenteiliger AfD-Kampagnen beim Thema Homosexualität an Schulen: 82 Prozent befürworten, dass im Unterricht auch Vielfalt mit Bezug auf sexuelle Orientierung gelehrt wird. Höhere Zustimmungsraten gibt es EU-weit nur in Schweden, den Niederlanden, Finnland und Spanien. Bei den Themen Trans- und Intersexualität liegt die Zustimmung in Deutschland mit je 72 Prozent niedriger.


(Bild: Europäische Kommission)

Insgesamt zeigen die Zahlen ein Ost-West-Gefälle, das teilweise durch weiter abnehmende Akzeptanz in Ländern wie Bulgarien und Ungarn noch verschärft wird. In den nächsten Jahren kommt erschwerend hinzu, dass mit dem geplanten Austritt von Großbritannien aus der EU voraussichtlich ein äußerst LGBTI-freundliches Land die Staatengemeinschaft verlässt und alle Beitrittskandidaten (Albanien, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und Türkei) relativ LGBTI-feindlich eingestellt sind.

Welche Einstellungen haben Europäer*innen gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen…

Gepostet von Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) am Dienstag, 24. September 2019
Facebook / Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS)

Für das Eurobarometer wurden pro Land rund 1.000 Menschen befragt. Die Ergebnisse gelten als repräsentativ, die Fehlertoleranz beträgt bis zu drei Prozentpunkte.



#1 userer
  • 24.09.2019, 14:06h
  • Die Daten beweisen deutlich, dass die rückständigsten Länder allesamt jene sind, in denen die jeweiligen Christen starken Einfluss auf die Zivilgesellschaft ausüben.
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#2 FilipProfil
  • 24.09.2019, 15:01hHamburg
  • Antwort auf #1 von userer
  • Ich stimme Dir hier zu!

    Aber auch in den toleranten Ländern gibt es ja keine 80%ige Zustimmung. Und das liegt wohl auch unter anderem daran, dass man kaum händchenhaltende, geschweige denn küssende Gay-Pärchen in der Öffentlichkeit sieht.

    Weil viele von uns sich (in vorauseilender und ständig und überall Gefahrensituationen sehende) Verhaltensnorm angepasst haben.

    Aber ein bisschen "CSD" unter der Woche kann nicht schaden, Leute! Fangt doch zumindest mal dort an, wo ihr euch sicher und wohl in eurer Haut fühlt. Mehr Sichtbarkeit führt irgendwann zu mehr Normalität und Akzeptanz.
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#3 GronkelAnonym
  • 24.09.2019, 15:16h
  • Antwort auf #1 von userer
  • "Die Daten beweisen deutlich, dass die rückständigsten Länder allesamt jene sind, in denen die jeweiligen Christen starken Einfluss auf die Zivilgesellschaft ausüben."

    Ach ja? Wo denn? In Bulgarien wo sich gerade mal 52 % als Religös bezeichnen?

    In Lettland, wo sogar 40% gar keine Konfession mehr besitzen?

    Mir scheint, dass du eher glaubst anstatt etwas zu wissen.
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#4 daVinci6667
  • 24.09.2019, 15:42h
  • Antwort auf #3 von Gronkel
  • Die Daten ist einfach zu ungenau, vermutlich aufgrund falscher politischer Korrektheit. Ich wünsche mir nicht nur Prozentzahlen aufgeschlüsselt nach Staaten sondern bitte auch innerhalb dieser Staaten nach Geschlecht, Religionsangehörigkeit und Parteipräferenzen. Die Ergebnisse könnten einige überraschen.

    Ok, ich kann es nicht beweisen, bin mir aber ziemlich sicher dass Atheisten und Agnostiker in allen Staaten am LGBTI freundlichsten sind, am unfreundlichsten werden Muslime und christliche Orthodoxen sein. Wer diesbezüglich verlässliche Zahlen hat darf sie gerne hier reinstellen.
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#5 JuNiAnonym
  • 24.09.2019, 15:45h
  • Ich frage mich dabei immer, wie man das nicht schön finden kann. Finde schwule Küsse total ästhetisch, obwohl ich auf Frauen stehe.
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#6 PetterAnonym
  • 24.09.2019, 16:07h
  • Dann wird es Zeit, dass wir uns öfter in der Öffentlichkeit küssen, damit der Anblick selbstverständlicher wird und es irgendwann genauso wenig interessiert wie Hetero-Küsse.

    Ist ja klar, das was man selten sieht, ist neu und auffällig.
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#7 lindener1966Profil
#8 lindener1966Profil
  • 24.09.2019, 17:05hHannover
  • Interessant wäre der direkte Vergleich mit Hetero-Küssen. Viele werden auch darüber nicht begeistert sein. Allerdings kriegen die wahrscheinlich auch keine reingehauen. Und Küssen und Küssen können zwei sehr unterschiedliche Dinge sein, je nachdem wie leidenschaftlich sie sind.
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#9 ReligiotAnonym
  • 24.09.2019, 17:10h
  • Antwort auf #1 von userer
  • Falsch. In Dänemark ist das evangelische Christentum Staatsreligion, in Großbritannien ist das anglikanische Christentum Staatsreligion und in Malta das Katholische. In Irland ist der Katholizismus auch extrem einflussreich.
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#10 heteraquerEhemaliges Profil
  • 24.09.2019, 17:18h
  • Ja , was man nicht " kennt " ist das Problem.
    Man bedenke aber, wieviel % der Gesellschaft "ältere" Menschen sind !

    Mehr Sichtbarkeit ist auf jeden Fall wichtig. Ich schreibe gerade für unser großes Amatheurtheater ein Stück. Da gibt es eine Szene wo auf der Bühne alle anfangen miteinander zu tanzen und da lass ich auch zwei Männer miteinander tanzen. Ich hatte den Vorstand auch schon darauf aufmerksam gemacht , dass die Bühne das Leben wiederspiegelt und somit "bunter" werden sollte. Jetzt nutze ich mein eigenes Stück um das mal in die Tat umzusetzen. Ich denke , dass wird bei den 500 Zuschauern sehr gut ankommen und das wird dann auch wiederum den Vorstand überzeugen.
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